Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

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Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

Beitragvon ulfr » 29.11.2018 23:59

Äußerst interessante Debatte auf videnskab.dk, leider auf Dänisch - vielleicht schaffe ich eine de-Zusammenfassung.

https://videnskab.dk/

bzw:

https://videnskab.dk/kultur-samfund/ark ... storieloes

https://videnskab.dk/kultur-samfund/nat ... udstilling
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Re: Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

Beitragvon Blattspitze » 30.11.2018 10:21

... kannst Du in einem Satz die Debatte beschreiben? Steht da ein tätowierter Wikinger mit Irokesenhaarschnitt in der Ausstellung?
"Etwas, das ohne Beweis behauptet werden kann, kann auch ohne Beweis verworfen werden." C. Hitchens
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Re: Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

Beitragvon Blattspitze » 30.11.2018 11:11

Translator:

Der Ausgangspunkt für die Diskussion in der Ausstellung darüber, wer die Wikinger waren und wie sie aussahen, ist eine Serie von Bildern, die von einem Künstler erstellt wurden, der etwas im Herzen hat und immer durch klare Forschungsfragen herausgefordert wurde.
Die Fotos der Ausstellung hatten nie die Absicht, als archäologische Rekonstruktion zu fungieren. Es hätte der Ausstellung einen völlig anderen Ansatz gegeben, der einen weitaus größeren finanziellen Raum und eine größere Planung als das, was der Fall ist, erfordern würde.
In naher Zukunft plant das Nationalmuseum eine große Ausstellung aus der Wikingerzeit, in der forschungsbasierte Rekonstruktionen ein unterstützendes Element sein werden.

https://videnskab.dk/kultur-samfund/nat ... udstilling
Die technisch sehr schönen Bilder aus den Links zeigen sehr reich geschmückte und teilweise sehr schöne Menschen.
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Re: Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

Beitragvon ulfr » 02.12.2018 11:51

Es ist schwierig, den Text ohne Gyldendal zu übersetzen, weil er doch ziemlich komplex ist - Kurzfassung in etwa:

Der Wikingerexperte Prof. Sindbaek bezeichnet die Ausstellung des Designers als flott, aber geprägt durch geschichtslose Anziehpuppen (die Älteren unter uns werden sich erinnern: es gab früher Papierpuppen, deren Kleider man wechseln konnte). Er bemängelt, dass Ausstellungen zunehmend kommerziell werden, wobei die Wissenschaftlichkeit zugunsten von plakativen Sensationen mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Die Puppen - eben rocker-artig tätowierte Gestalten mit Hipsterfrisuren und absurden Bärten - würden das Interesse der Besucher von den Originalfunden ablenken, und die Fotos stellten Figuren dar, die so damals sicher nie in Dänemark herumgelaufen sind.

Das Nationalmuseum kontert, dass es damit gerade doch den Besucher zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit den archäologischen Fakten anregen will, und bezeichnet die Ausstellung als Experiment, der eine große neue Wikingerausstellung mit größerem Budget folgen soll. Die Fotos wären eben keine Rekonstruktionen, sondern eher Phantasien des Designers bzw. Fotografen. Archäologie wäre eben keine exakte Wissenschaft, sondern immer Interpretation. Sie würden mit diesem Experiment dem kreativen freien Denken Raum geben.

Da frag ich mich denn aber doch, was beim Besucher hängenbleibt - ob er versteht, dass er Teil eines Prozesses sein soll (meine Rede, und W. Benjamin hat es schon in den 30ern formuliert: "Nicht gelehrter sollen die Besucher eine Ausstellung verlassen, sondern gewitzter.") Ich bezweifle, dass es bei Otto und Ottilie Normalbesucher einen kreativen Denkprozess auslöst, wenn ihm nun auch noch im Museum - einer (vermeintlichen) Stätte der Authentizität - Bilder vermittelt werden, die er im Kommerzfernsehen oder der X-Box jeden Tag vorgesetzt bekommt. Wieder einmal spiegelt die Konstruktion der Vergangenheit die rezente Wirklichkeit wider - vor 120, vor 80, vor 40 Jahren haben Wikingerbilder nicht so ausgesehen wie Lyngvilds Phantastereien - solche Typen laufen eher im heutigen Kopenhagen rum.

Und ich persönlich ertrage diese mystifizierenden Szenerien, in denen es dunkel ist wie in einem Bärenhintern, nicht mehr - das ist was für Gruselkabinette oder Geisterbahnen.

Meine zwei øre.
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Re: Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

Beitragvon Blattspitze » 03.12.2018 11:25

:27: :27: :27:
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Re: Neue Wikinger-Ausstellung im Dänischen Nationalmuseum

Beitragvon Roeland Paardekooper » 04.12.2018 16:08

So etwas konnte in einer Kunstgalerie passen, aber nicht im Nationalmuseum.
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