Lasuren für Keramik

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Beitragvon S. Crumbach » 04.12.2006 15:54

Außerdem - naja - etwas geschmacksintensiv.
S. Crumbach
 

Beitragvon Fridolin » 04.12.2006 23:13

Hi,

zunächst zu den ?Wülsten?:
Thomas, es sind Lesefunde von Dachsberg bei Ergersheim (vgl. Archäologie in Bayern, Fenster zur Vergangenheit, S. 88), der wohl überwiegend im jüngeren Michelsberg besiedelt war, aber es gibt noch etwas, was wohl in die sog. Schulterbandgruppe gehört, ferner haben wir Altheimer und C14-datierte früh-endneolithische Hinterlassenschaften (das Wall-Grabensystem) sowie schnurkeramische und glockenbecherzeitliche Einzelfunde. Eine Lehrgrabung ist für Juli 2007 geplant. In den nächsten Tagen maile ich Dir Fotos und/oder Skizzen der Wülste zu.


Birkenpech:
Na ja, aus Pfahlbausiedlungen stammen etliche Birkenpechreste mit Zahnabdrücken, die stark an Kaugummi erinnern. Da das Birkenpech aus einer Mischung von unterschiedlichen Kohlenwasserstoffen besteht, die z.T. bei verschiedenen Temperaturen destillieren, waren Beschaffenheit und Eigenschaften des Pechs nicht immer identisch. Es gibt die Vermutung, dass manche rel. leicht flüchtige Bestandteile in Birkenpech berauschende Wirkung haben. (Damit sind wir endgültig wieder bei den Marlboros...)

Graphitton:
Die vom Grabungstechniker K.E. erwähnte Fundstelle liegt bei Beilngries und es war nicht nur der Fund von Graphitton (in einer ca. 1-3 cm dicken Schicht auf dem altem Laufhorizont und als Füllung von mindestens einer Grube) sondern auch der Rest eines Töpferofens, der z.T. selbst aus graphithaltigem Ton gebaut bzw. damit geflickt worden war (der Ton war in situ gebrannt). Auf dem Laufhorizont lagen u.a. gröbere, bis walnussgroße Brocken aus Rohgraphit, graphithaltigem Gneis und dgl., die aus dem Rohton ausgelesen worden waren. In der Keramik fanden sich nicht nur das o.a. Ammonitenfragment sondern auch typische Bestandteile von Auelehmen ("Rostflecken", Schnecken usw.) und Bestandteile des anstehenden Alm (= lockerer Kalktuff). Vielleicht haben die Kalktuffpartikel in der Graphittonkeramik zur Aufgabe der Töpferei geführt, die machen nämlich beim Brand oberhalb ca. 650-700°C oder beim Gebrauch der Keramik Probleme. Zeitstellung: vermutlich Mittellatene. Eine archäologische Bearbeitung fand nie statt, denn die Grabungsunterlagen und die Funde selbst sind nicht mehr auffindbar. Warum ich das weiß? Ich habe an der Grabung mitgewirkt und die Keramik mikroskopisch untersucht. Deshalb sind die einzigen Belegstücke, die derzeit zugänglich sind, meine Dünnschliffe, die dazugehörigen Schliffreste und eine abgepauste Skizze des Planums der Grabungsfläche... Seit Jahren suchen wir nach dem Fundmaterial, denn eigentlich sollte man das mal archäologisch bearbeiten und publizieren! (Aber es besteht noch Hoffnung: Vor ein paar Monaten wurde ein wichtiger neolithischer Fundkomplex im Amt wiedergefunden, den ich vor sage und schreibe 24 Jahren eingeliefert hatte!!! Ich hatte immer wieder ergebnislos nachgefragt. Ich verzichte mal auf einen Kommentar...).

Übrigens gibt es genügend andere Beispiele dafür, dass Graphitton auf der südlichen Frankenalb ab der Frühlatenezeit zu Keramik gebrannt wurde. Der zugemischte Ton (u.a. Alblehm) lässt sich häufig in der Keramik anhand der Kieselpartikel, Fossilreste usw. nachweisen.
Bei einem weiteren bisher singulären Gefäß der Frühlatenezeit besteht der Topfboden aus Graphitton und die Wandung aus granitgemagertem Molasseton, die wiederum hatte eine Engobe aus Graphitton. Das war kein gewöhnlicher Kochtopf, vermutlich hatte das Gefäß eine ganz spezielle pyrotechnische Funktion, was ich bei Gelegenheit mal untersuchen will. Ist schon ein witziges Stück.

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Beitragvon Thomas Trauner » 05.12.2006 10:03

Vielen Dank, Fridolin für den tollen Beitrag.

Was das Schicksal der Grabungsunterlagen angeht, nun ja..."Depotfunde" sind doppeldeutig. :lol: :lol:

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Beitragvon Claudia » 11.12.2006 18:59

Ich koche auch schon seit etlichen Jahren in meinen unglasierten Tontöppen. Man muß sie halt schön sauber schrubben und gut trocknen, wie Sylvia schon sagte. Dann spielen die winzigen Reste in den Poren auch keine Rolle. Wichtig ist, daß man sie niemals!!! noch feucht wegpacken sollte. Oder wenn man sie auf der VA feucht einpackt, zu Hause sofort auspacken, fertig schrubben und gut durchtrocknen, sonst schimmelts. Beim Trocknen kann man mit dem Backofen nachhelfen, wenn man auf Nummer sicher gehen will (nicht vorheizen, sondern Töpfe in den kalten Ofen stellen und dann erst heizen). Zwischendurch immer mal Klappe aufmachen. (Das Problem hatten unsere Altvorderen wohl eher nicht, da die Töpfe viel häufiger in Benutzung waren als bei uns)

Wenn es mal geschimmelt hat, kann man die Töpfe mit 25%igem Essig behandeln (eine Weile einwirken lassen) und noch mal gründlich ausschrubben.

Ich benutze zwei meiner Töpfe jetzt seit 6 Jahren und alles ist paletti.

Zu den Polierungen: Sehr häufig findet man aber gerade zum Kochen sehr grobe Gefäße ohne jegliche Polierung (auch keine unter einem Schlickerbewurf). Und in bezug auf Dichtigkeit spielt das wirklich keine große Rolle. Es gibt einfach keinen merkbaren Flüssigkeitsverlust. Die Physik sagt uns zwar, daß da was verdunsten muß, aber praktisch merkt man eigentlich nix.
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unglasierte Keramik

Beitragvon Bertho » 03.11.2008 02:15

Zaunreiter hat geschrieben:
S. Crumbach hat geschrieben:.....Ok, dann keine Glasur - habs bisher nie ohne versucht...ganz davon abgesehen, dass Töpfern nicht zu meinem alltäglichen Geschäft gehört......Ich habe mit tönernen Tassen (mit Bleiverglasung) Wasser auf einem Holzofen zum Kochen gebracht. Dazu habe ich die Tassen mitsamt Inhalt langsam vorgewärmt......
Hmm, ok. Dann keine Lasur. Soweit ich mich mein Töpfergedächtnis nicht täuscht, hilft es, mit einem nassen Finger die Innenwände glattzustreichen.
....


Ich wärme den alten Thread auf, weil mir einiges, z.B. falsche Terminologie, aufgefallen ist.

Tassen haben immer Henkel, und aus dem vorgeschichtlichen Bereich kenne ich solche Behälter nicht. Henkellose Behälter können z.B. Becher oder Schalen sein.

Eine "Bleiverglasung" gibt es bei Fenstern, aber nicht in der Keramik - der Terminus ist "Bleiglasuren".

Lasuren gibts ebenfalls nicht in der Keramik, sondern Glasuren (kommt von Glas, nicht von lasieren).

Bei der Herstellung von Haushaltsgefäßen kann man sog. Daumenschälchen verständlicherweise nicht tiefer machen als der Daumen lang ist. Daher wurden und werden größere Gefäße oft mit einer Kombinationstechnik hergestellt, indem der untere Teil des Gefäßes als dickwandiges "Daumenschälchen" gefertigt wird und der weitere Wandaufbau mit Wülsten. Sehr große Vorratsgefäße wurden nach meiner Kenntnis in vielen Kulturen ausschließlich aus dicken Wülsten aufgebaut, wobei die sog. Spiraltechnik dafür sorgt, dass das Gefäß leichter gleichmäßig zu formen ist. Dazu trägt auch die verbreitete Klopftechnik bei, die die Wand nochmals verdichtet und glättet.

Die erwähnten Essensreste in der Gefäßwand hatten Katalysator-Funktion, d.h. diese winzigen Rückstände konnten frische Nahrung mit Schimmelpilzsporen impfen bzw. "infizieren", so dass das Essen schneller verdarb. Die im Schimmel auftretenden Aflatoxine sind canzerogen und sollen wie manche anderen Hygienemängel (mangelhafte Konservierung der Nahrung) lebensverkürzend bei unseren Vorfahren gewirkt haben.

Freundliche Grüße

Bertho
Bertho
 

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