Glockenbecherkultur-Armschutzplatten

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Glockenbecherkultur-Armschutzplatten

Beitragvon Blattspitze » 06.03.2009 17:33

Kennt jemand das genaue Steinmaterial, aus dem viele der rötlichen Armschutzplatten gefertigt sind?

Bild
FO: Wustermark, Brandenburg
Quelle:http://preview.bldam-brandenburg.de/website/images/stories/Menue_bes_Fund/wustermark.jpg

Bild
FO: Döhren, Niedersachsen
Quelle:http://www.urgeschichte.de/fund/2008/09_2008/Armschutzplatte.jpg

Bild
Quelle:http://www.landschaftsmuseum.de/Bilder/Daumensch_Zeich-2.jpg

Bild
Quelle:http://www.landschaftsmuseum.de/Bilder/Glockenbecher.jpg

Bild
Quelle:http://www.landschaftsmuseum.de/Bilder/Bogensch_Zeichn-2.jpg
Der Amesbury Archer als Reko. Steve :wink: ?

Marquardt
?Was kümmert mich das Hügelgrab, solange ich noch Bier im Kübel hab`?
Zuletzt geändert von Blattspitze am 07.03.2009 15:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Fridolin » 06.03.2009 18:21

Würde mich auch interessieren. Keine Ahnung, ob es schon systematische Materialanalysen gibt, einige Gesteinsansprachen sind hier aufgelistet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Armschutzplatte

Auf www.landschaftsmuseum.de ist eine schmale Armschutzplatte zu sehen, die aus feinkörnigem metamorphem Quarzit bestehen dürfte.

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, den Dünnschliff einer Armschutzplatte aus dem Altmühltal zu betrachten. Das war eine Art Tonschiefer oder Tuffit.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob die rötliche Färbung der Armschutzplatten die Originalfärbung des Gesteins ist oder ob das Material getempert wurde.

Wie oben angedeutet: Bin selbst an weiteren Informationen interessiert.

Viele Grüße

Fridolin

Marqardt: Die A. im ersten Bild könnte aus rotem Sandstein bestehen, die nächste, speckig glänzende aus Tonschiefer oder Tuffit.
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Beitragvon Blattspitze » 06.03.2009 19:10

Danke Fridolin!

Der "Tonschiefer" würde mich interessieren.


MarquardtOhh, ich habe im falschen Forum gepostet, sorry sollte in`s Neolithikum.
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Beitragvon Steve Lenz » 06.03.2009 19:27

Marquard, Mario kommt morgen vorbei, dann kann ich ihn mal drauf ansprechen. Der hat schon Glockenbecherbefunde ergraben und kennt sich geologisch zudem sehr gut aus. I?ll keep you updated.

Ich würde anbetracht der Farbe und Struktur fast schon auf Hämatit tippen.
Aus den Augen - aus dem Sinn.
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Beitragvon Fridolin » 06.03.2009 19:51

Marquardt,
rötliche Tonschiefer/Tonsteine und Tuffite sind makroskopisch praktisch nicht zu unterscheiden. Das Zeug ist sehr feinkörnig, beim Tuffit ist das Ausgangsmaterial vulkanogen (sedimentär umgelagert). In Norddeutschland hast Du da ganz schlechte Karten. Die beste Trefferquote rote Tuffite anzutreffen hat man wohl im Rotliegenden der Saar-Nahe-Mulde, also grob im Raum Bad Kreuznach- Tholey.
Vielleicht kannst Du Trebron dafür begeistern? Der hat es nicht so weit. Ich komme erst im Sommer in die Region.

Steve: Die rote Färbung der Tuffite bzw. Tonsschiefer wird durch ganz wenig Hämatit verursacht, geschätzter Anteil am Gestein ca. 0,5-2 % (Pigment). Reiner Hämatit scheidet aus.

Spannende Sache!

Viele Grüße

Fridolin
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Beitragvon ulfr » 06.03.2009 21:58

Ich hab das mal in die richtige Zeit verschoben ....

und eben ein bisschen Bücher gewälzt: Überall in den Überseglern steht nur "aus Stein oder Knochen", man muss - glaube ich - schon die Einzelpublikationen wälzen, um das Material herauszufinden, in vielen Fällen steht wahrscheinlich eine genaue Gesteinsartbestimmung sowieso noch aus.

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Beitragvon Fridolin » 07.03.2009 14:54

Die meisten Armschutzplatten bestehen aus sehr feinkörnigem Material, das sich optisch-haptisch nur mit großen Unsicherheitsfaktoren geologisch ansprechen oder gar bestimmen lässt. Und es versteht sich, dass die gebotene Schonung der wertvollen Fundstücke keine invasiven Untersuchungsmethoden, z.B. Dünnschliff-, RFA- oder XRD- untersuchungen zulässt. Ausnahmen mag es in solchen Fällen geben, wo die Armschutzplatte bei der Bergung zertrümmert wurde, so dass kleine nicht anpassende Splitter näher analysiert werden können. Mit modernen minimal-invasiven oder gar berührungsfreien Analysemethoden könnte man sich der Fragestellung aber annehmen.

Bei R.A. Maier, Die jüngere Steinzeit in Bayern, Jahresber. der Bayer. Bodendenkmalpflege 5, 1964, S. 110, fand ich folgenden Hinweis:
... ?sind diese Objekte oft aus einheitlich rotem oder bräunlich-rötlichem Gestein verfertigt. Drei solcher aus offenbar weit verhandeltem, braunrotem Rohstoff (?Pisolithtuff?) bestehende, zusätzlich ritzverzierte Stücke sind in Abb. 76 vereinigt; eines davon ist so symmetrisch aus einem zweischichtigen kieseligen Steinstück herausgeschliffen, dass die Längsränder heller gesäumt sind?. Nun, ein "Pisolith-Tuff" ist eigentlich eine Art Kalkstein. Es ist leider nicht vermerkt, wer das Gesteinsmaterial wie bestimmt oder gar analysiert hat. Mich macht stutzig, dass die eine Platte kieselig sein soll, das ist in speziellen Fällen denkbar, nun gut.

Eine hellbeige Armschutzplatte aus dem Ingolstädter Raum ist hier abgebildet:
www.ingolstadt.de/stadtmuseum/scheuerer ... icheri.htm

Die Abbildung des selben Stückes im Archäolog. Jahr in Bayern 1981 ist etwas besser. Irgendwie erinnert mich die Maserung des Stückes an (verkieseltes) Holz...

Schönes Wochenende!

Fridolin
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Beitragvon Blattspitze » 07.03.2009 15:23

Danke für die interessanten Beiträge!
Ich habe hier noch einen schönen Online-Katalog gefunden:
https://www.surfgroepen.nl/sites/beaker ... Items.aspx
Die Frage ist, ob es ein überregional besonders begehrtes und häufig eingehandeltes Rohmaterial gab, oder ob im wesentlichen jeweils lokales "rotes feinkörniges Gestein" genutzt wurde?

Hier die Stücke aus dem Grab des berühmten Amesbury Archer ganz in der Nähe von Stonehenge, der rote war wohl das Reserve-Exemplar, da der große graue (! Ähem,...) im Grab am Unterarm in Situ lag.
Bild
Quelle:http://www.wessexarch.co.uk/files/images/wristg.jpg

Marquardt
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Beitragvon Blattspitze » 07.03.2009 16:03

Übrigens, was mir grade auffällt, -die Rekos beschränken sich immer auf die nackte Platte, die am Arm getragen wird. Könnte die Platte eventuell nur der Besatz auf einer Leder(?)-Stulpe sein, oder gar auf einem anzunehmenden Ärmel?
Und, äh, lässt sich evtl. anhand der geringen Dimensionen der Platten in Verbindung mit ihrer exakten Lage im Grab etwas genaueres zur Spannhöhe der Bögen sagen?
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Beitragvon Fridolin » 07.03.2009 16:18

Marquardt,
Du stellst treffsicher die richtigen Fragen!

Hm, schon merkwürdig, dass eine Armschutzplatte aus Amesbury auch aus dem roten Zeug besteht. Das weisse Material auf beiden Armschutzplatten halt ich für Kalksinter..

Fridolin
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Beitragvon Blattspitze » 07.03.2009 16:29

"Herr Lund, problemorientiert ist ja toll, aber Sie sind hier um Probleme zu lösen, und nicht um welche zu schaffen!" (Original-Aussage des neuen Vorgesetzten nach dem Wechsel in die unfreie Wirtschaft)
Hier noch ein link zu einer BA-Thesis über Armschutzplatten:
http://www.geocities.com/archchaos1/art ... th2006.pdf
Marquardt
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Beitragvon Marcus R. » 07.03.2009 16:31

Die Armschutzplatte wird hier http://www.bbc.co.uk/history/archaeology/excavations_techniques/king_stonehenge_03.shtml
einmal als schwarzer Sandstein und mal als Lederplatte angesprochen!?

Marcus
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Beitragvon Blattspitze » 07.03.2009 17:11

Die Armschutzplatte wird hier http://www.bbc.co.uk/history/archaeolog ... e_03.shtml
einmal als schwarzer Sandstein und mal als Lederplatte angesprochen!?

Das ist ein Fehler, beide sind aus Stein.

Habe gerade den Artikel von Smith gelesen, er hält die Armschutzplatten Englands nicht für praktisch beim Bogenschiessen genutzte Stücke, sondern für "Symbole familiärer männlicher Autorität".
Ich folge ihm nicht.
Marquardt
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Beitragvon ulfr » 07.03.2009 17:19

Das schreibt auch Hoffmann im "Lexikon der Steinzeit":"Neben dem praktischen Zweck werden sie auch als Standeszeichen interpretiert". Er schreibt aber nicht, von wem.
Kann ich auch nicht so richtig folgen ...
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Beitragvon Fridolin » 07.03.2009 17:36

Ich habe auch Probleme, "learther-bracer" zu übersetzen. Bracer steht in keinem Wörterbuch. Aber to brace hat u.a. die Bedeutung "festigen, befestigen, versteifen, stärken", deshalb würde ich den Ausdruck intuitiv als etwas interpretieren, was Leder versteift bzw. auf Leder befestigt ist, und das könnte hinkommen. Natürlich taucht die Frage auf, ob und wie das Leder nachgewiesen wurde. Vielleicht indirekt über die Kupfernieten, die in manchen Armschutzplatten vorhanden waren? Lasse mich gerne korrigieren.

Aber der Aufsatz, Marquardt, ist zumindest als Materialvorlage und Diskussionsgrundlage gut geeignet, danke!

Grüße aus der Sonne

Fridolin
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