Mädchen von Egtved

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Mädchen von Egtved

Beitragvon AxtimWalde » 20.02.2018 10:50

Letztes Jahr hat ein Filmteam diverse Szenen für den Film "Das Mädchen von Egtved" im Archäologischen Zentrum Hitzacker gedreht. Neben diversen Requisiten haben auch einige unserer Mitarbeiter als Statisten mit gewirkt. Im Film sollen die neuesten Forschungsergebnisse zu diesem Grabfund dargestellt werden. Arte zeigt ihn am 24.2. 2018 um 20:15Uhr!!
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon Blattspitze » 20.02.2018 12:29

Vielen Dank Kai, ist vorgemerkt!
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon ulfr » 20.02.2018 12:43

Hab ich auch schon im Programm entdeckt, aber dass Hitzacker involviert ist, wußte ich nicht - ein Grund mehr, es zu gucken :3:
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon S. Crumbach » 20.02.2018 17:06

Ich bin schon sehr gespannt.
Auch wenn die Spielscenen aus der Werbeeinblendung (Leinenanzüge) schon wieder etwas ärgern.
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon TZH » 24.02.2018 09:38

Das ganze schon kuckbar hier:

http://www.boyens-medien.de/artikel/dit ... ezeit.html

Ich kucke immer die gute Dokus gezeigt auf Arte, aber das war schon ein Überaschung heute morgen. :)
Hat vielleicht Jemand so ne Link für "Die 1000 Frauen des Pharao"?
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon AxtimWalde » 24.02.2018 16:35

Sollte jemand keine Zeit heute Abend haben; guckst du hier: https://www.arte.tv/de/videos/069090-00 ... on-egtved/
noch verfügbar bis 24.5.18

LG
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PS.: der Film erscheint nicht schlecht, eins fällt aber auf: Es wird immer wieder von der Hygiene, resp. Reinlichkeit in der Bronzezeit gesprochen aber jedes Mal waren die Schauspieler "Patiniert" dargestellt.
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon ulfr » 24.02.2018 19:23

AxtimWalde hat geschrieben:aber jedes Mal waren die Schauspieler "Patiniert" dargestellt.


Das wird nie aufhören, weil WIR sonst nicht mehr die Krone der Schöpfung sind. :19:
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon ulfr » 24.02.2018 22:40

3 von 5 Faustkeilen :D

Eigentlich ganz gut gemacht und informativ, aber bei einigen Szenen rollten sich meine Fußnägel auf:
Wer hat vergessen, die Schleuderspeere mit den Truthahnfedern aus dem tableau zu nehmen?
Was sollte das Gefussel auf dem Webstuhl werden? (Frau Crumbach ist immer noch nicht aus ihrer Ohnmacht erwacht)
Da oben gibts doch genug versierte Flinttechniker ... warum so ein hominoides Gebrösel?
usw.
OK, deformation professionelle ... is ja guut
Aber warum schaffen sie es einfach nicht, jemanden kompetentes den Film abschließend ansehen zu lassen? Das macht den Bock doch auch nicht mehr fett, verhindert aber seinen Abschuss

Klasse: Frau B. als Stammesälteste mit Metbecher.
Tapfer, AxtimWalde! (aus eigener bitterer Erfahrung empfehle ich für´s nächste Mal Gießtiegel mit Ausgussschnabel :twisted:)

Euer Telemäkel
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon hugo » 25.02.2018 11:58

Die Kernaussagen von Karin Frei werden leider durch dilletantische Spielszenen unterbrochen, damit aber die geplante Filmdauer erreicht.
Es ist ja nett anzusehen, wie das Mädchen barfuß im Minirock allein den Forst durchwandert und auch einmal ein Bad nimmt. Die Schuhe hat sie zu deren Schonung -bei dieser Ausführung ist das übertrieben- bis zur Ankunft in Albersdorf im Koffer gelassen. Zur Abwechslung trägt sie auch einmal einen langen Rock und ein Handtäschchen, in dem sie einen Frühmittelalterkamm verstaut. Der Brozezeitkamm hängt ja am Gürtel des Schnurrocks. Das in einem glasierten Plutzer aus dem 19. Jh. gebraute Bier darf sie aus einem Erteböllebecher trinken. Zum Kleiderwechsel frag ich mich als gelernter Österreicher: Jo derf s denn des überhaupt? Über Strenge oder Lockerheit der Trachtsitten wissen wir einfach zu wenig. Hitzacker wäre als Kulisse sicher sinvoller gewesen, Albersdorf passt halt wegen des Standortes besser.
Glücklicherweise ist vor ein paar Jahren die Schlacht an der Tollense entdeckt worden. Das unterstreicht das Risiko der Reise.
Es freut mich regelmäßig, wenn mir vor Augen geführt wird, wie schnell wir aus zwei, drei bekannten aus einer Riesenmenge unbekannter Fakten Kausalitäten erzeugen und nicht den Unterschied zur Korrelation bemerken.


Davor, für solche Filme wissenschaftliche Beratung zu übernehmen, kann ich nach leidvoller Erfahrung mit Mündls Ötzifilm nur warnen.
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon ulfr » 25.02.2018 13:19

Danke, Hugo!

Ich kann auch nicht glauben, dass - ich nenn es mal: Austauschrouten, die wahrscheinlich bereits seit Jahrtausenden genutzt wurden (Stichworte Rennsteig, Ochsen/Heerweg, Bernsteinstraße uvm.) und abschnittsweise, wenn sie über Land verliefen, sogar befestigt waren (Bohlenwege), durch undurchdringliches Gestrüpp führten, erst recht nicht mehr in der Bronzezeit. Das machen ja sogar Rehe und Wildschweine professioneller ... :2:

hugo hat geschrieben:Davor, für solche Filme wissenschaftliche Beratung zu übernehmen, kann ich nach leidvoller Erfahrung mit Mündls Ötzifilm nur warnen.


Dem schließe ich mich aus eben derselben Erfahrung an, es sei denn man gewährte mir ein unverbrüchliches Veto-Recht.
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon Blattspitze » 26.02.2018 15:02

Neben dem Egtved-Mädchen ist ja das fast zeitgleiche Skydstrup-Mädchen auch aus dem Nasskern eines Grabhügels geborgen worden. Auch sie scheint fern ihres Geburtsortes (Frankreich oder Tschechien, für letzteres könnten die goldenen ohrennahen Ringe sprechen) begraben worden zu sein.
Hierzu ein Artikel mit weiteren Infos von Karin Frei,
"I see a very elegant woman. A queen-like figure. I’ve no doubt that when she came in through the door, people thought “wow”,” says Frei.
Read more at https://archaeologynewsnetwork.blogspot ... sKqmDll.99

einem Video und einer Frisuren-Reko:
https://archaeologynewsnetwork.blogspot ... HLi50eV.97
Bild
Hier das Frisuren do it yourself:
https://en.natmus.dk/historical-knowled ... krydstrup/
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon hugo » 26.02.2018 18:31

Danke Blattspitze, das ist authentisch. Dem sympathischen Kopenhagener Team würde ich gern länger gespannt zuhören und bei der Arbeit über die Schulter schauen. Dafür verzichte ich gern auf eine im Schnurrock durch den deutschen Forst hopsende Schauspielerin. (Ich erwartete wirklich, jeden Moment Harald Juhnke mit weißem Mantel und Gamsbarthut als Forstarzt auf dem Fahrrad ihren Weg kreuzen zu sehen. Das musste sein. Jetzt ist mir leichter.)

So nebenbei drängt sich die Frage auf, ob das Egtvedmädchen im Gegensatz zu ihrer fast gleichaltrigen Kollegin beim Sport tödlich verunglückte und deshalb im zugehörigen Dress eingesargt wurde.
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon Blattspitze » 27.02.2018 10:23

Ich bin auch sehr gespannt, was da noch alles herauskommen wird. Das aktuelle diesbezügliche Projekt befasst sich ausschliesslich mit den Frauenbestattungen. Mal sehen, was im Vergleich zur hohen Mobilität der Damen mit den ebenfalls gut erhaltenen Herren (Da gibt es ja auch einige lange Haare) herauskommen wird.
Projekt - website mit den Publikationen:
https://en.natmus.dk/historical-knowled ... lications/
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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon ulfr » 27.02.2018 11:41

Ungeachtet der sehr spannenden Ergebnisse sollte man imho vorsichtig sein mit verallgemeinernden Schlüssen bezüglich der Mobilität der Bevölkerung. Aus den Haaren einer Person, die viel unterwegs ist wie die in Rede stehende junge Dame, wird man etwas anderes ablesen als aus den Haaren einer Bauerstochter, und dieser Fund ist ja wieder (nur) einmal eine Momentaufnahme. War das Mädchen von Egtved selbst "Händlerin" oder mit "Händlern" unterwegs und ist schließlich in die Fremde verheiratet worden? War die Gesellschaft virilokal oder uxorilokal? (musste ich auch erstmal lernen, es heißt konsequenterweise nicht mehr patri/matrilokal) https://de.wikipedia.org/wiki/Residenzregeln
Oder folgte man gar keinen festen Regeln, und sie ist einfach nur in der Fremde gestorben?

Das Zukünftige nimmt ab, das Vergangene wächst an,
bis die Zukunft verbraucht und das Ganze vergangen ist.

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Re: Mädchen von Egtved

Beitragvon LS » 28.02.2018 09:55

Moin,
im wissenschaftlichen Paper zur Strontiumanalyse steht:

"Southwestern Germany, and in particular the Black Forest (Fig. 1) and adjacent areas, are characterized by a Palaeozoic granite-gneiss core overlain by Triassic sediments with bioavailable strontium isotope signatures that overlap with the wide range of values presented here."
Scientific Reports volume 5, Article number: 10431 (2015) doi:10.1038/srep10431

Das Hauptkriterium für die angebliche Super-Übereinstimmung mit dem Strontiummuster des Schwarzwaldes dürfte darin bestehen, dass man gute Vergleichsdaten vom Gräberfeld von Singen hatte. Publikation dazu: Oelze, V. M., Nehlich, O. & Richards, M. P. ‘There is no place like home’—No isotopic evidence for mobility at the Early Bronze Age Cemetery of Singen, Germany. Archaeometry 54, 752–778, 10.1111/j.1475-4754.2011.00644.x (2012).

Nun dürfte jedem, der sich ein bisschen mit Geologie auskennt, die Schlussfolgerung nicht besonders zwingend erscheinen.

Gruß L
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