Käseproduktion in Nordeuropa

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Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon hugo » 12.12.2012 23:29

Damit ist die Funktion der Siebgefäße zur Käseerzeugung abgesichert:
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature11698.html

:kessel:
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon Turms Kreutzfeldt » 13.12.2012 10:50

Wie sehen die aus, Hugo? Oder sind das die, die wir auch in Halle haben? Ach ja, und liebe Grüße

vom Turms
Ich bin der Schleuderer, der stets aufschreit und das mit Recht, denn alles was nicht schleudert, ist wert das es auch untergeht, so ist denn alles, was ihr Schleudern nennt, mein eigentliches Element...
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon hugo » 13.12.2012 11:20

@turms: eine Abb. ist beim Artikel. Danach sind es Trichter und entsprechen dem, das im Experiment gut als "Bunsenbrenner" funktioniert. :lol:

liebe Grüße aus dem saukalten St. Hippolyth
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon LS » 13.12.2012 11:38

Das ist doch mal ein "handfestes" Ergebnis, sehr schön...
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Grüße L.

PS: Solche Siebgefäße gab es schon in der Körös-Kultur, also noch vor der Bandkeramik.
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon Trebron » 14.12.2012 10:00

hugo hat geschrieben:@turms: eine Abb. ist beim Artikel. Danach sind es Trichter und entsprechen dem, das im Experiment gut als "Bunsenbrenner" funktioniert. :lol:

liebe Grüße aus dem saukalten St. Hippolyth


Da stellt sich für mich wieder die Frage: was war früher, das Huhn oder das Ei !
Will sagen, ist es möglich, dass der Gegenstand für das "EINE" konzipiert, auch für das "Andere" funktioniert !
Hier nochmal die Seite mit dem Experiment:
http://www.online-archaeology.co.uk/con ... fault.aspx

Ich hatte so ein "Ding" mal nachgebaut und mit verschiedenen Brennmaterialien ausprobiert.
Die Unterschiedlichkeit der "Gefäße" lässt doch sowohl das Eine, als auch das Andere zu !

Auszug aus dem Text:
Three of these objects were labelled 'sieves of conical bellied forms, described as milk boilers or cheese moulds'. Closer inspection, however, showed that they had been repeatedly in contact with intense heat. One indeed was almost vitrified on the inside, like a bronze smelting crucible. Were these things really cheese moulds?


Für mich geht aus dem im Eingangspost genannten Artikel nicht hervor, ob ALLE "Käsesiebe" darauf untersucht wurden, oder ob man vom Vorhandensein von Fettsäuren in Einem mal wieder auf ALLE schließt.

( Hetzermodus ein )
Könnte ja sein, dass beim Erhitzen eines Milchtopfes mit einem solchen Brenner, die Milch übergelaufen ist und so die Fettsäure in den Brenner "importiert" hat

:mammut2:
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon LS » 14.12.2012 11:15

Norbert,
ein guter Beweis für die Verwendung als Käse-Seiher ist m. E. auch das Bienenwachs, das in 3 Fällen im Spiel war. Damit wurden die Gefäße ausgekleidet, um den Käse besser herauszubekommen.

Gruß L.

PS: Hugo, Du bist doch ein Lebensmittel-Experte. Molkenkäse enthält eben leider kein Fett, scheidet daher aus. Es wäre ja aber denkbar, dass man mal richtigen Käse und dann Molkenkäse mit den selben Gefäßen hergestellt hat. Für letzteren ist die Erhitzung notwendig und damit wären Erhitzungsspuren erklärbar... Was denkst Du?
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon hugo » 14.12.2012 12:00

Molkenkäse wird im Kessel erhitzt und im Sieb komprimiert. Daher muss das Sieb nicht erhitzt werden. Ich kenne das seit meiner Kindheit hier von den Schafkäsen der Voralpen. Die Käseproduktion war für die Häusler und Pächter ein Zubrot.
Bienenwachs kann natürlich auch Brennstoff sein.
Als Nichthandwerker verfüge ich nur über einen spärlich ausgestatteten Werkzeugkasten und muss daher Vieles aus Werkzeugkasten und Küche multifunktional einsetzen. Ähnliches hab ich auch bei Landwirten häufig beobachtet. Daher seh ich kein Problem, auch bei urzeitlichen Objekten Mehrfachfunktionen anzunehmen. Einer exakten Kategorisierung ist das zwar hinderlich, aber es entspricht der Praxis von Primaten.
Trebron macht hier den Advocatus diaboli ganz gut. :lol:
Zum Molkekäse: http://www.swissmilk.ch/de/gesund-essen-leben/milch-milch-produkte/frischkaese/ricotta.html
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon LS » 14.12.2012 13:15

Alles Käse wieder mal? ;-)
Naja, ich hab den Artikel und das Supplementary-Zeugs gestern abend gelesen. Die Tabelle mit den relativ vielen Scherben mit Milchfettresten sieht schon ganz gut aus. Aber klar, die Erhitzung und in einem Fall Versinterung ist schon ein merkwürdiges Detail. Insgesamt scheint es mir trotzdem sehr plausibel mit den Seihern. Immerhin sind ja auf Körös-Gefäßen zum Beispiel Schafs- und Ziegenabbildungen zu sehen, also sehr plausibel dass schon im frühen 6. Jt. gekäst wurde...

Grüße L.
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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon Trebron » 14.12.2012 14:11

Man darf bei der ganzen Geschichte auch nicht vergessen, dass die damalige "Käserei" nicht mit einer heutigen Groß-Käserei verglichen werden darf !
Wenn damals für den eigenen häuslichen Genuß produziert wurde, reicht so eine kleine Form völlig aus.
Ich habe gestern einen Bericht von einer kleinen Almkäserei gesehen, die hatten so eine kleine "Portionsform" gezeigt. Zwar aus Plastik und unten geschlossen, aber rundum Löcher.

Was mich an den prehistorischen "Käsesieb-Originalen" stört ist, dass sie beidseitig eine Öffnung haben ! Bei einem Sieb ist das nicht nötig, bzw als untauglich anzusehen, weil die eingefüllte Käsemasse aus der zweiten Öffnung herausläuft. Wenn zusätzlich ein Tuch / Einsatz verwendet wurde um das zu verhindern, brauchte ich die Tonform nicht unbedingt.

Einzig, dass die zweite Öffnung zum Ausstoßen des gestockten Käses diente, wäre für mich einigermaßen plausiebel.

Mich würde mal interessieren, was ein / eine heutige "Almkäser / in" dazu sagen würde! Das wäre sicher interessanter als Spekulationen von Archäologen, die noch nie Käse produziert haben :10:

Die Art und Weise des "Handlings" wäre wichtig zu wissen !

Immer noch seeeehr skeptisch

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Re: Käseproduktion in Nordeuropa

Beitragvon hugo » 14.12.2012 15:11

Trebron, bei professionellen Sennern in Alpen und Karpaten wirst Du kaum fündig werden. Sowohl in Österreich, als auch in Rumänien sah ich das Schöpfen des Käsebruchs mit Tüchern.
Hier in den Voralpen beobachtetete ich die häusliche Schaffrischkäseerzeugung ursprünglich in im Boden gelochten Keramikformen. Die Form gibt die Größe für den Handel vor. In den 80igern boomte der Verkauf so sehr, dass die Schafmilch nicht mehr reichte und mit Kuhmilch gestreckt wurde. Die Wochendhäuslwiener hatten die Biowelle und damit diesen Käse entdeckt. Heute sind Schaf und Ziege in ihrem gesellschaftlichen Stellenwert vom Armeleutessen (Eisenbahnerkuh) zu Delikatesslieferanten aufgestiegen und wieder ausreichend vorhanden. Die Grenzstreitigkeiten mit konservativen Rinderhaltern haben sich auch wieder verschärft.
Die mir bekannten Käseformen haben Siebböden und keine größere zentrale Öffnung. Im Zubehörhandel findest Du eine große Auswahl an Käseformen aus unterschiedlichen Materialien. Gemeinsam ist ihnen die konische Form zur Entnahme des Käses.
Aus der RKZ kenne ich Siebe, die diese Kriterien erfüllen.
Die neolithischen Siebe sind nicht so funktional, wären aber für den Käse verwendbar.
Im Kochen von Milch zur Abdichtung von Keramik kann ich bei Sieben keinen tieferen Sinn entdecken. Das scheidet bei mir also aus.
Die Multifunktion wird immer plausibler.
Ich erinnere mich an einen Freund, der im Sommer Spiegeleier auf dem Kotblech seines Motorrades briet. Das war vom Konstrukteur vielleicht gar nicht dafür vorgesehen aber trotzdem möglich.

Gruß
hugo
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