Gesichtsrekonstruktion

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Gesichtsrekonstruktion

Beitragvon Blattspitze » 30.01.2018 09:41

Ich bin eher skeptisch hinsichtlich der wissenschaftlichen Kriterien, auf denen jeweils Gesichtsrekonstruktionen beruhen und wünschte, es würde hier einmal einen "Blindtest" auf gleicher Basis zwischen verschiedenen "Anbietern" geben. Nichtsdestotrotz sind sie faszinierend. Diese beruht auf 9.000 Jahre alten Schädelresten aus Griechenland:
https://www.livescience.com/61511-ancie ... ucted.html
Nilsson couldn't work with the fragile, original skull, so the first step in his process was to have a synthetic copy of the skeletal remains made with a 3D printer. Next, he gathered information from scientists who have studied the bones to determine factors like the specimen's age, sex, ethnicity and estimated weight.

With these parameters, Nilsson says he had an idea about how thick the flesh and muscles on specific points of the face should be, and he sculpted layers of clay, reconstructing each muscle in a time-consuming process.
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Re: Gesichtsrekonstruktion

Beitragvon Trebron » 30.01.2018 12:12

Zitat: Ich bin eher skeptisch hinsichtlich der wissenschaftlichen Kriterien, auf denen jeweils Gesichtsrekonstruktionen beruhen und wünschte, es würde hier einmal einen "Blindtest" auf gleicher Basis zwischen verschiedenen "Anbietern" geben. Nichtsdestotrotz sind sie faszinierend. Diese beruht auf 9.000 Jahre alten Schädelresten aus Griechenland.


Das wäre wirklich mal interessant, aber vermutlich vom Auftraggeber kaum finanzierbar :-)
Vor allem die "Neandies" sehen ja teilweise fürchterlich aus ;-)
Die aus dem Link möchte ich fast als "gutaussehend" bezeichnen.

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Re: Gesichtsrekonstruktion

Beitragvon AxtimWalde » 30.01.2018 16:42

Blattspitze hat geschrieben:Ich bin eher skeptisch hinsichtlich der wissenschaftlichen Kriterien, auf denen jeweils Gesichtsrekonstruktionen beruhen
...
Nun es ist wohl anerkannt, dass Gesichtsrekonstruktionen einen gewissen Grad der Wiedererkennung darstellen. Zumindest wird sie als erfolgreich in der Forensik angewandt.

Ab und zu schaue ich die Sendung "Medical Detectives", in der, wenn es um Rekonstruktionen geht, auch Komentare deutsche Experten eingspielt werden. In diesen Fällen wird ein Experte vor einem Regal mit diversen Rekonstruktionen gezeigt. Entweder leide ich unter Prosopagnosie (Gesichtsblindheit) oder die sehen tatsächlich alle gleich aus. - Ich glaube dass trotz wissentschaftlich nachgewiesenen Proportionen auch noch ein gehöriges Potiential an Persönlichkeit des Herstellers mit in eine Rekonstruktion einfließen. Ähnlich wie eine Blattspitze ein Beiilholm von AxtimWalde erkennt oder umgekehrte eine Beilklinge. Die Handschrift des Herstellers ist nicht übersehbar.
Entsprechend wäre wirklich interessant wie eine Gesicht von unterschiedlichen Personen rekonstruiert aussieht.
LG
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Re: Gesichtsrekonstruktion

Beitragvon ulfr » 30.01.2018 21:36

Constanze Niess, die die beiden Köpfe des Paares von Oberkassel rekonstruiert hat, schreibt folgerichtig:

"Zum Abschluss der Arbeiten, dem künstlerischen Finish, werden an dem entstandenen "Gesichtsrohling" Haare, Gesichtshaut und Faltenbildung individuell gestaltet. Deren Ausbildung lässt sich am Schädel nicht ablesen, sodass hier die größten Abweichungen bezüglich einer Ähnlichkeit zu Lebzeiten anzunehmen sind. Gleiches gilt für den Gesichtsausdruck, der weitestgehend neutral gehalten wird und in ersten Linie die Phantasie des Betrachters anregen soll. Wenngleich der Gesichtsrohling bereits unverkennbar als Mensch zu identifizieren ist, so bekommt er durch das künstlerische Finish seine Individualität und seinen Charakter zugesprochen und lässt ihn dadurch als Persönlichkeit erscheinen."

Eiszeitjäger. Leben im Paradies. Ausstellungskatalog LVR Bonn 2014. 228

Die Forensik ist da wohl mittlerweile schon soweit, dass es bis zum "Gesichtsrohling" nicht allzuviel individuellen Spielraum gibt, erst das Finish wird merkbar unterschiedlich.
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
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Re: Gesichtsrekonstruktion

Beitragvon Blattspitze » 31.01.2018 08:21

Vielleicht bin ich hier zu kritisch, auf mich wirkt der händische Plastilinauftrag trotz der Weichteil-Abstandmarker immer wie ein Blick in das künstlerische Bildhaueratelier.
Die von Niess` verwendte Technik auf ihrer Website:
http://www.gesichtsrekonstruktion.com/technik.html
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Re: Gesichtsrekonstruktion

Beitragvon Sculpteur » 01.02.2018 13:45

Wer Gesichter und Köpfe dreidimensional möglichst detailgetreu gestalten und rekonstruieren will, benötigt bildhauerisches Wissen und Können sowie medizinisch-anatomische Kenntnisse, die auch Bestandteil z.B. der bildhauerischen Ausbildung sind (oder sein sollten).
Künstler bleibt aber immer Künstler und sowohl im medizinischen als auch im bildhauerischen Bereich gibt es grundlegende Standardwerke, die anatomisches Wissen vermitteln. So sind sowohl Bildhauer und auch Mediziner immer auch mehr oder weniger an das standardmäßig erworbene Wissen gebunden oder davon beeinflusst (die zwecks möglicher Übertragung in die Praxis an Normierung orientierte Vrmessung des menschlichen Körpers). Tatsächlich sind viele Proportionsphänomene am menschlichen Körper ja in Annäherungsformeln zu fassen. Diese gehen aber immer einen schmalen Grat zwischen Idealisierung, Tatsächlichkeit und Problemstellung, wie uns ja die Geschichte massivst gelehrt hat.
Selbst wenn ein Computerprogramm mit "idealisierten" Algorhytmen gefüttert werden würde, wären diese zuvor vom Menschen festgelegt worden, also auch subjektiv geprägt.
Im künstlerischen Bereich gibt es auch das Phänomen, dass viele Künstler merklich oder auch unbewusst ihre eigene Physiognomie in ein Abbild übertragen.
Von daher ist meiner Meinung nach eine Menge Spielraum in diesem interessanten Betätigungsfeld vorhanden und die 100%-tige Lösung gibt es sicherlich nicht, ist Ausdruck doch auch immer situationsbedingt und spricht doch allein das Thema "Spiegelneuronen" ganze Bände.

HG, Sculpteur
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