Tierzähne als Männerschmuck im UK

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Tierzähne als Männerschmuck im UK

Beitragvon Dago » 05.02.2010 00:38

Ich stosse immerwieder auf Belege von durchbohrten Tierzähnen ( Wildschwein und Bär) im zusammenhang von Männergräbern in der Urnenfelderzeit. Da ich mich inzwischen bei der Recherche auf das Maintal konzentiere wollte ich Fragen ob so etwas auch Regelhaft in andern Region vorkommt?
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Beitragvon Steve Lenz » 05.02.2010 00:46

Haben wir in ganz Bayern ebenso. Wobei meines Wissens Bärenzähne vornehmlich in Frauengräbern zu beobachten sind. Hundezähne ebenso. Des Mannes Zier war aber der Eberhauer.
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Beitragvon Merha » 05.02.2010 10:32

Inuit hatten Ledergürtel, die mit Hunderten von Scheidezähnen von Karibus besetzt waren. Sieht Klasse aus. Ich hätte auch mal gerne so einen gemacht aber der Arbeitsaufwand ist enorm, enorm.
Merha
 

Beitragvon Thomas Trauner » 05.02.2010 11:13

Die Uk-mode der Wildschwein oder Bärenzähne als Trachtbestandteil in den Gräbern fängt wohl schon in der Hügelgräber-BZ (Mittel-BZ, BZ C) an. Die Zähne finden sich dort auch, mit Drahtumwicklung, in Hüftnähe.

Für BZ D fehlen hinweise, da Brandgräber aufkommen.

Thomas
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Beitragvon Dago » 21.02.2010 01:09

In einem Männer Grab in Grundfeld liegen ein paar Zähne im Halsbereich, ein zweites Paar am Schädel, vielleicht aufgenäht auf eine Kappe?
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Beitragvon Steve Lenz » 21.02.2010 11:47

Vielleicht in die Haare geflochten?! :idea:
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Beitragvon Blattspitze » 21.02.2010 13:21

Aus Spahnharrenstätte, Niedersachsen, gibt es eine Männerbestattung der spätneol. Einzelgrabkultur mit einem eindrucksvollen Schmuckgehänge aus zahlreichen Eberhauern. Ansonsten gibts z.B. vom noch älteren Trichterbecherkultur-Gräberfeld Ostorf im Schweriner See zahlreiche Belege für Tierzahnschmuck verschiedenster Art. Ältere Vorläufer aus dem Mesolithikum und Paläolithikum sind auch bekannt. Scheint also eine lange durchlaufende Tradition zu haben. Oder, da sich Tierzähne durch Größe, Form und als "Waffen der Tiere" für Schmuck anbieten, eine immer wieder "neu entdeckte" Schmuck-Innovation?
Und ansonsten ist es eben immer die Frage, ob Schmuck den Lebenden vererbt oder gar den Toten mit ins Grab gegeben wurde.
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Beitragvon Fridolin » 25.02.2010 21:13

In einer schnurkeramischen Grube von Lauda-Königshofen (Flur Reißwag) im Taubertal wurden 746 (!) durchbohrte Hundezähne gefunden, die z.T. noch in Reihen angeordnet waren. Vielleicht waren sie auf einem Kleidungsstück aufgenäht. Die archäologische Bearbeitung und Interpretation steht aber noch aus. Die Grube wird derzeit als Siedlungsgrube interpretiert, menschliche Skelettreste, die auf ein Grab hätten schließen lassen, gab es nicht. Aber die Keramik lässt sich z.T. zu kompletten Gefäßen zusammensetzen....

Abbildung in : Ralf Keller (2009) Jenseits des Limes. Germanen der römischen Kaiserzeit im Taubertal. Festschrift für Dieer Planck zum 65. Geburtstag; Forschungen und Bereichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg Band 100, 207-222
Keller/Krauße (2009): Schnurkeramische Überraschungen. Arch. Deutschland 2005/6, 47

Aus einem schnurkeramischen Grab von Lauda-Königshofen (Flur Wöllerspfad) stammt eine „Fransenkette“ aus 85 Canidenzähnen (wohl überwiegend von Hunden), die als Besatz eines Tuches interpretiert werden kann.

Reich verzierte Eberhauer wurden sehr gerne in der Glockenbecherkultur verwendet.

Nicht übel ist das UK-zeitliche Kettengehänge mit gefasstem Eberhauer (Schmuck oder Amulett?) aus Karlsruhe-Neureut:
http://www.landesmuseum.de/website/Deut ... hichte.htm


Viele Grüße
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Beitragvon Joze » 27.02.2010 10:49

Hm... so wie es ausschaut (nach meinen Kentnissen) haben irgendwann ein Gesetz "Tierzähne-Schmuck verboten!" die Leute eingesetzt und so muss ich jetzt heute als Lt Darsteller ohne Tierzähne herumläufen .... hätte ich gerne haben.
Mir ist bekannt, dass eberjagd in Noricum ein "Status-Ritus" war. Doch kenne ich keinen Grabbeigaben mit Eberzähne in Lt ( MI Lt&S Lt)...... Aus HA ist die Gürtelschnalle mit Jagdszenne aus Molnik bekannt.
fast ähnlich wie heute, die Horntrophäen oder auch Eberzähne gelten bei den Jägern für eine Trophäe.
Gibt irgendwo einen Befund aus Lt?

Joze
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Beitragvon Dago » 06.03.2010 22:51

Mal ein Versuch der Umsetzung des Grundfeldgrabes

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Beitragvon Joze » 07.03.2010 20:49

Gefähllt mir, super!

Joze
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Beitragvon Dago » 07.03.2010 23:27

Ist nur eine Möglichkeit, ein Band als Träger oder auch in die Haare geflochten ist auch möglich, es gibt halt nur die Lage der Zähne im Befund. Die Zähne waren / sind Durchbohr und werden als Besatz von irgendwas gedeutet.
Grüsse
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Beitragvon magali » 08.03.2010 11:07

Dago hat geschrieben:Ist nur eine Möglichkeit, ein Band als Träger oder auch in die Haare geflochten ist auch möglich, es gibt halt nur die Lage der Zähne im Befund. Die Zähne waren / sind Durchbohr und werden als Besatz von irgendwas gedeutet.


Damit stehen Dir für eine Rekonstruktion - die Fundlage berücksichtigend - alle Optionen offen... wobei mir persönlich eine Kappe sinvoller erscheint als in die Haare geflochten (trotzdem nicht auszuschließen) oder ein Haarband (idem). Wie sieht es denn mit textilen Spuren im Kopfbereich aus, hast Du dazu was gefunden?
magali
 

Beitragvon Fredewulf » 08.03.2010 18:39

Für die Trageweise von Keilerwaffen gibt es in Ozeanien zahlose Beispiele, z.B. als Nasenpiercing. :twisted:
Link zum Nasenpiercing der Papua:
http://www.schulz-aktiv-reisen.de/imgs/Reiseberichte/westpapua/irianjayasattler07_462.jpg

Ansonsten gibt es auch Beispiele für (an beiden Enden) durchbohrte Keilerwaffen als Männerschmuck aus der römischen Kaiserzeit oder vielleicht doch Spät-La-Téne? Naja 1. Jahrhundert vor Christus.
Fundort Dangstetten, Ba-Wü.
Sind im "Imperium"-Band des Katalogs 2000 Jahre Varus.... abgebildet.
Fredewulf
 


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