Spurensuche in Höhlen

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Spurensuche in Höhlen

Beitragvon Blattspitze » 13.06.2013 11:34

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Re: Spurensuche in Höhlen

Beitragvon ulfr » 13.06.2013 19:08

Ungeheuer spannendes Projekt und eine fabelhafte Idee!
Danke M!
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Re: Spurensuche in Höhlen

Beitragvon Blattspitze » 19.06.2013 11:23

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Re: Spurensuche in Höhlen

Beitragvon Blattspitze » 13.10.2013 17:11

Interessanter Bericht im DFG-Magazin mit einigen Ergebnissen:
... In der Höhle „Pech Merle“ waren es nur ungefähr vier Quadratmeter, deren Auswertung schon während des recht kurzen Projekts komplett abgeschlossen werden konnte. Die Interpretation der Abdrücke durch die San dort erweiterte das bisherige Wissen über die Steinzeitmenschen erheblich. Statt der von Forschern bisher angenommenen einen, maximal zwei Personen, erkannte das Team fünf. Und diese vollführten keine rituellen Tänze, sondern gingen nur ganz normal und gemächlich. ...
...
In der Höhle „Fontanet“ wartete auf das Team neben vielen Spuren auf kleiner Fläche eine große Entdeckung: Der Fußabdruck, der bislang als der einzige eiszeitliche und damit erste Abdruck eines Schuhs galt, stammt gar nicht von einem beschuhten Fuß! Die San waren sich sicher, dass der Mensch, der ihn hinterließ, barfuß gewesen sein muss.
...
... in der Höhle „Tuc d'Audoubert“: Das Team besuchte ein breites Feld voller Fersenabdrücke. Bisherige Deutungen besagten, dass sie bei einem rituellen Tanz entstanden waren. Der westliche Betrachter hätte darin allenfalls ein – wie Lenssen-Erz es beschreibt – „sinnloses Wirrwarr“ gesehen. Doch die San konnten die tatsächliche Herkunft der Spuren rekonstruieren: Ein Mann und ein Junge liefen zu einem Loch, um Lehm zu holen. Dazu knieten sie sich auf den Boden. Nachdem sie den gesammelten Lehm weggetragen hatten, gingen sie nochmals zum Loch und danach wieder aus der Höhle hinaus. Die San vermuten, dass sie auf den Fersen gelaufen sind, um nicht erkannt zu werden.
...
Die Diskussionen der San über die Deutung der Spuren an einer einzelnen Stelle dauerten oft bis zu einer Stunde. Mit Laserpointern ausgerüstet erörterten sie die kleinsten Details und fügten die Hinweise zu einer ganzen Geschichte zusammen. Die meisten Spuren in den Höhlen waren für sie gut zu lesen und es gab keine Zweifel an ihrer Deutung. Bei Unsicherheiten und unklaren Nuancen, vor allem aber, wenn sie sich nicht einig waren, schwiegen die San lieber. Sie gaben nur eindeutige Informationen weiter. Lenssen-Erz beschreibt die Vorgehensweise der San als „streng empirisch“ und staunt, wie sie sich „streng an Fakten und was sie sehen und verstehen halten“. ...
...
Die San haben mit ihren Fertigkeiten und den ebenso herausragenden wie überraschenden Ergebnissen der Höhlenbesuche in den Pyrenäen bewiesen, dass sie fähig sind, weitaus mehr Informationen zu liefern als die westlichen Forschungsmethoden erlauben. Denn „Messen ist nicht Lesen“, wie Lenssen-Erz betont. Die Anerkennung ihres Fachwissens hat auch in Namibia bereits Früchte getragen. Im Heimatort der drei Jäger, Tsumkwe, soll Fährtenlesen nun als berufliche Ausbildung angeboten werden. „Wir gehen aufgrund unserer Ergebnisse davon aus, dass Spurenlesen als seriöse Wissenschaft anerkannt wird“, sagt Lenssen-Erz.

http://www.dfg.de/dfg_magazin/aus_der_w ... _in_caves/

Ich frage mich, ob die Beobachtungen/Interpretationen der San-Spezialisten in irgendeinerweise für uns objektivierbar dargestellt werden (können). Mit anderen Worten: "Können wir das Spurenlesen von den San lernen?
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Re: Spurensuche in Höhlen

Beitragvon ulfr » 20.10.2013 12:07

Die Antwort gibt der Bericht selbst:

"Der westliche Betrachter hätte darin allenfalls ein – wie Lenssen-Erz es beschreibt – „sinnloses Wirrwarr“ gesehen"

Um Spuren lesen und vor allem verstehen zu können, muss der "Leser" sich in die Körperbewegungen desjenigen hineinversetzen können, der die Spuren erzeugt hat, und sie mit seinem Erfahrungsschatz abgleichen. Die meisten von uns dürften weder darauf zurückgreifen können noch ein solches Verhältnis zum eigenen Körper besitzen. Nicht umsonst waren durch die Zeiten "Scouts" fast ausnahmslos Eingeborene, die sich dieses Wissen vermutlich von früher Kindheit an aneigeneten.
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Re: Spurensuche in Höhlen

Beitragvon Manu » 23.10.2013 08:00

Dieses Projekt finde ich unheimlich spannend und inspirierend, dahingehend unser Wissen mit dem alten und doch, Gott sei Dank, noch aktuellen Wissen bestehender Naturvölker abzugleichen. Vieles wird dadurch deutlich klarer.
Gestern habe ich erfahren:
In Madagaskar würden die Menschen nur ungern Steinhäuser bauen. Holz und Lehm ist das Symbol bzw. sind die Werkstoffe des Lebens und Gedeihens. Steine sind Symbol des Todes. Deshalb sind Grabstätten aus Stein oder mit Steinmauern umgeben. Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der schwierigen Aufteilung eines "einfachen" Lehmhauses in Madagaskar...

Lg Manu

:neandi: :baer: :aha:
Manu
 


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