Häuserbau, speziell Strohdächer und Fenster

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Häuserbau, speziell Strohdächer und Fenster

Beitragvon Zaunreiter » 30.11.2006 12:55

Hallo miteinander!

Ich habe schon eine Menge einfacher Hütten im Wald gebaut und ich frage mich bei den meisten Darstellungen von "Häusern" der Frühgeschichte, wie ein Haus ohne Fenster und mit Strohdach funktioniert haben soll.

1.) Das Strohdach halte ich für sehr brandgefährdet, da Feuerstellen im Inneren immer Funkenflug verursachen. Ich halte es für praktisch unmöglich, so sein Haus zu betreiben. Vor allem, wenn man die Bauzeit eines solchen Hauses betrachtet. Da kann es doch nicht egal sein, daß das Haus ständig abbrennt :?: Gab es einen brandsicheren Rauchabzug oder waren es keine Strohdächer? Welche Materialien kämen noch in Frage?


2.) Wieso keine Fenster? Ich lese immer, daß keine Fenster vorhanden sein sollen - warum nicht? Von den Pfostenlöchern kann ich doch nicht darauf schließen, ob Fenster in den Wänden waren? Ich glaube vom praktischem Aspekt her: es gab welche. Einfache Löcher, die mit Deckeln zugemacht werden können, wenn es kalt oder ungemütlich wird. Sowas hatten ja selbst die Tipis der nordamerikanischen Ureinwohner an den Eingängen. So ein Fenster ist doch klimatisch und wohntechnisch besser.

Gedanken dazu?


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Beitragvon Nika E.S. » 30.11.2006 13:19

Zm Abbrennen:
So gefährdet ist das ganze nicht, sonst hätte Steve die Heuneburg schon so 2 bis 7mal abgefackelt.
Zum einen sind diese Dächer hierzulande selten ganz trocken (zumindest waren's die Dächer der Heuneburg nie), dann sind die Dächer so hoch, daß die meisten Funken wohl schon verglüht sind bis sie oben sind, dann sind die Dächer so dicht gepresst, daß nicht genug Sauerstoff für ein Feuer rankommt - (es sei denn man wirft eine Fackel drauf, damit würde es vieleicht klappen, aber nicht mit Funken) pack einfach mal ein Lagerfeuer zu dicht - und offenbar imprägnieren die Teer- Ruß- Sonstwasstoffe aus dem Feuer alles darüber... Aber fragt dazu bitte nicht weiter, es ist auch in erster Linie eine Beobachtung, daß die Innenseite solcher Dächer klebrig Schwarz ist.

Auf jedenfall ist das Brandrisiko nicht so hoch wie man vielleicht denkt, wenn auch sicher höher als bei Steinbauten.

Und Fenster:
Wer sagt, daß es keine gab?
Klar, finden tut man sie nicht, deswegen postuliert man sie.
Wenn es Haus ohne rekonstruiert wird, dann eben um die Fundumstände zu berücksichtigen, die ja bekanntlich nichts über aufgehendes verraten sondern nur Grundrisse zeigen.

Abgesehen davon, hat man nicht in Feuchtbodensiedlungen Fenster gefunden? Weiß da wer mehr?
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Beitragvon Zaunreiter » 30.11.2006 14:05

V.E. Jell hat geschrieben:(...), dann sind die Dächer so hoch, daß die meisten Funken wohl schon verglüht sind bis sie oben sind, (...)


Tja, aber nicht alle Hütten kann man so hoch bauen. Gerade die Kleinstsiedlungen werden wohl kaum hohe Gebäude gebaut haben. Für solche Dächer wurde vielleicht Leder genutzt, wie bei den Nordamerikanern?!

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Beitragvon Steve Lenz » 30.11.2006 14:13

Leder ja, aber stark annehmbar nicht zum Dachdecken:

Bei relativ niedrigen Gebäuden kann man über der Feuerstelle eine Tierhaut unter das Dach spannen, in welcher sich die Funken fangen!

Denkbar wäre auch ein mit Birkenrinde gedecktes Dach, am Federsee wurde ein Holzfragment aus dem Neolithikum geborgen, welches man aktuell als Schindel anspricht.

Aber komplett ledergedeckte feste Pfostenbauten ist kaum annehmbar - stell Dir da mal die Ressourcenbeschaffung vor! :idea:
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Beitragvon Thomas Trauner » 30.11.2006 14:59

Verzeihung - ich verstehe die Bedenken nicht. Demnach müsste jede europäische Siedlung oder Stadt bis in die Neuzeit hinein, kleine Dörfer oder Weiler in Südosteuropa bis heute dauernd abbrennen.
Und Schleswig-Holstein erkennt man schon von weitem an den dauernden Rauchfahnen.. :D
Ernsthaft. Natürlich reduzierte der Kamin (frühste Darstellung für Stroh/Reed-gedeckte Häuser Ende des Mittelalters, 15. Jh.) die Brandgefahr...zumindest für das eigene Haus, der Funkenflug daraus trifft aber auch mal den Nachbarn..

1. Brennholz entsprechend auswählen. Schöne harzige Kiefer ist wohl nicht so das Wahre, trockene Buche dagegen schon. Soll und muß auch Rauch vermieden werden.
2. Ferro hat sehr recht. Die Funken erreichen das Hausdach eher selten.
(Mindesthöhe First ist in jedem Fall doppelte Menschhöhe, bei 45 Grad Dachneigung). Ein "Flachdach" so 1,80 über der Feuerstelle gab es einfach nicht. Bricht ja schon alleine wg. der Schnee/Regenlast ein.

Fenster zu fordern wird in den bestehenden Rekonstruktionen schon lange praktiziert. Nachgewiesen sind sie nicht.
Es liegt bislang nur ein Fall vor, bei der die komplette Wand eines (hier Linienbandkeramischen, rd. 5000 v.Chr.) Hauses "erhalten" war. (BMW-Werk, Regensburg, Grabung Mitte der 80er.)
Da haben sich im Boden die Abdrücke der umgestürzten Spaltbohlen des rückwärtigen Teils des Hauses erhalten.
Keine Fenster. Aber das sagt nichts.
Überschätzen sollte man zumindest die Fensterwirkung, zumindest an den Längsseiten der Gebäude, nicht. Das Dach ist normalerweise wegen des Lehmwandschutzes soweit herabgezogen, dass ein offenes Fenster zwar Frischluft, aber nur wenig Licht einlässt.
Aber eigentlich gibt es da keine großartige Diskussion drum rum. Fenster ja, eher klein, verschließbar.

Th.
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Beitragvon Dain II. » 30.11.2006 18:13

Für die Häuser der Hallstatt- und Latenezeit möchte ich das Büchlein: "So wohnten die Kelten - Kleine Schriften der Keltologie der Universität Wien Band 4, 2001 von Raimund Karl"

Darin stellt RAY die möglichen/denkbaren Häuser eines armen Kelten mit denen eines reichen Kelten gegenüber. Die für Freilichtmuseen typischen Hausrekonstruktionen (Riedgedeckt/Holzgeschindelt, ohne Fenster, ziemllich kahl) wären danach die einer Sippe die sich nicht sonderlich um ihren Wohnsitz kümmert/kümmern kann und froh ist überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.

Das Haus eines wohlhabenden Kelten könnte so ausgesehen haben: Riedgedeckt oder holzgeschindelt (Lärche im Idealfall)mit Fenstern im Erdgeschoß und im Dachgeschoß (hier im Dach eingelassen) mit Holzverschlägen von Außen und dicken Vorhängen von innen (Blumenbeete vor den Fenstern) Filzteppiche und Bohlenfußboden für die Bodenisolation, Trennwände, Möbel, hölzerner Rauchabzug über der größeren Feuerstelle der zusätzliche Wärme ins Dachgeschoß leitet.

Dieses Büchlein hat mein Denken gegenüber den Wohnsitzen der vorrömischen, eisenzeitlichen Kulturen ziemlich positiv verändert und ich denke mir dass die Kelten durchaus noch zu weit mehr in Sachen Wohnkomfort fähig waren als viele glauben und das auch genutzt haben.
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Beitragvon Hans T. » 30.11.2006 18:15

Es gibt mehr als genügend Versuche in den rekonstruierten Gebäuden, die belegen, dass stroh- oder reetgedeckte Dächer und Feuerstelle sich nicht ausschliessen. Manchmal sieht man Felle/Häute als Funkenfänger, aber die Frage ist, ob der Funke noch genügend Temperatur hat, wenn er auf zündfähiges Material trifft.

Wobei auch schindel- oder rindengedeckte Dächer nicht weniger feuergefährdet sind, ja sogar der gemauerte Kamin ist eine latente Feuergefahr. Die eigentliche Gefahr geht nicht vom Deckmaterial aus, sondern vom Russ und vom Fettdunst. Das zündet erheblich besser und wenns brennt, dann richtig. Nicht umeinsonst gibts den Schornsteinfeger.

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Beitragvon Dain II. » 30.11.2006 19:08

Noch was: Als Fensterscheiben wären meiner Meinung nach auch Pergament, Rohhaut oder flach gepresste mitteinnander verleimte Hornplatten denkbar die mit Leinöl eingelassen wurden um sie relativ durchsichtig zu machen und um vor Witterung zu schützen.

lg Stephan
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Beitragvon Hans T. » 30.11.2006 20:14

Wobei die Notwendigkeit der 'Verglasung' überschätzt wird. Wenn das Fenster nicht zu gross ist, dann kommts da gar nicht allzu kalt rein. Auch fensterlose Häuser mit halbgeöffneter Tür oder mit den berühmten Rauchgiebeln haben genügend Licht.

H.
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Beitragvon Jan Rehder » 03.02.2008 11:54

Hallo zusammen,

jetzt muss ich doch mal einen Erfahrungsbericht vom Bajuwarenhof posten.

Tatort: über Sylvester 2005/2007 6 Personen, Außentemperatur -5 bis -18°C, Bajuwarenhof Haus I (Nebengebäuse)
www.bajuwarenhof.de

Wir haben eine Feuerstelle im Haus, die problemlos verwendet werden kann, wenn folgende Kriterien befolgt werden:

-trockenes Holz, kein Nadelholz (das schränkt die Rauchbildung auch sher ein)
-wir haben eine Funkenglocke aus Weiden mit Lehm

-Fenster als Schiebefenster sind irgendwo belegt (unsere Archäologen werdens wissen)

Zu dem Experiment: ja es war arschkalt und die Bude wurde nicht warm, weil fast die gesamte Wärme über das Strohdach (zugegeben nur 25cm Strohschicht, ist ca. 50% der Sollstärke) entwichen ist. Die Wände haben den Windschutz sehr gut erfüllt, der die gefühlte Temperatur ja noch weiter absenkt. An einem Morgen hatten wir gefrohrene Eier ca. 30cm neben der Feuerstelle. Nach einer Berechnung ist die vorhandene Lehmwand einer Ripswand mit innenliegender Isolation zu vergleichen (vom Wärmedurchgangswiderstand). Also macht ein dichtes Fenster, das als Glasfenster ja noch viel schlechter Isoliert als z.B. ein Holzbrett beim Wärmehaushalt keinen Sinn.

Im eigentlichen Wohnhaus wird es zwei über einen Lehmofen extern beheizbare Kammern geben, da haben wir dann auch eine Lehmdecke. Und dort möchte ich kein offenes Feuer machen.

Letztes Jahr waren wir in Marokko, dort gibt es viele Lehmbauten, sog. Ksars (befestigtes Dorf) oder Kasbahs.
Die Bauten bestehen komplett aus Lehm, eben auch die Dächer und sind normalerweise dreistöckig. In allen Räumen gibt es kleine Fenster (klein, wg. Schutz vor der Hitze). Im SOmmer ist es in diesen Häusern konstant 18°C. Ohne Fenster sieht man die Hand vor Augen nicht, wenn man um eine Ecke geht, dann muss man entweder offenes Feuer in jedem Raum machen (bei sehr begrenztem Brennholzvorrat) oder eine superteure Kerze nehmen. Also bietet sich ein Fenster schon allein aus wirtschaftlicher Sicht absolut an.

mfg

Jan
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Beitragvon ulfr » 03.02.2008 18:59

Jan Rehder hat geschrieben:Fenster als Schiebefenster sind irgendwo belegt (unsere Archäologen werdens wissen)


Bin kein Archäologe, aber Fenster sind (meines Wissens, ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen) bis zur röm. Kaiserzeit nicht nachgewiesen (Luley, Andraschko). Olle Jankuhn beschreibt aus Haithabu ein kleines Fenster.
Am Federsee sieht es so aus: Feuer ist oben kein Problem, eher unten (durchgeschmorter Holzboden) Wir benutzen eine aufgespannte Tierhaut als Funkenfänger, aber auch als die noch nicht dort hing, gabs keine Probleme. Allerdings sind einige Dächer dort aus Eichenrinde. Keine Fenster, das Licht von Tür, Dachunterschlag und Giebelluken reicht zur Orientierung aus, zum Arbeiten geht man halt raus oder macht Feuer an. Warm wurde es in den Hütten nie so richtig, dort gibt es allerdings keine Zwischendecken, und das Rindendach ist sehr luftdurchlässig. Allenfalls ließ sich die Strahlungswärme von Feuerstelle und Ofen nutzen.
Die "Pfahlbauer" in der Schweiz habens ähnlich gemacht, dort gab es zwar 2 Fenster für die Kamera, die wurden aber nachts einfach mit Leder zugehängt, sonst wars in der Zugluft zu kalt. Das dürfte das erstrangige Problem sein, ein Gleichgewicht zwischen Zugluft und qualmendem Feuer (siehe Gletschmans Raucherlunge). Handwerk fand draußen vor der Tür statt, aber auch das Licht vom Feuer in der Hütte reichte für die meisten Tätigkeiten.
LG
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Beitragvon ringot » 19.03.2009 16:09

ulfr hat geschrieben:
Jan Rehder hat geschrieben:Fenster als Schiebefenster sind irgendwo belegt (unsere Archäologen werdens wissen)


Bin kein Archäologe, aber Fenster sind (meines Wissens, ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen) bis zur röm. Kaiserzeit nicht nachgewiesen (Luley, Andraschko). Olle Jankuhn beschreibt aus Haithabu ein kleines Fenster.
Am Federsee sieht es so aus: Feuer ist oben kein Problem, eher unten (durchgeschmorter Holzboden) Wir benutzen eine aufgespannte Tierhaut als Funkenfänger, aber auch als die noch nicht dort hing, gabs keine Probleme. Allerdings sind einige Dächer dort aus Eichenrinde. Keine Fenster, das Licht von Tür, Dachunterschlag und Giebelluken reicht zur Orientierung aus, zum Arbeiten geht man halt raus oder macht Feuer an. Warm wurde es in den Hütten nie so richtig, dort gibt es allerdings keine Zwischendecken, und das Rindendach ist sehr luftdurchlässig. Allenfalls ließ sich die Strahlungswärme von Feuerstelle und Ofen nutzen.
Die "Pfahlbauer" in der Schweiz habens ähnlich gemacht, dort gab es zwar 2 Fenster für die Kamera, die wurden aber nachts einfach mit Leder zugehängt, sonst wars in der Zugluft zu kalt. Das dürfte das erstrangige Problem sein, ein Gleichgewicht zwischen Zugluft und qualmendem Feuer (siehe Gletschmans Raucherlunge). Handwerk fand draußen vor der Tür statt, aber auch das Licht vom Feuer in der Hütte reichte für die meisten Tätigkeiten.
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Hallo,
Jahrelang hat man im Haus 2 des Archäologischen Zentrums Hitzacker Feuer gemacht ohne Problem. Über der Feuerstelle war eine Wildschweinehaut gespannt.
Das Haus hat letztes Jahr gebrannt... nur durch die kriminelle Handlungen von drei Jugendlichen, die absichtlich Feuer gelegt haben!
J-L, der Archäogaukler.
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Beitragvon Mela » 20.03.2009 10:30

Was in der Diskussion gerne mal etwas untergeht, ist die Verfügbarkeit von Schilf/Stroh.
Ich habe mir von einer Archäobotanikerin mal erklären lassen, dass diese dichten Schilfgürtel an vielen Seen für die Urgeschichte wohl eher nicht anzunehmen sind. Und das durchschnittliche Getreidestroh eignete sich wohl auch nicht so...
Ich denke also, dass die Reetdeckung zumindest im zirkumalpinen Raum nicht unbedingt die vorherrschende war.

Liebe Grüsse

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Beitragvon Ragnar » 21.03.2009 04:17

Natürlich hat man Schilf nur da verwendet, wo es vorhanden war.
Stroh war aber ( seit es den Getreideanbau gab), überall verfügbar und eigendlich ein Abfallprodukt. Es wurde zwar auch für ein paar andere Dinge gebraucht, aber auch als Dachabdeckung. Durch die Ernte mit der Sense oder Sichel hatte man, anders als heute durch die maschinelle Ernte, lange Halme zur Verfügung. Und jedes Jahr gab es neues, mit dem man, bei Bedarf, noch eine Lage hinzufügen konnte. Bei entsprechender Dicke ist die Isolation wohl besser als bei einem Schindeldach. Allerdings muss man es alle paar Jahre erneuern, da es irgendwann fault und schimmelt. Roggenstroh soll am besten dafür geeignet sein.
Der Grund dafür ist mir allerdings nicht bekannt.
Irgendwo hatte ich mal einen Link, wo man Stoh zum Dachdecken beziehen kann. Vielleicht kommen wir ja da hin, dass es wieder häufiger verwendet wird.
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Beitragvon Claudia » 23.03.2009 10:11

Durch die Ernte mit der Sense oder Sichel hatte man, anders als heute durch die maschinelle Ernte, lange Halme zur Verfügung.

Ragnar, das stimmt so nicht ganz.

Ernte mit der Sense:
Sensen gab es wohl bei den Römern (wirklich sauschwere Sensenblätter, damit möchte ich wirklich nicht mähen), aber nicht davor und danach auch erst nicht mehr, bis im Hochmittelalter wieder die ersten Grassensen auftauchen. Getreideernte mit Sensen gab es dann erst wieder ab dem 15. Jh. n. Chr.!
Bei den Römern weiß ich auch nicht, wie regelhaft dort Sensen zur Getreideernte verwendet wurden.

Ernte mit der Sichel:
Hierbei schneidet man die Halme ja nicht dicht über dem Boden ab wie bei der Ernte mit der Sense, sondern deutlich höher. Das kann man auch sehr schön auf mittelalterlichen Erntedarstellungen sehen. D.h. bei der Ernte mit der Sichel schneidet man bei weitem kürzere Halmabschnitte, selbst wenn man langhalmiges Getreide hat.

Bei der steinzeitlichen Ernte mit Erntemessern oder Sicheln mit Flinteinsätzen bin ich nicht ganz sicher, in welcher Höhe abgeschnitten wurde - direkt unter der Ähre oder doch etwas tiefer, um Garben binden und diese noch einmal gründlich durchtrocknen zu können. Ich tendiere zu letzterem, wegen der Lagerfähigkeit des Getreides. Das würde eine ähnliche Auswirkung wie eine Sichel haben.
Zuletzt geändert von Claudia am 24.03.2009 09:32, insgesamt 1-mal geändert.
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