2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Von den Höhlenwänden bis zum Celluloid

Moderatoren: Hans T., Nils B., Turms Kreutzfeldt, Chris, ulfr

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon FlintMetz » 11.10.2017 07:20

@Blattspitze: Ich habe damals massiv gewarnt, dass es da so einen Hamburger Jung gibt, der schon dem Käpt´n Blaubär das Lügen abgewöhnt hat... :lol: :lol: :lol:

Nein - jetzt im Ernst: Da muss sicher kein Haupt gesenkt werden, denn alles ist von Dir sehr richtig und völlig korrekt dargestellt. Ich meine nur, dass man immer im Hinterkopf behalten muss, welchen wissenschaftlichen Anspruch das jeweilige Medium mit sich bringt. Als Archäologen sehen wir oft vieles sehr eng, was zum Teil natürlich auch berechtigt ist, denn für Klamauk muss man nicht jahrelang an der Uni studieren. Trotzdem ist die Archäologie heute in einer Situation, in der man schon froh sein muss, wenn sich überhaupt die breite Masse dafür interessiert. Es bleibt also immer ein gewagter Spagat, wenn man den Schritt aus dem Elfenbeinturm hinaus in eine populare, breitenwirksame Darstellung, wie es ein Kinofilm eben mal ist, wagt.
@Flintmetz: Ja, es stimmt. Die Wirklichkeit ist unwichtig, weil es immer darum geht, was im Drehbuch steht - wenn es nicht weggestrichen wird...
@Sculpture: Naja - ganz so frei würde ich es nicht ansetzen, wenn es um die Wirklichkeit geht. Aber wer von uns kennt die schon vollständig? Am Ende kommt es immer darauf an, wie weit der gesunde Menschenverstand die uns unbekannten Faktoren ersetzt und wie gut Drehbuch und Regisseur drauf sind und wie offen sie für Beratungen sind.

Schöne Grüße...

Robert
Dem Retuscheur ist nichts zu schwör...
Benutzeravatar
FlintMetz
 
Beiträge: 682
Registriert: 03.10.2010 19:43
Wohnort: 84543 Winhöring

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon LS » 11.10.2017 08:11

Ich hab ja bisher nur den Trailer gesehen, aber die Figuren erinnern mich eben doch sehr an den Mündl-Film. Damals haben einige Leute nach der Premiere deutlich ihre Meinung gesagt, aber der Filmemacher des neuen Films (geb. 1974) hat das offenbar nicht mitbekommen, zumindest ist keine Lernkurve in diesen 20 Jahren zu erkennen. Die Neolithiker werden sicher keine zotteligen Hippies gewesen sein, auch wenn keiner von uns so wirklich als Zeitzeuge dabei war. Einige Felsbilder vom Mont Bego lassen eher auf hochgesteckte Frisuren schließen (also eher wie Samurai zum Bsp.).
Die neandertaloide Optik geht mir schon ein bisschen auf den Keks, muss ich zugeben...

Gruß Leif
Benutzeravatar
LS
 
Beiträge: 876
Registriert: 17.06.2009 10:25
Wohnort: Fränkische Schweiz

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon ulfr » 11.10.2017 09:32

"Ein Gelehrter fand Topfscherben mit Versen des Euripides, baute daraus die verlorene Tragödie und fand seine Arbeit so gut, daß er die Originale wegwarf."

Wilhelm Lehmann "Bukolisches Tagebuch"

Soviel zum Film, ich enthalte mich der Diskussion, mir reicht der Mündl-Film und seine Premiere damals in Wien, seitdem hat sich NICHTS geändert, und deshalb bin ich raus :3: Näheres gern mündlich.

@LS: Ich glaube noch nicht mal, dass viele Neandertaler neandertaloid aussahen, man denke nur an die Adlerkrallen
http://www.sueddeutsche.de/wissen/halsk ... -1.2388137

Vermutlich waren sie genauso eitel wie der HSS und keine wandelnden Müllhaufen.
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4488
Registriert: 05.04.2006 13:56
Wohnort: Wetterau

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Sculpteur » 11.10.2017 09:54

Naja - ganz so frei würde ich es nicht ansetzen, wenn es um die Wirklichkeit geht.


Tschuldigung, Robert. Du hast natürlich vollkommen recht. Ich hätte einen zwinkernden Smiley hinter meine Aussage setzen müssen.

:18:
Herzliche Grüße,
Vince
Benutzeravatar
Sculpteur
 
Beiträge: 83
Registriert: 17.06.2016 18:17

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Blattspitze » 11.10.2017 13:21

FlintMetz hat geschrieben: Als Archäologen sehen wir oft vieles sehr eng, was zum Teil natürlich auch berechtigt ist, denn für Klamauk muss man nicht jahrelang an der Uni studieren. Trotzdem ist die Archäologie heute in einer Situation, in der man schon froh sein muss, wenn sich überhaupt die breite Masse dafür interessiert. Es bleibt also immer ein gewagter Spagat, wenn man den Schritt aus dem Elfenbeinturm hinaus in eine populare, breitenwirksame Darstellung, wie es ein Kinofilm eben mal ist, wagt.

Da hast Du selbstverständlich recht.
Wir werden sehen, ob der Film erfolgreich wird.

Frau Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, hat den Film mit 390.000,00€ gefördert. Höchstwahrscheinlich wurde diese Förderung ausschließlich im Hinblick auf das kulturell-künstlerisch betrachtete Medium Film gewährt, und nicht aus archäologischer Sicht, obwohl Archäologie auch in ihr Ressort fällt. Ich kenne aber natürlich den Förderungsantrag nicht ...

Nur mal so:
Die entsprechende Filmförderung fällt wesentlich großzügiger aus, allerdings mit der Auflage, dass die gesamte Produktion mit einem archäologischen Fachberater abgestimmt wird. Es gibt die Möglichkeit in versch. archäologischen Freilichtmuseen zu drehen.
Das friedliche Dorfleben zu Anfang des Films nimmt viel breiteren Raum ein und wird positiv gezeigt. Das Leben, die Bewohner und die Hauptpersonen erscheinen so erstrebenswert, gutgelaunt, schön, geschmückt und gepflegt wie z.B. die Lakota in "Der mit Wolf tanzt" oder die Navi in Avatar. Die Sprache ist deutsch oder zumindest untertitelt, damit auch wichtige Feinheiten transportiert werden können. Evtl. lernen wir das Dorf aus der Sicht eines gutaussehenden, aber kulturell Fremden kennen, den es nach Südtirol verschlagen hat und der sich in eine schöne Häuptlingstocher (Palina Rojinski) Pocahontas-mäßig verliebt. Die Gegenspieler sind eindeutig als "andere" erkennbar über andere Tracht, Schmuck, Frisur etc.. Trotz allen Blutvergiessens gibt es ein überraschendes Happy End, denn die nach tausenden Jahren geborgene Leiche (Jürgen Vogel) war einst der tapfere Anführer der "bösen" Angreifer und wurde vom Held (Till Schweiger) am Alpenhauptkamm beim großen Finale gestellt. Das wäre sicher ein 100%er Erfolg geworden, die Geschichte hat genau so schon zig mal funktioniert. :41: Millionen Menschen würden sich auf einmal für das Neolithikum interessieren, Bärenfellmützen statt Basecaps werden hip ...

Mal im Ernst: Ich seh`s ähnlich wie Leif, die Haare waren zu klischeemäßig. Was wissen wir denn wirklich über Bart- und Haarlänge des Mannes vom Tisenjoch?
"Moral ist unsere letzte Religion. Das ist auch der Grund dafür, dass die Kirchen ihrerseits Religion im Wesentlichen auf Moral reduziert haben." Alexander Grau
Benutzeravatar
Blattspitze
 
Beiträge: 1906
Registriert: 17.11.2007 17:38
Wohnort: Hamburg

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon ulfr » 11.10.2017 15:05

:D :D :D

Blattspitze hat geschrieben:Was wissen wir denn wirklich über Bart- und Haarlänge des Mannes vom Tisenjoch?


Maximal gemessene Länge 9 cm, wobei Spindler/Egg betonen, dass kein vollständig erhaltenes Haar gefunden wurde, sondern nur solche, die einseitig abgebrochen waren.
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4488
Registriert: 05.04.2006 13:56
Wohnort: Wetterau

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Trebron » 11.10.2017 15:56

Ich bin auch mal gespannt wie sein Flitzebogen :-)

Die Kritiken bis jetzt fallen wohl nicht so gut aus ;-)

http://www.filmstarts.de/kritiken/246958.html


:mammut2:
Wer nur zurück schaut, sieht nicht was auf ihn zu kommt
Uff pälzisch: wä blos zurigg guggt, sieht net was uff`ne zukummd
Benutzeravatar
Trebron
 
Beiträge: 1858
Registriert: 02.01.2006 12:16
Wohnort: 67454 Haßloch

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Bullenwächter » 11.10.2017 18:39

Auf Kritiken gebe ich nicht viel, denn viele Filme die mir gefallen fielen bei den Kritikern durch. Aber mein Geschmack ist höchstwahrscheinlich nicht Massenkompatibel.
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1381
Registriert: 05.12.2005 15:23
Wohnort: Holsatia

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon LS » 27.11.2017 09:16

Moin,
aus Zeitgründen hier nur ein kurzer Eindruck von meiner Seite, ich war gestern bei der Publikumspremiere in Nürnberg, in Anwesenheit des Regisseurs und Koll. Albert Zink aus Bozen:

Hauptfrage, die sich stellt: Für welches Publikum ist der Film gedacht? Es ist definitiv alles andere als ein Familienfilm. In den ersten 10 min. wird gerammelt, dann stirbt eine Mutter bei der Geburt ihres Babies, kurze Zeit später werden alle Leute einer Sippe umgebracht und die Kinder absichtlich im Haus verbrannt. Der Brandstifter steht derweil mit sadistischem Gesichtsausdruck davor und hört sich die Schreie der Kinder an... Neben meinem Verdacht, dass der Regisseur mangels besserer Ideen auf die üblichen Primitiv-Klischees gesetzt hat, scheint mir das auch pädagogisch nicht besonders wertvoll. Wer soll bitteschön mit seinen Kindern, die sich für Steinzeit interessieren, guten Gewissens in so einen Film gehen? Es ist so eher wie ein ungewollter Gegenentwurf zu "Die Siedlung der Raben". Waren es damals Empathie und eine rundum jugendgerechte Story, ist es jetzt ein Splattermovie für Hartgesottene mit schmaler Story.

In der anschließenden Diskussion wollte ich dem Regisseur das natürlich nicht allzu hart einschenken (Let´s keep it easy...). Habe dann gefragt, ob er sich etwas näher mit dem Thema der möglichen Frisuren auseinandergesetzt hat und ggf. mal Archäologen konsultiert hat. Ja, hat er... Ich sagte meine Meinung, dass ich im Spätneolithikum mir eher strenge Frisuren vorstelle, siehe oben hier auch schon im Forum. Die Anhaltspunkte für weniger verwahrloste Optik bieten uns ja zum Bsp. die schönen Horgener Kämme. Es gibt freilich wenig Bilder mit zu erahnenden Frisuren, aber es gibt sie. Etliche Bogenschützen der spanischen Levantekunst (wahrscheinlich etwa 1000 Jahre älter als Ötzi, aber insgesamt am nächsten dran) zeigen hochgesteckte, Samurai-artige Frisuren. Es spricht jedenfalls wenig für verwahrloste Hippies, wie immer mit deutlich zu viel Fellbehang am Rest des Körpers.

Insgesamt find ich aber die Gewaltdominanz in diesem Film das größere Übel, wie gesagt absolut keine Empfehlung für Kinder.

Gruß Leif
Benutzeravatar
LS
 
Beiträge: 876
Registriert: 17.06.2009 10:25
Wohnort: Fränkische Schweiz

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Sculpteur » 27.11.2017 12:37

Hallo Leiff,
die von Dir beschriebene Gewaltdominanz in dem Film ist überhaupt nicht schön!
Instrumente wie etwa die FSK versagen hier meiner Erfahrung nach schon lange.

Bei der Einschätzung eines Films von offizieller Seite geht es doch immer um Quoten und den "Durchschnittszuschauer".

Ein echter "Gewalteinbruch" war damals in der von Peter Jackson verfilmten Herr-der-Ringe-Trilogie zu beobachten und wurde damals durchgewunken. Wohlmöglich auch, weil alles andere drumherum so faszinierend war und der Trend zu beobachten ist, dass viele Filmemacher die Grenzen des guten Durchschnittsgeschmacks schon immer gerne nach ihren Interessen erweitern wollten.

Die Szene zum Ende des ersten Teils ("Die Gefährten") in der Boromir von dem Ober-Ork mit Pfeilen getötet wird, ist hochgradig grausam, so wie etwa auch die Tötungs- und Enthauptungsszenen der Trolle in der Hobbit-Verfilmung von Peter Jackson. Dabei sind die regelrechten Tötungsorgien teilweise gepaart mit einer ordentlichen Prise sarkastischem Humor und beinahe Slapstick, was alles besonders grausam macht. Dem ganzen wird noch die Krone aufgesetzt, weil einer der Helden der Saga, der Zauberer Gandalf, grausam und gerne tötet (Töten als Frage des Maßes und der Notwendigkeit: Wer es nicht besser verdient hat, wird gekillt).
Die Vermittlung eines dermaßen polarisierenden fiktiven Gesellschaftsbildes halte ich für sehr bedenklich.

In STAR WARS wird aber auch ständig herumgeballert und es werden reihenweise Köpfe abgeschlagen, es wird erwürgt, gefoltert, zerstümmelt, zerfetzt und verbrannt. Nur spritzt dort weniger Blut , oder das spritzende Blut fällt bei all der Buntheit nicht so auf.

Es ist zu beobachten, dass sich Filmemacher in den letzten Jahren immer mehr gehen lassen, bzw. es wird immer mehr dirchgewunken. Für meinen Geschmack viel zu sehr oder im falschen Altersfreigabekontext.

Dabei regiert der angebliche Durchschnittsverbraucher und Durchschnittskonsument das fragwürdige Geschäft zwischen Zuschauerzahlen, Lobbyismus und möglichen versteckten Werbebotschaften und anderen produktionsbedingten Interessen.

Ich habe einmal beim FSK eine Altersfreigabe für einen Film kritisiert, der ab FSK 12 freigegeben war. Es handelte sich um einen Manga-Zeichentrickfilm. In den ersten Minuten des Films zerquetschte ein Roboter einer menschlichen Figur den Schädel so, dass das Blut in alle Richtungen spritzte.
Die Antwort des FSK war vom ungefähren Wortlaut her:

"Es handelt sich dabei um genretypische Versatzstücke und Elemente, die Kindern und Jugendlichen vertraut sind..."
Mit dieser Argumentation wurde der Film durchgewunken und Büchereien etwa müssen ihn unter FSK 12 einsortieren.

In dem Spionagethriller "Dame, König, Ass, Spion (2011) (FSK 12) ein von Killern grausam zugerichtet getöteter in einer Badewanne.

Wäre eine solche Überspitzung einer szenischen Situation dabei notwendig, um Grausamkeit filmisch zum Ausdruck zu bringen?: NEIN. Sie ist für mich lediglich ein Fehlgriff der Produktionsleitung und zeugt für mich eher yavon, dass ein Regisseur sich ausleben wollte, oder nicht weiter gedacht hat.

In Filmen von Steven Spielberg geht es ebenfalls enorm gewalttätig zu. Ihm gelingt es meiner Meinung nach allerdings, den schmalen Grat zwischen intelligentem und überflüssigem Einsatz von Gewalt gekonnter zu gehen. Allerdings ist es dabei ja auch immer die Frage, in welchem Gesamtzusammenhang sich eine Gesellschaft und Kultur zu Gewalt als Thema einstellt.

Ich halte diese Entwicklung des zunehmenden und überbordenden Maßes an Gewalt in Filmen für enorm bedenklich und deren Auswirkungen sind tagtäglich in Schulen und auf der Straße zu beobachten, vom Internet und Social Media als "Beschleuniger und Ermöglicher " ganz zu schweigen.

Ich finde, Filmemacher müssen es sich gefallen lassen, schonungslos mit der (subjektiven) Wirkung ihrer Werke konfrontiert zu werden, denn gleiches tun sie ohne Vorwarnung ihren Zuschauern und deren Kindern an und Leben auch noch davon.

Ich vermisse allmählich auch wesentlich mehr SchauspielerInnen, die sich kritisch gegen ein solches aus dem Ruder laufendes Übermaß an Gewalt in Filmen aussprechen.

Wenn ich mich in einem Film mit der Realität konfrontieren will, sollte DOKU draufstehen oder ein Hinweis auf Realitätsnähe, der ein Gütesiegel sein kann. Wenn ein Film die Realität nicht trifft, sollte mit einem entsprechenden Hinweis kommuniziert werden, dass es sich um teilweise, wirklichkeitsfremde Fiktion handelt.

Eigentlich müssten Eltern und Erziehungsberechtigte heutzutage beinahe jeden Film, den sie sich mit ihren Kindern anschauen wollen, zuvor ohne Kinder schauen und überprüfen, wenn sie keine üble Überraschung oder gar traumatisierende Erfahrung erleben wollen. Aber hier liegt ja auch eines der Hauptprobleme für die zu beobachtende Entwicklung: Vielen Eltern und Erziehungsberechtigten mag es egal sein, manche gehen auch insgesamt bedenkenlos und auch gedankenlos mit dem Thema um.

Dabei darf man schon bald gar nicht darüber nachdenken, auf welche Art und Weise dank Internet, Darknet, Youtube und Co beliebige Inhalte gezeigt und etwa auf Schulhöfen geteilt werden...

Jim Carrey ist der einzige, der mir einfällt, der sich aktuell gegen ein Übermaß an Gewalt in Filmen ausspricht und er wird als quasi geläuterter auch noch für den Mut seiner Einsicht belächelt und möglicherweise auch verachtet. Zuvorderst wohl auch, weil der Umschwung in seinem Leben und Wirken als Schauspieler durch einen indischen weiblichen Guru und die Tatsache, dass er Vater wurde, mitbegründet war.

Betrachten wir etwa das Medium Film wie einen Tropf, an den viele von uns unwissend bereits früh gehängt wurden, dann kann aktuell vielfach beobachtet werden, dass es viele gibt (die aber eben nicht die Gesamtheit ausmachen), die der Meinung sind, dass wir täglich eine höhere Dosis Gewalt brauchen. Und das ist eine - in meinen Augen - gravierende Fehlentwicklung, für die auch keine künstlerische Freiheit herhalten oder irgendein anderrs Argument herhalten darf, denn ein jeder Zuschauer eines Films hat auch das Recht auf körperliche und seelische Unversertheit.

Herzliche Grüße,
Sculpteur
:|
Zuletzt geändert von Sculpteur am 27.11.2017 14:35, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Sculpteur
 
Beiträge: 83
Registriert: 17.06.2016 18:17

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Blattspitze » 27.11.2017 13:52

LS hat geschrieben:
Hauptfrage, die sich stellt: Für welches Publikum ist der Film gedacht? Es ist definitiv alles andere als ein Familienfilm.


Grade mal nachgeschaut: FSK Alterseinstufung für den akt. Ötzi-Film: "ab 12 Jahren"
FSK Kriterien:
Bei Kindern und Jugendlichen dieser Altersgruppe ist die Fähigkeit zu distanzierter Wahrnehmung und rationaler Verarbeitung bereits ausgebildet. Erste Genre-Kenntnisse sind vorhanden. Eine höhere Erregungsintensität, wie sie in Thrillern oder Science-Fiction-Filmen üblich ist, wird verkraftet. Problematisch ist dagegen zum Beispiel die Bilderflut harter, gewaltbezogener Action-Filme, die zumeist noch nicht selbständig verarbeitet werden kann. 12- bis 15-jährige befinden sich in der Pubertät, einer Phase der Selbstfindung, die mit großer Unsicherheit und Verletzbarkeit verbunden ist. Insbesondere Filme, die zur Identifikation mit einem "Helden" einladen, dessen Rollenmuster durch antisoziales, destruktives oder gewalttätiges Verhalten geprägt ist, bieten ein Gefährdungspotenzial. Die Auseinandersetzung mit Filmen, die gesellschaftliche Themen seriös problematisieren, ist dieser Altersgruppe durchaus zumutbar und für ihre Meinungs- und Bewusstseinsbildung bedeutsam.
https://www.spio-fsk.de/?seitid=508&tid=72
"Moral ist unsere letzte Religion. Das ist auch der Grund dafür, dass die Kirchen ihrerseits Religion im Wesentlichen auf Moral reduziert haben." Alexander Grau
Benutzeravatar
Blattspitze
 
Beiträge: 1906
Registriert: 17.11.2007 17:38
Wohnort: Hamburg

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon FlintMetz » 27.11.2017 14:01

Hallo zusammen,

ich war ja letzte Woche zur Deutschlandpremiere in München eingeladen und habe den Film nun also endlich auch in voller Länge gesehen. Es stimmt definitiv: Familienfilme sehen anders aus, da es hier schon ganz schön tüchtig zur Sache geht. Andererseits gäbe es bestimmt auch wieder schnell Kritiker, die beim Weglassen all dieser Szenen dann eine "romantische Verklärung" der ach so harten Wirklichkeit ins Feld führen würden. Wie schon gesagt: es ist immer ein Drahtseilakt um das richtige Mittelmaß zu finden... Und FSK12 ist eh ein Witz... Stichwort: Harry Potter (zumindest die späteren Folgen).

Beste Grüße...

Robert
Dem Retuscheur ist nichts zu schwör...
Benutzeravatar
FlintMetz
 
Beiträge: 682
Registriert: 03.10.2010 19:43
Wohnort: 84543 Winhöring

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Sculpteur » 27.11.2017 14:53

Blattspitze hat geschrieben:Grade mal nachgeschaut: FSK Alterseinstufung für den akt. Ötzi-Film: "ab 12 Jahren"
FSK Kriterien:
[i]Bei Kindern und Jugendlichen dieser Altersgruppe ist die Fähigkeit zu distanzierter Wahrnehmung und rationaler Verarbeitung bereits ausgebildet. Erste Genre-Kenntnisse sind vorhanden. Eine höhere Erregungsintensität, wie sie in Thrillern oder Science-Fiction-Filmen üblich ist, wird verkraftet.


Danke für die FSK-Kriterien, Blattspitze. :18:

Auf mich wirken diese Kriterien jedoch ähnlich wie etwa der Auszug aus einem als Ideal und als Richtlinie angestrebten Rahmenlehrplan für den Schulunterricht.

Die Menschen, die diese Kriterien verfasst haben, machen sich meiner Meinung nach auf Kosten der nichtdurchshnittlichen Kinder als Rezipienten etwas vor.

Auch Dank solcher Kriterien schleppen sich manche Menschen jahrzehntelang mit der Auseinandersetzung bestimmter Filmszenen herum und diese beeinflussen damit tatsächlich gravierend den gesamten Lebensverlauf, bzw. stehen für diesen.

Solche Kriterien stehen für mich nur sinnbildlich für ein hartes gesellschaftliches Raster, das alles, was anders ist, damit ausgrenzt, um die gesteckten gesellschaftlichen Durchschnittszele auf Kurs zu halten.

Mit den Harry-Potter-Filmen hast Du natürlich absolut recht, Robert.

Herzliche Grüße,
Sculpteur
Benutzeravatar
Sculpteur
 
Beiträge: 83
Registriert: 17.06.2016 18:17

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon TZH » 27.11.2017 18:41

Mir scheint aus die Erzählungen, dass der Direktor in mehreren Aspekten dem Jungen und Fachwissenden Publikum so zu sagen "den Vogel gezeigt hat" (ich weiss, ich bin Böse... :D ), aber ich erwarte dem Film trotzdem gespannt :)
Benutzeravatar
TZH
 
Beiträge: 551
Registriert: 28.02.2008 16:01
Wohnort: Domoszló, Ungarn

Re: 2017: Neuer Ötzi Film mit Jürgen Vogel

Beitragvon Sculpteur » 27.11.2017 18:46

:lol: :roll:
Benutzeravatar
Sculpteur
 
Beiträge: 83
Registriert: 17.06.2016 18:17

VorherigeNächste

Zurück zu Visuelle Darstellung in der Geschichte

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast