Arbeitsweisen und Werkzeuge

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Beitragvon Blattspitze » 08.10.2008 16:02

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Beitragvon Fridolin » 08.10.2008 17:47

Als ich gestern durch Talheim kurvte dachte ich sofort an das BK-Massengrab. Der Schuhleistenkeil mal Werkzeug zur Holzbearbeitung mal tödliche Waffe? Dumme Frage: Wie bzw. womit hat man im Alt-/ Mittelneolithikum Rinder, Schweine, Ziegen oder Schafe geschlachtet? Ich kann mir vorstellen, dass ein Schuhleistenkeil oder eine Hammeraxt dazu gut geeignet waren. Aber wie sieht es mit entsprechenden Nachweisen aus?

Ein Kupferbeil als Instrument zum Schlachten? Als Laie kann ich mir das ebenfalls vorstellen.

Viele Grüße Fridolin


PS: Die Bezeichnung ?Schraubenzieher? ist ja auch sehr eng gefasst. Was kann man mit diesem wunderbaren Werkzeug alles machen! Ich verwende ihn u.a. als Stichel, Bohrer oder Stechbeitel bei der Holzbearbeitung (wenn nix anderes da ist), als Hebel, als Punze, zum Fingernägel säubern (ich geb?s ja zu) und von Fall zu Fall zum Lösen oder Befestigen von Schrauben. Aber leider wird er von manchen Leute auch als Stichwaffe missbraucht... (Ein Fall für die Gebrauchsspurenanalyse!).
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Beitragvon ulfr » 09.10.2008 00:14

Fridolin hat geschrieben: Rinder, Schweine, Ziegen oder Schafe geschlachtet?


Im Mittelneolithikum der Schweiz (Pfyn) wurden die Schweine (seltsamerweise) mit Pfeil und Bogen geschossen. Könnte damit zusammenhängen, dass man keine Lust hatte, eins zu fangen. Ich guck mal, ob sich sonst Belege finden.
Ich würde aber mal vermuten, dass Haustiere eher sowas wie geschächtet wurden, denn Blut war Rohstoff/Nahrung...

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Beitragvon Ragnar » 09.10.2008 01:40

Vieleicht waren die Schweine auch nur etwas wehrhafter, ähnlich der Wildschweine. Die wurden in der Gefahrenstufe vor dem Bär gehandelt.
Jedes Tier wird sowieso anders geschlachtet. Ein Pferd nicht wie ein Rind , ein Schaf nicht wie ein Schwein. In unseren Breitengraden wird nicht geschächtet.
Das Fleisch verdirbt bei unseren Temeraturen nicht so schnell, da ja eh der Spätherbst Schlachtzeit ist.
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Beitragvon denali » 09.10.2008 12:41

In Griesstetten (Chamer Gruppe) gab es Rinderschädel mit Beileinschlag in der Stirn. Der Einschlag war senkrecht, sozusagen von einem Beil das vermutlich schräg von oben, oder aber von vorne bei erhobenem Rinderschädel geführt wurde. Wenn ich mich recht erinnere konnten wir sogar ein Beil bergen das zu einigen Einschlägen passte.
Schaf- und Ziegenschädel hatten keine Einschläge.
ulfr hat geschrieben:
Im Mittelneolithikum der Schweiz (Pfyn) wurden die Schweine (seltsamerweise) mit Pfeil und Bogen geschossen. Könnte damit zusammenhängen, dass man keine Lust hatte, eins zu fangen. Ich guck mal, ob sich sonst Belege finden.
Ich würde aber mal vermuten, dass Haustiere eher sowas wie geschächtet wurden, denn Blut war Rohstoff/Nahrung...

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Beitragvon alpenueberquerer » 29.10.2008 18:57

moin moin

na ja ich habe ja nicht geschrieben das es ein dechsel ist oder einen stoßaxt,
aber wenn ich die hand hinten an den knauf oder knieholm lege habe ich schon fast eine stoßaxt, und beim dechsel brauche ich die schneide bloß um 90 grad zudrehen und schon klappt das. und für feinabeiten war sie sicherlich geeignet gerade weil sie aus kupfer und sehr weich war diente sie sicherlich nicht zum brennholz machen. ich glaube an ein gerät mit fähigkeiten in mehreren richtungen.
bei der jagd könnte aber mit der schneide die schlossnaht geöffnet worden sein oder die rippen von der wirbelsäule getrennt,
davon ab, wo die beschädigungen herkommen kann doch kein mensch sagen nicht mal wie alt die sind.
bei uns auf dem dorf wurden vor dem elektroschock und bolzenschußgerät die schwein schafe und ziegen ja selbst rinder mit nem vorschlaghammer auf den kopf gehauen und zwar mit schwung.
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Schraubstock - Klemmvorrichtung ???

Beitragvon Trebron » 05.12.2008 19:09

Ich habe gerade mal wieder im Keller gebastelt, versucht mit Feuersteinbohrer und Fiedel in eine Geweihgabel ( gibt ein kleines Dechsel ) ein Loch zu bohren !
Mit kleinerem Bohrer erst die harte Außenwandung durchbohrt, dann mit großem aufweiten. Ich hätte da Stunden gebraucht. Zumindest weis ich, was für ne S..arbeit das ist :evil:
Bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass ohne Schraubstock oder sonst einer modernen "Festhaltegerätschaft" kaum was geht, oder viel schwerer.
Hat man einen Gehilfen rekrutiert oder das Werkstück auf einem Ast / Stamm oder sonstwo festgebunden ?
Klemmbrett, Astgabel unter Spannung auf das Werkstück gedrückt ?
Gibt es da Erkenntnisse ?
Vorstellen kann ich mir da einiges, aber ist da was gefunden, woraus man Rückschlüsse ziehen könnte ?

grübelgrübel und studier

Zitat von Ingo:"ich glaube an ein gerät mit fähigkeiten in mehreren richtungen "

Ich denke auch in diese Richtung: Multifunktional
So eine Geweihgeschäftetes kleines Dechsel, das man auf dem Holm in die benötigte Stellung drehen kann, hab ich mir schon vor langer Zeit mal gemacht.

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Beitragvon alpenueberquerer » 08.12.2008 00:12

moin moin
also ich verstehe nicht wieso du schwierigkeiten hast das loch dadurch zu bohren.
ich denke vieles hat man/frau in der steinzeit im hocken oder auf dem bodensitzend gemacht. und es mußte prinzipiell jeder mit helfen ab einem gewissen alter. kinder arbeit war in der steinzeit an der tagesordnung.

immer gebohrt und gedübelt
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Beitragvon Trebron » 08.12.2008 09:17

alpenueberquerer hat geschrieben:moin moin
also ich verstehe nicht wieso du schwierigkeiten hast das loch dadurch zu bohren.
ich denke vieles hat man/frau in der steinzeit im hocken oder auf dem bodensitzend gemacht. und es mußte prinzipiell jeder mit helfen ab einem gewissen alter. kinder arbeit war in der steinzeit an der tagesordnung.
immer gebohrt und gedübelt


Hi Ingo,

ich habe mit "neuen" Methoden keine Schwierigkeiten :D , auch nicht, wenn ich das Teil in den Schraubstock, oder mit Schraubzwinge auf der Tischplatte festspanne. Aber beides gab es in der Steinzeit ja wohl nicht.

Auf dem Boden hocken, das Teil mit den Füßen festhalten und mit der Fiedel bohren, machen einfach meine alten Knochen und mein Bauch nicht mit :dekadent: und Kinder im "brauchbaren" Alter habe ich nicht und Enkel auch nicht :wut1: :mammut2:
Deshalb meine Frage !!!

Gruß

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Beitragvon alpenueberquerer » 10.12.2008 09:34

moin moin
wie dem auch sei treborn, ich habe mir für so gelegenheiten etwas gebastelt.

ein brett mit einer anzahl von kleinen unregelmäßig verteilen löchern um die brettchenmitte herum. meine brettchen für schulklassen sind ca 30 cm lang, 8 - 10 cm breit und ca 2 - 3 cm dick. eines davon hat ca 15 löcher im 3mm bereich. da können, mit feuerstein bewehrten handbohrern, dann muscheln , holz,- oder steinscheiben mit durchbohrt werden. die löcher sind etwas schräg gebohrt das es einen mehr oder weniger klemmartigen effekt gibt. als klemmstäbchen nehme ich kleine dünne äste. diese klemmbrettchen haben sich echt bewährt.
aber was du auch noch machen kannst:
[url][url]http://www.mediatime.ch/museum/pfahlbau/gif/wer13.jpg[/url][/url]
als denne immert feste gebohrt
Zuletzt geändert von alpenueberquerer am 10.12.2008 17:05, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Trebron » 10.12.2008 12:07

Danke Ingo,

Das Unterteil der "Bohranlage" mit den Dübeln hat mich zumindest auf eine :idea: gebracht.
Ich bohre ja freihändig auf einer Unterlage und da muß ich das Teil ja fixieren, damit es nicht mit dreht oder wegrutscht.
Ich versuche mal was zu zeichnen :?

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Beitragvon Fridolin » 10.12.2008 12:27

Norbert,
ein Lehmbett ist die vielleicht einfachste Möglichkeit, einen Stein zu fixieren. Hintergrund: Es wird ja vermutet (und es gibt gute Gründe dafür), dass die Unterlegsteine von Schiebemühlen in Lehmbetten fixiert waren. Ein Vorschlag, ich hab's noch nicht ausprobiert...

Viele Grüße

Fridolin
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Beitragvon ulfr » 10.12.2008 13:04

Das Lehmbett funktioniert hervorragend, sowohl bei Steinen als auch bei Mühlsteinen, bei letzteren kann man dann im Lehm rund um den Mühlstein eine Rinne formen, in der sich das Mehl sammelt, einfacher gehts nicht.

Marquardt, gibt es nicht sogar irgendwo eine Publikation, dass die Kannelierung von Clovis-Spitzen, also das Lösen eines Abschlags von einer Blattspitze im Lehmbett durchgeführt wurde, ich meine, da mal was gelesen zu haben....

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Beitragvon Claudia » 10.12.2008 14:42

Mehl sammeln in einer Lehmrinne? Knirscht das dann nicht ganz unsäglich zwischen den Zähnen? Durch den Abrieb des Mühlsteins hat man ja ggf. schon genug Sand drin, aber in meiner Vorstellung würde so eine Lehmrinne, die man dann ja immer ausfegt, das deutlich verschlimmern. Oder liege ich da falsch?
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Beitragvon ulfr » 10.12.2008 15:24

Unseren Erfahrungen nach nicht, wenn der Lehm trocken ist, bröselt er so gut wie gar nicht mehr. Und das bisschen, was anfällt, macht das Brot auch nicht mehr staubig als der Abrieb von der Mühle. Heilerde :D

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