Wildbienen oder wilde Honigbienen

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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Bullenwächter » 03.08.2011 14:45

Ein Volk kann man Teilen (Ablegerbildung) indem man einige bestiftete Brutwaben (Waben mit gelegten Eiern und bereits entwickelter Brut) und eine Futterwabe entnimmt und in einen leeren Kasten gibt, dazu muss man aber auch eine Menge Bienen aus dem alten Volk mitgeben. Wenn dann alles klappt ziehen sich die Bienen aus einem der Eier eine neue Königin heran (vielleicht). Die Methode ist aber ein erheblicher Eingriff in das Bienenvolk bei dem eine Honig- oder Wachsernte im laufenden Jahr nicht möglich ist, und die Chance, dass die Völker ohne Zufütterung den Winter überleben ist ebenfalls sehr gering, da in beiden Völkern die Volksstärke im Vergleich zu einem vollwertigen Volk zu gering ist.
Ob das bereits früher praktiziert wurde weiß ich nicht und lässt sich auch nicht aus dem archäologischen Fundgut ableiten. Ich denke aber dass diese Methode zu viele Risiken birgt, die Bienen zu verlieren.

Das Mittel der Wahl solle in der UFG immer der Fang eines natürlichen Schwarms sein, die es damals sicher häufiger gab als heute.

Um zu wissen, wie weit der Forschungsstand zumindest in der Antike war müsste man mal die Werke von Aristoteles, Aristomachos von Soloi und in Vergils Georgica reinschauen, mit denen ich mich jedoch noch überhauptnicht beschäftigt habe. In den hochentwickelten Imkereien der Griechen, Römer und im Nahen Osten wird man sicher schon etwas weiter gewesen sein.

Wenn Du Dich für die Imerei interssierst solltst Du mal hier reinschauen:
http://de.wikibooks.org/wiki/Einf%C3%BC ... ie_Imkerei
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Manu » 03.08.2011 15:26

Ich danke dir sehr Andi. Mich interessiert nur die Alt/Jungsteinzeitliche Methode.

Also, wie ich raushöre, ist es auch ein Spiel zwischen dem, das Bienenvolk, das ich plündere geht ein und ich hoffe es gibt noch genügend andere in der Umgebung, die weiterleben. Nun weiß man ja von Jägern, dass die sehr genau wissen, welches Wild sie wann schießen dürfen damit es immer wieder genügend Wild gibt (hab ich in meinem neuen Jagdbuch gelesen), warum sollte das bei den "Honigjägern" anderst gewesen sein. Sie müssten doch damals, vielleicht mehr als heute, großes Interesse daran gehabt haben, nicht alle Bienenvölker in ihrer Nähe auszurotten :baer:

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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Bullenwächter » 03.08.2011 16:12

Meiner Meinung nach war die jungsteinzeitliche Imkereimethode folgende:
Man suchte im Frühjahr die Plätze auf an denen in den letzten Jahren Bienen nisteten. Diese beutete man zu gegebener Zeit (im Sommer) aus und nahm in Kauf dass sie eingehen. Oder man beobachtete die Nester und verfolgte abgehende Schwärme, die man entweder in ihren neuen Nestern ausbeutete, oder man fing die Schwärme und schlug sie in eine, nahe dem Haus stehende wie auch immer geartete Bienenbeute (Klotzstülper, Strohkorb oder was auch immer) ein. Diese erntete man im Spätsommer (also im Juli / August) ab wenn der Honigvorrat am größten ist, was mit dem Ende des Volkes verbunden war. Ab Ende Juli endet die Nektarproduktion der meisten Trachtpflanzen, lediglich einige Honigtauspender liefern noch Rohstoff für die Sammelbienen und die Binen können keinen neuen Nektar eintragen und müssen wieder an ihre Vorräte.

Wichtig hierbei ist immer die bestehenden Völker im Auge zu behalten und möglichts alle abgehenden Schwärme einzufangen.

In nächsten Jahr geht das Spiel wieder von Vorne los.

Nicht alle unsere Vorfahren waren immer mit der Natur in perfektem Einklang lebenden Indianer, aber da wildlebende Bienenvölker früher wesentlich häufiger vertreten waren, werden frühere Imker nie alle erwicht haben und es wird genug gegeben haben die nicht endteckt wurden oder die an unerreichbarem Standort waren und für den Bienenvölkernachwuchs des nächsten Jahres sorgten. Zudem werden frühe Imker erkannt haben, dass man einen gewissen Prozentsatz seiner Völker nicht aberntet und überwintert. Heute ist die Zahl der dauerhaft wild überlebensfähigen Bienenvölker fast bei Null, da Völker ohne Behandlung spätestens im 3. Jahr an der Varroamilbe zugrundegehen.
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Manu » 03.08.2011 17:07

Bullenwächter schreibt:

Nicht alle unsere Vorfahren waren immer mit der Natur in perfektem Einklang lebenden Indianer,


:heul:

Na klar, so war das nicht gemeint, hat es sich so angehört, dann :mammut2:
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Manu » 06.08.2011 09:00

Andi, noch eine letzte Frage: Wenn ein Bär so ein Nest plündert, ißt er das Bienenwachs mit? Könnten die Menschen das Bienenwachs essen? Bringt das Ernährungstechnisch :Dachsfrage: was, oder geht es unverdaut wieder raus?

Sorry, das sind 3 Fragen
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Chris » 07.08.2011 18:27

Bären fressen die ganzen Waben - Honig, Wachs, Bienenmaden - auf einmal...

In vielen Ländern wird Honig auch heute noch als Wabenhonig verkauft - Honigwabe mit Honig drin. Z.B. in der Türkei und auch hier in türkischen Supermärkten. Und manchmal gibts Wabenhonig auch im normalen Laden oder direkt beim Imker.
Schmeckt gut :-) Man kaut einfach die Wabe, übrig bleibt zum Schluß eine Art Honigkaugummi. Und das kann man auch aufessen... Also "im Ganzen" kommt das "unten" nicht an :mammut2:
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Bullenwächter » 07.08.2011 20:14

Lüneburger Heidehonig wird häufig auch als sogenannter Scheibenhonig verkauft, also Honig in der Wabe.
Man kann das Wachs mitessen, aber unser Verdauungstrakt kann diese Fettsäuren nicht vollständig aufschließen und es hat beim Menschen keinen physiologischen Nutzen.
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Dago » 07.08.2011 22:26

Nicht alle unsere Vorfahren waren immer mit der Natur in perfektem Einklang lebenden Indianer,

Selbst die indigene Bevölkerung Amerikas ging mit ihrem Jagdwild nicht sehr schonend um , was Funde belegen die auf Massenjagden auf Bisons hinweisen , bei denen mehr Wild erlegt wurde als man verarbeiten konnte.
Wildtierknochen sind übrigen auch schon in Bronzezeitlichen Befunden eher selten, und wenn mich nicht alles täuscht auch schon in Neolithischen.
Grüsse
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Manu » 08.08.2011 07:36

Ich hatte kürzlich eine Recherche (habs Buch schon wieder abgegeben) eines frühbronzezetichen Dorfs mit über 50% Wildknochenfunden. Allerdings war der Verfasser auch nicht sicher, warum das in diesem Dorf so war und bezeichnete es auch als eher ungewöhnlich.

:doubt:
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon hugo » 08.08.2011 08:58

Das könnte mit der Schutzjagd zusammen hängen, die schon in der Kupferzeit begann. Mit der Intensivierung des Ackerbaus wurde Wildschaden zum Problem. Diese Theorie war in den letzten Jahren recht beliebt.

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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Andreas K. » 24.01.2012 13:24

Bin bei meinen Recherchen zur Diss. über die Seite der GEH gestolpert.

Dort wird auch eine alte Zuchtform der europäischen Honigbiene aufgeführt. Ich denke, dass das wohl das Nähste sein wird, was in Deutschland noch an stockbildende wilde Honigbienen ran kommt. Leider als "extrem gefährdet" eingestuft.

http://www.g-e-h.de/geh/index.php/rasse ... nkle-biene
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Re: Wildbienen oder wilde Honigbienen

Beitragvon Bullenwächter » 25.01.2012 10:58

Die Dunkle Europäische Honigbiene Apis mellifera mellifera ist eigentlich die ursprünglich in unseren regionen vorkommende Honigbiene, diese Rasse hat sich auf natürliche Weise von der Westlichen Honigbiene Apis mellifera entwickelte, war also keine Zuchtform. Die heute bei uns lebenden Bestände an Apis mellifera mellifera, sind jedoch in den letzten 150 Jahren sehr durch (gewollte und ungewollte) Einkreuzungen südlicher Bienenrassen gegenüber ihrer ursprünglichen Form verändert.
Es gibt verschiedene Zuchtbemühungen, die Dunkle Europäische Honigbiene bei Imkern wieder populärer zu machen, in der Hoffnung, dass sie besser mit den großen Bienenkrankheiten und -parasiten wie der Varrohamilbe, verschiedenen Viruserkrankungen etc. zurecht kommt dem steht jedoch das deutlich ausgeprägtere Verteidigungsverhalten dieser Bienenrasse entgegen.
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