Stabdolch in Anwendung - ein "Experiment" für 2012

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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Steve Lenz » 07.12.2011 20:51

Robert, das klingt aufgeblasener als dass es schlußendlich wird. Keine Bange.^^
Aus den Augen - aus dem Sinn.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Sikla » 08.12.2011 00:01

Leuts, dass ich mich mal für eine Waffensache interessiere, hät ich nicht gedacht. Immer nur nähen, sticken, kochen, glasperlen ist doch langweilig - cool cool cool - ich freu mich drauf.

viele liebe Grüße, sikla
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon LS » 08.12.2011 15:12

Hab noch ein sehr spannendes Bild nachgeladen, in dem der Griff von Langstabdolchen und die Handhabung gezeigt wird:
http://home.arcor.de/leif.steguweit/
--> Temporäre Downloads
Sonstige technische Hinweise wie gestern.

Die interessanteste Abbildung ist der am Stabdolch am Bein Aufgespießte, alles vom Fontanalba-Tal am Mont Bégo.
Ich hoffe das ist nun spannend genug, um einige zum Nachbau anzuregen. Der gestern schon erwähnte Antiquity-Artikel hat dazu wenig Überraschendes geboten, außer dass man mit einem 1,20m langen Stabdolch Schafschädel einschlagen kann... Wen wundert´s?

Grüße L.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Hans T. » 08.12.2011 19:44

Naja, aber welche Erkenntnisse erwarten wir, wenn der Stecken und Stab länger wird? Da kann ich auch einen Schädel einschlagen, denke ich mal. Aber ich lass mich überzeugen, wirklich.

Das neu eingestellte Bild macht mich noch nicht weniger skeptisch. Der Doppelgriff unten und die erhobene Haltung plus die völlig unmaßstäbliche Person mit extremer Betonung der Stabdolchstange wirkt auf mich nicht kämpferisch, sondern eher wie eine Vorzeigesituation, standardenhaft.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon LS » 08.12.2011 20:10

"Sieht irgendwie standartenmäßig aus, was der Typ da trägt". ...Sowas Ähnliches könnte derjenige, der dann oben aufgespießt dranhängt, am Anfang auch gedacht haben;-)
Ist doch ne ganz andere Waffe mit dem langen Schaft, Hans.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Blattspitze » 12.12.2011 12:11

Hans T. hat geschrieben:Naja, aber welche Erkenntnisse erwarten wir, wenn der Stecken und Stab länger wird? Da kann ich auch einen Schädel einschlagen, denke ich mal. Aber ich lass mich überzeugen, wirklich.

Das neu eingestellte Bild macht mich noch nicht weniger skeptisch. Der Doppelgriff unten und die erhobene Haltung plus die völlig unmaßstäbliche Person mit extremer Betonung der Stabdolchstange wirkt auf mich nicht kämpferisch, sondern eher wie eine Vorzeigesituation, standardenhaft.


Ich seh´s wie Hans. Nach Waffe sehen die langen Stäbe nicht aus. Und der hängende Kollege baumelt am Stab, nicht am Stabdolch, wenn ich ich es richtig sehe.
Ich fand den Antiquity Artikel nicht schlecht, zumindest ist seitdem die Kultvariante fraglicher.

Wobei natürlich in einem neuen Experiment auch die Kultgerät -Eignung leicht "bewiesen" werden könnte :mammut2:

Ohne einen (Schaft-) Fund als Ausgangsobjekt ist ein solches Experiment sehr schwierig zu interpretieren, weil (zuviel?) unbekannte Variablen hineinspielen ... oder?

Was ist denn eigentlich die Fragestellung?


Nachbauen nach Vordenken, war auch schon mein Problem, hihi ...
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon LS » 12.12.2011 13:46

Hallo M.,
die Felsbilder sind ein weithin unterschätztes Genre. In Grabplatten in Portugal sind zum Beispiel vielfach Stabdolche als Waffenbeigabe eingeritzt. Der Stabdolch war Waffe und nicht Kranichschnabel-Standarte, auch wenn viele Archäologen sich eher in der Formensprache verlustieren und dabei das größte Blech behaupten.
Mal anders gefragt: was spricht denn gegen das Ausprobieren der Langschäfte?

Herzl Gr L
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Roeland Paardekooper » 12.12.2011 22:16

Ronan O'Flaherty hat mich gerade kontaktiert, passen seine Experimente zu euere Ideen? Irland. Kann einfach Kontakt erstellen, er ist bestimmt interessiert.

http://www.ucd.ie/archaeology/research/previouspostgraduates/ronan_oflaherty/
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Blattspitze » 12.12.2011 22:21

Oh, nix spricht gegen "Ausprobieren", ich schon gar nicht.
Die Frage ist, in welche Richtung die Initiatoren gehen wollen, schließlich sind Steve, Robert und Sikla die Protagonisten und Entscheider.
In welche Richtung denkt Ihr?

Edith: Roeland, ein spannender Artikel, den ich auch gern hätte, ist:
O'FLAHERTY, R., B. RANKIN & L. WILLIAMS. 2002. Reconstructing an Irish Early Bronze Age halberd. Archaeology Ireland 16 (No.3): 30-4.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon hugo » 12.12.2011 22:39

Gegen Ausprobieren bin ich auch nicht. Das ist immer gut und in meiner Jugend war ich auch ein ganz passabler Fechter, allerdings nicht mit Hellebarden. Ich gebe nur zu bedenken, dass der wirklich auffällig grosse Stabdolch aus dem niederösterreichischen Bruck a. d. Leitha ein Grifplattendolch ist und sich schon wegen seiner Größe nur in unbewgtem Zustahd in seiner Schäftung halten können wird.
Für Stabdolch sprechen typologisch die Grösse und die leichte Assymmetrie.

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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon FlintMetz » 12.12.2011 22:58

Blattspitze: Jop - die Frage habe ich in einer PN auch schon gestellt! Das ist nämlich bei genauem Hinsehen gar nicht so einfach. Das die Dinger hässliche Löcher machen können, ist klar. Das sie toll aussehen und sie sich sicher nicht Hinz und Kunz leisten konnten, ist auch klar. Kampf - klar... Status - klar... Und zu viel mehr wird es wohl nicht reichen. Eine Kampftechnik zu rekonstruieren bleibt mit Sicherheit im Reich der Phantasie. Kurzer Schaft - nahe... langer Schaft... etwas weiter weg. Überraschung? Werfen wie eine Wurfaxt tät ich die Dinger vielleicht nicht, da sie dann relativ leicht brechen.
Offen ist auch die Frage nach der Schutzbewaffnung und Kampfregeln. Und wegen dieser und vieler weiterer offener Fragen kann man hier niemals von einem "Experiment" sprechen (man rufe sich bitte schnell die Kriterien für ein Experiment ins Bewusstsein), sondern lediglich vom Ausprobieren. Mir wäre es in erster Linie darum gegangen, Spaß zu haben und den Steve mal wieder zu treffen, da er ja auch mal japanisch unterwegs war. Großen Erkenntniszuwachs habe ich mir nie erhofft - womit sich für mich die Frage nach der Fragestellung erledigt hat. Vielleicht bin ich da aber auch nur etwas zu einfach gestrickt, oder zu pessimistisch bzw. phantasielos - ich lasse mich da gerne inspirieren :wink:

Schöne Grüße...

Robert
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Roeland Paardekooper » 12.12.2011 23:08

Ein spannender Artikel, den ich auch gern hätte, ist:
O'FLAHERTY, R., B. RANKIN & L. WILLIAMS. 2002. Reconstructing an Irish Early Bronze Age halberd. Archaeology Ireland 16 (No.3): 30-4.


Artikel steht zur Verfuegung.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Blattspitze » 13.12.2011 11:31

Ganz herzlichen Dank, Roeland!
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... hmm, ... und wenn es sich bei den Stabdolchen in Wirklichkeit um Werkzeuge, nämlich Sicheln zum Mistelschneiden handelt? Daran hat natürlich keiner gedacht :bleeep:
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein Experiment für 2012

Beitragvon Roeland Paardekooper » 13.12.2011 11:38

Ronan O'Flaherty schreibt:
as it happens I am in contact with a German researcher, Christian Horn, who is designing a new project on halberds. Maybe he is one of those you were thinking of?


Ronan stellt gerne mehr Artikeln zur Verfuegung.
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Re: Stabdolch in Anwendung - ein "Experiment" für 2012

Beitragvon LS » 13.12.2011 17:36

Nochmal zum Sinn solcher Nachbauten: Es geht hier erstmal nur darum, dass der Stabdolch unter anderem auch als Stangenwaffe alias Langstabdolch® verwendet wurde.
Die Kampftechniken ... kennen wir wahrscheinlich nicht, stimmt.
Die Verteidigungstechnik: Wie wär´s mit unter einem Erdhügel verstecken?

Schöne Grüße L.
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