Gürtelgehänge des Biederer "Schneewittchens"

Träger der Kulturen der Völkerwanderungszeit bis zu den Anfängen des frühen Mittelalters

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Gürtelgehänge des Biederer "Schneewittchens"

Beitragvon Dago » 18.01.2009 23:38

Beim Besuch des Offenbacher Stadtmuseum ist mir ein Amulettgehänge aufgefallen zu dem ich keine Vergleichsfund kenne.

Näheres: http://www.offenbach.de/offenbach/theme ... dchen.html

Kennt jemand vergleichbare Gehänge?
Die Datierung war sehr ungenau 6./7. Jhr. , da das Grab keine Fibel enthalten hat kann ich auch nicht genaueres sagen.
Grüsse
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Beitragvon Bullenwächter » 19.01.2009 11:33

Kommen Schere, Kamm, Bernsteinperlen, Muscheln nicht fast regelhaft als Gürgelgehänge vor?

Was meinst Du genau Dago?
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Beitragvon Blaubär » 19.01.2009 13:12

Jepp, bin der gleichen Meinung. Auch Kettenglieder sind in der späteren Merowingerzeit regelhaft.

Grüße
Blaubär
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Beitragvon Indy » 19.01.2009 13:14

Schließe mich den Vorrednern an. Nur die Rekonstruktionszeichnung find ich etwas bieder...
Indy
 

Beitragvon Bullenwächter » 19.01.2009 13:50

Hier etwas Literatur zu Gürtelgehängen:

    Birgit Dübner-Mahnthey: ''Die Gürtelgehänge als Träger von Kleingeräten, Amuletten und Anhängern symbolischer Bedeutung im Rahmen der frühmittelalterlichen Frauentracht - Archäologische Untersuchungen zu einem charakteristischen Bestandteil der weiblichen Tracht''. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie des Fachbereiches 14 der Freien Universität Berlin (Altertumswissenschaften) Berlin 1987

    Anja Bartel, Christina Ebhardt-Beinhorn: ''Beobachtungen zur Trageweise merowingerzeitlicher Zierscheibengehänge'' In: Beiträge zur Archäologie Mittelfrankens 6/2001
    Hermann Hinz: ''Am langen Band getragene Bergkristallanhänger der Merowingerzeit''Sonderdruck Jahrbuch des RZGM, Mainz 1966
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Beitragvon Dago » 19.01.2009 14:08

Die Eisenringe, sind recht groß (ca 7 - 8 cm) sind es die mir aufgefallen sind. Das Kamm, Schere und Muschel ( und eine Glasperle) am Gehänge waren ist ja oft Belegt. Aber eine Folge von solchen recht großen Ringen ist mir nicht bekannte.
Grüsse
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Beitragvon Dago » 19.01.2009 14:14

Ach und eine Ziehscheibe fehlt
Grüsse
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Beitragvon Bullenwächter » 19.01.2009 15:26

Wahrscheinlich hatte die Trägerin die Eisenringe als zierendes Element, ohne weitere praktische Funktion, an ihrem Gürtelgehänge - das halte ich für durchaus möglich.
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Beitragvon Indy » 19.01.2009 18:48

apotropäisch also, um dieses schöne Wort auch mal wieder in den Raum zu werfen; ich liebe es, wie sich dieses Wort um meine Zunge schlängelt (m.E. ist es eines dieser Wörter, die auf intellektuelle Weise ausdrücken sollen, daß der Verfasser keine Ahnung hat, was das betreffende Objekt eigentlich sein könnte)
Indy
 

Beitragvon Chris » 19.01.2009 19:58

schön gesagt, Indy :D

Parallelen gibts z.B. im Gräberfeld von Weingarten:
mehrere Gräber mit "Klapperketten" aus Eisen, von 2 bis 6 Ringen / Kettengliedern aus Eisen, ähnlich groß...
Me transmitte sursum, Caledoni!
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Beitragvon C. Koepfer » 19.01.2009 21:58

apotropäisch also, um dieses schöne Wort auch mal wieder in den Raum zu werfen; ich liebe es, wie sich dieses Wort um meine Zunge schlängelt

Wie kommst Du denn in diesem Zusammenhang auf DEN Begriff? :o

Eben, wenn man nicht weiss was das soll, wird es halt kultisch genannt.

Und was soll der Begriff mit kultischem zu tun haben? :shock:
C. Koepfer
 

Beitragvon Alsuna » 19.01.2009 23:42

Ein Kettengehänge ähnlicher Art kenne ich aus dem Gräberfeld Freilassing-Salzburghofen. Dabei handelt es sich um eine Kette aus mehrere stäbchen-artigen Eisengliedern.
Ansonsten ist das Gehänge sehr schlicht ausgestattet, am unteren Ende befinden sich lediglich zwei Metalringe und Glasperlen...
Datiert wird das Grab 117a um 700 n. Chr.
Das Gräberfeld ist meines Wissens nicht publiziert, allerdings habe ich das Schaugrab im Stadtmuseum fotografiert und könnte dir ein Foto zusammen wenn du magst.
Alsuna
 

Beitragvon Indy » 20.01.2009 13:33

C. Koepfer hat geschrieben:Wie kommst Du denn in diesem Zusammenhang auf DEN Begriff? :o


Der Begriff taucht in mehr als einem Grabungsbericht und diversen Monographien auf, meist tatsächlich wenn es um die Besprechung/Interpretation von Gürtelgehängen (bzw. deren Bestandteilen) geht.
Indy
 

Beitragvon C. Koepfer » 20.01.2009 13:55

O.K. :o
"Wild guess", würde ich sagen.

Hab gerade den Wiki-Eintrag gelesen. Habe das Wort nur i.e.S. verwendet gekannt, bzw. verwendet, das ist aber wohl so, da die Althistoriker sich öfters moderneren Begriffsdefinitionen zu verweigern scheinen.... :lol:
C. Koepfer
 

Beitragvon Gotfrid » 31.01.2009 00:53

So ein ähnliches Gehänge, komplett aus Eisen hat man in Grab Nr.10 in der Kirche von Lahr-Burgheim gefunden.
Drei Gliederketten aufgehängt an einem Triangel mit Ringen ca. 3cm groß, aus dem 7.Jhd.

Was ähnliches habe ich auch in einer Ausstellung im Elsass gesehen, nur fällt mir der Name des Fundortes nicht mehr ein...

Gruß Gotfrid
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