Glockenbecherkultur-Armschutzplatten

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Beitragvon Hans T. » 07.03.2009 18:45

Bracer ist tatsächlich der Armschutz in der Fachsprache (engl.) der Bogenschützen.

Die Platte, besser das Plättchen, das wir im Bestand haben, ist eigentlich auch viel zu klein und zu quadratisch, um einen Schutz zu bieten. Wenn ich mir allerdings zusätzlich die Mühe machen, das auf ein Leder zu nähen...reicht da nicht schlicht das Leder, allenfalls eine Doppellage. Ganz schlau werde ich aus diesen Dingern nicht

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Beitragvon jsachers » 07.03.2009 21:20

http://dict.leo.org/?search=Bracer

Der Aufsatz von Smith ist auch erschienen im Journal der Society of Archer-Antiquaries 49 (2006), S. 50-57.

So weit ich mich erinnere waren seine Argumente gegen eine Verwendung als Armschutz beim Bogenschießen
a) das Fehlen anderer Ausrüstung zum Bogenschießen in den untersuchten Gräbern;
b) das Vorhandensein von zwei Platten in einigen Gräbern;
c) ein hoher Prozentsatz von Funden der Platten in der Nähe des rechten (statt linken) Arms;
d) die häufige Verwendung von importiertem Material statt lokal vorhandenem, was bei einem Ge- oder Verbrauchsartikel zu erwarten wäre (allerdings handelt es sich immerhin um Grabbeigaben ?).

Vom Standpunkt des Bogenschützen aus finde ich das plausibel, aber ich weiß zu wenig (eigentlich nichts ?) über diese Kultur und vergleichbare Funde auf dem Festland, um mir ein Urteil zu bilden.

Grüße,
Jan
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Beitragvon Trebron » 07.03.2009 22:42

Fridolin hat geschrieben:Marquardt,
rötliche Tonschiefer/Tonsteine und Tuffite sind makroskopisch praktisch nicht zu unterscheiden. Das Zeug ist sehr feinkörnig, beim Tuffit ist das Ausgangsmaterial vulkanogen (sedimentär umgelagert). In Norddeutschland hast Du da ganz schlechte Karten. Die beste Trefferquote rote Tuffite anzutreffen hat man wohl im Rotliegenden der Saar-Nahe-Mulde, also grob im Raum Bad Kreuznach- Tholey.
Vielleicht kannst Du Trebron dafür begeistern? Der hat es nicht so weit. Ich komme erst im Sommer in die Region.


Spannende Sache!

Viele Grüße

Fridolin


Das Rotliegende gibt es meines Wissens auch direkt bei uns im Raum Neustadt - Bad Dürkheim und Richtung Landau
Müsste mal bei meinem Verein "Polichia" nachfragen, die "Geologen" dort wissen da sicher Bescheid.
http://www.pollichia.de/ak_geowissenschaften.htm

Trebron[/b]
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Beitragvon Fridolin » 07.03.2009 23:21

Gute Idee, Trebron.
Mir ist eingefallen, dass ein Bekannter eigentlich auch Spezialist für Rotliegend-Vulkanite ist. Den kann ich mal fragen, ob er Aufschlüsse in Rotliegend-Tuffiten der Saar-Nahe-Region kennt, die sich als Rohmaterialien eignen. Mal sehen wer schneller ist...

Viele Grüße

Fridolin

Spaß beiseite, Trebron. Ich geb Dir Bescheid, wenn Volker mir gute Lokalitäten nennen kann.
Zuletzt geändert von Fridolin am 07.03.2009 23:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Hans T. » 07.03.2009 23:42

a) das Fehlen anderer Ausrüstung zum Bogenschießen in den untersuchten Gräbern;


Das ist eine endneolithische Kultur. Was soll da in den Gräbern noch sein? Silexspitzen jedenfalls sind nachgerade grundsätzlich vorhanden.

H
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Beitragvon Fridolin » 08.03.2009 00:22

"Early Bronze Age Stone Wrist-Guards in Britain: archer's bracer or
social symbol?
By Jonathon D. Smith"

Aha! In GB wird die Glockenbecherkultur in die Frühe Bronzezeit gestellt.
Hierzulande rechnet man sie entweder zum Endneolithikum oder zur Kupferzeit.

Da solle einer noch durchblicken...
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Beitragvon jsachers » 09.03.2009 12:35

Throughout Britain so called ?stone wrist-guards? are found in association with mid
and late beaker material, from roughly 2400-1900BC.

Though wrist-guards are closely associated with beaker pottery, they did not appear
with the first beaker pots. Instead the wrist-guards appeared in the Carpathian Basin
(along with tanged copper daggers) after beaker pottery had already spread through
most of Europe (Harrison 1980, 15). However, in the following centuries wrist-guards
came to reflect beaker pottery?s distribution closely. The situation is no different in
Britain where this chronological pattern and restricted distribution is also the case.

Smiths Beitrag im JSAA ist offenbar eine stark gekürzte Version.
Ich habe wirklich keine Ahnung von Epocheneinteilungen im Bereich Ur- und Frühgeschichte. Ich bin jetzt irgendwie vom Amesbury Archer ausgegangen, der m. W. in die Kupferzeit datiert wird. Bei ihm wurden wohl auch kupferne oder bronzene Pfeilspitzen gefunden, in anderen Gräbern aber wohl nicht. Auch er hatte aber wohl zwei "Armschutzplatten" bei sich.
Ich sage aber auch nicht, dass ich mich Smiths Ansicht vorbehaltlos anschließe ? dafür weiß ich zu wenig. Fest steht wohl, dass sich die Steinplatten durchaus als Armschutzplatten verwenden lassen.

Grüße,
-j-
jsachers
 

Beitragvon Trebron » 10.03.2009 16:38

Hi Fridolin,

vorletzter Artikel ?

http://www.pollichia.de/ak_geowissenschaften.htm


Habe gerade mit U. Heidtke gesprochen, das "Rotliegende" ist bei uns 60-80 m tief vergraben. In RP im Nordwesten, Donnersberg und im Rheingraben bei Nierstein

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Beitragvon ulfr » 26.03.2009 19:17

Bild

Quelle: Giot, P.R.:Vorgeschichte in der Bretagne. Editions JOS, 1994

Armschutzplatte aus dem Spätneolithikum/Chalcolithikum, als Fundort ist leider nur Bretagne angegeben. Material ist Schiefer.

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Beitragvon Fridolin » 29.04.2009 16:11

So, Trebron,
Volker ist inzwischen aus der Türkei zurück ("Hethiter jagen"). Er konnte mir auf Anhieb keinen Aufschluss im Saar-Nahe-Becken nennen in dem die rötlichen Tuffite bzw. Tuffe anstehen. Aber wir werden voraussichtlich im Sommer in die Region fahren, er muss ohnehin ins Gelände. Werde mich dann persönlich melden.

Viele Grüße

Fridolin


... und ein paar Literaturangaben als Nachschlag:
Gebers, W. 1978/84: Endneolithikum und Frühbronzezeit im Mittelrheingebiet. Katalog. Saarbrücker Beitr. Altkde. 28 (Bonn 1978);
Gebers, W., 1984 Das Endneolithikum im Mittelrheingebiet. Typologische und chronologische Studien. Text. Saarbrücker Beitr. Altkde. 27 (Bonn 1984).

Sangmeister, E. 1974: Zwei Neufunde der Glockenbecherkultur in Baden-Württemberg. Ein Beitrag zur Klassifizierung der Armschutzplatten in Mitteleuropa. Fundber. Baden-Württemberg 1, 1974, 103?156.

Turek, Jan 2004, Nátepni desticky z obdobi zvoncovitych poháru, jejich suroviny, technologie a spolecensky vyznam (Bell Beaker wristguards, their raw-materials, technology and social significance). Festschrift für Vladimir Podborsky (K Pocte Vladimiru Podborskému) in Brno 2004, 207-226.
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Beitragvon Trebron » 30.04.2009 07:52

Hi Fridolin,

das würde mich freuen, wenn wir uns da sehen könnten. Sag rechtzeitig Bescheid, damit ich mich entsprechend richten kann.

Gruß

Trebron
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Beitragvon Steve Lenz » 24.06.2009 13:42

Frage am Rande:

Sind hier jemanden auch ungebohrte, aber ansonsten geschliffene und an den Kanten verrundete Armschutzplatten (Halbfabrikate?) bekannt?
Aus den Augen - aus dem Sinn.
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Beitragvon Thomas Trauner » 24.06.2009 16:52

Antwort am Rande....

Ich kenne jetzt keine. Es gibt welche mit misslungenen und dann nachgebohrten Bohrungen (was für ein Deutsch.. :D ). Da sind dann schon mal drei Bohrungen rechts und nur eine links.

Aber Halbfabrikate....die allermeisten Funde stammen ja aus Gräbern. Demnach waren sie schon zumindest irgendwie halbwegs zumindestens in aller Regel meist verwendungsfähig...

Was bringt Dich, nur am Rande, zu Deiner Frage, werter Steve ?

Thomas
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Beitragvon Steve Lenz » 24.06.2009 16:57

Was bringt Dich, nur am Rande, zu Deiner Frage, werter Steve ?


Kann ich noch nicht verraten, Thomas. :wink:
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