Patrilineare Megalithbestattungen?

Grabbrauch, Grabbauten, Rituale (Ausschließlich historisch und archäologisch Faßbares!!!)

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Patrilineare Megalithbestattungen?

Beitragvon ulfr » 18.04.2019 08:50

Forscher der Uni Uppsala meinen, anhand der DNA nachweisen zu können, dass in Megalithgräbern Männer bestattet wurden, die einer Verwandtschaftslinie angehören. Kritiker verweisen auf die geringe Zahl der untersuchten Proben:

https://www.sciencemag.org/news/2019/04 ... atrilineal
„Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt.“
Georg Simmel 1908
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Re: Patrilineare Megalithbestattungen?

Beitragvon Blattspitze » 25.04.2019 12:54

Und wieder sind Paläo - Genetiker ganz vorne bei der Geschichts - Erklärung dabei.
Sehr spannende Ergebnisse.
Vorbildlicherweise werden hier unabhängig von Kritikern von den Autoren selbst im Originalartikel die Ergebnisse angesichts der geringen Zahl untersuchter Gräber relativiert und weitere Untersuchungen gefordert:

"The observation of paternal continuity across time at the Gotlandic Ansarve megalith and at the Irish megaliths is a strong indication that specific family groups used these stone constructions for burial and other funerary practices. Of course, the patterns that we observe could be unique to the Primrose, Carrowmore, and Ansarve burials, and future studies of other megaliths are needed to provide additional data that can inform us further about social organization in the Neolithic."
https://www.pnas.org/content/early/2019 ... 1818037116
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Re: Patrilineare Megalithbestattungen?

Beitragvon Monolith » 26.04.2019 07:46

Ja, die Selbstkritik der Forscher fand ich gut und richtig. Ich bin gespannt, was herauskommt, wenn man den Datensatz quantitativ und vor allem regional erweitert. Zudem sollte man stehts sicherstellen, dass das untersuchte Skelettmaterial tatsächlich in die erste Nutzungsphase der Megalithgräber gehört und nicht zu den zahlreichen Nachbestattungen des Spät- und Endneolithikums (oder gar noch jüngeren). Im Falle von Nordostdeutschland beispielsweise haben die Nachbestatter die Tür regelrecht zugemacht, indem sie das Grab hinter sich auffüllten und verschlossen. Da könnte man, ohne den Kontext zu kennen, schnell in die Irre geführt werden, was das Alter der Bestattungen angeht.
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