Nofretete von Zahi Hawass zurückgefordert

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Beitragvon Fridolin » 29.01.2011 18:15

eben kam auf Al Jazeera ein Beitrag, dass Plünderer ins Ägyptische Museum in Kairo eingedrungen seien und Funde zerstört hätten. Wenn das kein Argument ist, die Nofretete in Berlin zu behalten....
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Beitragvon Blattspitze » 29.01.2011 18:31

Hier ein link zu einem Bericht, wonach Königsmumien zerstört worden sein sollen, aber die Armee bewacht das Museum wohl im Moment ...
http://www.thejournal.ie/two-pharaonic- ... s-2011-01/
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Beitragvon ulfr » 30.01.2011 12:05

Skeptiker-Modus on:

Ich teile selbstverständlich Eure Sorge um Altertümer in Krisenzeiten, gebe aber zu bedenken, dass die Sicherheit, in der sich Nefertari momentan in Berlin befindet, auch nur eine relative ist. Man stelle sich vor, einer der Uraltmeiler an der Unterelbe geht hoch, und die radioaktive Wolke macht innerhalb weniger Stunden aus dem halben Osten der Republik eine no go area, dann ist die Schöne für die nächsten paar Tausend Jahre wieder allein. Oppenheimers Tel-Halaf-Funde wären 1944 in Syrien auf jeden Fall besser untergebracht gewesen als in der Reichshauptstadt.

Skeptiker-Modus off
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Beitragvon Fridolin » 30.01.2011 12:35

Wachleute sollen Museum ausgeraubt haben
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 83,00.html
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Beitragvon Blattspitze » 30.01.2011 13:11

gebe aber zu bedenken, dass die Sicherheit, in der sich Nefertari momentan in Berlin befindet, auch nur eine relative ist


Du hast recht. Allerdings konnte u.a. zumindest Nofretete vor dem Bombenhagel geschützt werden.
Es zeigt sich wieder einmal: "ausgraben heißt zerstören", es ist eben nur die Frage, wie schnell das Zerstören nach dem Ausgraben erfolgt. Pfostenlöcher verschwinden sofort, Königsmumien eben 100 - 200 Jahre später. Tatsächlich zeigt sich grade in der Archäologie, wie umfassend Kulturen bis auf geringe Reste "verschwinden" können, gleiches wird aller Voraussicht nach auch unserer Kultur blühen ...
Nur gute Dokumentation kann den Schaden begrenzen. Und die Dokumentation muß in gedruckter Form erfolgen und weit, am besten weltweit erfolgen, denn Internet & Co. lassen sich überraschend plötzlich abschalten...


Gibt es für den Fall von Katastrophen, Staatskrisen etc. bei uns eigentlich besondere Maßnahmen für Kulturgüter/Museen? Oder werden nur Teile der Infrastruktur, Regierungsstellen, Nahrungsmittel und Energieträger besonders geschützt?
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Beitragvon ulfr » 30.01.2011 13:31

Gute Frage ...

Ein paar Antworten hier: (Haager Konvention)

http://de.wikipedia.org/wiki/Haager_Kon ... Konflikten

Aber wie genau der Schutz dann realisiert wird, könnte Gegenstand längerer Recherchen sein (leider keine Zeit, die Steinzeit ruft). Niedersachsen hatte wohl geplant, im Krisenfall Kunstschätze etc. in die Asse transportieren zu lassen:

http://www.newsclick.de/index.jsp/menui ... d/11922494

Das auf die ganz schnelle ...
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Beitragvon Blattspitze » 30.01.2011 15:55

Danke Ulfr, jetzt bin ich beruhigt.
Ansonsten hier aus der Reihe "Große archäologische Entdeckungen der Zukunft": Fund einer Kolossalstatue im Jahre 3978 A.D.
Bild
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Beitragvon Sikla » 31.01.2011 08:27

Es war irgendwie zu erwarten und trotzdem schockierend!

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 21,00.html

Viele liebe Grüße, Sikla
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Beitragvon Nils B. » 31.01.2011 13:41

Ich weiß ja, man soll in erster Linie an die Lebenden denken, deren Wunsch nach Befreiung aus einer Diktatur auch manche Verzweiflungstat vielleicht verständlich machen kann, aber das schon verdammt bitter.
Zwar ist gerade das angesprochene Tutanchamun-Grab dokumentiert wie kaum ein zweiter archäologischer Fund, aber nichts bringt die Originale wieder.
Und dem Artikel nach sind die Schäden und Verluste an anderen Artefakten bereits jetzt schon massiv.
Einfach nur bestürzend.
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Beitragvon Blattspitze » 31.01.2011 18:04

Hier Bilder der beschädigten Mumien und Gegenstände:

http://terraeantiqvae.com/profiles/blog ... =activityT


Einige andere Stimmen und kontroverse Ansichten aus dem Netz (Blogs und Boards):

Zitat - Wafaa el-Saddik (Museumsdirektion Kairo) :
"Das waren unsere eigenen Leute ... Das Museum in Memphis und seine Magazine wurden am Samstag früh komplett ausgeraubt. Die Verantwortlichen dort haben mich in ihrer Verzweiflung angerufen und gefleht: Rette uns, mach etwas. ... Sie werden extrem schlecht bezahlt. Ich habe mir die Finger krumm geschrieben und mehr Geld für diese Menschen verlangt. Alles umsonst. Ein Wachmann verdient etwa 250 ägyptische Pfund, das sind 35 Euro im Monat. Wir haben rund 160 Wachleute plus mehrere Dutzend Polizisten, die im Grunde Wehrpflichtige in Polizeiuniformen sind. Diese Polizisten verdienen noch weniger. Immer wieder waren diese jungen Väter bei mir. Sie haben nichts. Einer hat alles, was er zuhause hatte, verkauft, um Medizin für sein krankes Kind besorgen zu können. Andere hungern sogar daheim. Aber das ägyptische Kulturministerium – das feiert sich mit teuren Projekten und Empfängen. ..."



„Große Teile des ägyptischen Volkes erheben sich gegen eine Regierung die in 30 Jahren das Land ruiniert hat. Dabei sind Kollateralschäden schwer zu vermeiden. Die westliche Regierungen und unzählige Touristen haben 3 Jahrzehnte alle Augen ganz fest zugedrückt - und reißen sie jetzt verwundert auf. Ekelhaft! Wenn dieser Aufstand zu einem vernünftigen, menschlichen Ergebnis führt, dann sind einige beschädigte Altertümer zu verschmerzen. Es geht um die LEBENDEN Ägypter. Auch die Schadenfreude wegen der Nofretete ist unangebracht. Hehler- und Diebesware wird nicht dadurch keine mehr, weil der wirkliche Besitzer ein unordentlicher, unzuverlässiger Zeitgenosse ist. Die Nofretete (pars pro toto!) ist ein Dokument des Kolonialismus und der Arroganz der nördlichen Welt. Sie ist auf Dauer nicht für Berlin zu retten. Die Ägypter sitzen am längeren Arm! (Grabungs- und Forschungslizenzen!)“


“People need to let go of the past. Stop clinging on oldies and dust. This is a revolution, and it’s about the Egyptians youth, not some wood in a museum. I can hear the “white” people being so sad about wood and not caring about the 150 dead kids in Egypt!!!
This is a revolution, and the Egyptians should also destroy theses pyramids that attract all the dumb fat german and chinese tourists. They’ll be better off with an egypt different than an amusement park for senior citizens.
Let go. Move on. These are just objects.”

Es bleibt schwierig ... durch Ausgrabung und Ausstellung werden Altertümer ein Teil der "aktuellen" Kultur ... so werden Sie dann eben auch von einigen gewertet ...
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Beitragvon ulfr » 01.02.2011 11:56

http://www.msnbc.msn.com/id/26184891/vp ... 9#41349279

Video über die Plünderungen im Kairoer Museum

Edith:

Das Dänische Nationalmuseum hat auch ein Problem mit Beutekunst:

http://videnskab.dk/content/dk/kultur/s ... tyvekoster

(auf Dänisch)
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Beitragvon Trebron » 01.02.2011 18:59

Was soll man da sagen :evil:

Die Sachen werden wohl im "Schwarzhandel" landen.

Da würde nur eines helfen: Kopien in die Vitrine, die Originale in den Hochsicherheitstrakt.

Ob das in solchen Ländern dann sicherer wäre, weiß ich auch nicht :shock:
Wer nur zurück schaut, sieht nicht was auf ihn zu kommt
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Beitragvon Nils B. » 02.02.2011 11:10

Ob das in solchen Ländern dann sicherer wäre, weiß ich auch nicht


Tja, was heißt 'in solchen Ländern'. Im hiesigen Kulturkreis werden halt weniger archäologische Artefakte geraubt, dafür aber immer wieder Kunstwerke, wie vor einiger Zeit noch E.Munchs 'Der Schrei' und kürzlich erst irgendein Picasso, wenn ich mich nicht irre.

Würde mich außerdem nicht wundern, wenn es nicht schon Kopien waren, die hier entwendet wurden, was aber so lange geheim gehalten wird, bis sich die Lage wieder beruhigt hat.

Zumal ich gerade erst gelesen habe, daß Adam Lowe und sein Team 'Factum Arte' den Auftrag bekommen haben, diverse Tutanchamun-Funde für die Ausstellung zu kopieren, um die Originale zu schützen. Wie weit das bereits gediehen ist, weiß ich leider nicht.
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Beitragvon Blattspitze » 02.02.2011 12:40

Kopien? Aber
Eine "Begegnung" mit Nofretete und dadurch eine emotionale Erfahrung mit ihrer außergewöhnlichen Epoche kann nur mit dem Original erfolgen.
(Loeben, siehe 1. Post)

Der Wert der Büste der Nofretete wurde von einer Versicherung auf 390 Millionen US-Dollar[2] beziehungsweise 300 Millionen Euro[3] geschätzt.
...

Adolf Hitler hingegen erklärte die Büste der Nofretete im selben Jahr in einer Rede zur Ikone: „Ich werde den Kopf der Königin niemals aufgeben."
...
Adolf Hitler soll ebenfalls eine oder sogar mehrere exakte Kopien der Büste in Auftrag gegeben haben. Es hieß, sie sei angefertigt worden, um die Ägypter zu täuschen[38] und Hitler habe das Original für seine private Sammlung haben wollen...

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCste_der_Nofretete

Fantasien ...
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Beitragvon Fridolin » 13.02.2011 15:41

Zitat:
"Wie Zahi Hawass weiter mitteilte, ließen die Diebe auch eine Kalksteinstatue von Pharao Echnaton mitgehen, eine Statue der Königin Nefertiti, den Kopf einer Prinzessin aus Amarna, der Hauptstadt von Echnaton und seiner Frau Nofretete. Weiter fehlen die Steinstatuette eines Schreibers aus Amarna, elf Shabti-Figuren, die im Mittleren Königreich den Gräbern beigelegt wurden, sowie ein großer Skarabäus, der bei den Mumien über der Stelle des Herzens eingewickelt wurde".

http://www.handelsblatt.com/technologie ... um;2753610
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