Tod an der Tollense

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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon ulfr » 21.10.2019 09:17

Genau das dachte ich auch - es könnte sich doch eher um Gegenstände aus dem Tross handeln oder vielleicht um den Besitz eines Händlers, der mit einer der Gruppen, die in diese Kampfhandlungen involviert waren, unterwegs war ... ?
"Den Tod als das Ende zu betrachten ist,
als würde man den Horizont als Ende des Meeres sehen."

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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon ulfr » 26.10.2019 11:37

Hier gibt es mehr Details zu den aktuellen Erkenntnissen, auch zu dem "Portemonnaie" mit der Hackbronze:

https://www.spektrum.de/news/gemetzel-a ... en/1680250
"Den Tod als das Ende zu betrachten ist,
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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon TZH » 27.10.2019 12:00

Sehr interessant, danke!
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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon Monolith » 27.10.2019 21:58

Ja, endlich einmal ein wirklich guter Artikel.
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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon Blattspitze » 08.09.2020 09:31

... in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Current Biology berichten, hatten sie das Erbgut in Knochen von Menschen untersucht, die rund 1200 v. Chr. in der Schlacht an der Tollense, einem Fluss im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, gefallen waren. Dadurch stellten sie fest, dass unter den vermeintlichen Kriegern nur etwa jeder achte eine Genvariante hatte, die es ihm ermöglichte, Laktose zu spalten und damit Milch zu verdauen. "Von der heutigen Bevölkerung desselben Gebiets verfügen 90 Prozent über dieses Merkmal, die sogenannte Laktasepersistenz", sagt der Erstautor der Studie, Populationsgenetiker Prof. Dr. Joachim Burger von der JGU. "Dieser Unterschied ist enorm, wenn man bedenkt, dass nicht viel mehr als 120 Menschengenerationen dazwischenliegen."
...

https://www.uni-mainz.de/presse/aktuell ... U_HTML.php
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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon Blattspitze » 13.10.2020 10:35

„So passen auch die Ergebnisse der neuesten DNA-Untersuchungen nicht zu der lange vertretenen These, dass an der Tollense Invasoren aus dem Süden auf einheimische Gruppen trafen. Vielmehr ähnelt das Erbgut von zwölf Männern und zwei Frauen, deren Knochen ausgegraben wurden, dem der heutigen Nord- und Mitteleuropäer. Es sei sehr inhomogen, sie seien also nicht miteinander verwandt gewesen, heißt es. Daraus schlussfolgern die Wissenschaftler, dass es sich nicht um Einheimische und Fremde handelte, die gegeneinander kämpften, und nicht um eine Invasionsarmee, die aus dem Süden kam.
...
Die Interpretation eines Schlachtfeldes ist nicht die einzige Option“, sagt Jantzen. Denkbar sei auch, dass eine Handelskarawane an einer Flussquerung in einen Hinterhalt geriet und überfallen wurde.


https://www.welt.de/geschichte/article2 ... riert.html
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Re: Tod an der Tollense

Beitragvon Medivh » 28.10.2020 17:41

Das Bestreben Herkunftsorte zu bestimmen ist klar nachvollziehbar. Dies scheint mir aber anhand eines leider doch „nur“ kleinen Ausschnitts des Schlachtfeldes derzeit nicht mit absoluter Sicherheit möglich. Hier ist ja auch zu beachten, dass leider immer nur ein kleiner Teil von Knochen und Zähnen beprobt wird sowie nur ein geringer Teil der Ausrüstung respektive mitgeführten Sachen gefunden wird. Wie im hiesigen Fall haben wir zumeist nur wenige Indizien für die Herkunftsorte. Folglich können wir somit nicht für alle geschätzten 2000 bis 5000 Individuen repräsentative Werte haben, die uns etwas über die verschiedenen Herkunftsgebiete oder den einen gemeinsamen Herkunftsort verraten.
Es ist ja z. B. auch nicht auszuschließen, dass sich Einheimische mit Menschen beispielsweise aus dem Süden verbündeten, um sich den ungeliebten Nachbarn zu entledigen und somit keine „Invasion aus dem Süden“ vorliegt. Auch hier könnten z. B. eventuell neue lohnenswerte Handelsabkommen geschlossen worden sein. Zudem könnten beide Seiten auch Söldner angeheuert haben. Ein Indiz hierauf könnten ja die Individuen mit verheilten Wunden aus früheren Schlachten sein. Interessant ist auch die These, dass es sich um eine (Handels-)Karawane gehandelt haben könnte. Auch hier ist wiederum sowohl eine eventuell hohe Anzahl an einheimischen sowie nicht einheimischen Individuen nicht auszuschließen. Ein paar Ausreißer sind natürlich nicht als ungewöhnlich anzusehen, aber mir stellt sich die Frage wie viele der nicht untersuchten Individuen vielleicht doch auf eine anderweitige Herkunft respektive diverse Herkunftsorte hindeuten könnten. Leider wirken solchen Analysen die Kosten sowie – wenn auch nicht in diesem Fall – die Erhaltungsbedingungen oft entgegen, sodass man sich klar für eine mehr oder weniger repräsentative Auswahl an zu beprobenden Material entscheiden muss.
Ich denke mal, dass wir uns hier noch auf diverse spannende Artikel freuen können.
Alt ist man erst, wenn man zum Archäologen überwiesen wird.

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