Boii

"Kelten"

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Boii

Beitragvon Dain II. » 16.12.2005 01:26

So dann will ich mal alles zusammenfassen was mir über den Stamm der Boier bekannt ist.

Der Name Boii (Boier, Bojer) wird oft als "Schläger", "Krieger", von Birkhan auch als "Rinderzüchter" gedeutet. Orte denen die Boier ihre Namen entliehen haben sind Bononia(Bologna), Boiodurum(Passau), Boihaemum(Böhmen) und eventuell Bayern, da manche geneigt sind die Boier als namensgebend für das Volk der Bajuwaren, das wohl wiederrum namensgebend für Bayern ist, anzusehen. Personennamen die mir bei Boiern bekannt sind, sind Boiorix und Auxiliartruppenmitglieder vom Limes in Bayern um 280, nämlich Boius und Bonus.

Die Ursprünge der Boier liegen wohl in der Hallstattkultur im 6. Jahrhundert. In dieser Zeit waren sie wohl im Gebiet zwischen dem Rhein und dem Main und dem deutschen Mittelgebierge angesiedelt. Manche glauben auch das die Boier und Helvetier Unterstämme der Volcae/Volker-Tektosagen wären die in Mittel-bzw. Süddeutschland ansässig waren. Später wanderten die Boier nach Böhmen aus, was wohl im 5. Jahrhundert passiert sein muss. Die ältesten keltischen Funde in dieser Gegend sind Flachgräberfelder mit Kriegerbestattung der Latenestufe B um 400 vor. Laut der überlieferung von Tacitus breiteten sich die Boier von Boihaemum aus nach Osten und nach Süden bis südlich der Donau aus. Allerding ist mir nicht ganz klar in welcher Geschwindigkeit das vor sich ging. Es gibt nämlich auch ein paar Flachgräber aus Mittel- und Oberschlesien die ins 6. bis 5. Jahrhundert datiert werden und die mit den Boiern oder den Segovesus-Kelten in Verbindung gebracht werden was aber nicht zu beweisen ist.

Bei dem "Umzug" nach Böhmen und Mähren (vielleicht auch schon davor) spaltete sich ein Teil des Stammes ab und wanderte eventuell über den Dürrnberg und den Brenner (Birkhan) oder den St. Bernhard nach Italien aus. Da die Po-Ebene nördlich des Po schon von zumindest einem Teil der Insubrer (einem Unterstamm der Häduer), den Cenomanen und anderen gallischen Stämmen besiedelt war, wanderten in das cispadanische Gebiet der Etrusker und Umbrier nördlich des Apennin ein. Das Gebiet der Boier reichte im Westen bis Mutina (Modena) und Parma, im Süden bis zum Uten, im Norden grenzte es an den Po und im Osten an das Land der Lingonen im südlichen Po-Mündungsgebiet. Dieses Gebiet war in 112 Verwaltungseinheiten sogenannten tribus eingeteilt während ihre Hauptstadt die etruskische Stadt Felsina wurde die sie in Bononia umbenannten, das heutige Bolognia. Während ihrer Zeit in Italien vermischten sich die Boier kulturell mit der einheimischen etruskischen Bevölkerung wobei die keltische Kultur dominierte. So zeigt z.B. die Arnoaldisitula boiische und etruskische Krieger in einer Einheit. Auch die Ligurer scheinen davon nicht ausgenommen zu sein denn es gibt zumindest boiisches Grabinventar in ligurischen Holzsärgen. Diese mehr als hundertjährige Kultursymbiose hat ihren Weg sogar bis nördlich der Alpen gefunden wo sie wohl durch den Handel hingekommen ist.
Angeblich sind es die Boier und Senonen gewesen, die die Stadt Melpum genommen und die Stadt Clusium belagert haben und in dessen Folge der legendäre Sturm auf Rom durch die Kelten stattfand. VAE VICTIS :twisted: !

Nachdem die Römer die Senonen nach deren wiederholten Beutezügen unterjocht hatten begann der erst Keltenkrieg in Italien. Als der Zusammenschluss der Boier und restlichen norditalienischen Kelten, unterstützt durch die (helvetischen? auf jeden Fall wohl alpinen) Gaesaten, die Apenninen überschritt und in der Schlacht von Telamon 225 vor von zwei römischen Heeren aufgerieben wurde, griffen die Römer die Poebene an und rangen erst die Boier, 222 und 221 die Insubrer nieder. 218 allerdings erhoben sich die Kelten wieder und schlossen sich dem Punier Hanniball an und bildeten zusammen mit den Keltiberern die Grundlage für Hannibals vernichtende Siege gegen die Römer. Als Dieser besiegt wurde, wurde auch die Poebene endgültig befriedet und romanisiert darunter auch alle nicht nach Norden geflohenen Boier. Aus diesen Gebieten rekrutierte übrigens Caesar auch einen Teil seiner Soldaten für den Gallische Krieg.

Im Norden hatten die Boier sich wohl nach den Kämpfen mit den Kimbern und Teutonen, mittlerweile bis nach Noricum, in die heutige Steiermark, vor die Tore der Hauptstadt der mit ihnen verfeindeten Noriker, gekämpft. Dies wird dadurch belegt, dass der Norikerkönig Voccio seine Schwester mit dem Suebenkönig Ariovist vermählte um einen Verbündeten gegen die Boier zu gewinnen. Caesar schreibt auch dass die Boier als sie von den Helvetiern gerufen wurden um bei der Auswanderung ebendieser mitzureisen gerade Noreia belagerten. Das dürfte 58 vor gewesen sein. Früher glaubte man auch dass das Auswandern der Boier eine, der Helvetiereinöde ähnliche, Boiereinöde im Burgenland hinteließ. Alledings nur bis man 1982 einen neuen Typ ländlicher Spätlatenesiedlungen fand. Entweder fallen auch die Oppida von zB. Purbach, Lockenhaus und Schwarzenbach unter diese Siedlungstypen oder sie wurden zuvor von den Boiern bewohnt und dann verlassen. Jedenfalls wird das Ende des keltischen Böhmens ins letzte Viertel des letzen vorchristlichen Jahrhunderts angesiedelt. Ca. 40 vor wurden die Boier durch den Druck der Daker und Burbista zur Abwanderung aus Mähren gezwungen und um 8 vor wurden die letzten Reste dort von den Markomannen unter Marbod assimiliert. In Westungarn wurden die letzten Boier von Tiberius zwischen 12 und 9 vor unterworfen und in die Provinz Pannonien eingegliedert.

Ich hoff dass ich noch mehr dazu herausfinden werde.
Quellen sind:
-Wikipedia
-Römer und Kelten ev
-Kelten von Janine Fries-Knoblauch
-Hannibal und die Feinde Roms von Peter Conolly
-Kelten von Helmut Birkhan

gut nacht
Dain II.
 

Beitragvon ICENI » 05.01.2006 20:29

Hi Stefan,
bei Platt / Roseldorf zwischen Hollabrunn und Eggenburg gibt es eine große Ausgrabungsstätte, wobei es sich evtl. um eine Oppida der Bojer handelt. Streitwagenteile, Gürtelschnallen, Schwerter usw. wurden in den letzten sechs Jahren ausgegraben. Mehr erfährst du imNet "Fürstensitz Sandberg", "Forum Platt". Die Ausgrabungen werde weiter vortgesetzt.
ICENI
 


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