Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbildern

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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 17.05.2023 19:12

Wie sich in einem heutigen Vorversuch gezeigt hat, ist es selbst mit sehr weichem Schilfgras möglich, den u.a. z.Zt. von mir bearbeiteten Baumberger Kalksandstein fiedelbohrend relativ effektiv anzubohren.
Die Bohrweise weicht dabei wesentlich von der bihser angewendeten Bohrweise unter Verwendung eines Führsteins ab, findet dabei jedoch direkte Vorbilder in altägyptischen Überlieferungen:
Bei der im Vorversuch angewendeten Bohrweise wird der Fidelbohrstab auf spezielle (teilweise sicherlich individuelle) Art und Weise mit der Hand gehalten und geführt.
Der auf den Bohreinsatz bzw. die Bohrkrone wirkende Anpressdruck resultiert dabei im Wesentlichen aus der am Fidelbohrschaft von der Fidelbogenschnur ausgeübten Kraft, die bei Anwendung entsprechender Bohrtechnik in Richtung abwärts gesteuert werden kann. Durch die Hand selbst kann bei dieser Bohrtechnik nur relativ geringfügiger Anpressdruck auf den Bohreinsatz bzw. die Bohrkrone ausgeübt werden.
Gebohrt wurde im Vorversuch mit einem Abschnitt von Bambusrohr mit kleinem Durchmesser, in dessen einem Ende das Schilfgras als Bohreinsatz fest eingesteckt war.
Ein taillierter Fidelbohrschaft hätte bei Anwendung dieser Technik den Vorteil, dass aufgrund der Taillierung des Bohrschaftes bei entsprechend straff gespannter Schnur beim Bohren wesentlich mehr Anpressdruck auf die Bohrkrone ausgeübt werden kann.

Zunächst habe ich einen relativ lang aus dem Bambusstab herausragenden Schaft aus Schilfgras auf eine erste Anbohrung des Baumberger Kalksandsteins angewendet. Durch die realtiv starke Flexibilität im Schilfgras entstand somit jedoch eine relativ stark ausgeleierte Anbohrung.

In einem zweiten Versuch habe ich das Schilfgras mit dem Federmesser eines Schweizer Taschenmessers zuvor gekürzt,

Bohrprinzip und verwendetes Abrassiv:
Bei Bohrweise mit trockenem Abrassiv wurde handelsüblicher Vogelsand als Abrassiv verwendet. Die Zusammensetzung des Abrassivs laut Angaben des Inverkehrbringers war: 93% feiner Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit.

Die Abmessungen des Schilfgrases in den zwei durchgeführten Anbohgrungen waren:

Anbohrung 1:
Länge des Schilfgrasschafts = ca. 41 mm
Durchmesser des Schilfgrasschafts = ca. 4,5 mm
Bohrzeit Bohrloch 1 insgesamt = ca. 8 min.

Anbohrung 2:
Länge des Schilfgrasschafts = ca, 17 mm
Durchmesser des Schilfgrasschafts = ca. 4,5 mm
Bohrzeit Bohrloch 2 insgesamt = ca. 20 min.

(Hinweis: Lesrichtung der angehängten Bilder von Unten nach Oben)
(siehe gelb gepunktete Einkreisungen)
Bild 1: oben links = Vorbereitung des Bohrlochansatzes für Bohrloch 1 unter Verwendung eines Abschlags von Helgoländer Flint.
Gesamtbohrzeit für Bohrloch 1 = ca. 8 min.

oben rechts = Bohrloch 1 nach Bohrung
unten rechts = Vorbereitung des Bohrlochansatzes für Bohrloch 2 unter Verwendung eines Abschlags von Helgoländer Flint.

Bild 2: unten rechts = Bohrloch 2
Gesamtbohrzeit für Bohrloch 1 = ca. 20 min.

Parameter der erzeugten Bohrlöcher:
Bohrloch 1:
Durchmesser = ca. 6,5 mm
Tiefe = ca. 3,25 mm

Bohrloch 2:
Durchmesser = ca. 6 mm
Tiefe = ca. 7,5 mm

- die Bohrlochtiefe bei Bohrloch 2 ergab sich bei entsprechendem Verschleiß am Bohreinsatz aus Schilfgras
Länge Bohreinsatz Vorher = ca. 17 mm
Länge Bohreinsatz Nachher = ca. 8 mm

Die Kränze der Bohreinsätze haben sich bei den Bohrvorgängen insgesamt leicht rundlich abgenutzt.

QUELLEN:
Die Quelle zur altägyptischen Fidelbohrweise die für diese Vorversuche als Vorvild diente, wird noch nachgereicht)

Inhalte werden überarbeitet und Bilddateien nach Youtube verlinkt, was entsprechende Zeit in Anspruch nehmen wird (Stand dieser Mitteilung 22.01.2024); bitte Geduld.
Content will be revised and image files will be linked to Ypoutube, which will take a corresponding amount of time (as of this notification January 22, 2024); please be patient.

- - - Überarbeitungsbereich (Protokoll) für gelöschte Abbildungen - - -:
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Baumberger Kalksandstein mit Schilfgras fidelbohren (2).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon LaraC » 18.05.2023 04:10

Eine sehr interessante Serie! Ich interessiere mich sehr für die Kupferexperimente. Der Kupfermeißel scheint nicht gut funktioniert zu haben. War der Meißel aus Bronze? Wenn es nur reines Kupfer wäre, würde ich vermuten, dass es für Steinarbeiten jeglicher Art nicht nützlich wäre. Meines Wissens bestanden die Kupfersteinbearbeitungswerkzeuge der Ägypter aus Bronze. Der Zweck der Meißel bestand darin, große Steine entlang ihrer Spaltungsebenen zu zerschneiden, wie in diesem Beispiel:

https://www.youtube.com/watch?v=jbtBRvqAFPA

Ich glaube, dass die minoischen/mediterranen Bergbauseefahrer einen ähnlichen Ansatz zur Bearbeitung großer Steine mit Bronzemeißeln verfolgten.

Ich habe auch gelesen, dass die Minoer Bronze für Sägen verwendeten. Angeblich wurde das Quadermauerwerk so geschnitten. Hier ist eine Website, die Sie wahrscheinlich gelesen haben:

https://www.penn.museum/sites/expeditio ... ol-making/

Vielleicht haben sie Bronze zum Schnitzen in Fels verwendet, aber ich denke, dass einige der anderen Techniken, die Sie erforscht haben, effektiver wären!

Hier ist eine Website mit einigen ägyptischen Bronzemeißeln:

https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... hisel.html

Ich war erstaunt über den Bambus-Schneidestein. Aber es macht Sinn. Einige Felsen sind sehr hart, aber es ist sehr einfach, mit Sand oder Wasser Kanäle zu schnitzen. Das ist das Prinzip von „Mangalloy“ zum Schneiden, einem Stahl mit 13 % Mangan. Dieser Manganstahl ist sehr weich, wird aber beim Schlagen sehr hart und sehr abriebfest. Dieser Stahl wird zum Abbau und zur Verarbeitung von Gestein verwendet, das durch Abrieb viel härter als der Stahl ist.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 18.05.2023 06:12

Liebe Lara,
vielen Dank für Deinen sehr interessanten Beitrag, die Anregungen und die Links! :18:
Ich hatte bisher noch überhaupt keine Zeit, mich der Erprobung bronzener Werkzeuge zu widmen.

Ich laufe dem gesamten Thema quasi hinterher und werde wohl noch in 30 Jahren nur ausschnitthaft aus der Vielzahl an Möglichkeiten und Ansätzen ausgewählte Versuche und Erprobungen durchgeführt haben.
Das Gesamtprojekt ist ja auch stets mit der Kostenfrage und der Werksituation verbunden.

Zum Thema Kupfer und Bronze kann ich aber folgendes sagen:
Stocks hat zahlreiche Versuche mit Kupfermeisseln durchgeführt.
Eine Abgrenzung zwischen Kupfer und Bronze ist zwar sinnvoll und es wird noch reichhaltig über dieses Thema diskutiert, die Verfügbarkeit von Bronze anstelle von Kupfer spielte für die Bearbeitung mancher Gesteine in der Antike jedoch auch meiner Meinung nach keine Rolle.
Stocks grenzt hier eindeutig ab und zeigt auf, dass Gestein mit folgenden Materialien bei entsprechender Vorgehensweise effektiv bearbeitet werden können:

Weiche bis mittelharte Gesteine können i.d.R. und in vielen Fällen mit Meißeln u.ä. aus Kupfer behauend bearbeitet werden.
Eine effektive Bearbeitung harter und sehr harter Gesteine mit Meißeln und Werkzeugen aus Kupfer ist eigentlich relativ gesichert auszuschließen, wenn auch in manchen Grenzfällen noch über dieses Thema diskutiert werden kann.

Harte bis sehr harte Gestein wurden nach z.B. Stocks und auch meiner Erkenntnisse nach z.B. im alten Ägypten effektiv behauend und beschabend mit Werkzeugen aus Flint und Hornstein und anderen Gesteinsarten bearbeitet.

Für sehr welche bis mittelharte Gesteine gilt dabei, dass sie sich ebenfalls sehr gut mit steinernen Werkzeugen bearbeiten lassen.

Die Trennschleifung und Beschabung von Gestein ist sinnvollerweise insgesamt als separates spezielles
Thema zu betrachten (im Zusammenhang mit dem Beschleifen und Polieren im Allgemeinen). Hier gilt, dass sich sehr weiche bis sehr harte Gesteine mit Werkzeugen aus Flint und Hornstein auch ohne Zugabe von Abrassiv beschaben und trennschleifen lassen.
Werden Abrassive zugegeben, vergrößern sich die Möglichkeiten effektiv.

Wie wir wissen, können Gesteine auch unter Verwendung von Materialien wie Holz (z.B. Bambus), Schnur, Seil, Lederriemen effektiv bearbeitet werden. Bei sehr weichen Gesteinen genügt dabei teilweise tendenziell eine Bearbeitung ohne Zugabe von Abrassiven (je nach Materialien). Mit Zugabe von Abrassiven sind auch diese Methoden an sehr harten Gesteine vermutlich (und teilweise erwiesen) effektiv möglich.
Bei mittelharten bis harten und sehr harten Gesteinen ist es dabei insbesondere das zugegebene Abrassiv, das die trennschleifende Arbeit übernimmt (z.B. Quarz).
Die Zugabe von Liquid (z.B. Wasser) kann die Trennschleifarbeit dabei unterstützen, oder aber behindern (je nach
verwendeten Werkzeugen und bearbeiteten Materialien und Werksituationen).
Die Trennschleifpartikel werden dabei von den Trennschleifwerkzeugen z.B. Trennschleifblätter mitgeführt. Weiche Materialien funktionieren dabei deshalb so gut, weil sich die Abrassivpartikel besser in weiche Materialien einbetten als in harte. Trennschleifblätter aus Eisen können dabei vermutlich dennoch effektiv verwendet werden um auch härtere Gesteine trennschleifend zu bearbeiten. Es gelten dabei sicherlich entsprechende Parameter, die sich z.B. in der Arbeitsweise und der Auswahl des Abrassivs wiederspiegeln (ich habe aktuell keine Zeit, das Thema ausführlicher zu recherchieren und erproben, aber es steht auf der abzuarbeitenden Liste weit oben).

Ich kann mir vorstellen, dass bei der behauenden und beschabenden Bearbeitung weicher bis mittelharter Gesteine ein spürbarer Unterschied in der Verwendung zwischen kupfernen und bronzenen Werkzeugen wahrnehmar ist, mangels Vorversuchen kann ich hierüber jedoch noch nicht aus eigenen Erfahrungen berichten bzw. aussagen.

Es gibt aber Versuche anderer Experimentatoren die aufzeigen, dass sich Hartgesteine mit bronzenen Meißeln behauend nicht effektiv bearbeiten lassen.

Wie auch meine Vorversuche aufgezeigt haben, kann ein sehr weiches Material (z.B. Bambus) in Verbindung mit Abrassivs ein Hartgesteinsmaterial wie Basalt sogar effektiver bearbeiten als das härtere Material Kupfer (Es kommt bei dieser Aussage auf die Details und Parameter an, verallgemeinern lässt sich die Aussage nicht).
Auch ich nehme bisher an, dass die Härte des Metalls bei trennschleifenden Prozessen in Gestein eine stellenweise überbewertete Rolle spielt in Abgrenzung zwischen Kupfer und Bronze.
Stocks hat den Trennschleifeffekt im Hinblick auf Hohlnohrungen folgendermaßen erklärt:
Die scharfkantigen Abrassivkörnchen von denen die eigentliche trennschleifende Arbeit ausgeht, betten sich im weichen Kupfermaterial ein und werden auf diese Art und Weise stärker im Trennschleifschnitt mitgeführt.

Ich bin bisher der Meinung, dass ein weicheres Material deshalb stellenweise sogar vorteilhafter sein kann als ein härteres um daraus Trennschleifblätter (häufig Steinsägen oder auch stonesaws genannt) herzustellen.
Hierbei kommt es jedoch im Detail auf Werksituation, Werzeugart, Abrassivs, Anwendungstechnik und Gesamtbedingungen an.

Um einigermaßen evidente Aussagen zu erhalten, müssten meines Erachtens tausende von Versuchen unter Laborbedingungen durchgeführt werden, um ein Pro oder Contra für Kupfer versus Bronze zu ermöglichen.
Mir ist dabei auch aufgefallen, dass es aufgrund des Englischen und Deutschen im Sprachgebrauch möglicherweise ein stellenweises Missverständnis über den Begriffs " bronzes" in Abgrenzung zum deutschen "Bronzen" zu geben scheint.

Zu den sehr interessanten Links die Du gepostet hast:

Was der Steinwerker in Sandalen im Video mit dem Steinmaterial demonstriert, ist meisterhaft und zeugt von großer Erfahrung.
Solche Kunsstücke sind jedoch nicht mit jeder Art von Gestein möglich. Beim im Video gezeigten Material scheint es sich um ein plattig sedimentiertes Gestein zu handeln (vergleichbar ungefähr mit Schiefer).

Die gezackten minoischen Sägeblätter waren meines Erachtens vermutlich eher für die Holzbearbeitung konzipiert.
Wie auch Stocks aufgezeigt hat, funktionieren Trennschleifblätter ohne Aufzahnug effektiv in Gestein und so wird es ja auch im von Dir verlinkten Artikel besprochen.
Es ist dabei jedoch natürlich nicht auszuschließen, dass bronzene Trennschleifblätter mit Zahnungen zum Sägen von Steinmatetialien verwendet wurden. Zu dem Thema habe ich aber noch Recherchebedarf.

Der Kupfermeißel den ich damals getestet habe, hatte sich als Fehlguss erwiesen. Ich hatte dann spontan entschieden, ihn zur Abgrenzung an Hartgestein behauend anzuwenden um aufzuzeigen, dass dies relativ sinnlos ist.

Auf meinem Youtubekanal kannst Du einige tiefere Einblicke in meine Vorversuche bekommen.

In Zukunft kommen noch wieder ein paar Videos hinzu:

https://youtube.com/@handwerkskunst_handicraftarts

Für die alten Ägypter wird bis heute auf die Theorien Bezug genommen, dass sie in der prädynastischen Zeit und noch danach Kupferwerkzeuge verwendeten, obwohl Bronzewerkzeuge außerhalb Ägypten bereits existierten und starke Anwendung fanden.

Zurückgeführt wird dies in bestimmten Theorien auf eine altägyptische Abschottungspolitik. Ob dies stimmt, kann ich aktuell nicht beurteilen.
Unser heutiges Wissen über die umfangreiche Verwendung von Kupferwerkzeugen fußt wesentlich auf zahlreichen Funden von Kupferwerkzeugen, Überreste von Kupferwerkzeugen in Werksituationen (Bootsgruben des Cheops) und Überreste von Kupferabrieb in Kernbohrlöchern (siehe auch Flinders).

Über die Einführung des Materials Bronze im alten Ägypten kann also durchaus noch lebhaft weiter diskutiert werden, denn besonders stichhaltig sind die bekannten angenommenen Indizien und Nachweise meines Erachtens nicht, um gesicherte Aussagen treffen zu können. Aber wie gesagt: Die Zeit reicht aktuell nicht um sich mit all diesen Aspekten ausführlicher auseinanderzusetzen.

Es ist bis heute ja außerdem noch überhaupt nicht möglich, eine wirklich gesicherte detaillierte Einordnung für die Zeitabachnitte des alten Ägyptens vorzunehmen.

Es bleibt also weiterhin spannend und es warten wohl noch sehr viel Arbeit und Auseinandersetzungsmöglichkeiten auf Interessierte.

Ich suche die Quellen bei nächster Gelegenheit noch raus.
:mammut2:

[Nachtrag:] Was Du über Mangalloy schreibst ist allerdings sehr interessant. Wahrscheinlich spielst Du damit auf die Kaltverdichtung von Kupfer und Bronzen an um es zu härten?
Ich muss mich mit dem Thema noch tiefergehender auseinandersetzen. Zu Bronzen kann ich wie bereits erwähnt keine Aussagen treffen, weil ich Bronzen aus Zeitgründen noch nicht für die Steinbearbeitung erprobt habe. Ich weiß aber dass Bronzen relativ weich sind und sich sehr leicht bearbeiten lassen.
Für bisher erprobte Kupferwerkstoffe konnte ich keine Vorteile in der Steinbearbeitung erkennen, die durch Kaltverdichtung zu erzielen wären.

Es gibt aber heutzutage sehr viele Kupfersorten und natürlich kann ich mit meinen Mitteln nur ausschnitthaft erproben und arbeite wie gesagt nicht unter Laborbedingungen.
An Kupferwerkstoffe in ausreichenden Mengen heranzukommen, die altägyptischen Originalbedingungen nahekommen wäre ein erstrebenswertes und hoffentlich eines Tages erreichbares Ziel.

Die Technik Steine zu spalten, die Du ansprichst liegt durchaus im Bereich des möglichen und auch sinnvollen.
Mit dem Thema Gestein spalten möchte ich mich eines Tages ausführlicher befassen, aber auch hier gilt leider: "Der Tag hat nur 24 Stunden."
[Nachtrag Ende]

QUELLEN:
Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013.
Zuletzt geändert von Sculpteur am 20.05.2023 19:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 20.05.2023 18:34

Aktuell drehe ich ein Gewicht für einen Fidelbohrer aus Baumberger Kalksandstein direkt auf dem entsprechend zugehörigen Fidelbohrer.
Den Herstellungsprozess des steinernen Gewichts werde ich hier im Thema noch ausführlich dokumentieren, sobald das Gewicht fertiggestellt ist.

Weiches Gestein drehend zu bearbeiten ist mit den entsprechend angewendeten Techniken (je nach Härte eines zu abdrehenden Gesteins) relativ einfach. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, Stein abdrehend zu bearbeiten und entsprechende Nachweise für abgedrehte Werkstücke aus Gestein in der Historie.
Mich interessieren dabei vor allem die naheliegendsten Möglichkeiten, weil es für diese Art der Steinbearbeitung z.B. ür das alte Ägypten keine direkten Vorbilder gibt. Nach dem Ockhamśchen Sparsamkeitsprinzip ist es also Ziel in der Auseinandersetzung mit diesem Thema, Methoden für das Abdrehen von Stein zu finden, die ohne übertrieben aufwändige Apparaturen nach dem Vorbild von manuell betriebenen Drechsel- bzw. Drehbänken auskommen.
Für das alte Ägypten existieren Nachweise von Hartgesteinsgefäßbearbeitungen, die offensichtlich eine dermaßen hohe Präzision aufweisen, dass wohl nur das Abdrehen von Steinmaterial als Möglichkeit dafür in Frage kommt, dass die alten Ägypter solche Präzisionen an Werkstücken erreichen konnten [qed].

Kurioserweise liefern ausgerechnet Alternativtheoretiker, die völlig abwegige und absonderliche Theorien zu den im alten Ägypten existierenden Technologien verbreiten, die entsprechenden Daten und liefern damit eine Arbeitsgrundlage zur Eruierung der an speziellen altägyptischen Gesteinen (insbesondere Hartgesteinen) erzielten Exaktheiten in der Bearbeitung.
Ohne solche Nachweise wären Erörterungen des Themas aus steinmetztechnischer Sicht zwar erfahrungsgemäß auch möglich, würden dann allerdings nur auf Einschätzungen und persönlicher Erfahrung beruhen. Weshalb also nicht die vorliegenden Daten nutzen, auch wenn sie von Alternativtheoretikern und Ablehnern der heutigen etablierten archäologischen und ägyptologischen Erkenntnisse stammen?
Ich kenne (bisher) kein anderes Projekt, in dem ein altägyptisches Steingefäß dermaßen präzise vermessen wurde, wie in einem Vermessungsprojekt der Alternativtheoretiker (siehe [YT speziellen.1]. Wenn jemand zu dieser Fragestellung anderslautende Informationen besitzen sollte, bin ich für jeden Hinweis dankbar.
Ich gehe aktuell davon aus, dass es kein wesentliches Problem darstellt, mit manuellen und einfachen Methoden entsprechende Präzisionen an Werkstücken aus Gestein herztustellen, wie sie ihre Vorbilder in der altägyptischen Steinbearbeitung finden.

- zu Nachweisen über die generelle Herstellung von Rundobjekten (hier Hartgesteinssgefäße)
im alten Ägypten siehe [WWW1]

- zu den generellen Methoden und Möglichkeiten des Abdrehens von Stein siehe [YT1 u. YT2]. Zu [YT2] ist hierbei anzumerken, dass der Begriff der "Rekonstruktion" im Zusammenhang mit dem im Video thematisierten Projekt im experimentalarchäologische bzw. archäologischen Sinne falsch bzw. missverständlich verwendet wird. Bei den im Video dokumentierten Versuchen handelt es sich meiner Ansicht nach am ehesten um den Versuch einer Nachempfindung.
Nach Aussagen im Video existieren für altrömischen Technologien zum Abdrehen von Stein keine direkten Vorbilder.

Zur kontrovers diskutierten Thematik "(neolithischer) Steinbohrapparat" im Zusammenhang mit aufwändigen Apparatekonstruktionen zum bearbeiten von Stein mit drehbaren Achsen siehe auch [gWiki1]. Teilweise können aufwändige Apparaturen in diesem Bereich des Versuchs der Nachempfindung historischer Gegebenheiten (z.B. im Hinblick auf das Neolithikum) als Fantasieprodukte eingestuft werden. Siehe hierzu auch [Rieth, A1].


QUELLEN:
Aufsätze (als PDF):
Rieth, A.: Zur Technik des Steinbohrens im Neolithikum
Veröffentlicht als PDF in: e-periodica.ch
persistenter Link zur PDF: http://doi.org/10.5169/seals-164363
HRSG.: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte (ZAK) = Revue Suisse spart er d'archéologie = Rivista svizzera d'arte e d'archeologia = Journal of Swiss archaeology als art history
Ausgabe: Band 18 (1958), Heft 3
damalige Ortszuordnug HRSG.: - ist dem Themenersteller aktuell unbekannt und wird noch recherchiert -

[B1]
Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013

Internetseiten:
[WWW1]
Homepagebezeichnung: Digital Egypt for Universities
Homepagelink: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... lcome.html
Kanalbetreiber / Creator: University College London
Copyright: University College London, 2000 (u. ggf. andere, 2000 - 2003)
Titel zitierte Seite: Stone and stone working in Ancient Egypt: vessels
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 21.05.2023; 06:51 Uhr MEZ
Link zum Video: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... ssels.html

deutschsprachige Wikipedia:
[gWiki1]:
Bibliografische Angaben für „Steinbohrapparat“
Seitentitel: Steinbohrapparat
Herausgeber: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie.
Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
Datum der letzten Bearbeitung: 19. April 2022, 21:44 UTC
Versions-ID der Seite: 222205652
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?ti ... =222205652
Datum des Abrufs: 21. Mai 2023, 05:15 UTC

Youtube:
[YT1]:
Youtubekanal / Youtubechannel:
Kanalbetreiber / Creator: Handwerk-Zeitreise
Copyright: Rüdiger Lorenz
Videotitel: Der Schleifsteinhauer vom Gosautal
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 21.05.2023; 06:28 Uhr MEZ
Link zum Video: https://youtu.be/CM6oGFK58_k
Videolänge: 27:36 min

[YT2]:
Youtubekanal / Youtubechannel:
Kanalbetreiber / Creator: rheinmaintv
Copyright: rheinmaintv
Videotitel: Rekonstruktion einer vergessenen Technik - die römische Steindrehbank
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 21.05.2023 ; 06:37 Uhr MEZ
Link zum Video: https://youtu.be/OcwX6E2amPM
Videolänge: 02:21 min

[YTspez.1]:
Youtube (Spezialquellen, die in weiten bzw. wesentlichen Zügen als unwissenschaftlich eingestuft werden können):
(Wichtiger Hinweis: Ein Zitieren der im Nachfolgenden genannten Quelle bedeutet keinesfalls, dass der Zitierende sämtliche in der Quelle getätigten Aussagen automatisch teilt. Von Aussagen in der genannten Quelle, die nicht eindeutig nachgewiesene technische Aspekte - wie z.B. Berichterstattung über Vermessungen von Objekten mit modernsten Methoden betreffen - distanziert sich der Zitierende ausdrücklich.)
Youtubekanal / Youtubechannel: UnchartedX
Kanalbetreiber / Creator: Ben van Kerkwyk
Copyright: UnchartedX / Ben van Kerkwyk
Videotitel: Ancient Egyptian Vase Scan Update! STL file, More Analysis - and Between the Lug Handles
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 20.05.2023; 21.14 Uhr MEZ
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=PrhFnai2TGs
Videolänge: 54:02 min.

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Herstellung eines Fidelbohrgewichts aus Baumberger Kalksandstein.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 22.05.2023 18:39

Das gedrehte Steingewicht aus Baumberger kalksandstein für einen Fidelbohrer ist nun fertiggestellt. Die Herstellungsschritte dokumentiere ich bei nächster Gelegenheit ausführlich.

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Gedrehtes Steingewicht aus Baumberger Kalksandstein füŕ Fidelbohrer.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 23.05.2023 09:49

- Beitrag in Bearbeitung: weitere Inhalte folgen in Kürze -

Hinweis: Lesweise der angehängten Bilddateien (möglicherweise) von Unten nach Oben.

Dokumentation der Herstellung eines gedrehten durchlochten steinernen Gewichts aus Baumberger Kalksandstein - konzipiert für das Aufschäften auf einen entsprechend zugehörigen Fidelbohrstab aus Bambusrohr (TEIL I)


Im Folgenden zeige ich die einzelnen Arbeitsschritte für die Herstellung des steinernen Gewichts auf.
In diesem Vorversuch habe ich bewusst auf die Lagerung einer rotierenden Achse (hier angetrieben durch einen Fidelbogen) in zwei achsialen Lagern verzichtet. Dies bot mir Gelegengeit, die Fragestellung zu erörtern, ob sich relativ präzise Radialformen von steinernen Objekten (innerhalb eines gewissen Größenumfangs) auch durch herkömmliches Fideln mit Führstein erzielen lassen.
Das Ergebnis des Vorversuchs zeigt auf, dass dies möglich ist: Die Rotationsexaktheit der Achse der im Vorversuch verwendeten Fidelbohrschäfte reichte aus, um eine relativ exakte Radialform fidelnd abzudrehen.
Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist dabei, dass die eigentliche drehende Steinbearbeitung möglichst minimal gehalten wurde: Die wesentliche Abtragung von Gesteinsmaterial erfolgte durch Beklopfen und Beschleifen des steinernen Rohlings aus Baumberger Kalksandstein. Dies erfüllte seinen Sinn, weil das Abdrehen von Steinmaterial auf die verwendete Art und Weise relativ aufwändig und Zeitintensiv. Diese Vorgehensweise passt aber auch insgesamt besser zu dem üblichen Vorgehen von z.B. Steinmetzen, Rundungen an Stein zunächst in "Fasen" anzulegen. Dabei erfüllte das Abdrfehen des Gesteins eine wichtige Aufgabe zur Anlegung der Anrisse für die Fasungen.
Für diese Art der Vorgehensweise Stein zu bearbeiten existieren zwar altägyptische vermutliche Nachweise, jedoch bisher keine mir bekannten Überlieferungen.
Eine Rundung in Fasungen anzulegen, beduetet im steinmetztechnischen Sinne, sich mit einer ggf. Vielzahl von "Hilfsflächen" einer Rundung anzunähern.
Für das Abdrehen steinerner Radialkörper bedeutet dies, dass Fasungen so stark an abzudrehende radiale Körper anzupassen sind, bis das Abdrehen mit den technischen Gegebenheiten unkompliziert möglich ist.
Wird diese Vorgehensweise nicht angewendt, kann es geschehen, dass sich Formen aus Stein nicht präzise radial abdrehen lassen ( z.B. weil eine schneidende Kante oder Spitze aus entsprechend geeignetem Material beim Abdrehen verspringen. wackeln, oder vibrieren kann.
Für das alte Ägypten existieren (für bestimmte Zeiträume) Nachweise, die darauf schließen lassen, dass die alten Ägypter kleinere Objekte (wie z.B. Rohlinge für Gesteinsgefäße) nicht über Fasungen angefertigt haben: Die Nachweise lassen darauf schließen, dass solche Rohlingen nach Augenmaß mittels Beklopfen oder Abspitzen eines Rohlings nach Augenmaß hergestellt wurden:
Handwerklich ist es (je nach Erfahrung) durchaus möglich, ein Radiales Objekt auch nach Augenmaß auf eine relativ gleichmäßige radiale Ausformung zu bringen. Fragestellungen zum Thema im Hinblick auf die Herstellung steinerner Gefäße im alten Ägypten sind ein noch reichlich zu beforschendes Feld:
Steinmetzen sind heutzutage i.d.R. dafür ausgebildet und dazu befähigt, Rundobjekte wie z.B. steinerne Kugeln ausschließlich behauend herzustellen: Dabfür werden entsprechend viele Hilfsflächen angelegt, bis die finale Oberflächenbearbeitung einer steinernen Kugel durch feines Behieben ("Behauen") schließlich erfolgen kann.
Die Annäherung an Rundformen über Fasungen mit der manuell-maschinellen Bearbeitung (Handmaschinen wie z.B. Winkeltrennschleifer und Schleifmaschinen) werden auch in der heutigen Natursteinbearbeitung angewendet und finden ihre Vorbilder in einer jahrtausendealten Technik des Ausformens von Gestein.
Sehr wahrscheinliche Vorbilder für die Anwendung solcher Technik finden sich an altägyptischen Artefakten.
Das "Aufziehen" von Hilfsflächen ist eine wesentliche steinmetztechnische Handwerkstechnik, die auch von den alten Ägyptern angewendet wurde (z.B. bei der Herstellung von Statuen [sieheWWW2] und stellt damit auch eine steinbildhauerische Technik dar.
Die russische Bildhauerin Olga Vdovina hat mit Methoden, die auch das Abdrehen von Stein beinhalteten, ein Gefäß aus Hartgestein nach altägyptischen Vorbildern in einer sehr aufwändigen Nachempfindung hergestellt. Dabei hat sich die Bildhauerin leider mit einem extremen Aufwand konfrontiert, der möglicherweise aus Ihrer stellenweisen Unerfahrenheit in der Steinbearbeitung beruhte: Wie im Video der Bildhauerin zum Thema zu sehen ist, hat Vdovina offensichtlich nicht mit Anfasungen (also dem Anlegen von Hilfsflächen) gearbeitet, um das bearbeitete Hartgesteinsmaterial rotierend schleifend zu bearbeiten.
Mit dem entsprechenden Anlegen von Fasungen hätte sich die Bildhauerin sehr viel Arbeitsaufwand ersparen können und wäre auch insgesamt den Methoden der Steinmetzen der vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausende näher gekommen.
Einen wesentlichen Arbeitsschritt, der jedoch direkte Vorbilder in der altägyptischen Steinbearbeitung findet, hat Vdovina leider auch nicht angewendet. [Stocks, 2013] thematisiert eine altägyptische Technik, die auch Nachweise findet, die wohl einen wesentlichen Arbeitsschritt in der altägyptischen Herstellung von steinernen steinernen Gefäßen beinhaltet: Hierfür wurde [nach Stocks, 2013] ein zuvor ausgehöhltes steinernes Gefäß über einen in den Boden gerammten Stock gestülpt und die Außenfläche des Gefäßes beklopfend bearbeitet. Die Sinnhaftigkeit dieser Technik zeigt sich darin, dass ein entsprechendes Gefäß auch rien nach Augenmaß und Erfahrung an der bzw. den Außenfläche/n bereits auf ein hohes Maß an Exaktheit gebracht werden konnte [qed].
Ob die alten Ägypter bei Anwendung solcher Techniken in der Herstellung steinerner Gefäße mit Anfasungen gearbeitet haben, lässt sich m.E. nur mutmaßen. Eine wichtige Schlussfolgerung hat Stocks jedoch aus der Auseinandersetzung mit dieser Steinbearbeitungstechnik abgeleitet [Stocks, 2013]: Das auf der entsprechenden Abbildung gezeigte steinerne Gefäß, das von einem Steinmetzen bzw. Steinwerker bearbeitet wird, muss (zumindestens stellenweise) bereits ausgehöhlt gewesen sein. Daraus lässt sich ableiten, dass die Herstellungsmethoden steinerner Gefäße im alten Ägypten im Hinblick auf Effizienz durchdacht waren, wenn auch sie ggf. von später üblicher Techzniken der manuellen Steinbearbeitung abwichen.
Im Hinblick auf die Herstellung altägyptischer Gefäße aus Hartgestein kann spekuliert werden, dass die alten Ägypter sich stellenweise einen enormen Arbeitsaufwand dadurch einsparten, dass sie zunächst eine Hohlbohrung entsprechenden Durchmessers in einem Hartgestein vornahmen, um anschließend daraus eine Radialform (z.B. Vase) herzustellen: Dieser Gedanke ist m.E. nur Naheliegend, zumindstens für kleine bis kleinste steinerne Gefäße: Hohlbohrkerne fielen im alten Ägypten nachweislich an, auch in adäquaten Durchmessern und Längen [siehe z.B. WWW1].
Hätte der Rohling für die Herstellung eines Gefäßes aus Gestein (betrifft insbesondere Gefäße aus Hartgestein) hätte ein Anlegen der äußeren Radialform (z.B. einer Vase) sehr gut und bei großer Ersparnis von Arbeitszeit über Fasungen angelegt werden können (die beklopfende Bearbeitung von Hartgesteinen ist - wie auch meine hier im Thema dokumentierten Vorversuche aus dem Jahre 2018 aufgezeigt haben - m.E. als wesentlich effektiver einzustufen als die abdrehende Bearbeitung von Hartgestein.
Bei der hier dokumentierten Herstellung der Radialform des steinernen Gewichts für das Aufstecken auf einen Fidelbohrschaft habe ich mir eben diesen Zusammenhang zunutze gemacht: Jede Möglichkeit, die Oberfläche beklopfend und beschleifend (im Sinne des handgeführten Beschleifens z.B. auf einer entsprechend geeigneten steinernen Unterlage) zu formen, habe ich einem Abdrehen des Gesteins vorgezogen. So habe ich mir für die Herstellung des steinernen Gewichts viel Arbeitsaufwand erspart und auch im Hinblick auf erzielbare Exaktheiten bei angewendeter Methodik des Abdrehens exakteres Arbeitsergebnis am Werkstück erhalten.

QUELLEN:

Bücher:
Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013 (siehe [B1]).

Internetseiten:
[WWW1]
Homepagebezeichnung: Digital Egypt for Universities
Homepagelink: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... lcome.html
Kanalbetreiber / Creator: University College London
Copyright: University College London, 2000 (u. ggf. andere, 2000 - 2003)
Titel zitierte Seite: Stone and stone working in Ancient Egypt: vessels
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 28.05.2023; 11:40 Uhr MEZ
Link zur themenrelevanten Internetseite: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... ssels.html

[WWW2]
Homepagebezeichnung: Digital Egypt for Universities
Homepagelink: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... lcome.html
Kanalbetreiber / Creator: University College London
Copyright: University College London, 2000 (u. ggf. andere, 2000 - 2003)
Titel zitierte Seite: Stone and stone working in Ancient Egypt
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 28.05.2023; 11:45 Uhr MEZ
Link zur themenrelevanten Internetseite: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... pture.html

YOUTUBE / VIDEOS:
Youtubekanal / Youtubechannel: Scientists against Myths
Kanalbetreiber / Creator: Scientists against Myths
Copyright: Scientists against Myths u. ggf. andere (siehe Angaben der scientists against Myths in der Videobeschreibung)
Videotitel: Making a stone vase with primitive tools: Lost Ancient High Technology
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 28.05.2023; 11:29 Uhr MEZ
Link zum Video: https://youtu.be/dC3Z_DBnCp8
Videolänge: 00:05:39

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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (20).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Neuerliches Nachdrehen des Umfangsbereichs des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein an einer ausgewählten bruchrauhen Kante des Ibbenbürener Sandsteins. Durch die starke Unförmigkeit der bruchrauhen Oberfläche des Ibbenbürener Sandsteins ergaben sich viele verschiedene erwünschte Möglichkeiten, den Rohling jeweils passend abzudrehen: Hierfür wurde das Stück Ibbenbürener Sandstein durch einfaches Verschieben und niederdrücken mit dem linken Fuß entsprechend zum abzudrehenden Rohling positioniert und fein justiert. Teilweise genügte für das Abdrehen auch das Eigengewichts des Stücks Ibbenbürener Sandstein, ohne dass dies durch den Anpressdruck des abzudrehenden Rohlings verschoben wurde. Die gute Fixierbarkeit des Sandsteinstücks war dabei jedoch dem Umstand geschuldet, dass der Ibbenbürener Sandstein auch mit seiner "sägerauhen" Oberfläche auf den Ränder des Bohrkastens aus Styropor eine gute Haftung fand.
Bild OR: Detailaufnahme des neuerlichen Nachdrehens des Umfangsbereichs des Rohlings am Ibbenbürener Sandstein.
Bild UL: Andrehen eines Umfangsanrisses an die durch Abdrehen erzeugte Umfangsfläche bzw. Umfangsfase des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit einem in radialer Richtung in einen Bambusstab eingelassenen "Dorn" aus Kupfer (Durchmesser des ursprünlichen Kupferstabs 5 mm; CU 99,9%, halbhart, Annode). Um den Bambusstab mit dem kupfernen Dorn am abzudrehenden Rohling aus Baumberger Kalksandstein zu justieren und Fixieren habe ich zuvor mit einem Klopfstein eine kleine Muldung an der bruchrauhen Kante des Stücks Ibbenbürener Sandstein angelegt und den Bambusstab teilweise mit Knie oder Fuß niedergedrückt, was nicht einfach war. U.A. diesen Bearbeitungsschritt habe ich mit dem in Tischhöhe gelagerten Werkstück dfurchgeführt.
Bild UR: Nachbeschliff des vom Fidelbohrstab genommenen Rohlings: Grob geschliffen wurde an den bruchrauhen und glatten Flächen des Ibbenbürener Sandsteins nach Augenmaß als Anfasung auf den zuvor durch Andrehen erzeugten Umfangsanriss: Bei Arbeitsweise mit zwei Personen wäre es vermutlich relativ einfach gewesen, mehrere solcher Anrisse präzise am Rohling anzulegen, sodass komplexere und exaktere Anfasungen möglich gewesen wären, was die BEarbeitung des Rohlings insgesamt erleichtert hätte.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (19).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Am Rohling aus Baumberger Kalksandstein deutlich erkennbar die durch Abdrehen erzeugten Oberflächen im Umfangsbereich mit markanten Bearbeitungsspuren, wie sie z.B. auf ähnliche Art und Weise beim Drechseln zu erzeugen sind.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (18).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Detailaufnahme des Abdrehens des Umfangsbereichs des Rohlings an einer durch großmaschinellen Trennschleifschnitt ("Brückensäge") erzeugten glatten Oberfläche. Fixieren und Justieren des Stücks Ibbenbürener Sandstein mit dem linken Bein: Da ich alleine arbeitete, war dieser Schritt erforderlich. Ein Arbeiten zu zweit wäre wesentlich einfacher und effektiver, was sich qualitativ auch im Endresultat wiederspiegeln würde.
Bild OR: Übersichtsaufnahme des Abdrehens des Umfangsbereichs des Rohlings an der glatten Oberfläche des Ibbenbürener Sandsteins.
Bild UL: Abdrehen des Umfangsbereichs des Rohlings an der bruchrauhen Oberffläche des Ibbenbürener Sandsteins.
Bild UR: Die an den Rohling aus BAumberger Kalksandstein angedrehten Oberflächen bzw. Fasen im Umfangsbereich.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (17).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Erste Versuche zum Abdrehen des auf den Fidelbohrstab aufgeklemmten Rohlings aus Baumberger Kalksandstein: Der eigentliche gesamte Prozess des Abdrehens erfolgte hier nach dem grundlegenden Prinzip, wie es z.B. auch die russiche Bildhauerin (...) für die Nachempfindung eines von ihr aufwändig hergestellten Gefäßes aus Hartgesteinin verwendet hat (siehe [...]): Das abzudrehende Werkstück aus Gestein wurde rotierend angetrieben an Stücken aus Gesteinsmaterial entlanggeführt, wobei stellenweise Abschabungen am abzudrehenden Hartgesteinsmaterial entstanden, die schließlich zu einer abgedrehten rundlichen Ausformung des bearbeiteten Rohlings für ein Hartgesteinsgefäß geführt haben. (...) verwendete hierfür eine vermutlich selbstgebaute, größtenteils hölzerne Apparatur für den kurbelnden Handbetrieb, mit denen (...) auch Bohrungen im beabeiteten Hartgestein (in Anlehnung und Nachempfindung an altägyptische Vorbilder) vornahm: Das von (...) verwendete Gerät verfügte damit vom Prinzip her über einen in zwei Achsaufnahmen arretierten handbetriebenen Kurbelbohrer, der damit nach dem Vorbild einer quasi vertikal positionierten Drehbank verwendet wurde.
Wesentlich im experimentalarchäologischen Sinne ist hierbei, dass für die von (...) eingesetzte Apparatur keine historischen, aus dem alten Ägypten überlieferten direkten Vorbilder existieren.
Beim von mir durchgeführten und hier dokumentierten Vorversuch wurde bewusst ausschließlich mit einem selbst hergestellten Gerät nach dem Prinzip eines herkömmlichen Fidelbohrers gearbeitet, der während des gesamten Prozesses des Abdrehens des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein auch wie ein oben ausschließlich mit einem in der Hand gehaltenen Führstein arretiert wurde: Diese Art der abdrehenden Bearbeitung von Gestein wäre m.E. im Hinblick auf die uns heute bekannten technischen Möglichkeiten der alten Ägypter zunächst einmal als authentischer zu bewerten und weist darüber hinaus einen wesentlichenj Vorteil gegenüber einer zwangsgeführten rotierenden Achse eines Bohrgeräts bzw. Drehapparats auf, auf den ich im weiteren Verlauf dieser Dokumentation noch eingehen werde.
Der eigentliche Vorgang des Abdrehens von Steinmaterial war hier im Vorversuch also ein stetiges rotierendes Abschaben winzigster Mengen von Gesteinsmaterial am abzudrehenden steinernen Objekt. Wie noch aufgezeigt werden wird, genügte die frei bewegliche Lagerung und Arretierung des hierfür verwendeten Fidelbohrstabs vollkommen, um eine relativ exakte Bohrstabführung zu gewährleisten, die ein relativ präzises Abdrehen des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein ermöglichte. Beim Abdrehen des Kalksandsteins wurde insgesamt außerdem kein hinzugegebenes Abrassiv verwendet: So konnten in diesem Ersten Vorversuch zum Thema Erfahrungen in pouncto Effizienz und tatsächlichen Möglichkeiten des Abdrehens von dem hier bearbeiteten sehr weichen Baumberger Kalksandstein ermittelt werden.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (16).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der mit dem Kupferstab in ein passendes Bohrloch im Eukalyptusholz eingesteckte und damit arretierte Fidelbohrstab mit aufgeklemmtem Rohling für das abzudrehende Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein: Die Arretierung an der Unterseite des Fidelbohrstabs war zwingende Voraussetzung für das erfolgreiche relativ exakte Abdrehen des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (15).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
- Bitte nicht nachmachen! Das hier verwendete australische Eukalyptusholz kann meines Wissens unter bestimmten Voraussetzungen zu gesundheitlichen Irritationen führen.
Bild L: Einsetzen eines Kantholzabschnitts aus Hartholz in den aus Styropor (recyclet) hergestellten Bohrkasten: Beim verwendeten Hartholz (als Schenkung) handelt es sich um recycletes australisches Eukalyptusholz aus den 1980er Jahren (ehemals eingesetzt als Zaunholz). Im sehr harten Eukalyptusholz sind Bohrungen verschiedener Durchmesser und Tiefen eingebracht. Diese wurden mit modernen Bohrern unter Verwendung eines Akkuschaubers als Bohrgerät hergestellt.
Einsetzen einer "Arretierachse" aus Stangenkupfer (Kupferstab, Durchmesser 3 mm, (CU 99,9%, halbhart, Annode) in den Fidelbohrstab aus Bambus: vorherige Durchlochung der "Membran" im Bambus am Ende des Stabs (die exakte Bezeichnung hierfür ist mir aktuell nicht geläufig, korrekte Bezeichnung wird nach Möglichkeit nachgereicht). Die Durchlochung wurde mit dem Federmesser eines Taschenmessers erzeugt und mit einem Abschlag von Helgoländer Flint; verwendet als als Handbohrer; erweitert und "angesenkt".
Festklemmen des auf den leicht gekrümmten Bambusstab aufgesteckten Rohling aus Baumberger Kalksandstein durch Einklemmen einiger Fasern von modernem Strohband zwischen Bambusstab und Durchlochungswandung des Kalksandsteins.
Überstehende Fasern wurden anschließend mit dem Federmesser eines TAschenmessers abgeschnitten.
Die Länge der kupfernen Achse war auf die volle Länge des Fidelbohrstabs angepasst, womit ein Durchrutschen der Achse in den Fidelbohrstab hinein verhindert werden konnte: Beim späteren fidelnden Abdrehen des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein wurde die kupferne Achse passgenau zwischen unterer Arretierung (Bohrung in Eukalyptusholz als Aufnahme) und Führstein eingeklemmt: Im Verlauf der abdrehenden Bearbeitung des Rohlings konnte - wie zu erwarten - festgestellt werden, dass der Kupferstab sich sowohl in den Führstein als auch in das Eukalyptusholz allmählich einarbeitete: Die Möglichkeiten des manuellen Anbohrens von Holz mit Bohreinsätzen aus Kupfer werde ich in einem separaten, noch in Vorbereitung befindlichen Thema zur historischen Holzbearbeitung nach altägyptischen Vorbildern beizeiten noch erläutern.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (14).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der nahezu auf den Bambusstab aufgeschäftete Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (13).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Weil die Fiedelbogenschnur auf dem zuvor in das Bohrloch eingepassten Bambusstabs aufgrund des gringen Stabdurchmessers durchrutschte, wurde ein Bambusstab mit insgesamt größerem Durchmesser in die Bohrung im Rohling eingepasst. Dadurch war die Erzeugung einer größeren Reibungsfläche für die Fidelbogenschnur möglich.
Bild L u. R: Der auf das Ende mit kleinerem Durchmesser des leicht konischen Bambusstabs aufgesteckte Rohling. Durch Zugabe von etwas feinem Quarzsand (siehe zuvor beschriebene Zusammensetzung des Sandes) als Abrassiv wurde der Rohling durch Drehen und Hinn- und Herschieben auf dem Bambusstab allmählich auf den Stabdurchmesser des Stabendes mit dem größeren Durchmesser angepasst. Zur wesentlichen Erweiterung des Bohrlochs wurde hierfür stellenweise auch das Kupfermeisselchen verwendet, mit sich sich Steinmaterial kratzschabend und schleifend entfernen ließ.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (12).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Die Seite des Rohlings mit der Abbruchfläche (vorherige Bohrsohle) bildete in der weiteren Fertigung schließlich die Oberseite des hergestellten steinernen Gewichts für den Fidelbohrstab. Die aus der Durchlochung herausragende Bohrkrone des Bohrstabs aus Bambus bildete die spätere eigentliche Oberseite des Fidelbohrstabs, der z.B. in einen Führstein arretiert werden konnte.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (11).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Rohling mit Bohrung. Mit zunehmender Tiefe verklemmte der Bohrer, Dies war u.a. darauf zurückzuführen, dass die Reibung der Fidelbohrschnur aus modernem Nylon (Durchmesser 1 mm) am Fidelbohrschaft aus Bambus trotz Aufrauhung der äußeren Oberfläche des Bambusstabs durch Abschaben der Außenschicht des Bambus zu einem stellenweisen Durchrutschen der Schnur kam (das Abschaben ist z:B. möglich mit einem Flintabschlag oder z.B. mit dem Federmesser eines Taschenmessers.
Die Verklemmung des Bohrers resultierte gleichzeitig auch aus der Entstehung von zu Puder zermahlenem Kalksandstein, der in der Durchmischung (und auch unabhängig davon) zwischen Bohreraußenfläche und Bohrlochinnenwandung stellenweise verpresst wurde und den Bohrer bremste und verklemmte.
Deshalb wurde das Bohrloch - auch testweise - vertieft durch Hin- und Herdrehen des in der Hand gehaltenen Bohrstabs. Dabei wurde feiner Quarzsand (Vogelsand) zugegeben (Zusammensetzung des Vogelsands laut Angaben des Inverkehrbringers: 93% feiner Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit).
Teilweise wurden für die Vertiefung des Bohrlochs verschiedene weitere und speziell angefertigte Schaber aus Bambus sowie ein Mini-Kupfermeisselchen (siehe Bild UR) verwendet.
Mit den Schabern und dem Meisselchen wurden die Bohrlochwandungen stellenweise wiederholt ausgeschabt und ausgekratzt im Wechsel mit weiterer Vertiefung des Bohrlochs durch handgeführtes Hin- und Herdrehen des Bohrstabs im Bohrloch.
Bild OL: Das Fidelgebohrte Bohrloch im Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
Bild OR: Vertiefen der Bohrung durch Hin- und Herdrehen des in der Hand gehaltenen Bohrstabs.
Bild UL: Einfüllen von feinem Quarzsand als Abrassiv in das Bohrloch.
Bild UR: Abtrennen der "Bohrsohle" mit dem kleinen Kupfermeisselchen: Mit einem kräftigen Schlag auf das in das Bohrloch gesteckten Kupfermeisselchen unter Verwendung eines Flusskiesels als Antreiber wurde das an der Sohle der Bohrung verbliebene Material vom Rohling abgetrennt: Dieser Arbeitsschritt wäre eigentlich nocht notwendig gewesen denn es fehlten nur wenige Millimeter Bohrung (und damit nur wenige Minuten Arbeitszeit) um den Rohling zu durchlochen. Diesen Arbeitsschritt habe ich dennoch ausprobiert, weil ich wissen wollte, welche Art von Abbruch und Bruchfläche bei Anwendung dieser Methode am Rohling entsteht.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (10).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Einbetten des Rohlings in einen "Bohrkasten" aus Styropor (Recycling-Nutzung).
Bild OR: Einbringung einer mittigen Vorbohrung in den Rohling mit einem Abschlag von Helgoländer Flint nach Augenmaß.
Bild UL: Detailaufnahme von Bild OR.
Bild UR: Einpassung eines Fidelbohrstabs aus Bambus in die Vorbohrung durch Hin- und Herdrehen mit der Hand.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (9).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der nach erneuter Beschleifung auf dem Ibbenbürener Sandstein weiter zurecht geformte Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (8).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Der abgewaschene Rohling.
Bild OR: Per Augenmaß auf dem Ibbenbürener Sandstein an den Rohling aus Baumberger Kalksandstein auf ungefähren Umfangsanriss angeschliffene Umfangsfase.
Bild UL: neuerlicher ungefährer Anriss entlang des Umfangs des Rohlings auf der Umfangsfase. Hierfür fanden ein plattenförmiges Stückchen Gelber Osnabrücker Kalkstein und der entsprechend zurechtgebogene angespitzte Kupferdraht Verwendung.
Bild UR: Grobes Nachschleifen des Rohlings auf den neu angefertigten Umfangsanriss nach Augenmaß.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (7).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Beschleifen des Rohlings auf den ungefähren Anriss nach Augenmaß auf dem Ibbenbürener Sandstein.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (6).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Anlegen eines Mittelpunkts auf dem Rohling nach Augenmaß unter Verwendung eines Abschlags aus Helgoländer Flint als Handbohrer.
Herstellung eines einfachen verstellbaren Zirkels aus Kupferdraht (Durchmesser = 3mm; CU 99,9% halbhart, Annode).
Anreissen einer ungefähren Umfangslinie.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (5).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Gobes weiteres Zuschleifen des Rohlings auf einem Stück Ibbenbürener Sandstein mir sowohl glatten als auch bruchrauhen Oberflächen (die bruchrauhen Oberflächen des Ibbenbürener Sandsteins sind hier nicht im Bild).
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (4).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Ein Beklopfen des Rohlings mit einem kleinen Klopfstein; einem Flusskiesel mit Abbruchfläche aus bisher undefiniertem Material (siehe jeweiliger Bildhintergrund) hat sich als relativ uneffektiv erwiesen. Auch fürchtete ich bei Verwendung des kleinen Klopfsteins ein Zerbrechen des Rohlings.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (3).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Grobes Zurechthauen des abgeknackten Stückchens Baumberger Kalksandstein mit einem Maurerhammer.
In grobe Form bringen des Rohlings durch beklopfende Bearbeitung an einem freistehenden Granitblock mit bruchrauhen Oberflächen. Der Rohling selbst wurde dabei wie ein Klopfstein verwendet (quasi "umgekehrte" Beklopfung - das Material, das zum Beklopfen verwendet wurde, war deutlich weicher als das damit "beklopfte" Material. Teilweise wurde der Rohling von mir am Granit so auch schabend und beschleifend bearbeitet, indem die Oberflächen des Kalksandsteins mit schleifenden Bewegungen über die rauhen Oberflächen des Granits bewegt wurden.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (2).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Das "abgeknackte" Stückchen Baumberger Kalksandstein mit den durch die Trennschleifung und Abknackung entstandenen Oberflächen.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (1).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Dem eigentlich - hier dokumentierten - Vorversuch zur Herstellung eines abgedrehten steinernen Gewichts habe ich; weil sich die Gelegenheit dafür ergab; mit einem Vorversuch aus mit anderer Thematik kombiniert. Der zusätzliche Vorversuch (als Referenz-Versuch) behandelte dabei die Fragestellung, wie gut sich der bearbeitete Baumberger Kalksandstein mit einem schnurartigen Material trennschleifend bearbeiten lässt: Nachdem Erste Versuche mit moderner Nylonschnur und modernem Strohband rasch scheiterten, habe ich dabei zunächst auf ein modernes Material; einen Abschnitt von sehr dünnem Edelstahlseil zurückgegriffen. Dies, um überhaupt erst einmal in Erfahrung zu bringen, wie gut sich auf diese Art und Weise insgesamt ein kleines Stück Baumberger Kalksandstein von einem größeren Stück abtrennen lässt. Für die Trennschleifung wurde dabei von mir angefeuchteter feiner Quarzsand (handelsüblicher Vogelsand mit einer Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrbringers von 93% feinem Quarzsand, 3,5% Juracalcit und 3,5% Muschelgrit) verwendet.
Als Seilmaterial habe ich in diesem Vorversuch sehr dünnes Stahlseil mit einem Durchmesser von 1 mm verwendet.
Für die Herstellung des Trennschleifeinbschnitts genügte es dabei, gelegentlich etwas feuchten Quarzsand in den allmählich entstehenden Trennschleifschnitt zu reiben.
Aktuell gehe ich davon aus, dass eine Verwendung trockenen Quarzsandes bei trockenem Werkstück insgesamt effektiver wäre. Die Trennschleifung von Steinmaterial ohne Verwendung von Abrassiv wurde von mir am Kalksandstein zu Beginn durchgeführt und wäre bei entsprechendem Kraft- und Arbeitsaufwand möglicherweise durchführbar (diesen Nachweis habe ich mir erspart). Um einen Ansatz für das trennschleifende Stahlseil zu erhalten, habe ich die Kanten des Kalksandsteins zuvor mit einem, Klopfstein entsprechend beklopft, um entsprechende Aussparungen an den Kanten zu erhalten. Anfangs habe ich einen Abschnitt von Bambusrohr untergelegt, damit das Stahlseil am Unteren Ende des Werkstücks ungehindert in das Material eindringen konnte.
(Bitte nicht nachmachen: Diese Steinbearbeitungstechnik ist potenziell sehr gefährlich (!): Spleiße der Seilenden können bei unkontrollierter Handhabung und Mißgeschicken an Haut und z.B. Augen sachwerwiegende Verletzungen verursachen, das sehr dünnen Stahlseil kann potenziell Gliedmaßen wie Hände und Finger stark abschnüren, die Durchblutung der Extremitäten dabei verhindern und tiefe, stark blutende und sehr schmerzhafte Einschnitte in die Gliedmaßen verursachen: Jede Nachahmung auf eigenes Risiko! Aufgrund dieser Gefahren habe ich diesen Vorversuch mit entsprechender Schutzausrüstung durchgeführt und das Stahlseil ausschließlich in Verbindung mit Griffen verwendet, an die ich das Stahlseil befestigt habe. Ein Umschlingen von Gliedmaßen wie Handgelenke, Hände, Finger mit z.B. einem solchen verwendeten Arbeitswerkzeug ist unbedingt zu vermeiden und sollte auch dann nicht durchgeführt werden, wenn Handschuhe zum Schutz getragen werden: Das verwendete dünne Seil kann sich im Trennschleifschnitt plötzlich verklemmen, wodurch das Seilo z.B. in den Händen aufgrund der angesetzten Kraftübertragung tiefe und sehr gefährliche Einschnitte verursachen kann. Das Niederdrücken des Werkstücks im verewendeten Eimer habe ich hier für diese Dokumentation nur demonstriert. Während des Herstellens des Trennschleifschnitts im Baumberger Kalksandstein habe ich entsprechend geeignetes Sicherheits-Schuhwerk getragen.)
Auf dem Bild deutlich zu sehen sind die Trennschleifspuren an den Innenflächen der Abtrennung, nachdem das Stück Kalkstein auf dem letzten Stück durch einen dosierten Schlag mit einem Maurerhammer vom größeren Stück abgetrannt wurde. Dabei ist ein markanter (zu erwartender) Ausriss von Material im Bereich des erzeugten Bossens entstanden.
Baumberger Kalksandstein mit Stahseil trennschleifen (1).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Dem eigentlich - hier dokumentierten - Vorversuch zur Herstellung eines abgedrehten steinernen Gewichts habe ich; weil sich die Gelegenheit dafür ergab; mit einem Vorversuch aus mit anderer Thematik kombiniert. Der zusätzliche Vorversuch (als Referenz-Versuch) behandelte dabei die Fragestellung, wie gut sich der bearbeitete Baumberger Kalksandstein mit einem schnurartigen Material trennschleifend bearbeiten lässt: Nachdem Erste Versuche mit moderner Nylonschnur und modernem Strohband rasch scheiterten, habe ich dabei zunächst auf ein modernes Material; einen Abschnitt von sehr dünnem Edelstahlseil zurückgegriffen. Dies, um überhaupt erst einmal in Erfahrung zu bringen, wie gut sich auf diese Art und Weise insgesamt ein kleines Stück Baumberger Kalksandstein von einem größeren Stück abtrennen lässt. Für die Trennschleifung wurde dabei von mir angefeuchteter feiner Quarzsand (handelsüblicher Vogelsand mit einer Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrbringers von 93% feinem Quarzsand, 3,5% Juracalcit und 3,5% Muschelgrit) verwendet.
Als Seilmaterial habe ich in diesem Vorversuch sehr dünnes Stahlseil mit einem Durchmesser von 1 mm verwendet.
Für die Herstellung des Trennschleifeinbschnitts genügte es dabei, gelegentlich etwas feuchten Quarzsand in den allmählich entstehenden Trennschleifschnitt zu reiben.
Aktuell gehe ich davon aus, dass eine Verwendung trockenen Quarzsandes bei trockenem Werkstück insgesamt effektiver wäre. Die Trennschleifung von Steinmaterial ohne Verwendung von Abrassiv wurde von mir am Kalksandstein zu Beginn durchgeführt und wäre bei entsprechendem Kraft- und Arbeitsaufwand möglicherweise durchführbar (diesen Nachweis habe ich mir erspart). Um einen Ansatz für das trennschleifende Stahlseil zu erhalten, habe ich die Kanten des Kalksandsteins zuvor mit einem, Klopfstein entsprechend beklopft, um entsprechende Aussparungen an den Kanten zu erhalten. Anfangs habe ich einen Abschnitt von Bambusrohr untergelegt, damit das Stahlseil am Unteren Ende des Werkstücks ungehindert in das Material eindringen konnte.
(Bitte nicht nachmachen: Diese Steinbearbeitungstechnik ist potenziell sehr gefährlich (!): Spleiße der Seilenden können bei unkontrollierter Handhabung und Mißgeschicken an Haut und z.B. Augen sachwerwiegende Verletzungen verursachen, das sehr dünnen Stahlseil kann potenziell Gliedmaßen wie Hände und Finger stark abschnüren, die Durchblutung der Extremitäten dabei verhindern und tiefe, stark blutende und sehr schmerzhafte Einschnitte in die Gliedmaßen verursachen: Jede Nachahmung auf eigenes Risiko! Aufgrund dieser Gefahren habe ich diesen Vorversuch mit entsprechender Schutzausrüstung durchgeführt und das Stahlseil ausschließlich in Verbindung mit Griffen verwendet, an die ich das Stahlseil befestigt habe. Ein Umschlingen von Gliedmaßen wie Handgelenke, Hände, Finger mit z.B. einem solchen verwendeten Arbeitswerkzeug ist unbedingt zu vermeiden und sollte auch dann nicht durchgeführt werden, wenn Handschuhe zum Schutz getragen werden: Das verwendete dünne Seil kann sich im Trennschleifschnitt plötzlich verklemmen, wodurch das Seilo z.B. in den Händen aufgrund der angesetzten Kraftübertragung tiefe und sehr gefährliche Einschnitte verursachen kann. Das Niederdrücken des Werkstücks im verewendeten Eimer habe ich hier für diese Dokumentation nur demonstriert. Während des Herstellens des Trennschleifschnitts im Baumberger Kalksandstein habe ich entsprechend geeignetes Sicherheits-Schuhwerk getragen.)
Auf dem Bild deutlich zu sehen sind die Trennschleifspuren an den Innenflächen der Abtrennung, nachdem das Stück Kalkstein auf dem letzten Stück durch einen dosierten Schlag mit einem Maurerhammer vom größeren Stück abgetrannt wurde. Dabei ist ein markanter (zu erwartender) Ausriss von Material im Bereich des erzeugten Bossens entstanden.
Zuletzt geändert von Sculpteur am 10.06.2023 10:29, insgesamt 13-mal geändert.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 24.05.2023 18:08

-Beitrag in Bearbeitung: weitere Inhalte folgen in Kürze -

Hinweis: Lesweise der angehängten Bilddateien (möglicherweise) von Unten nach Oben.

Dokumentation der Herstellung eines gedrehten durchlochten steinernen Gewichts aus Baumberger Kalksandstein - konzipiert für das Aufschäften auf einen entsprechend zugehörigen Fidelbohrstab aus Bambusrohr (TEIL II)

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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (33).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Das fertiggestellte (hier frisch abgewaschene und damit oberflächentechnisch verfärbte) Fidelbohrgewicht für ein Aufschäften auf entsprechend passend ausgelegte Fidelbohrschäfte mit bewusst noch sichtbaren Spuren des Abdrehens.
Leichte Unebenheiten am Gewicht sind noch erkennbar, angesichts der Herstellungsmethode und den Bedingungen der Herstellung ist das Bearbeitungsergebnis des Werkstücks jedoch vollkommen zufriedenstellend.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (33).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Feinstschliff des Rohlings in genässtem Quarzsand: Durch feine Dosierung der Wasserzugabe als Liquid konnte der Gegendruck des Qaurzsandes im Glas im Verhältnis zum darin bewegten Rohling so eingestellt werden, dass der genässte Quarzsand einen genügenden Gegendruck erzeugte, um den Rohling feinstschleifend zu bearbeiten.
Von einer "Politur" der Oberfläche des Rohlings kann im Sinne des Begriffs und seines handwerklichen Kontexts nicht gesprochen werden, weil das Abrassiv trotz Nässung schließlich ein mit "Offenporigkeit" vergleichbares Aussehen an der Oberfläche des Baumberger Kalksandsteins erzeugt hat: Baumberger Kalksandstein lässt sich wesentlich feiner Anschleifen und Polieren als hier im Bild aufgezeigt: Bei entsprechendem Zeitaufwand wäre der Grad an Oberflächenfeinheit bei dieser Art der Oberflächenbearbeitung des Kalksandsteins vermutlich möglich gewesen. Ich habe den Vorversuch an dieser Stelle jedoch aus Zeitgründen abgebrochen, auch weil das Bearbeitungsergebnis des Fidelbohrgewichts aus Baumberger Kalksandstein im Sinne des Vorversuchs völlig zufriedenstellend war.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (32).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Oberfläche des Rohlings nach dem Feinschliff.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (31).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Feinschliff des Rohlings in feinem trocknen Quarzsand in einem engen Gefäß.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (30).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Testweiser Feinschliff der Oberfläche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit trockenem Abrassiv in einer in Stypropor ausgeformten und mit feinem Quarzsand gefüllten Muldung. Als Abrassiv diente hier handelsüblicher feiner Quarzsand (Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrbringers: 93% feiner Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit).
Für ein Feinschleifen der größtenteils angedrehten Oberflächen am Werkstück aus Baumberger Kalksandstein genügte es, den Fidelbohrstab entweder zwirbelnd zwischen den AHndflächen oder unter Verwendung des Fidelbogens anzutreiben: Die Feinschleifung der Oberfläche auf diese Art und Weise wäre dann ausschließlich eine Frage der Zeit gewesen. Als Muldung für das Befüllen mit Abrassiv und das Ausschleifen der Oberfläche des Rohlings würde im historischen Kontext z.B eine einfache Ausmuldung in festgepresstem, bzw. angetrocknetem Ton oder Lehm in Frage kommen. Auch das in der Hand Halten eines mit geeignetem Abrassiv bestreuten Wildlederlappens käme in Betracht für diese Art des Feinschleifens von Kalksandstein.
Eine weitere Methode wäre z.B. die Verwendung eines Schafwollbausches, auf den während des Feinschliffs Abrassiv in entsprechenden Mengen gestreut würde.
Das Grundkonzept der Methode ließ sich übertragen auf das Feinschleifen des Rohlings in einem mit dem feinem Quarzsand befüllten, entsprechend engen Gefäß (hier handelsübliches Honigglas); siehe Bild 31. Weitere Möglichkeiten kommen in Betracht. Der Feinschliff in dem mit Abrassiv befüllten engen Gefäß hat sich jedoch als sehr effektiv erwiesen: Durch die Enge des Gefäßes baute der feine Quarzsand einen entsprechenden Gegendruck auf, wenn der'auf den Bambusstab aufgeschäftete Rohling darin zwirbelnd bzw. von einem Fidelbogen angetrieben in den Sand hinuntergedrückt wurde. Dieser Gegendruck des Sandes hat einen entsprechenden Abschliffeffekt am Rohling aus weichem Kalksandstein erzeugt, der genügte, um die Oberflächen des Rohlings relativ fein zu glätten.
Diesen Bearbeitungsschritt habe ich vor Erreichen eines möglichst optimalen Ergebnisses abgebrochen, weil ich bewusst leichte Besrbeitungsspuren des vorherigen Abdrehens auf dem Rohling hinterlassen wollte.
Für den Feinschliff wurde der Rohling entsprechend auf dem Bambusstab umgesteckt, so dass sowohl Ober- als auch Unterseite des Rohlings auf diese Art und Weise beschliffen werden konnten.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (29).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Vergrößerte Detailaufnahme von der Oberfläche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit deutlichen markanten Spuren des Formens durch Abdrehen.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (28).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der an seinen Oberflächen final im wesentlichen durch Abdrehen hergestellte Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
Mit den zurückliegenden Arbeitsschritten war der Rohling nun in der Grobbearbeitung fertiggestellt und konnte einer finale Feinbearbeitung durch Feinschliff zugeführt werden.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (27).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Letzmaliges Andrehen einer Umfangsfasung an den Rohling aus Baumberger Kalksandstein mit dem kupfernen Dorn.
Bild OR: Letzmaliges Nachschleifen des Rohlings und entfernen von Buckeln und Unebenheiten. Verwendung hierfür fand hier der Führstein aus vermutlich Bad Bentheimer Sandstein. Das Nachschleifen konnt hier durchgeführt werden, ohne den Rohling vom Bambusstab zu nehmen.
Bild UL: Letzmaliges Nachschleifen des Rohlings und entfernen von Buckeln und Unebenheiten auf den glatten Flächen des Ibbenbürener Sandsteins und mit dem Führstein aus vermutlich Bad Bentheimer Sandstein. Hierfür wurde der Rohling nochmals vom Fidelbohrstab aus Bambus genommen.
Bild UR: Der in der Grobbearbeitung fertiggestellte und in seiner finalen Formgebung wesentlich durch Abdrehen hergestellte Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (26).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL, OR, UL: Das Ergebnis des zurückliegenden beschleifenden und abdrehenden Formens des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein.
Bild UR: Letztes grobes Nachschleifen von Unebenheiten am Rohling auf der glatten ("sägerauhen") Oberfläche des Ibbenbürener Sandsteins.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (25).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Auch mit einem radial in einem entsprechend langen Bambusstab eingesteckten "Dorn" aus Kupfer (Rundstab, Durchmesser 5 mm; CU 99,9%, halbhart, Anode) war das Abdrehen des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein fidelnd möglich: Hierfür musste der Bambusstab mit dem kupfernen Dorn entsprechend am Werkstück positioniert und stabilisiert werden, was nicht ganz einfach war, da ich diese Arbeitsschritte alleine ausgeführt habe: Hierfür habe ich das Stück Ibbenbürener Sandstein entsprechend auf dem Bohrkastenrand positioniert, den Bambusstab mit dem Dorn linksseitig auf dem Sandsteinstück und rechtsseitig auf dem Bohrkastenrand gelagert, so dass eine zum Bohrkasten schräge Anwincklung entstand. Den Bambusstab habe ich dann mit meinem Linken Fuß heruntergedrückt und fixiert und dabei den kupfernen Dorn am Werkstück positioniert. Selbst das schwierige Abdrehen der durch Fideln rotierenden Unterseite des Rohlings war so relativ exakt möglich.
Bild OL , OR: Abdrehen des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit dem radial in einen Bambsusstab eingesteckten kupfernen Dorn.
Bild UL, UR: Die Ergebnisse des Abdrehens der Unterseite des Rohlings mit dem kupfernen Dorn mit markanten Abdrehspuren.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (24).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Detailvergrößerung eines Bereichs der am Rohling aus Baumberger Kalksandstein entlang einer bruchrauhen Kante des Ibbenbürener Sandsteins abgedrehten Oberfläche: Deutlich sichtbar die entstandenen Spuren des Abdrehens.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (23).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Anarbeiten einer kleinen Einmuldung an einer bruchrauhen Kante des Ibbenbürener Sandsteins mit einem Klopfstein. Als Klopfstein Verwendung fand hier der für das Fidelbohren verwendete Führstein. In der Muldung des Führsteins deutlich zu sehen Abriebspuren von Fidelbohrstäben nach Abschmierung mit Olivenöl und schließlich Wasser. In der Einmuldung im Führstein auch deutlich zu sehen ist, wie sich der als Achse in den Fidelbohrstab aus Bambus eingesetzte Kupferstab leicht in das Material des Führsteins geschliffen hat. Soweit es von mir ohne weitere Analysen beurteilbar ist, besteht der hier verwendete Führstein vermutlich aus Bad Bentheimer Sandstein (was noch zu hinterfragen wäre), also einem regionalen weichen, leicht zu bearbeitenden und bei der Bearbeitung stark absandenden Sandstein.
Am Eukalyptusholz deutlich erkennbar der durch das untere Ende des Fidelbohrstabs aus Bambus verursachte Abrieb: Dieser war entstanden, weil sich der Kupferstab allmählich in die Muldung des Führsteins eingearbeitet hatte und der Bambusstab dadurch auf dem Eukalyptusholz entsprechend aufsetzte.
BILD OR, UL: Durch nur leichtes Verändern des Anstellwinkels des in die Lagerung (Bohrung) aus australischem Eukalyptusholz eingesteckten Fidelbohrstabs, der hier fidelnd entlang der passend angefertigten Einmuldung im Ibbenbürener Sandstein geführt wird, konnte die Oberfläche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein abdrehend variierend angeformt werden: Hierin lag der eindeutige Vorteil der fest fixierten Lagerung des rotierenden Fidelbohrstabs in nur einem Punkt (im Eukalyptusholz): Durch das freie Spiel des Fidelbohrstabs konnten durch verschiedene Anstellwinkel in der variablen Führung des Fidelbohrstabs mit dem Führstein verschiedene Oberflächenbereiche des Ibbenbürener Sandsteins für das Abdrehen des Rohlings verwendet werden, ohne das Stück Ibbenbürener Sandstein verschieben zu müssen. So war ein "plastisch" formendes Abdrehen des Rohlings innerhalb eines gewissen Rahmens möglich. Der Anstellwinkel in der Lagerung im Eukalyptusholz durfte hierbei nicht zu steil gewählt werden, weil der uas der Unterseite des Fidelbohrstabs herausragende Kupferstab sonst aus der Lagerung springen oder verbiegen konnte. Eine Verbiegung des Kupferstabs war jedoch mit einfachem Beklopfen mit einem Klopfstein in kurzer Zeit wieder zu beheben.
Bild UR: Markante Spuren von der angewendeten Abdrehung von Steinmaterial vom Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (22).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Weiterer Bearbeitungsstand des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein nach weiterem fidelnden Abdrehen und Beschleifen.
Bild L: spätere Oberseite des Gewichts zum Aufstecken auf einen Fidelbohrstab.
Bild R: spätere Oberseite des Gewichts zum Aufstecken auf einen Fidelbohrstab.
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Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein herstellen (21).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Weitere Stationen des Abdrehens des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein (schwerpunktmäßig an Ibbenbürener Sandstein mit glatten und bruchrauhen Flächen.
Bild OL: An den Rohling neuerlich fidelnd angedrehte Oberflächen.
Bild OR: Deutlich erkennbar der aufgrund der Asymetrie des Rohlings über der angedrehten Fasung stehende und noch abzuarbeitende "Buckel". Deutlich erkennbar hier auch wieder die markanten Bearbeitungsspuren des Baumberger Kalksandsteins, die ans Drechseln erinnern. Deutlich sichtbar auch die zwischenzeitlich vorgenommene Aufrauhung der Oberfläche des Bambusstabs mit dem Federmesser eines Taschenmessers um für die Fidelbogenschnur mehr Reibungswiderstand zu erzeugen.
Bild UL: Grobes Abschleifen des Buckels auf dem Rohling auf der bruchrauhen Oberfläche des verwendeten Stücks Ibbenbürener Sandstein: Diesmal wurde der Rohling hierfür auf dem Fidelbohrstab belassen.
Bild UR: Der weiter grob in Form geschliffene Rohling.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 26.05.2023 18:13

-.Beitrag befindet sich in Bearbeitung: Weitere Inhalte folgen zeitnah -

LaraC hat geschrieben:Der Zweck der Meißel bestand darin, große Steine entlang ihrer Spaltungsebenen zu zerschneiden, wie in diesem Beispiel:

(...)

Ich glaube, dass die minoischen/mediterranen Bergbauseefahrer einen ähnlichen Ansatz zur Bearbeitung großer Steine mit Bronzemeißeln verfolgten.
(...)
Ich war erstaunt über den Bambus-Schneidestein. Aber es macht Sinn. Einige Felsen sind sehr hart, aber es ist sehr einfach, mit Sand oder Wasser Kanäle zu schnitzen.


Baumberger Kalksandstein mit Bambus und Quarzsand als Abrassiv trennschleifen
In diesem Vorversuch greife ich eine von User LaraC in einem vorherigen Post aufgegriffene - und bis heute vieldiskutierte, im Hinblick auf moderne Methoden umfangreich belegte, jedoch stellenweise im Hinblick auf Steinspaltmethoden der Antike (und der Zeit davor) meines Wissens wenig belegte und wenig beforschte - Fragestellung auf:
Inwieweit läss sich ein Stück Gestein mit Keilen oder keilartigen Werkzeugen spalten, wenn zuvor ein Trennschleifschnitt eingebracht wird?:

Hier ist die Antwort für ein kleines, im heutigen Vorversuch bearbeitetes Stück Baumberger Kalksandstein, einem extrem weichen Werkstein:

Das Prinzip lässt sich auch auf große Steinblöcke verschiedener Härtegrade übertragen, bedarf dann allerdings einiger zu berücksichtigenden Voraussetzungen im Hinblick auf Parameter. Inwieweit sich große Steinblöcke (abhängig vom Material auch mit kupfernen bzw. bronzenen Keilen oder keilförmigen Werkzeuge spalten lassen und inwiefern hierfür auch andere Materialien in Frage kommen, ist eine Frage, die ein weites Forschungsfeld betrifft, zu dem ich aus Zeitgründen bisher nicht vielfältig relevante Aspekte in Versuchen - in Orientierung an experimentalarchäolgischen Leitbildern - erörtern konnte.
Für jeden Hinweis zu entsprechenden existierenden Dokumentationen bin ich deshalb dankbar.

Zum Thema "Spalten von Naturstein" ist zu berücksichtigen, dass die hier im Thema dokumentierte Methode nur eine von mehreren Möglichkeiten darstellt, Gesteinsmaterialien zu spalten, auf die ich an dieser Stelle aus Zeitgründen nicht eingehe.

QUELLEN:
Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013.

Inhalte werden überarbeitet und Bilddateien nach Youtube verlinkt, was entsprechende Zeit in ANspruch nehmen wird (Stand dieser Mitteilung 22.01.2024); bitte Geduld.
Content will be revised and image files will be linked to Ypoutube, which will take a corresponding amount of time (as of this notification January 22, 2024); please be patient.

- - - Überarbeitungsbereich (Protokoll) für gelöschte Abbildungen - - -:
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Baumberger Kalksandstein m it Bambus trennschleifen (8)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild: Die für das Einbringen des Trewnnschleifeinschnitts und die anschließénde keilende Spaltung des Baumberger Kalksandsteins verwendeten Materrialien.
(Der kleine Kieselsteinabbruch im Bild ist in dieser Dokumentation nicht beschrieben worden. Mit solchen Kieseln habe ich in einer frühen Bearbeitungsphase des Trennschleifeinschnitts erprobt, ob sie sich wie Keile verwenden lassen. Da die Kieselsteine bei diesem Versuch abgebrochen sind, ohne den Baumberger Kalksandstein zu spalten, was auch auf die Materialeigenschaften der Kieselsteine und die temporär noch zu geringe Tiefe des Trennschleifeinschnitts zurückzuführen war, habe ich den Versuch zunächst einmal wieder verworfen. Generell wäre m.E. jedoch zu erproben, inwieweit sich Gesteine (mit anderen Gesteinen z.B. in Form von Kieseln - bei Anwendung entsprechender Vorbereitungen und Techniken - auch wie Keile zum Spalten von Gesteinen (z.B. auch Hartgesteinen) verwenden lassen: ich gehe aktuell davon aus, dass sich diese Art des Steine Spaltens unter bestimmten Bedingungen erfolgreich bewerkstelligen lässt [qed].
. . .
Baumberger Kalksandstein m it Bambus trennschleifen (7)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Detailaufnahme der am auseinandergekeilten Baumberger Kalksandstein entstandenen Bruchflächen. Deutlich sichtbar hier die markante leicht konkave Ausformung des Trennschleifeinschnitts, die zum Abschluss des Trennschleifprozesses so belassen wurde, ohne die Kantenbereiche des Trennschleifeinschnitts nachzuvertiefen. Für die erfolgreiche Keilung des Kalksandsteinmaterials war die ausreichende Tiefe des Trennschleifeinschnitts zur ausreichenden Aufnahme des keilartig verwendeten Kupferstücks im Kalksandsteinmaterial von wesentlicherer Bedeutung als ein gleichmäßíg durchgängiger Trennschleifeinschnitt: Erfahrungsgemäß hätte das Kalksandsteinmaterial voraussichtlich auch relativ passgenau erfolgreich keilend gespalten werden können nur durch Einbringung einer entsprechend ausgeformten Schlitzung in das Steinmaterial.
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Baumberger Kalksandstein m it Bambus trennschleifen (6)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Detailaufnahme der am auseinandergekeilten Baumberger Kalksandstein entstandenen Bruchflächen.
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Baumberger Kalksandstein mit Bambus trennschleifen (5).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild L: Wenige Hiebe auf das in den Trennschleifeinschnitt eingesetzte, wie ein Setzkeil verwendete Kupferstück mit einem kleinen Knüpfel (regionaler Ausdruck für "Rundkopfhammer") aus Weißbuche und ein wenig warten genügten, um ein kleineres Stück Baumberger Kalksandstein vom größeren abzutrennen.
Die Bezeichnung "Keil" ist hier im Hinblick auf die Ausformung des Kupferstücks eigentlich nicht gänzlich zutreffend.
Dem Abwarten nach Eintreiben des "Keils" kam hier beim Spalten eine besondere Bedeutung zu: Beim keilenden Spalten von Gesteinsmaterialien ist es häufig zu beobachten, dass ein Material erst wenige Augenblicke nach dem letzten Eintreiben von Keilen auseinanderbricht. Deshalb kann es für ein erfolgreiches Keilen von Naturstein sinnvoll sein, das Eintreiben von Keilen akzentuiert vorzunehmen.
Bild R: Die durch das Auseinanderkeilen des Baumberger Kalksandsteins entstandenen Bruchflächen mit gut erkennbaren, durch vorherige Trennschleifung entstandenen markanten Oberflächenbereichen.
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Baumberger Kalksandstein mit Bambus trennschleifen (4).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Erfolgreiches vertiefen der des Trennschleifeinschnitts mit dem Trennschleifwerkzeug aus Bambus im Kantenbereich des Werkstücks aus Baumberger Kalksandstein.
Bild OR: Die weitere markante Abnutzung des Bambusstabs während der Verwendung als Trennschleifwerkzeug.
Bild UL: Der in den vom Abrassiv befreiten Trennschleifeinschnitt gesteckte Bambusstab veranschaulicht die erzielte Tiefe des erzeugten Trennschleifeinschnitts im bearbeiteten Kalksandstein.
Bild UR: Verwendung des meisselartigen Kupferwerkzeugs als Setzkeil: mittiges Einsetzen des "Keils" in den Trennschleifeinschnitt.
Durch die Dickenunterschiede zwischen dem als Trennschleifwerkzeug verwendeten Bambusstab - bei während des Trennschleifens starker Abnutzung des Stabs - und dem meisselartigen Kupferwerkzeug wurde eine Verwendung des Kupferwerkzeugs als Setzmeissel überhaupt erst möglich: Um Gestein bestimmter Materialbedingungen mit Setzkeilen überhaupt erfolgreich trennen zu können, ist ein entsprechender Druckaufbau zwischen eingesetztem Keil und zu keilendem Material erforderlich. Auch die Machart und Form eines Setzkeils spielen hierbei (je nach zu keilendem Material) eine große Rolle. Obwohl es sich beim Baumberger Kalksandstein um ein extrem weiches Material handelt und das hier als Setzkeil verwendete Werkzeug sich beim Eintreiben in den Trennschleifeinschnitt stellenweise stark in das weiche Kalksandsteinmaterial einpresste und Kantenbereiche des Trennschleifeinschnitts dadurch zermürbte war es möglich, das Kupferstück als "Setzkeil" erfolgreich zur Spaltung des Kalksandsteinmaterials zu verwenden. Von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche keilende Spaltung des Kalksandsteinmaterials war hier die ausreichende Tiefe des Trennschleifeinschnitts, wobei die sich leicht im Trennschleifeinschnitt zum Grund des Einschnitts hin verjüngende Ausformung des Trennschleifeinschnitts einen weiteren Vorteil für die erfolgreiche Keilung des Steinmaterials bedeutete.
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Baumberger Kalksandstein m t Bambus trennschleifen (3)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Das meisselartige Kupferwerkzeug und der mit Abrassiv gefüllte Trennschleifeinschnitt (Zwischenbearbeitungsergebnis): Im Einsatz des Werkzeugs aus Kupfer zeigte sich, dass es aufgrund des mit dem Bambusstab als Trennschleifwerkzeug bewusst nicht geradlinig angelegten Einschnitts häufig im Einschnitt verklemmte (die Materialdicke des Kupfer war auch insgesamt größer als die des Bambusstabs). Ein Anpassen des Trennschleifeinschnitts an das kupferne Werkzeug hätte kein Problem dargestellt, jedoch insgesamt einen höheren Aufwanmd bedeutet als die Weiterverwendung des Bambusstabs als Trennschleifwerkzeug.
Bild OR: Der Bambusstab im Einsatz als Trennschleifwerkzeug ("Trennschleifblatt")
Bild UL: Der mit dem Bambusstab vertiefte Trennschleifeinschnitt bei entferntem Abrassiv (Zwischenbearbeitungsergebnis).
Bild UR: Die markante Abnutzung des Bambusstabs bei der Verwendung als Trennschleifwerkzeug.
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Baumberger Kalksandstein mit Bambus trennschleifen (2).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Bild OL: Allmähliches Einbringen eines Trennschleifeinschnitts in den Bambumberger Kalksandstein mir dem verwendeten Bambusstab und feinem Quarzsand als Abrassiv.
Bild OR: Zwischenbearbeitungsergebnis des Trennschleifeinschnitts mit entferntem Abrassiv.
Bild UL: Testen eines meisselartigen Kupferstücks als Trennschleifwerkzeug.
Bild UR: Das Kupferstück im Einsatz als Trennschleifwerkzeug: Der Vorteil des mit einer angeschliffenen einseitigen stumpfwinkligen Schneide versehenen Kupferwerkzeugs bei leicht schräger Meisselschneidenausformung lag trotz seiner Nachteile im Einsatz als Trennschleifwerkzeug im Vergleich zum Bambusstab darin, dass sich das Kalksandsteinmaterial mit dem Kupfermeissel im Oberflächenbereich des angelegten Trennschleifeinschnitts auch ohne Abrassiv wie ein gut funktionierender und das Kalksandsteinmaterial stark angreifender Schaber verwenden ließ.
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Baumberger Kalksandstein mit Bambus trennschleifen.
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023

Abtrennen eines Stücks Baumberger Kalksandstein von einem größeren Stück mittels Trennschleifen: Als Trennschleifmittel wurde ein aus einem Bambusstab gewonnener leistenartiger Segmentabschitt verwendet. Als Abrassiv bei Trennschleifweise mit trockenem Sand zum Einsatz kam handelsüblicher Vogelsand (Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrbringers: 93% feiner Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit).
Der Baumberger Kalksandstein ließ sich auch mit dem Bambusstab ohne Zugabe von Abrassiv an der Oberfläche anritzen, Für ein effektives stärkeres Eindringen in das Steinmaterial war eine Zugabe von Abrassiv jedoch erforderlich.
Diese Bearbeitung des Kalksandsteins war - wie zu erwarten - sehr erfolgreich: In kurzer Zeit war es möglich, einen tiefen trenngeschliffenen Einschnitt von ca. 30 mm an der tiefsten Stelle zu erzeugen.
Eine Zeitnahme spielte für mich in diesem Vorversuch keine Rolle. Der gesamte Bearbeitungsprozess hätte sich jedoch ohne Unterbrechungen (etwa für die Dokumentation) in einem zeitraum von schätzungweise maximal 2 Stunden bewältigen lassen, wäre vermutlich aber auch in deutlich weniger Zeit (z.B. ca. 1 Stunde) möglich [qed]).
Zu beobachten war beim Trennschleifen eine insgesamt starke Abnutzung am verwendeten Bambusstab.
Die Verwendung eines meisselartig geformten Kupferstücks entsprechender Größe als Trennschleifwerkzeug wurde nach kurzem Antesten wieder verworfen, weil sich - (erfahrungsgemäß wie zu erwarten - rasch herausstellte, dass das Trennschleifen mit dem Bambus als Trennschleifwerkzeug wesentlich effektiver möglich war. Der große Vorteil des Werkzeugs aus Bambus lag hier auch darin, dass sich der dünn ausgeformte Bambusstab auch problemlos in nicht geradlinige Verläufe des Trennschleifschnitts anpasste; die hier bewusst angelegt wurden. Währenddessen verkantete sich das Kupferstück häufiger in dem zuvor mit dem Bambusstab angelegten Einschnitt. Auch in puncto trennschleifender Materialbtragungsrate war der Bambus nach einer Ersten einschätzung wesentlich effektiver anzuwenden als das Trennschleifwerkzeug aus Kupfer.
Auf eine Erprobung eines Trennschleifwerkzeugs aus Kupfer, mit dem die volle Länge des Werkstücks in einer jeweiligen Trennschleifbewegung hätte bearbeitet werden können, wurde hier aus Zeitgründen verzichtet.
Stocks hat zum Thema Trennschleifen ausführlich geforscht und veröffenlicht [siehe Stocks, 2013].

Besonders Erwähnenswert für diesen Vorversuch war das bei der allmählichen Vertiefung des eingebrachten trenngeschliffenen Einschnitts zu beobachtende Phänomen:
Der als Trennschleifwerkzeug verwendete Bambusstab wurde nicht als entsprechend langes Werkzeug in Bewegungen jeweils mit einer Arbeitskante plan über die gesamte Länge des Werkstücks aus Baumberger Kalksandstein hinweggeführt: stellenweise wurde der im Verhältnis zum anzufertigenden Einschnitt dahingehend zu kurze Bambusstab auch mit großem Anstellwinkel - ähnlich wie ein Stichel oder Meißel - trennschleifend über das Werkstück und durch den entstehenden Trennschleifeinschnitt hindurchgeführt. Dadurch entstand in Etappen jeweils ein Trennschleifeinschnitt, der sich "im Material" jeweils stärker vertiefte, als an den Kanten des Kalksteinstücks, aus denen der Trennschleifeinschnitt auf beiden Seiten jeweils hinausführte. Zurückzuführen ist dies wohl am ehesten darauf, dass der feine Quarzsand als Abrassiv an den Kanten durch die Bewegung des Bambusstabs jeweils schneller aus dem Trennschleifeinschnitt hinausgezogen wurde: da für eine effektive Trennschleifung des Kalksandsteins Abrassiv erforderlich war, kam es zu einem stärkeren Angriff des Kalksandsteinmaterials "im Material", weil dort stets mehr Abbrassiv vorhanden war, als an den Kanten des Werkstücks.
Für die Einbringung des Trennschleifeinschnitts in den Kalksandstein bedeutete dies im Vorversuch, dass es jeweils möglich war, im Mittenbereich des Trennschleifeinschnitt das Kalksteinmaterial stärker anzugreifen und damit jeweils stärker zu vertiefen und anschließend die Kantenbereiche mit entsprechender Technik jeweils aufwändiger nachzubearbeiten.
Auch aufgrund der bei diesem Prozess auftretenden Abnutzung und entsprechenden allmählichen Ausformung der Spitze des Bambusstabs (in etwa von der Form her schließlich vergleichbar mit einem Brieföffner) wäre ohne jeweiliges aufwändigeres Nacharbeiten des Trennschleifschnitts in den Kantenbereichen schließlich eine stark konkave Ausformung des Trennschleifeinschnitts entstanden.
Von den Materialeigenschaften des bearbeiteten Baumberger Kalksandsteins und den verwendeten Wewrkzeugen und Hilfsmitteln (Bambusstab, Quarzsand als Abrassiv) her wäre es bei entsprechend langen Trennschleifeinschnitten deshalb höchstwahrscheinlich in relativ kurzer Zeit auch möglich, Steinmaterialien entsprechender Dicke mittels eines Stecheinschnitts zu durchschlitzen, ohne dass der Trennschleifeinschnitt dabei die Kanten des Materials erreicht.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 29.05.2023 17:29

- Beitrag befindet sich in Bearbeitung: weitere Inhalte folgen möglichst zeitnah, jedoch frühestens am 30.05.2023 -

Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein nach altägyptischem Vorbild
Im alten Ägypten wurden Rohlinge für Gefäße aus Weichgestein in bestimmten Epochen nachweislich auf eine Art und Weise hergestellt, die heutzutage als eher steinmetzuntypisch angesehen würde (je nach Betrachtungswinkel und Herstellungsprozess).
Wie aus der Vorlage für diese Rekonstruktion zu entnehmen ist [...], stellten die alten Ägypter Rohlinge für die Steingefäßherstellung offensichtlich her, indem sie die grobe Form eines gewünschten Gefäßes aus Weichgestein einfach nach Augenmaß aus einem entsprechend geeigneten Steinblock, bzw, Werksteinstück grob vorarbeiteten. Die hierfür in Frage kommenden Werkzeuge dürften Klopfsteine, Dechsel, einfache Hartgesteinsabschläge (z.B. aus Flint und/oder Hornstein) und Meissel (vermutlich Falchmeissel und Spitzmeissel z.B. aus Kupfer) gewesen sein.

Im Sinne der Materialwahl (Baumberger Kalksandstein) kann diese Nachempfindung, obwohl es sich streng genommen um die wahrscheinlich im alten Ägypten angewendeten Arbeitsschritte bzw. Vorgehensweisen handelt, nicht von einer Rekonstruktion gesprochen werden, weil ich für die Herstellunbg des Rohlings heimisches Material verwendet habe, dass von dem Material der Vorlage abweicht.
Entscheidend bei dieser Nachempfindung ist jedoch zuvorderst die Erörterung der Fragestellung, auf welche Art und Weise vergleichbare Rohlinge im alten Ägypten hergestellt wurden. Deshalb spielte die Materialwahl für Hartgestein in dieser Nachempfindung für mich zunächst eine untergeordnete Rolle.

Der Herstellungsprozess des Rohlings:

Ein in einem vorherigen Vorversuch als Abkeilung erzeugtes Stück BAumberger Kalksandstein (siehe Dokumentation in vorherigem Post) diente als Werksteinstück für die Herstellung eines Rohlings für ein Hartgesteinsgefäß nach altägyptischem Vorbild.
Für die Ausarbeitung der groben Form des Rohlings für eine Kleine Vase wurden von mir bis zum hier dokumentierten Bearbeitungsstand des Rohlings bisher ausschließlich Klopfsteine verwendet, wie sie sich in der Natur finden lassen.
Für die Anarbeitung einer groben Form an das Werkstück aus Baumberger Kalksandstein genügte es, bei entsprechendem Augenmaß das Werkstück solange zu bearbeiten, bis sich allmählich die grobe Umrissform einer kleinen (geplanten Vase herausarbeiten ließ.
Der vorherige Verlauf des Abbruchs beim Keilen des Baumberger Kalksandsteins wurde von mir dabei teilweise in die Ausformung des Rohlings mit übernommen.

QUELLEN:


Bücher:

Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013.

[u]Internetseiten:

[WWW]
[WWW2]
Homepagebezeichnung: Digital Egypt for Universities
Homepagelink: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... lcome.html
Kanalbetreiber / Creator: University College London
Copyright: University College London, 2000 (u. ggf. andere, 2000 - 2003)
Titel zitierte Seite: Stone and stone working in Ancient Egypt: vessels
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 29.05.2023; 19:41 Uhr MEZ
Link zur themenrelevanten Internetseite: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... ssels.html

Inhalte werden überarbeitet und Bilddateien nach Youtube verlinkt, was entsprechende Zeit in ANspruch nehmen wird (Stand dieser Mitteilung 22.01.2024); bitte Geduld.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (6).
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 30.05.2023 11:21

Bilderbogen über die Herstellung des gedrehten steinernen Fidelbohrgewichts
Auf meinem Youtubekanal findet sich nun ein Bilderbogen als kurze visuelle Zusammenfassung des Herstellungsprozesses des steinernen Gewichts aus Baumberger Kalksandstein zum Aufstecken auf einen Fidelbohrschaft (als SHORT, siehe nachtstehender Quellennachweis):

QUELLEN:
YOUTUBE / VIDEOS:
Youtubekanal / Youtubechannel: Handwerkskunst_Handicraftarts
Kanalbetreiber / Creator: Vinzenz Maria Hoppe
Copyright: Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Videotitel: #experimentalarchaeology : Fidelbohrgewicht aus Baumberger Kalksandstein fidelnd drehen (1,2023)
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 30.05.2023; 21:12 Uhr MEZ
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=kcVcj70-JwY
Videolänge: 58 sec.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 02.06.2023 15:15

Weiterbearbeitung des Rohlings für die Herstellung eines kleinen Steingefäßes aus Baumberger Kalksandstein:
An den Rohling habe ich auf der glatten Fläche eines Stücks Ibbenbürener Sandstein eine Deckfläche angeschliffen.
Mit dem bisher verwendeten Quarzsand und Bohrern aus Bambusstab und Hickory (Abschnitt eines handelsüblichen Drumsticks, Bezugsquelle USA) bei Bohrweise mit trockenem Quarzsand habe ich vor der feineren Bearbeitung der Außenfläche außerdem eine Vorbohrung von mehr als 3 Zentimetern Tiefe in das Werkstück eingebracht.
Die Außenform des Rohlings wurde in einer Feinbearbeitung mit einem Klopfstein aus Flint weiter angelegt. Der Rohling wurde dabei von mir in einer Hand gehalten während ich mit der Andere Hand den Klopfstein führte.
Anschließend wurde die Oberfläche des Rohlings mit relativ scharfen Kanten des Klopfsteins aus Flint relativ grob glattgeschabt.

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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (7).
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Rohling aus Baumberger Kalksandstein nach grober Abschabung mit dem verwendeten Flintstück.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 03.06.2023 17:49

-Bitte nicht nachmachen! Auch Baumberger Kalksandstein enthält einen hohen Anteil an Quarzkörnern. Bei den im folgenden beschriebenen Vorgehensweisen können potenziell stark lungengängige und damit im Hinblick auf die Ausbildung einer Siklikose (Staublunge) sehr gefährliche Stäube entstehen. Bei den hier dokumentierten vorgehensweisen wurden strenge Sicherheitsauflagen eingehalten (regelmäßiges Nässen von Werkflächen und entstandenen Staub- und Partikelmischungen, spezialisierte Absaugungen, feuchtes Abwischen von Werkzeugoberflächen und Abspülen von Arbeitsgeräten, spezielle Fegetechniken, jegliches Vermeiden von "Wegpusten" von entstandenen Stäuben, vermeiden des Ausklopfens von Arbeitskleidung und tägliches Waschen der Arbeitskleidung.

Hinweis: Manche der in diesem Thema dokumentierten Handwerkstechniken und Vorgehensweisen finden keine direkten (nachweislichen) altägyptischen Vorbilder. Solche Handwerkstechniken und Vorgehensweisen stellen im Sinne experimentalarchäologisch orientierten Forschens Versuche, bzw. Vorversuche (auch: "Probieren") dar und dienen dazu, die Möglichkeiten für die wahrscheinlichst authentischen Handwerkstechniken und Vorgehensweisen - nach dem Ockham'schen Sparsamkeitsprinzip zu eruieren.
Gleichzeitig sollen die hier dokumentierten Vorversuche damit aufzeigen, dass es mit einfachsten Handwerkstechniken, Mitteln und Methoden möglich ist, beachtliche Präzisionen an Werkstücken herzustellen, die eigentlichen Möglichkeiten in der manuellen Steinbearbeitung, die heutzutage als steinmetztypisch anzusehen wären, dabei noch bewusst ausklammern (siehe hierzu noch geplante spezifische Beiträge).

In weiteren Bearbeitungsprozess der Herstellung des kleinen Gefäßes aus Baumberger Kalksandstein konnten weitere Arbeitsschritte erprobt und mit zusätzlichen Vorversuchen kombiniert werden:

- Feinüberarbeitung der Oberfläche unter Anwendung einer Technik nach dem Prinzip des "Flächens"
(im steinmetztecnischen Sinne ist eine Fläche eine Axtblatt mit symmetrischer Doppelschneide mit geraden und parallel verlaufenden Schneiden, teilweise auch in der Ausführung als Kombi aus gerader Schneide und gezahlter Schneide): ein aus modernem industriellem Stangenkupfer hergestelltes durch Kaltschmieden und nachschärfen mit einer modernen Metallfeile erzeugtes Dechselblatt (Querbeilblatt) wurde von mir für diesen Bearbeitungsschritt in die Hand genommen und wie die Klinge einer Fläche verwendet, während ich den Rohling in der anderen Hand hielt. Unebenheiten auf der Oberfläche des Rohlings wurden dadurch entfernt, indem der Rohling mit im steilen Anstellwinkel gehaltenem Dechselblatt behauen wurde.
- Glattschaben der Oberfläche des Rohlings mit der Schneide des Dechselblatts und den daran befindlichen scharfkantigen Seitenbereichen mit Gratungen.

(Bitte nicht nachmachen! Gefährliche Glasbruchgefahr!):
- erste schleifende Überarbeitung der Oberflächen des Rohlings mit Quarzsand in einem engen schlanken Gefäß: hierfür würde der Rohling über die zuvor eingebrachte Bohrung aufgeschüttet aus Hickory (Abschnitt eines handelsüblichen Drumsticks, Bezugsquelle USA): nach anfänglichen Versuchen, den Rohling so im Glasgefäß unter Verwendung der Hände im Sand zu drehen, bin ich bei Schleifweise mit trockenem Sand rasch zu einer Schleifweise mit nassem Sand übergegangen (Feinschliff): Das Drehen des Rohlings im Sand Sand war bei trockener Schleifweise - verursacht durch den Sanddruck zwar einen recht guten Schleifeffekt, erforderte jedoch einen sehr großen Kraftaufwand.
Auch das Schleifen bei Schleifweise mit nassem Sand war nicht einfach: Durch den im Sand-Wassergemisch entstehenden Druck entstanden physikalische Kräfte, die den Rohling stark wie "vverankert" im Wasser-Sandgemisch einbetteten, wenn eine Schleifpause eingelegt wurde. Der Rohling müsste dann zunächst vorsichtig "losgerüttelt" werden, bevor er wieder im nassen Sand bewegt werden könnte: Die Reibung zwischen Sand-Wassergemisch und der Oberfläche des Rohlings war so stark, dass der Schaft ansonsten durchdrehte: Für den gewünschten Abriebeffrkt am Rohling bedeutete diese Kraftentwicklung jedoch einen Vorteil.
Als Abrassivs zum Einsatz kam hier handelsüblicher Quarzsand bei einer Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrsbringers von 93% feinem Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit).

- um ein besseres Kraftübertragungsverhältnis und eine höhere Umdrehungsgeschwindigkeit des Rohlings im Wasser-Sand-gemisch zu erzeugen, bin ich schließlich dazu übergegangen, einen (hier zunächst mit Klebeband improvisierten) Kurbelbohrer nach altägyptischen Vorbild zu verwenden (siehe [Stocks, 2013]).
Mit dem Kurbelbohrer ließ sich der Rohling nach etwas Übung sehr gut und relativ konzentriert im Glas im Sand-Wassergemisch kurbeln drehen (der Rohling musste jedoch auch hierfür jeweils zunächst vorsichtig losgerüttelt werden).
-die Fotos habe ich hier zu Demonstrationszwecken ohne Abklebung des Glasbehälters eingestellt: Aus Sicherheitsgründen würde das Glasgefäß wegen der Gefshr von Glasbruch mit potenzieller Verletzungsgefahr von Außen mit einem starken Tape vollständig abgeklebt (Bitte nicht nachmachen! Gefährliche Glasbruchgefahr!)
Ergebnis dieses ersten Beschliffversuchs war eine feiner geglättet Oberfläche des Rohlings.

- Anfeuchten einer glatten Steinoberfläche (hier Ibbenbürener Sandstein): Auf die feuchte Oberfläche des Ibbenbürener Sandsteins würde ein stark abfärbendes "Pigment" aufgetragen (hier: handelsübliche Kohletabletten). Die vorherige Anfeuchtung der Steinoberfläche diente dabei zum Einen der Vermeidung von Staubbildung und zum Anderen der besserrn Haftung des "Pigments" auf der grobporigen Steinoberfläche.

- Abrollen des Rohlings auf der mit dem "Pigment" eingeschätzten Steinoberfläche: hierfür würde der Rohling vom Prinzip her wie ein Rollsiegel abrollen verwendet.
Das auf die Steinoberfläche zuvor aufgetragene "Pigment" erzeugte dabei auf der Wandungsoberfläche eine Abfärbung: diese Vorgehensweise diente dazu, Bereiche auf der Oberfläche des Rohlings zu markieren, die noch eingeebnet (also nachgearbeitet werden mussten): wird dieser Arbeitsschritt des Abrollens des Rohlings auf der eingefärbten Fläche und anschließenden Nachbearbeitens der Oberfläche des Rohlings häufig genug durchgeführt, entsteht allmählich ein Rohling mit geglätteten Oberfläche und stärker symmetrischer Form und mit gleichmäßgerer Abrollung (so die Theorie, was noch zu beweisen wäre).

- mehr dazu ggf. später -

QUELLEN:
Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013.

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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (20).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Abtasten der Durchmesser der allmählich entstehenden rundförmigen walzenartigen Ausformung des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein: Der kleine, aus Kupferdraht hergestellte Abtastzirkel diente dabei zur Ermittlung der Differenzen zwischen größtem und kleinstem Umfang des walzenförmigen Rohlings: hier wurde zunächst ausgehend von einer Einstellung des Abtastzirkels auf den größten Durchmesser des Rohlings ermitelt, wie groß die Abweichung zwischen den Durchmessern ist. Anschließend wurde am Rohling noch wegzuarbeitendes Material mittels Kratzen mit Flintstücken bzw, Flintabschlägen und durch Schleifen spezifischer Oberflächenbereiche des Rohlings auf dem Ibbenbürener Sandstein durch Augenmaß entfernt, um die Ausformung des Rohlings weiter zu präzisieren (Trockenschliff).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (19).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Beschleifen noch zu entfernender Oberflächenbereiche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein auf der glatten Oberfläche des zuvor eingefärbten Oberfläche des Ibbenbürener Sandsteins. Zur weiteren Feinausformung und Korrektur der Formgebung des Rohlings neben der Bearbeitung nach Augenmaß ein kleiner, auf einfache Art und Weise hergestellter Abtastzirkel aus einem, Stück Kupferdraht zum Einsatz (hier handelsüblicher moderner Kupferdraht mit 3 mm Durchmesser, CU 99,9%, halbhart, Anode).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (18).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Eine Detailaufnahme der beim Abrollen auf feinem (trockenem) Quarzsand entstandenden charakteristischen Oberfläche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein (hier ggf. mit gewissen Einfärbungen, verursacht durch die verwitterte und mit Flechten belegte Oberfläche der Betonoberfläche, auf der abgerollt wurde.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (17).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der Bearbeitungs-Zwischenstand des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (16).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Durch erneutes Abrollen des Rohlings auf der Betonoberfläche unter Zugabe des hier verwendeten feinen (trockenen) Quarzsandes als Abrassiv sowie das gezielte handgeführte Beschleifen bestimmter Oberflächenbereiche des Rohlings an einer Kante der rauhen Betonoberfläche konnten weitere feine Unebenheiten auf der Oberfläche des Rohlings entfernt werden und die Ausformung des Rohlings zu einem achsialen Rundkörper verbessert werden.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (15).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Neuerliches Abrollen auf der relativ glatten (trockenen) Betonaberfläche - ohne Zugabe von Abrassiv - erzeugte erneuten Oberflächenabrieb am Rohling und diente als Indiz für die bis zu diesem Bearbeitungsergebnis erzielte Ausformungsexaktheit des Rohlings.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (14).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Wiederholtes neuerliches (trockenes) Abrollen und die zusätzliche Verwendung eines unförmigen Stücks aus weicherem Sandstein im Einsatz als Schleifstein sowie weiteres (trockenes) Kratzschaben mit Flintabschlägen ermöglichten eine stetig feiner werdende Ausformung des Rohlings. Die Unförmigkeit des verwendeten Schleifsteins erwies sich dabei als Vorteil, weil sich bruchrauhe Oberflächenbereiche und Kanten des Schleifsteins an die Form des damit bearbeiteten Rohlings anpassten.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (13).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Mittels Abrollung des (trockenen, bzw. nur leicht anbgefeuchteten) Rohlings auf der eingefärbten Sandsteinoberfläche und per Einschätzung nach Augenmaß war es möglich, den Rohling als Rundkörper allmählich exakter auszuformen. Zu entfernende Bereiche des Kalksandsteinmaterials wurden mit einfachen Flintstücken bzw. Abschlägen von Flint, die nicht zuvor gezielt geformt wurden, einkratzend und abschabend entfernt.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (12).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der Rohling mit Abfärbungen des "Pigments" zur Kenntlichmachung von in einer Feinbearbeitung noch einzuebnenden Bereichen der Werkstückoberfläche: Das Abrollen des (trockenen, bzw. nur leicht anbgefeuchteten) Rohlings auf der eingefärbten Sandsteinoberfläche erleichterte die Feinbearbeitung des Rohlings enorm und ergab gute Orientierungspunkte für die Gesamtausformung des Rundkörpers.
Für diese handwerkliche Vorgehensweise, die entfernt an modernere Drucktechnik und im historischen Kontext an die Verwendung von Rollsiegeln sowie von Hand geführten walzenförmigen "Mahlsteinen" erinnert, gibt es kein mir bekanntes altägyptisches oder allgemeiner historisches Vorbild.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (11).
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Anfeuchten und Einreiben einer geeigneten Oberfläche (hier Ibbenbürener Sandstein) mit einem stark abfärbendes "Pigment"
Abrollung des Rohlings auf der mit "Pigment" eingefärbten Oberfläche.
Auch hier ein wichtiger Sicherheitshinweis: Durch vorheriges Anfeuchten der Sandsteinoberfläche und anschließendes Zerreiben von leicht angefeuchteten handelsüblichen Kohletabletten wurde jede Gefahr der Staubbildung und Feinstaubbildung stark minimiert. Das Sandsteinstück wurde anschließend so aufbewahrt, dass es zu keiner Nachträglichen Abstaubung der Oberflächen kommen konnte (z.B. luftdichten verpackens und mittels feuchthalten).
Die Kohletabletten dienten hier als Ersatz für in Frage kommendes "Pigment" etwa aus Holzkohle oder aus entsprechend geeigneten Erden, bzw. Sanden. (Für Versuche im Bereich der Eignung von Holzkohle für die Vorgehensweisen hier im Vorversuch fand sich keine Zeit).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (10).
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Grober und feinerer rotierender Beschliff des Rohlings in einem schlanken mit feinem Quarzsand gefüllten Gefäß.
SEHR WICHTIGER SICHERHEITSHINWEIS:
Beim verwendeten Glasgefäß handelte es sich um ein Gefäß aus besonders robuistrem Glas. In der Vorversuchsreihe wurde ein Gefäß aus Glas nur verwendet, um die Vorgänge im Gefäße besser demonstrieren und dokumentieren zu können. Der Kurbelbohrer mit aufgeschäftetem Rohling aus Baumberger Kalksandstein wurde im Glasgefäß ausschließlich bei jeweils vorheriger Anbringung einer vollständigen mehrschichtigen Sicherheitsabklebung mit einem besonders strapazierfähigen Klebeband (im volksmund häufig sog. "Panzerklebeband") verwendet.
Ohne die Verwendung eines Glasgefäßes hätten die im Gefäß entstehenden Verwirbelungen des Sand-Wassergemischs nicht beobachtet und dokumentiert werden können.
Vor einer Nachahmung dieser handwerklichen Vorgehensweise unter Verwendung eines Gefäßes aus Glas oder ähnlich zerbrechlichem Material wird unbedingt abgeraten und dringend gewarnt: Im Gefäß entstanden zu Beginn des Kurbelns des verwendeten Kurbelbohrers starke Hebelkräfte, die auf die Wandungen des Gefäßkörpers wirken, wenn der Rohling im Sand-Wassergemisch feststeckte und zunächst losgerüttelt werden musste, weil Im Sand-Wassergemisch, auch durch den engen Abstand zwischen Werkstück und Gefäßwandung des Gefäßes in dem geschliffen wurde, jeweils eine enorm kräftige Saugwirkung des Sand-Wasser-Gemischs entstand, die auf den darin steckenden Rohling wirkte (vergleichbar ist die beobachtete Saugwirkung z.B. mit einem Gummistiefel, der in Wattschlick feststeckt und nur unter größerem Kraftaufwand herausgezogen werden kann.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (9).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Feinbearbeitung der Oberfläche des Rohlings mit einem kaltgeschmiedeten und mit einer modernen Feile nachgeschärften Dechselblatt: Feines Behauen und Abschaben der Oberfläche des Baumberger Kalksandsteins:
Das Dechselblatt wurde dabei in die Hand genommen und im Sinne einer Fläche und vom Prinzip her wie ein Faustkeil verwendet um den in der anderen Hand gehaltenen Rohling damit zu bearbeiten. Mit entsprechend gezielten Hieben mit steil zum Werkstückoberfläche aufgestellten Werkzeugschneide ließen sich so sehr feine Hiebe an das Werkstück anlegen. Anschließend wurde die Schneide des Dechselblatts wie ein Schaber verwendet, um die Kalksandsteinoberfläche zu glätten.
Zuletzt geändert von Sculpteur am 06.06.2023 11:24, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 06.06.2023 10:52

Dokumentation des Vorversuchs zur Nachempfindung eines kleinen Vasenrohlings aus Kalksandstein (Fortsetzung)

- in Anlehnung an altägyptische Vorbilder -

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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (40)
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Nachschleifen (Trockenschliff) der Deckfläche und temporären Standfläche des (inzwischen stellenweise wieder mit einer aus dem Puder des Kalksandsteins, zerriebenen handelsüblichen Kohletabletten und Leitungswasser hergestellten "Farbe" eingefärbten) Rohlings aus Baumberger Kalksandstein: geschliffen wurde unter Verwendung des bisher genutzten feinen Quarzsandes auf dem Schleifgrund aus Baumberger Kalksandstein, d.H. das Material, das beschliffen wurde wurde auf demselben Material (aus demselben Natursteinstück) geschliffen, aus dem auch der Rohling besteht. Der Sinn der Verwendung des Schleifgrunds aus demselben Material war das Erzeugen einer sehr feine Oberflächenbearbeitung durch Abrollen des Rohlings auf demselben (hier sehr geglätteten) Material, das mit feinem Quarzsand bedeckt war. Dementsprechend ist beim Abrollen des Rohlings auf dem Schleifgrund gleichermaßen eine entsprechende Oberflächenabnutzung entstanden. Daraus resultierte, dass diese Art des Beschliffs nicht zu häufig auf ein und dermselben Oberflächenbereich des Schleifgrunds aus Baumberger Kalksandstein durchgeführt werden konnte, wenn gewährleistet werden sollte, dass der Schleifgrund eine bestimmte Glätte aufweist (bei entsprechend langem Abrollen des Rohlings auf denselben Oberflächenbereichen des Schleifgrunds wäre im Schleifgrund (je nach Abrolltechnik) früher oder später eine Ausmuldung entstanden). Durch Variieren des Oberflächenbereichs des Baumberger Kalksandsteins als Schleifgrund konnte dieses Problem vermieden werden.
Durch die vorherige (neuerliche) Einfärbung des Rohlings konnten feinste Unebenheiten in der Ausformung der Rundform per Augenmaß durch neuerliches Abrollen ausgemacht und stellenweise entfernt werden (Negativ-Methode: Überall dort, wo der Rohling nach einigen Serien des Abrollens auf Baumberger Kalksandstein unter Zugabe des bisher verwendeten feinen Quarzsandes keine Einfärbung mehr aufwies, wurde Natursteinmaterial durch die Abrollung entfernt (physikalisch handelt es sich hierbei vermutlich eher um einen Schleifprozess, obwohl durchaus darüber gestritten werden könnte, ob es sich dabei stellenweise eher um einen "Zertrümmerungsprozess" handelt).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (39)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe
Verwendung eines mit modernen Mitteln und Methoden zugerichteten Stücks Baumberger Kalksandstein als Schleifgrund: Vermutlich wurde die hier gezeigte Hauptfläche des Werksteins gegattert. Möglicherweise kommt aber auch ein Zuschnitt auf einer sog. "Brückensäge" für Naturstein in Frage (das Natursteinmaterial aus dessen Bruchstücken auch der Rohling für die hier dokumentierte Herstellung eines steinernen Gefäßes in Orientierung an altägyptischen Vorbildern hergestellt wurde, besitze ich seit über 30 Jahren), Exakte Informationen über die Entstehung der glatten Fläche auf dem Werkstein können nicht mehr ermitttelt werden).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (38)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe
Bearbeitungsstand des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein im Hinblick auf die Rundheit des walzenförmigen Rundkörpers:
Bild L: Die Rundheit der Unterseite (temporäre untere Standfläche) des Rohlings (Foto hier leider etwas unscharf).
Bild R: Die Rundheit der Oberseite des Rohlings.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (37)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe
Der Bearbeitungsstand und die Oberflächenbeschaffenheit des Rohling aus Baumberger Kalksandstein nach dem kurzzeitigen rotierenden nassen Feinstschliff im Sand-Wasser-Gemisch mittels Kurbelbohrer.
Die gereinigte Oberfläche des Rohlings gab Aufschluss über weitere noch zu bearbeitende Oberflächenunebenheiten.
Ein Rolltest des Rundkörpers über die leicht angeschrägte Unterlage aus Bambus (handelsübliches Küchen-Schneidbrett) gab Auskunft über die bis zu diesem Bearbeitungsstand des Rohlings erzielte Rundheit des walzenförmigen Rohlings.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (36)
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe
Erneute (kurzzeitige) Verwendung des Kurbelbohrers für den Feinstbeschliff der Oberfläche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein und weitgehendes Entfernen der zuvor aufgebrachten "Bemalung" der Oberfläche des Rohlings (Nassschliff, bzw. Nasspoliturvorstufe).
nassgeschliffen bzw. nasspoliert wurde bei im schlanken Glasgefäß rotierendem, auf den Kurbelbohrer aschaft aufgeschäfteten Rohling mit der bisher verwendeten Sand-Wasser-Mischung als Abrassiv (Zusammensetzung der Sand-Wasser-Mischung: LEitungswasser als Liquid und feiner Quarzsand mit Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrbringers von 93% feinem Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit).
Bild L: Erneut auf den Kurbelbohrerschaft aufgeschäfteter Rohling.
Bild R: Der Rohling nach dem Nassbeschliff bzw, der Nasspolitur.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (35)
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Die Oberflächenbeschaffenheit des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein nach Feinbeschliff (Trockenschliff).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (34)
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Überprüfung des Bearbeitungsstands der Taillierung am Rohling aus Baumberger Kalksandstein mittels Schattenwurf im Streiflicht: Hierfür wurde der Rohling entsprechend in Position zu einer Lichtquelle gebracht und im Streiflicht gedreht. Die Ausformung des Schattenwurfs gab dabei exakte Hinweise über die Oberflächenbeschaffenheit der Oberfläche der Taillierung und des Rohlings insgesamt.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (33)
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Weitere Ausarbeitung der Taillierung des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein:
Bild L: Weiteres kratzschabendes Ausformen der Taillierung des Rohlings mit einem passend geformtem Flintabschlag (hier von Helgoländer Flint) mit relativ glatten Bruchkanten.
Bild R: Feinbeschliff der Oberfläche der Taillierung des Rohlings mit der konkaven ehemals bruchrauhen und durch Verwendung als Schleifstein geglätteten Kante des verwendeten weicheren Sandsteins.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (32)
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Weitere feinere Ausarbeitung der Taillierung des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein:
Bild OL: Der Bearbeitungsstand des Rohlings
Bild OR: Weiteres kratzschabendes Ausarbeiten des taillierten Bereichs des Rohlings mit dem kleinen Flintstück.
Bild UL: Drehendes Betasten des Rohlings in der Hand: Die Haptische Sensorik der Hand genügte, um bereits kleinste Unebenheiten in der Taillierung des Rundkörpers auszumachen.
Bild UR: Beschleifen der Kalksandsteinoberfläche mit einem Schleifspatel aus Eschenholz unter Verwendung des feinen Quarzsands als Abrassiv.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (31)
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Die durch kratzschabende Barbeitung entlang einer rauhen scharfkantigen Betonkante grob angearbeitete Taillierung des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein in Orientierung an den zuvor angelegten Anrissen.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (30)
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Bild OL: Grobes Anlegen eines Umfangsanrisses durch Pressen der temporären Standfläche des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein bei gleichzeitigen Anhalten des entsprechend zurechtgebogegen Kupferdrahts (Durmesser ca. 3 mm) der zuvor als Tastzirkel verwendet wurde. Die gleiche Prozedur wurde für einen Umfangsanriss ausgehend von der Deckfläche des Rohlings wiederholt.
Bild OR: Ausratzendes Vorformen des durch Umfangsanrisse festgelegten Bereichs am Rohling aus Baumberger Kalksandstein. Zum Auskratzen wurde hier das unförmige und nicht speziell geformte Stück Flint verwendet.
Bild UL, UR: Grobes Ausformen der Taillierung am Rohling nach Augenmaß, hier an einer rauhen und scharfkantigen Betonkante.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (29)
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Einfärben des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit dem hergestellten "Anstrich".
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (28)
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Herstellen einer einfachen "Farbe" aus Pulver von Baumberger Kalksandstein, zerriebenen handelsüblichen Kohletabletten und Leitungswasser.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (27)
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Die durch Trockenbeschliff mit kreisenden Bewegungen auf einer rauhen aber relativ glatten Betonfläche erzeugte temporäre Standfläche am am Rohling aus Baumberger Kalksandstein und weitere Abrollungen auf der mit feinem Quarzsand bedeckten Betonoberfläche zur Feinstbearbeitung der spezifischen Umfangsoberflächen des Rohlings.
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(Fehler in der Abfolge)
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (25)
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Bearbeitungsstand und Feinheit der Oberflächenstruktur des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (25)
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Trockenschleifendes "Ausrichten" des Rohlings durch Feinbeschliff der temporären Standfläche (Orientierung des walzenförmigen Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit einem Winkel vonj relativ 90° in Orientierung zur Betonoberfläche auf der geschliffen wurde).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (24)
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Abschleifen des verbleibenden Bossens (Trockenschliff auf feinem Quarzsand auf einer Betonfläche) und Fertigstellung einer temporären "Standfläche" für den Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (23)
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Bild OL: Ungefähres Anreissen einer Umfangslinie an den Rohling aus Baumberger Kalksandstein für die Anbarbeitung einer Bodenfläche: Als Anreisser diente hier der entsprechend zurechtgebogene Kupferdraht, der zuvor als Abtastzirkel verwendet wurde. Für einen "Höhenriss" wurde der Anreisser hier einfach auf den Deckel eines mitgeführten handelsübliches Honigglases gelegt und der Rohling am Anreisser entlang geführt: Auf den Arbeitsschritt des Anreissens der Umfangslinie hätte für die weitere Bearbeitung auch verzichtet werden können. Hiermit sollte jedoch erprobt und aufgezeigt werden, wie einfach sich ein Höhenriss (hier bei einem Objekt kleiner Abmessungen mit einfachsten Mitteln durchführen lässt. Bei entsprechendem Aufwand und entsprechenden Gegebenheiten ließes sich auf diese Art und Weise auch ein recht exakter Höhenriss anfertigen: Das hier verwendete verdeckelte Honigglas könnte dabei durch eine Vielzahl von Objekten ( z.B. einer Steinplatte etc.) erstezt werden.
Bild OL: Grobes Beschleifen des an der Unterseite des Rohlings befindlichen Bossens auf den zuvor angebrachten Anriss.
Bild UL, UR: Abschleifen (Trockenschliff) des Bossens an der Unterseite des Rohlings durch kreisende Bewegungen des mit der Hand relativ senkrecht zur mit feinem Quarzsand bedeckten Betonoberfläche gehaltenen und während des Schleifens auf die Betonfläche gedrückten Rohlings.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (22)
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Bild OL, OR: Eine weitere Serie von Abrollungen des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein auf der Betonoberfläche unter Zugabe von trockenem Abrassiv (hier handelsüblicher Vogelsand mit einer Zusammensetzung laut Angaben des Inverkehrbringers von 93% feinem Quarzsand, 3,5% Juracalcit, 3,5% Muschelgrit) erhöhte nochmals die Oberflächenexaktheit des walzenförmigen Rundkörpers und entfernte feine Unebenheiten auf der Werksteinoberfläche.
Bild UL: Präziseres Nachschleifen (Trockenschliff) der Deckfläche (Oberseite) des Rohlings durch aufstellen und kreisendes Drücken auf die mit dem hier verwendeten trockenen feinen Quarzsand als Abrassiv bedeckte Betonoberfläche.
Ein Drehen des Rohlings auf der Stelle und ein Visieren nach Augenmaß ermöglichten eine Beurteilung über die relativ exakte winklige Ausrichtung der Deckfläche: Durch das Beschleifen der Deckfläche konnte die Ausformung des walzenförmige Rohlings insgesamt im Hinblick auf seine Orientierung um relativ 90° zur Betonoberfläche (als Standfläche) beurteilt werden.
Bild UR: Der an der Deckfläche beschliffene und neuerlich auf dem Quarzsand abgerollte Rohling.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (21)
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Der Bearbeitungsstand des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein nach weiterer Feinbearbeitung und Vermessung mit dem Tastzirkel aus Kupfer. Bei entsprechender Feineinstellung des Tastzirkels (durch Zurechtbiegen) konnte der Tastzirkel am Rohling zusätzlich wie ein "Anreisser" verwendet werden: Durch möglichst gleichmäßiges und möglichst exakt ausgerichetes Drehen des Abtastzirkels um den Rohling herum wurden so - auch aufgrund der Elastizität des Kupfermaterials - die Bereiche am walzenförmigen Rohling aus Baumberger Kalksandstein anreißend markiert werden, die noch wegzuarbeiten waren.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 07.06.2023 17:46

Dokumentation des Vorversuchs zur Nachempfindung eines kleinen Vasenrohlings aus Kalksandstein (Fortsetzung)

- in Anlehnung an altägyptische Vorbilder -

Inhalte werden überarbeitet und Bilddateien nach Ypoutube verlinkt, was entsprechende Zeit in ANspruch nehmen wird (Stand dieser Mitteilung 22.01.2024); bitte Geduld.
Content will be revised and image files will be linked to Ypoutube, which will take a corresponding amount of time (as of this notification January 22, 2024); please be patient.

- - - Überarbeitungsbereich (Protokoll) für gelöschte Abbildungen - - -:
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (50).
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Weitere Herstellung eines Anrisses für die geplante endgültige Form des in Herstellung befindlichzen steinernen Gefäßes aus Baumberger Kalksandstein:
Bild OL: Abtragung des oberen Radius (Deckflächenradius) des Rohlings auf den Anrissgrund.
Bild OR: Die auf die annähernd längschsenparallele Konstruktionslinie übertragenen Durchmesser (Standflächendurchmesser und Deckflächendurchmesser) des Rohlings.
Bild UL: Verbindung der beiden Durchmesseranrisse zu einer zweiten Konstruktionslinie.
Bild UR: Die beiden nicht parallel, sondern aufgrund der leicht konischen Hauptform des Rohlings leicht von einer Parallelität zueinander abweichenden angerissenen Konstruktionslinien mit jewieligen Markierungen der Länge des Rohlings.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (49).
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- weitere Erläuterungenm folgen baldmöglich -
Herstellung eines Anrisses für die geplante endgültige Form des in Herstellung befindlichzen steinernen Gefäßes aus Baumberger Kalksandstein: Für den Anriss werden zunächst die Abmessungen des Rohlings durch abstreichende Markierungen mit dem Bambuspinsel und der selbsthergestellten Farbe vorgenommen:
Bild OL, OR: Übertragung des Längenmaßes des hergestellten Rohlings aus Baumberger Kalksandstein auf die auf dem Anrissgrund (hier Baumberger Kalksandstein) zuvor aufgebrachte Konstruktions, bzw. Hilfslinie.
Bild UL: Das auf die Konstruktionslinie übertragene Längenmaß des Rohlings
Bild UR: Abtragen des unteren Durchmessers (Standflächendurchmessers) des Rohlings auf den Zeichengrund in Orientierung zur zuvor angerissenen Konstruktionslinie.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (48).
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Herstellen eines Linienanrisses auf dem Baumberger Kalksandstein mit dem selbsthergestellten Pinsel aus Bambus und der selbsthergestellten "Farbe": als "Lineal" diente der Korpus aus Bambus des zuvor hergestellten Streichmaßes.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (47).
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Erstes Antesten des Pinsels aus Bambusrohr auf dem Stück Baumberger Kalksandstein, das zuvor als Schleifgrund verwendet wurde: Für das Antesten wurde die zuvor verwendete, aus Puder von Baumberger Kalksandstein, zerriebenen handelsüblichen Kohletabletten und Leitungswasser hergestellte "Farbe" genutzt.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (46).
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Fertigstellung des Pinsels durch Informschneiden des Pinselköpfchens mit dem Federmesser des Taschenmessers:
Bild L: Das Zuschneiden des Pinselköpfchens bzw, der Pinselspitze.
Bild R: Der fertiggestellte Pinsel aus Bambusrohr.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (45).
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Auffasern des in Wasser eingeweichten Pinselköpfchens des in Herstellung befindlichen Pinsels aus Bambusrohr:
Für diese Art der Pinselherstellung ist mir aktuell kein historischer Nachweis bekannt. Es existieren meines Wissen jedoch Theorien zur Herstellung vermutlich prähistorischer Pinsel durch zerfaserndes Weichkauen der Enden von Hölzchen und möglicherweise wurde diese Methode noch vor Jahrzehnten, bzw. wird noch heute von Naturvölkern oder naturvolknahen Gruppen oder Lebensgemeinschaften angewendet. Für Hinweise auf entsprechende Quellen und weiterführende Hinweise zu diesem Thema bin ich sehr dankbar.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (44).
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Weitere Herstellung des Pinsels aus Bambus und erstes Testen des Streichmaßes an dem Baumberger Kalksandsteinstück, das zuvor als Schleifgrund zum Beschliff des Vasenrohlings aus Baumberger Kalksandstein diente.
Bild OL: Plattdrücken des "Pinselkopffchens" mit dem zuvor verwendeten Dechselblatt aus Kupfer (modernes industrielles Stangenkupfer; Zusammensetzung und Kupferqualität aktuell unbekannt).
Bild OR: Das mit dem Dechselblatt aus Kupfer plattgedrückte Pinselköpfchen.
Bild UL: Einweichen des Pinselköpfchens in Leitungswasser.
Bild UR: Erstes (erfolgreiches) Austesten des hergestellten Streichmaßes an einer geraden und winkligen Kante des Stücks Baumberger Kalksandstein, das zuvor als Schleifgrund für den Beschliff des Vasenrohlings aus Baumberger Kalksandstein diente (damit das Streichmaß gut funktionierte, wurde das relevante Ende des Kupferdrahtabschnitts mit der Metallfeile relativ spitz gefeilt, was dazu führte, dass der Kupferdraht im Einsatz im Streichmaß den Baumberger Kalksandstein zuverlässig anritzte.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (43).
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Das aus seinen Einzelkomponenten zusammengesetzte Streichmaß und der noch weiter zu bearbeitende Pinselrohling.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (42).
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Neuerliche Einfärbung des Rohlings und Herstellung einer "Streichmaß-Lehre" sowie eines kleinen "Pinsels" aus einem Segmentabschnitt von Bambusrohr (für die Herstellung der Streichmaß-Lehre kam dann noch ein Abschnitt von modernem Kupferdraht, Durchmesser 3 mm, CU 99,9%, halbhart, Anode) zum Einsatz. Für die Herstellung der hier dokumentierten Werkzeuge aus Bambusrohr und Kupferdraht wurden aus Zeitgründen moderne Werkzeuge verwendet (Taschenmesser, Wasserrohrzange, Metallfeile).
Bild OL: Einfärben des Rohlings mit der zuvor verwendeten "Farbe"
Bild OR: Zurechtformen der Streichmaß-Lehre und des Rohlings für den hergestellten Pinsel aus Bambusrohr mit einem handelsüblichen Taschenmesser (hier wurde das Federmesser des Taschenmessers verwendet).
Bild UL: Die in Herstellung befindlichen Komponenten und die dafür verwendeten Werkzeuge im Überblick.
Bild UR; Die Komponenten für die Herstellung des Streichmaßes und der Rohling für den Pinsel aus Bambusrohr.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (41).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der Rohling aus Baumberger Kalksandstein nach dem Feinbeschliff auf einem Schleifgrund aus demselben Material unter Zugabe des bisher verwendeten feinen Quarzsandes als Abrassiv (Trockenschliff).
Mit dem Feinbeschliff der Deckfläche und der temporären Standfläche des Rohlings wurden Deck- und Standfläche auch im Hinblick auf eine allseitig relativ senkrechte (90°-Winkel) Orientierung des Rohlings zu jeweiligen glatten Aufstellflächen bearbeitet (gilt sowohl für die Deck- als auch dei temporäre Standfläche, D.H. der Rohling wurde in seiner Gesamtausformung nach Augenmaß relativ "winklig" geschliffen.
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Re: Historische Steinbearbeitung nach altägyptischen Vorbild

Beitragvon Sculpteur » 08.06.2023 11:29

Dokumentation des Vorversuchs zur Nachempfindung eines kleinen Vasenrohlings aus Kalksandstein (Fortsetzung)

- in Anlehnung an altägyptische Vorbilder -

Für die Anwendung des steinmetz- und steinbildhauertypischen Einsatzes von sog. "Hilfsflächen" speziell im Bereich der altägyptischen Herstellung von steinernen Gefäßen sind mir aktuell keine direkten altägyptischen (gesicherten) Vorbilder bekannt. Es sprechen jedoch einige Gründe dafür, dass die alten Ägypter im Bereich der Herstellung von Gesteinsgefäßen in speziellen Fällen (nicht mutmaßlich generell) Hilfsflächen auf die hier im Vorversuch dokumentierte oder eine relativ ähnliche Art und Weise verwendeten.
Ein starkes Indiz hierfür liefert ausgerechnet eine von Alternativtheoretikern, die Erkenntnisse der modernen Ägyptologie und Archäologie in weiten Zügen ablehnen um ihre eigenen Weltbilder zu etablieren erstellte Quelle:
Gleich zu Beginn des hier zitierten Youtubevideos [Filmminute 00:33 - 00:55] ist deutlich die Zwischenbearbeitungsstufe eines auf einer Steinfläche angearbeiteten Halbrunfdstabs zu sehen [YTspez.2]:
Sofern davon auszugehen ist, dass es sich bei dem im Video gefilmten Artefakt - einem unvollendeten steinernen ausgehöhlten kistenartigen Objekts mit umlaufenden Zierstäben - heute in allen Punkten um ein noch origionalgetraues altägyptisaches Artefakt handelt, das nicht z.B. durch neuzeitliche Restautrierungsmaßnahmen o.ä. verfälscht wurde, findet sich an eben diesem Artefakt ein starker Hinweis auf damalige altägyptische Steinbearbeitungstechniken:
Mit der Machart des Halbrundstabs, die ggf. (siehe oben) dann sehr wahrscheinlich einen Zwischenbearbeitungsstand vor der Fertigstellung des Halbrundstabs durch die alten Ägypter darstellen würde, wäre dann quasi die eindeutige Anwendung von Hilfsflächen durch die alten Ägypter zur Bearbeitung von Gestein dokumentiert.
Ob die auf dem im Video gezeigten Hilfsflächen auf dem vermutlich unfertigen Halbrundstab in dem Fall von den alten Ägypter zuvor entsprechend angerissen wurden, bleibt ohne weitere Indizien und direkte Nachweise (z.B. Farbreste und Anrisslinien) ausschließlich zu spekulieren. Es ist jedoch sehr naheliegend und höchstwahrscheinlich, dass geometrische Elemente an dem gezeigten Artefakt - wie z.B. der vermutlich unfertige Halbrundstab in ihrer Position auf dem steinernen Artefakt vor der Bearbeitung angerissen (also "markiert") wurden: Dieser Bearbeitungsschritt zur Herstellung desw Halbrundstabs wäre aus heutiger steinmetztechnishcer Sicht eigentlich kaum (sehr unwahrscheinlich) anders einzuordnen und zu bewerten.
In Frage für die damalige Herstellung des (hier unfertig wirkenden) Halbrundstabs käme dabei allerdings auch, dass
lediglich die wesentlichen geoemtrischen Bezüge auf der steinernen Fläche durch entsprechendes Vermessen und Anreissen hergestellt wurden und die altägyptischen Steinwerker - innerhalb eines gewissen Rahmens - anschließend nach Augenmaß weiter bearbeitet und angelegt wurden.
Ob dem so war, lässt sich m.E. nicht nachweisen. Es kann m.E. aber davon ausgegangen werden, dass die Hilfsflächen auf dem Halbrundstab zur Anäherung der vermutlich geplanten runden Endausformung nach einer allerhöchstens anfänglich erfolgenden klopfenden Bearbeitung mit Klopfsteinen schließlich unter Verwendung von handgeführten, entsprechend geeigneten Schleifsteinen hergestellt wurden.
Dies hätte auch den Sinn gehabt, die in ihrer Struktur sehr empfindliche Anformung des auf der Fläche erhaben freistehenden Halbrundstabs weitestmöglich zu schützen: Einige falsche Hiebe, bzw. Beklopfungen mit z.B. einem Klopfstein bei Anwendung auf z.B. grobkörnigen Granit können genügen, um die Form einer solchen Ausarbeitung in Werkstein zu zerstören.
Von der gesamten Machart des Rundstabs her würde ggf. (siehe oben) deutlich werden, dass bereits die alten Ägypter (relativ zwangsläufig) steinmetztechnisch so vorgegangen sind (bzw. vorzugehen gezwungen waren), wie es Steinmetzen Steinbildhauer, Natursteinwerker (u.a.) auch heute noch tun, wenn Gestein manuell bearbeitet wird:
Mittels Anfasungen, also dem Anlegen von Hilfsflächen werden Abrundungen an z.B. Rundstäben und abzurundenden Natursteinkanten zunächst angearbeitet, um sich einer auszuarbeitenden geometrischen Ausformung eines Bereichs eines Werksteins verlässlich exakt anzunähern um schließlich in einer feinen Nachbearbeitung Rundungen (z.B. an Rundstäben) final auszuarbeiten.
Die im zitierten Video zu betrachtende Bearbeitung des Gesteins (hier vermutlich Granit) entspricht also absolut steinmetztypischen und sinnvollen Vorgehensweisen wie sie noch heute angewendet werden.
Damit bilden solche ggf. (siehe oben) authentischen Bearbeitungsspuren an z.B. altägyptischen steinernen Artefakten keinesfalls geeignete Nachweise für abzulehnende absurde Behauptungen, wie sie etwa die Videoersteller aufstellen und verbreiten:
Die Videoersteller behaupten, dass die alten Ägypter "Power-Tools" (als hochtechnologische "Maschinen" für die Bearbeitung von Gestein) verwendet hätten und führen als "Beweise" für ihre Behauptungen aus steinmetztechnischer Sicht absurd wirkende Argumente und Begründungen an.
Die hier zitierte Quelle ist deshalb im Hinblick auf nichtfaktische Zusammenhänge mit äußerster Vorsicht zu genießen, denn in der Quelle werden insgesamt Behauptungen auf Grundlage absurd interpretierter Indizien verbreitet [YTspez.2], die dazu dienen sollen "neue Weltbilder über die Vergangenheit zu etablieren" (ungefährer aus van Kerkwyks Aussagen auf dem von ihm betriebenen Youtube-Kanal UnchartedX abzuleitender Sinnzusammenhang bzw. Wortlaut).

Altägyptische Artefakte müssen im Hinblick auf die stellenweise mit recht großer Wahrscheinlichkeit zu spekulierende Verwendung von Hilfsflächen in Prozessen der Werksteinbearbeitung bedürfen sicherlich einer verschiedentlich differenzierenden Bewertung: Es ist gut möglich, dass die alten Ägypter zwischen solchen steinernen Gefäßen unterschieden, die größtenteils - oder auch gänzlich - "frei nach Augenmaß" geformt wurden und solchen, bei denen spezielle (ggf. notwendige) Vermessungstechnologie zum Einsatz kam (zu diesen würde dann ggf. auch z.B. der Einsatz von Hilfsflächen gehören).

Insbesondere die sehr hohe Präzision mit der altägyptische Hartgesteinsgefäße bestimmter altägyptischer Zeitabschnitte hergestellt wurden, lässt die Anwendung spezieller Vermessungstechnologie zumindestens annehmen, bzw. unter bestimmten Umständen möglicherweise sogar als unverzichtbar erscheinen, wenn z.B. davon ausgegangen werden soll, dass an zwei Punkten achsgelagerte "Drehbänke" (oder ähnlich geartete Aparraturen) für das Abdrehen von Werkstein im alten Ägypten nicht zur Anwendung kamen (die Frage, ob sich solche Apparaturen für das alte Ägypten für spezifische Zeitabschnitte nachweisen lassen, kann meines Wissens und meiner bisherigen Anschauung nach nicht unbedingt eindeutig mit "Nein", aber auch nicht unbedingt eindeutig mit "Ja" beantwortet werden und bedarf m.E. weiterer Erforschung).
Erste Nachweise für die Verwendung von "Drehbänken" bzw. Drechselbänken tauchen in der Historie für das alte Ägypten erst deutlich später auf.
Solange keine konreten altägyptischen Nachweise (oder Nachweise für spezifische Zeitabschnitte im Hinblick auf das Alte Ägypten aus anderen, benachbarten Kulturen; z.B. Mesopotamien; auffindbar bzw. existent sind, kann eine Beweisführung für die Technologien, welche von den alten Ägyptern zur Herstellung sehr präziser steinerner Rundkörper angewendet wurden, ausschließlich über fachpraktisch deduzierende (und damit indirekte; als im strengeren Sinne experimentalarchäologische) "Nachweise" bzw. "Nachweisversuche" gefunden und geliefert werden.
Um einen ungefähren Ausblick über das tatsächliche potenzielle Vorhandensein solcher zu spekulierenden Apparaturen für das alte Ägypten überhaupt geben zu können, müssen zuvor nach dem Ockhamśchen Sparsamkeitsprinzip sämtliche überhaupt in Frage kommenden handwerklichen (und insgesamt manuellen) Möglichkeiten nach dem Ausschlussprinzip gefunden bzw. "erfunden" und im Hinblick auf damit erreichbare Präzisionen bewertet und erprobt werden.
Hier kommt die handwerkliche Auseinandersetzung mit den oben genannten Fragestellungen durchaus an einen schwierigen Punkt: Es existieren in der manuellen Steinbearbeitung einige verschiedene Möglichkeiten, Rundkörper relativ hoher Präzision herzustellen, die den Anschein erwecken können, es handle sich um "gedrehte" Werkstücke im Sinne der Anwendung einer "Drehbank" bzw. einer mittels Rotation formenden Steinbearbeitung: Wie die in diesem Themenabschnitt dokumentierte handwerkliche Vorgehensweise aufzeigt (und versuchen wird noch aufzuzeigen) verbleibt damit als ausschließliches Argument für das potenzielle Vorhandensein und die Verwendung von "Drehbänken" für Werkstein im alten Ägypten bestimmter Zeitabschnitte (siehe z.B. Prädynastik) die abzulesende sehr hohe Präzision mancher altägyptischer Artefakte: Es ist allerdings fraglich, ob allein das Vorhandensein einer solchen Präzision ausreicht um mit an absoluter Gewissheit grenzender Wahrschenilichkeit Aussagen darüber treffen zu können, ob die alten Ägypter "Drehbänke" (oder ähnlich geartete Apparaturen) für das Abdrehen von Werkstein verwendeten oder nicht.
Wenn auch ohne den Einsatz spezieller und spezifischer Apparaturen nachgewiesen werden kann, dass sich Rundkörper bzw. "Radialkörper" aus Werkstein herstellen lassen, würden sich damit die Möglichkeiten, konkrete Aussagen über altägyptische Herstellungsmethoden von steinernen Gefäßen hoher Präzision treffen zu können, enorm verringern und würden ohne (ungesicherte) Mutmaßungen niemals auskommen.

Zu dem Konzept der Anwendung von Hilfsflächen in der Werksteinbearbeitung
Das handwerkliche und kunsthandwerkliche Konzept der sog. "Hilfsfläche" ist uralt und typisch für die Steinmetzen und Steinbildhauer der vergangener Epochen. Anwendung findet diese elementare Hilfstechnik für die Steinbearbeitung noch heute; die Herstellung von Hilfsflächen ist für spezifische Bereiche der manuellen Werksteinbearbeitung sogar relativ unverzichtbar (Ausnahmen bestätigen die Regel) und unterscheidet sich damit von "freiem bildhauerischem" Arbeiten (im Sinne der Nichtanwendung von Hilfsflächen): Auch ohne die Verwendung von Hilfsflächen kann man sich bildhauerisch (bei entsprechender Erfahrung und Befähigung) an bestimmte auch komplexere Formzusammenhänge herantasten. Die Herstellung von Hilfsflächen ist jedoch für jeden Teil einer manuellen Werksteinbearbeitung mit stark geometrischen - bzw. in geometrische Bezüge auflösbaren - Formenausprägungen stellenweise -relativ, siehe oben - unverzichtbar und insgesamt anzuraten.
Die steinmetztypische Verwendung von Hilfsflächen steht im stellenweisen Übereinklang mit grundlegender Proportionslehre bzw. ermöglicht eine grundlegende Anwendung von Proportionskanons auf die Werksteinbearbeitung. Bereits die alten Ägypter waren sich des praktikablen Sinns und der Möglichkeiten von Hilfsflächen in der Werksteinbearbeitung bewusst:
Der Einsatz von Hilfsflächen in der Werksteinbearbeitung im alten Ägypten ist (vermutlich) jedoch nur stellenweise eindeutig ablesbar:
An manchen Rohlingen für steinerne Gefäße (z.B. Vasen) und deren damaligem Bearbeitungsstand lässt sich die Anwendung des Konzepts der Hilfsflächen nicht ablesen (siehe z.B. [WWW1].
Deutlich ablesbar ist die Anwendung des Konzepts der Hilfsflächen in der Werksteinbearbeitung der alten Ägypter jedoch z.B. vielfach in der altägyptischen Statuen- und Stauettenherstellung (siehe [WWW2]):
Hier ist m.E. jedoch eher davon auszugehen, dass Hilfsflächen im größeren Stil nicht von den alten Ägyptern angewendet wurden, weil altägyptische Bildhauer nicht dazu in der Lage gewesen wären, z.B. Statuen und Statuetten auch ohne Verwendung von Hilfsflächen "frei" bildhauend herzustellen: Aus den altägyptischen Errungenschaften im Bereich der Bildhauerei lässt sich ablesen, dass diese Bildhauerische Befähigung bei altägyptischen Bildhauern zumindestens stellenweise vorhanden war:

Der starke Einsatz von Hilfsflächen in der Statuen- und Statuettenherstellung im alten Ägypten erfüllte m.E. zwei wesentlichere Aspekte:
- über die Verwendung von Hilfsflächen - und damit die Anwendung starker "Durchrasterungen" eines Entwurfs für z.B. eine Skulptur ließen sich Bearbeitungs- und Herstellungsprozesse von Werkstücken besser durchorganisieren und durchrationalisieren: Von einem entsprechend geschulten Vorarbeiter bzw. auch "Meister der Bildhauerei", ggf. evtl. auch von einem erfahrenen Schreiber vorgezeichnete Entwürfe, die im alten Ägypten auch direkt auf Werksteinblöcke übertragen werden konnten, hatten insbesondere für große und volumenträchtige Werke einige Vorteile im Hinblick auf Arbeitsteilung: Facharbeiter und Gehilfen, die dafür zuständig waren, z.B. Material großflächig an einem Werkstück abzutragen, Hilfsflächen einzuebnen oder z.B. Bohrungen in Werkstücke zur großzügigen Materialentfernung einzubringen, mussten im alten Ägypten nicht zwangsläufig über bildhauerische oder weitgreifendere steinmetztechnische Befähigungen und Erfahrungen verfügen: Die von z.B. einem erfahrenen Vorzeichner vorgenommene Vorzeichnung auf z.B. einem Steinblock ermöglichte spezialisierte Arbeitsteilung unter den Fachkräften: Jeder für die Herstellung eines Kunstwerks eingesetzte Spezialist war aufgrund der Vorgaben durch eine Vorzeichnung und Aufrasterung eines herzustellenden Objektes befähigt, einen Werkstein entsprechend zu bearbeiten, damit hochspezialisierte Fachkräfte schließlich das "Finish" einer z.B. Skulpturenherstellung, die filigrane Feinausarbeitung von (bildhauerischer) finaler Form und Kontur vornehmen konnte.
Solche Arbeitsteilung, die durch die strengen Vorgaben einer Vorzeichnung (und damit durch existierenden Formen. und Proportionskanon (siehe z.B. [Bammes, 1995, S. 86]) möglich war bot sich im alten Ägypten deshalb insbesondere für die sehr aufwändige, zeit- und materialintensive Hartgesteinsbearbeitung an.

- Ein zweites wichtiges Argument, das für die "durchrasternde" Konstruktion von Werkzeichnungen für z.B. Skulpturen im alten Ägypten spricht, findet sich in der starken Affinität der alten Ägypter zu einer ausgeprägt strengen Formensprache und Proportionslehre: Die Durchrasterung von Werkzeichnungen (und Vorzeichnungen) ermöglichte eine einfachere Übertragung herrschender strenger Formen- und Proportionskanon's. Gleichzeitig ließen sich die Errungenschaften der altägyptischen Formen-und Proportionskanon's wiederum ausgezeichnet auf die Anwendung von Hilfsflächen in der Werksteinbearbeitung anwenden.

QUELLEN:

Bücher:

Bammes, Gottfried: Die Gestalt des Menschen : Lehr- und Handbuch der Künstleranatomie; 8. überarb. Aufl.; Ravensburger Buchverlag, Ravensburg, 1995.

Stocks, Denys A.: Experiments in Egyptian Archaeology - Stoneworking Technology in Ancient Egypt, Verlag Routledge; Taylor&Francis Group, London (UK), 2013

Internetseiten:
[WWW1]
Homepagebezeichnung: Digital Egypt for Universities
Homepagelink: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... lcome.html
Kanalbetreiber / Creator: University College London
Copyright: University College London, 2000 (u. ggf. andere, 2000 - 2003)
Titel zitierte Seite: Stone and stone working in Ancient Egypt: vessels
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 10.06.2023; 11:30 Uhr MEZ
Link zur themenrelevanten Internetseite: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... ssels.html

[WWW2]
Homepagebezeichnung: Digital Egypt for Universities
Homepagelink: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... lcome.html
Kanalbetreiber / Creator: University College London
Copyright: University College London, 2000 (u. ggf. andere, 2000 - 2003)
Titel zitierte Seite: Stone and stone working in Ancient Egypt
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 10.06.2023; 11:30 Uhr MEZ
Link zur themenrelevanten Internetseite: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/di ... pture.html

deutschsprachige Wikipedia:
Bibliografische Angaben für „Elephantine“
Seitentitel: Elephantine
Herausgeber: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie.
Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
Datum der letzten Bearbeitung: 26. Februar 2023, 10:34 UTC
Versions-ID der Seite: 231263830
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?ti ... =231263830
Datum des Abrufs: 10. Juni 2023, 10:05 UTC

[YTspez.1]:
Youtube (Spezialquellen, die in weiten bzw. wesentlichen Zügen als unwissenschaftlich eingestuft werden können):
(Wichtiger Hinweis: Ein Zitieren der im Nachfolgenden genannten Quelle bedeutet keinesfalls, dass der Zitierende sämtliche in der Quelle getätigten Aussagen automatisch teilt. Von Aussagen in der genannten Quelle, die nicht eindeutig nachgewiesene technische Aspekte - wie z.B. Berichterstattung über Vermessungen von Objekten mit modernsten Methoden betreffen - distanziert sich der Zitierende ausdrücklich.)
Youtubekanal / Youtubechannel: UnchartedX
Kanalbetreiber / Creator: Ben van Kerkwyk
Copyright: UnchartedX / Ben van Kerkwyk
Videotitel: Ancient Egyptian Vase Scan Update! STL file, More Analysis - and Between the Lug Handles
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 10.06.2023; 11.39 Uhr MEZ
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=PrhFnai2TGs
Videolänge: 54:02 min.

[YTspez.2]:
Youtube (Spezialquellen, die in weiten bzw. wesentlichen Zügen als unwissenschaftlich eingestuft werden können):
(Wichtiger Hinweis: Ein Zitieren der im Nachfolgenden genannten Quelle bedeutet keinesfalls, dass der Zitierende sämtliche in der Quelle getätigten Aussagen automatisch teilt. Von Aussagen in der genannten Quelle, die nicht eindeutig nachgewiesene technische Aspekte - wie z.B. Berichterstattung über Vermessungen von Objekten mit modernsten Methoden betreffen - distanziert sich der Zitierende ausdrücklich.)
Youtubekanal / Youtubechannel: UnchartedX
Kanalbetreiber / Creator: Ben van Kerkwyk
Copyright: UnchartedX / Ben van Kerkwyk
Videotitel: Smoking Gun Evidence for Ancient Granite Machining! Elephantine Island
Datum und Zeitpunkt des Abrufs / Version: 10.06.2023; 11.41Uhr MEZ
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=K80JebExyEY
Videolänge: 29:28 min.


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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (70).
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Weitere Vertiefung und Feinausarbeitung unterhalb des geplanten Vasenrands am Rohling aus Baumberger Kalksandstein (Bild OL, OR, UL, UR).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (69).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Vertiefung und schärfere Ausarbeitung der Unterseite unterhalb des geplanten Vasenrands am Rohling aus Baumberger Kalksandstein. Die Ausarbeitung sollte hier zur Einnutung entlang des Umfangs ausgearbeitet werden. Hierfür wurde der Rohling in den entsprechenden Bereichen an verschiedenen, mit modernen Mitteln industriell bruchrauh gearbeiteten Kanten einer handelsüblichen Schieferschindel geführt.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (68).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Verschiedene Ansichten des Zwischenbearbeitungsstands des hier mit Leitungswasser abgewaschenen und vom Staub befreiten Rohlings aus Baumberger Kalksandstein: die von den vorherigen Abrollungen des Rohlings auf der eingefärbten glatten Oberfläche eines Stücks Ibbenbürener Sandstein erzeugten Abfärbungen am Rohling sind deutliches indiz für die vorhandenen Exaktheiten des Rundkörpers in den spzifischen (eingefärbten) Bereichen. Diese Bereiche dienen als quasi "Umfangshilfsflächen" für die weitere Bearbeitung des Rohlings als wichtige Orientierungspunkte, weshalb bei der vorherigen Bearbeitung des Rohlings darauf geachtet wurde, diese nicht wegzuarbeiten.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (67).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Weitere grobe Auskehlung des Bereichs unterhalb der für den Vasenkörper geplanten "Henkelchen":
Bild OL, OR, UL: Zwischenbearbeitungsstände der groben Auskehlung.
Bild UR: Detailaufnahme des Zwischenbearbeitungsstands der Auskehlung.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (66).
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Bearbeitungszwischenstand des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein und erstes grobes Anlegen einer groben Auskehlung mit zur Oberseite der geplanten späteren Vase hin scharfnutig geplanten zuvor taillierten Bereichs des Rohlings:
Bild OL: Bearbeitungszwischenstand des Rohlings.
Bild OR: Erstes beschleifendes grobes Auskehlen des oberen Bereichs der zuvor hergestellten Taillierung am Rohling (in Bezug auf spätere Vasenoberseite).
Bild UL, UR: Weiteres grobes Ausschleifen der Auskehlung an geeigneten scharfkantigen Betonkanten.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (65).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Beschleifendes grobes Auskehlen der Unterseite des geplanten Vasenrands am Rohling aus Baumberger Kalksandstein an verschiedenen geeigneten scharfkantigen Betonkanten:
Bild OL: Die grob angelegte Auskehlung unterhalb des geplanten Vasenrands.
Bild OR: Nacharbeiten der grob angelegten Auskehlung.
Bild UL: Zwischenbearbeitungsstand der groben Auskehlung.
Bild UR: Fertigstellung der groben Auskehlung an einer geeigneten scharfkantigen Betonkante.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (64).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
-Informationen folgen baldmöglich -
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (62).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Feinere schleifende Ausarbeitung der Deckelchenunterseite am Rohling aus Baumberger Kalksandstein an verschiedenen geeigneten Betonkanten.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (61).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Grobes Einkehlen des Bereichs am Rohling aus Baumberger Kalksandstein der später die Deckelchenunterseite mit noch vorhandenem Ansatz zum geplanten Vasenkörper bilden wird:
Bild OL, OR: Grobes Einkehlen des Bereichs für das Anlegen der Deckelchenunterkante an einer scharfkantigen Betonkante.
Bild UL, UR: Erstes grobes Ausschleifen und Anlegen der scharfnutigen Deckelchenunterkante an verschiedenen geeigneten Bétonkanten.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (60).
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Weitere steilnutige Ausarbeitung der Aufplattung mit Knopfansatz.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (59).
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Weiteres Auskehlen des durch Hilfslinien zuvor festgelegten und grob angefasten Bereichs am Rohling aus Baumberger Kalksandstein.
Bild OL: Weiteres Auskehlen der Anfasung an einer passenden rauhen und scharfkantigen Betonkante.
Bild OR: Das Zwischenergebnis des indirekten Ausschleifens (Auskehlens) des mit angerissenen Hilfslinien markierten Bereichs.
Bild UL: Erweitern der grob angelegten Auskehlung und Erstes Anformen der Aufplattung an der Unterseite (der ehemals temporären Standfläche) des Rohlings und Erstes Anlegen einer geplanten rechtwinkligen Ausnutung zum Anlegen des noch auszuarbeitenden Deckelchenknopfs.
Bild UR: Der Bearbeitungs-Zwischenstand für die Erste Ausformung der Aufplattung und das Anlegen des Deckelchenknopfes.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (58).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Die durch (hier von mir sogenanntes) "indirektes Beschleifen" grob angeschliffene Anfasung und die anschließende schleifende Einkehlung der Anfasung an den Rohling aus Baumberger Kalksandstein:
Bild OL, OR: Die grob angeschliffene Anfasung mit Blickwinkel von der Seite und als Draufsicht auf den Rohling
Bild UL: Erstes grobes "Auskehlen" der Anfasung an einer entsprechend passenden scharfkantigen Betonkante.
Bild UR: die am Rohling durch Beschleifen grob angelegte "Hohlkehle".
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (57).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Anriss mit dem vom Entwurfsaufriss auf Baumberger Kalksandstein abgenommenen Aufriss: Mit dem Streichmaß wird eine noch fehlende kreisförmige Anrisslinie auf der Unterseite des Rohlings (temporäre Standfläche) abgerissen.
Grobes Anarbeiten einer ersten, durch zuvor aufgetragene Anrisslinien definierten "Hilfsfläche".
Geschliffen wurde an verschiedenen Kanten eines z.T. (zu einer Tischplatte) gegossenen Betonblocks. Die Kanten an denen geschliffen wurde, könnten für die angewendete Bearbeitung des Rohlings relativ beliebig durch entsprechend ausgewählte bzw. hergestellte Kanten und Flächen mittelharter bis harter Gesteine (z.B. Sandstein) ersetzt werden.
Bild OL: Radiales Anreissen einer weiteren Hilfslinie auf der Unterseite (temporäre Standfläche) des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein mit dem selbsthergestellten Streichmaß.
Bild OR: Erstes grobes schabendes Abarbeiten von Material am Rohling zur Herstellung einer ersten Hilfsfläche (Fase, bzw. Anfasung).
BILD UL: Erstes Zwischenergebnis des Anschliffs der herzustellenden Anfasung.
Bild UR: Der auf der anzulegenden Anfasung nach Beschliff noch anstehende Bossen.
Das handwerkliche und kunsthandwerkliche Konzept der sog. "Hilfsfläche" ist uralt und typisch für die Steinmetzen und Steinbildhauer der vergangener Epochen. Anwendung findet diese elementare Hilfstechnik für die Steinbearbeitung noch heute; die Herstellung von Hilfsflächen ist für spezifische Bereiche der manuellen Werksteinbearbeitung sogar unverzichtbar und unterscheidte sich damit von "freiem bildhauerischem" Arbeiten (im Sinne der Nichtanwendung von Hilfsflächen: Auch ohne die Verwendung von Hilfsflächen kann man sich bildhauerisch (bei entsprechender Erfahrung und Befähigung) an bestimmte auch komplexere Formzusammenhänge herantasten. Die Herstellung von Hilfsflächen ist jedoch für jeden Teil einer manuellen Werksteinbearbeitung mit stark geometrischen - bzw. in geometrische Bezüge auflösbaren - Formenausprägungen stellenweise unverzichtbar, bzw. insgesamt sehr sinnvoll.
Das Bearbeiten von Werkstein unter Verwendung von Hilfflächen ist auch heute berufsbildtypisch für Steinmetzen und Steinbildhauer.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (56).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Übertragung der aus den angefertigten Aufriss für die Herstellung des Vasenrohlings ablesbaren Abmessungen:
Bild OL: Abnehmen einer Abmessung am Aufriss zur Übertragung mit dem Strichmaß auf den Rohling aus Baumberger Kalksandstein (als Umfangsanriss). Als Justierung bei Anwendung des Strichmaßes dient hier mein Daumen.
Bild OR: Übertragen der vom Aufriss ebgenommenen Abmessung auf den Rohling unter Verwendung des selbsthergestellten Strichmaßes.
Bild UL: Übertragung weiterer Abmessungen aus dem Aufriss auf den Rohling.
Bild UR: Die mit dem Strichmaß auf den Rohling übertragenen Umfangsanrisse.
(mehr zur speziellen Vorgehensweise des Anlegens von sog. steinmetz- und steinbildhauertypischen "Hilfsflächen" später.)
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (55).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der Rohling aus Baumberger Kalksandstein und der Aufriss für die ungefähre finale Form der in Herstellung befindlichen Vase aufgerissen auf Baumberger Kalksandstein.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (54).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Der Entwurf für die ungefähre finale Ausformung der in Herstellung befindlichen kleinen Vase aus Baumberger Kalksandstein:
Bild L: Die mit dem selbsthergestellten Bambuspinsel und der selbsthergestellten Farbe auf dem Aufrissgrund aus Baumberger Kalksandstein aufgerissene Umriss-Kontur des geplanten finalen Vasengefäßes.
Bild R: Die mit der selbsthergestellten Farbe ausgemalte Kontur
Der Maßstab des Aufrisses im Verhältnis zum Rohling beträgt hier 1 : 1.
Die Abmessungen des Rohlings betrugen bei dem hier dokumentierten Bearbeitungsstand eine Länge bzw Höhe von ca. 110 mm und einen (maximalen) Durchmesser von ca. 47 mm.
Der geplante Deckel für die herzustellende Vase aus Kalksandstein befindet sich hier im Aufriss an der Unterseite des Rohlings mit der Oberseite nach Außen.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (53).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Weitere Ausarbeitung der Risszeichnung (Radialriss in Läöngsachse des fertigzustellenden Rundkörpers) für die Herstellung einer kleinen Vase aus Baumberger Kalksandstein:
Bild OL: Der bisher angefertigte Anriss mit der Vorlage des Rohlings aus Baumberger Kalksandstein.
Bild OR: Anriss weiterer Konstruktionslinien (die hier zugefügten Konstruktionslinien wurden nach gestalterischem Empfinden und mit der Vorstellung einer Formausarbeitung für den Rohling hinzugefügt (Anriss hier nach gestalterischem Gefühl und nicht nach etwaigem "Proportionskanon").
Bild UL, UR: Anreissen erster Details der geplanten endgültigen Form der herzustellenden steinernen Vase (hier mit bereits angelegtem geplantem Deckel, der an der Unterseite des walzenförmigen Rohlings von mir konzipiert wurde (und im weiteren Verlauf des Herstellungsprozesses entsprechend vom Rohling abgetrenn werden soll).
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (52).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Weitere Ausarbeitung des Anrisses für die geplante endgültige Form der in Herstellung befindlichen Vase aus Baumberger Kalksandstein:
Bild OL: Bearbeitungsstand des Anrisses: Grundform (Trapez mit eingezeichneten Konstruktionslinien der Taillierung des Rohlings.
Bild OR: Anreissen von Markierungen für das Anlegen einer Mittenliinie (in Richtung der Längsachse des im Anriss dargestellten Rundkörpers) nach Augenmaß.
Bild UL: Anreissendes Verbinden der Mittenlinienmarkierungen und Fertigstellung der Mittenlinie.
Bild UR: Der Hauptanriss für die Darstellung des Rohlings mit Mittenlinie.
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Nachempfindung eines Rohlings für eine kleine Vase aus Weichgestein Altes Ägypten (51).
Bildrechte: (C) me. Vinzenz Maria Hoppe, 2023
Verbindung der Konstruktionslinien und angerissenen Markierungen zu einem sehr leicht konisch zulaufenden Trapez und Anreissen weiterer Hilfslinien.
Bild OL: Anriss des Trapezes.
Bild OR: Das angerissene Trapez und der Rohlings aus Baumberger Kalksandstein, dessen Hauptabmessungen als Vorlage für den Trapezanriss dienten.
Bild UL: Übertragen des taillierten Bereichs am Rohling durch anreissendes Markieren
in der aufgerissenen Trapezform.
Bild UR: Anriss der Konstruktionslinien für die Taillierung des Rohlings durch verbindendes Anreissen der zuvor erzeugten Markierungen.
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