Neolithischer Fischer

Vorstellung zur Diskussion

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Beitragvon Blaubär » 31.07.2009 12:46

Also was ich aus Skandinavien kenne, ist ein Rezept aus Fischöl (Lebertran) und Holzteer. Macht Leder absolut wasserdicht und geschmeidig. Wurde wohl dort schon sehr lange von Fischern für ihre Kleidung verwendet. Man muß nur achtgeben, diese Mischung warm einzuarbeiten und den Überschuss gründlich abzuwischen. Ansonsten "schwitzt" das Leder den Überschuss aus, was dann ziemlich klebrig wird.

Grüße
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Beitragvon Nils B. » 19.08.2009 23:33

Chris hat geschrieben:wegen einer Kleidungsrekonstruktion aus Fischleder müsst ihr mit mir noch etwas Geduld haben - Jörg sammelt fleißig Aal-, Hecht- und Lachshäute für mich. Die Gerberei kommt demnächst in Gang, dann kanns weiter gehen.


@ Chris
Gibt es zu dem Thema eventuell schon was aktuelles, vorzeigbares?
Insert Neugierigkeits-Smilie
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Beitragvon Bullenwächter » 20.08.2009 09:29

Wir gerade bei den Gerbeversuchen. Ein paar Aalhäute sind in der Trangerbung, aber mom. fehlt die Zeit damit intensiver weiter zu machen.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
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Beitragvon Manu » 21.08.2009 21:24

Hi,
hab grad mal durchgelesen, was ihr über das Bodenseefischer-Outfit geschrieben habt. "Findet ihr die 7 Ziegen", find ich toll, das ganze Outfit ist super durchdacht.
Man könnte auch noch über den Fund der Lindenbasthüte nachdenken, die denke ich gut bei Regen schützen. Uhldi bzw. Matthias ist ja sehr bekannt damit, sind auch nicht unbequem und gut herzustellen, falls mal jemand einen braucht.
Die Leinenkleidung mit Fischtran einreiben find ich vom Prinzip her super, möchte dann aber lieber nicht mehr an Museumstagen teilnehmen :?

Hab glaube ich mal gelesen, dass Schamanen irgendwo in Russland oft Fischhautleder trugen, wären super haltbar und vor allem würde das bunt glitzern, was Schamanen ja entgegenkommt.

Weiß da jemand was drüber?
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Beitragvon Blaubär » 22.08.2009 11:48

Ich weiß nur vom Aulus, dass in München mal eine Sonderausstellung über sibirische Völker war. Dort war auch ein "Schamane" ausgestellt, der komplett in Fischhaut-Klamotte gesteckt hat. Kann mich jedenfalls noch lebhaft an Die Ausführungen vom Aulus am Telefon erinnern. Mehr vielleicht von ihm selbst.
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Beitragvon XorX » 23.08.2009 13:06

Servus!

Das is der Mann, den der Aulus meint:http://www.viechtach.de/VITSeiten_FischlederhausViechtach.aspx

XorX
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Beitragvon Hans T. » 23.08.2009 16:42

Wir haben im Museum die halbe Völkerkundeabteilung voll mit Fischleder-Bekleidung. Die ist weder "schamanen"-spezifisch noch glitzert da was. Wie auch, die Schuppen sind da eh weg.

H
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Beitragvon Chris » 24.08.2009 08:19

Vielen Dank, Manu :-)

aktuelle Bilder, wie die Kleidung nach einiger Zeit in Benutzung aussieht, gibt es hier: http://www.schleifischer.de/html/steinzeit.html
einfach die verschiedenen Teile "Steinzeit" durchklicken, da kommen mehr Bilder...

Fischhaut ist ein tolles Material - wir arbeiten zur Zeit an trangegerbtem Aal, Lachs befindet sich sozusagen in der Warteschleife

Mal sehen, wann ich genug zusammen habe, um etwas vorzeigbares darau zu nähen :roll:

ich denke auch, da es so viele Vorlagen aus Fischhaut und auch aus Vogelbälgen aus Sibiren, Grönland etc. gibt, das man sich auch für "unsere" Steinzeit mal mehr in diese Richtung orientieren sollte - die Viecher geben tolle, leichtes Leder und sind mit einfacheren Methoden zu fangen als Großtiere wie Reh und Hirsch, die gern für Steinzeit-Kleidung hergenommen werden...
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Beitragvon Manu » 26.08.2009 13:05

Chris schreibt:

ich denke auch, da es so viele Vorlagen aus Fischhaut und auch aus Vogelbälgen aus Sibiren, Grönland etc. gibt, das man sich auch für "unsere" Steinzeit mal mehr in diese Richtung orientieren sollte


Leder bleibt ja leider bei uns am Bodensee nicht erhalten :cry:
Bisher bewegen wir uns ja mehr in der Vorstellung von Leinenkleidung u.ä.

Lindenbasthüte und -schuhe und dann gehen die Gedanken Richtung Ötzi, Lederleggins (hab ich auch mal hergestellt).

Fischleder ist bestimmt etwas, was sich viele nicht vorstellen können, da der Fisch ja auch unangenehm riecht (beim Ausnehmen) und somit nicht verlockt, dass man sich über Fischleder Gedanken macht. Ich habe allerdings bei Engen/Hegau (Altsteinzeittage) mal einer Hirngerbung zugeschaut, ehrlich gesagt: Na ja, alles gewöhnungsbedürftig.

Interessant ist vielleicht noch, dass sich das Geruchsempfinden, was schlecht oder gut riecht, im frühen Kindesalter entwickelt, weswegen Asiaten auch keinen schweizer Käse riechen und essen können und wir uns schwer tun beim Fischgeruch. Das muß ja damals nicht so gewesen sein, vielleicht war dies einfach ein völlig normal Geruch, positiv weil essen :lol:

An was ich mich bei dem Bericht des "Schamanen" noch erinnere, und ich komm einfach nicht drauf in welchem Buch es war, war die Beschreibung, dass das Leder schillerte. Ich stellte mir das damals sehr schön vor.

Es wäre schön, solltest du mal am Bodensee sein, wenn ich deine Sachen ansehen könnte.

:fisch:
Manu
 

Beitragvon Bullenwächter » 26.08.2009 14:33

Manu hat geschrieben:... Interessant ist vielleicht noch, dass sich das Geruchsempfinden, was schlecht oder gut riecht, im frühen Kindesalter entwickelt, weswegen Asiaten auch keinen schweizer Käse riechen und essen können und wir uns schwer tun beim Fischgeruch. ...


War es nicht bei den meisten Asiaten nicht so, dass sie kein Enzym haben um die in Milchprodukten enthaltene Laktose aufspalten zukönnen?
:mammut1:

Ich denke, dass sich unsere heutigen Geruchs-, Geschmacks- und Ekelgewohnheiten deutlich von den früheren oder dem der Naturvölker unterscheiden. Ich denke auch, dass man erlernte Gewohnheiten schnell den Erfordernissen oder Gegebenheiten anpasst wenn man es wirklich notwendig ist. Für die meisten modernen Menschen ist dies überhaupt nicht mehr Notwendig und sie haben es verlernt, da sie nahezu allem irgendwie ausweichen können.

Chris und ich hatten eigentlich vor zur EXAR-Tagung zu kommen.
Ansonsten sind wir allerallerspätestens wieder im nächsten Sommerurlaub am Bodensee
:venus:
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Beitragvon XorX » 26.08.2009 14:34

Also, wenn ein Fisch beim ausnehmen schon riecht(gibts nen Ko**smilie?), dann würd ich den eh nicht mehr essen wollen... :wink:

XorX
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Beitragvon Jøran » 27.08.2009 05:03

Manu hat geschrieben:Fischleder ist bestimmt etwas, was sich viele nicht vorstellen können, da der Fisch ja auch unangenehm riecht (beim Ausnehmen) und somit nicht verlockt, dass man sich über Fischleder Gedanken macht.:


Echt? Also ich finde Fische richen kaum. Oder meine Nase hat das Geruch als was normales akzeptiert, da ich damit aufgewachsen bin.

Ich riche auch kein Ren oder Kühe... aber Schweine (baeh).

Hilsen

Jøran-N.

PS: @XorX Weichei... :wink:
Jøran
 

Beitragvon ulfr » 27.08.2009 09:49

Fischleder riecht überhaupt nicht nach Fisch, sondern nach Leder bzw. Gerbstoffen. Ich hab hier eine Fischhaut, von GeTe selbst gegerbt, die duftet sehr angenehm. (...und das liegt nicht etwa daran, dass ich ein echter Fischkopp und das damit gewöhnt bin...)
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Beitragvon Trebron » 27.08.2009 11:55

Ich habe einen schönen "Tischräucherofen" für bis 8 Forellen. Der wird auch öfter mal eingesetzt.
http://boddenangler.de/Deluxe-Tisch-Raeucherofen

Nun die Frage: ist die heiß geräucherte Forellenhaut noch zu gerben, oder kann man die nur wegwerfen ?

Trebron
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Beitragvon ulfr » 27.08.2009 11:58

Ich fürchte, die sind zum Gerben nicht mehr zu verwenden, weil erhitzt, wenn die Eiweiße erstmal denaturiert sind, kann auch nichts mehr gegerbt werden.
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