14C-AMS Datierung an Holzkohle

Palaeozoologie, Palaeobotanik und alle archäologischen Hilfswissenschaften, sowie Methodendiskussionen innerhalb der Archäologie.

14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon Bullenwächter » 17.01.2020 09:49

Mal ne schnelle Frage in die Runde:
Welches Datum kann man bei einer 14C-AMS-Datierung an Holzkohle ermitteln?
Das Wachstumsdatum des Holzes oder der Zeitpunkt an dem das Holz verkohlt wurde?

Hintergrund: Es geht um die Beprobung von Kohlepulver aus dem (vermutlich) 17. Jahrhundert. Ich befürchte aber, dass die Unsicherheiten hierbei den Aufwand nicht echtfertigen. Es ist zu vermuten, dass das Kohlepulver höchstwahrscheinllich aus mehreren Bäumen und Baumteilen besteht. Zudem lag Kohle ca. 200 Jahre in einem wassergefüllten Graben (Eintrag von jüngerer organischen Substanzen).
Die Bäume werden wohl eine Unsicherheit von ca 100 Jahren bewirken, dazu kommen Unsicherheiten augrund des jungen Alters der Probe, der möglichen Verunreinigungen und der systembedingten Messungenauigkeiten.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1472
Registriert: 05.12.2005 16:23
Wohnort: Halstenbek

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon ulfr » 17.01.2020 11:03

Hab mal den Titel um ein fehlendes "Z" ergänzt :3:

M.E. müsste es das Fälldatum des Holzes sein, denn in dem Moment hört das Gewebe auf, Kohlenstoff aufzunehmen, und der Isotopen-Zerfallsprozess setzt ein.
"Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen, und der Dumme weiß alles besser."
Sokrates
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4824
Registriert: 05.04.2006 14:56
Wohnort: Wetterau

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon Bullenwächter » 17.01.2020 11:10

Aber die Zellen im Holz werden doch im Kern des Baumstammes viel früher eingelagert als in Stirnholz. Also müsste nicht das Fälldatum sondern das Datum der Bildung/Einlagerung der Holzzellen den gemessenen Wert wiederspiegeln.

Jedenfalls hatte sich Herr Herzig vom BLFD Thierhaupten dahingehend geäußert, dass die Position der Probe im Stamm bei genauen 14C-Datierungen zu berücksichtigen sei. Ergo das Alter des Baumes selbst schon eine Abweichung ergibt wenn die Probenposition nicht bekannt ist.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1472
Registriert: 05.12.2005 16:23
Wohnort: Halstenbek

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon ulfr » 17.01.2020 11:17

Das ist in der Tat richtig - der Umstand ist mir nicht in den Sinn gekommen!
"Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen, und der Dumme weiß alles besser."
Sokrates
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4824
Registriert: 05.04.2006 14:56
Wohnort: Wetterau

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon Bullenwächter » 17.01.2020 11:21

Was ich mich auch frage ist, ob das Meilern des Holzes zu Holzkohle Einfluss auf den 14C-Wert hat.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1472
Registriert: 05.12.2005 16:23
Wohnort: Halstenbek

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon Bullenwächter » 17.01.2020 16:34

Olli hat es grad noc mal bestätigt.

Gemessen wird das Wachstumsdatum der Holzzelle, also je nach Position im Stamm verschiebt sich das 14C Alter vom Kern zum Splint. Gleiches gilt für Holzkohle - das Meilern hat keinen Einfluss auf das Datum.

Folglich kann man bei einem 14C-Datum einer Holzprobe nicht vom Fälldatum des Baumes s, außer die Probe stammt aus dem äußeren Splintholz.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1472
Registriert: 05.12.2005 16:23
Wohnort: Halstenbek

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon Blattspitze » 17.01.2020 18:58

Bullenwächter hat geschrieben:Folglich kann man bei einem 14C-Datum einer Holzprobe nicht vom Fälldatum des Baumes s, außer die Probe stammt aus dem äußeren Splintholz.

Jep, und dann gibt es auch noch das Altholzproblem, wenn z.B. ältere Bauteile, die weniger der Witterung ausgesetzt waren, wiederverwendet (evtl. sogar mehrfach) wurden, und zum Schluß im Meiler landeten ...
https://www.radiocarbon.com/deutsch/alt ... stehen.htm
"Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden." Gabriel Laub
Benutzeravatar
Blattspitze
 
Beiträge: 2259
Registriert: 17.11.2007 18:38
Wohnort: Hamburg

Re: 14C-AMS Datierung an Holzkohle

Beitragvon Bullenwächter » 17.01.2020 22:09

Danke Blattspize für deinen Hinweis.

Alles in allem betrachtet bringen die breiten Spannen an Unsicherheiten wohl keinen Mehrwert um Proben aus dem 17. Jahrhundert zeitlich näher einzugrenzen.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1472
Registriert: 05.12.2005 16:23
Wohnort: Halstenbek


Zurück zu Archäologie, Naturwissenschaften, Methodik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste