"Krieg" vor 10.000 Jahren

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"Krieg" vor 10.000 Jahren

Beitragvon Blattspitze » 21.01.2016 22:29

Es war ein Kampf um Leben und Tod: An einem Tag vor 9.500 bis 10.500 Jahren fiel im heutigen Kenia eine Gruppe Jäger und Sammler über eine andere her. Am Ufer des Turkana-Sees beschossen sie ihre Gegner in einer ersten Welle mit Pfeilen, im Nahkampf danach kamen stumpfe Schlagwaffen wie zum Beispiel Keulen zum Einsatz, die sie auf die Schädel ihrer Feinde niedersausen ließen. Am Ende lagen mindestens 27 Tote am Ufergürtel.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 73030.html
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Re: "Krieg" vor 10.000 Jahren

Beitragvon Trebron » 22.01.2016 09:36

Na ja, " Krieg" sind eben Schlagworte der Presse :10: sonst liest`s ja keiner !

Das gab`s mit Sicherheit schon vorher und nachher, nur hat`s noch keiner gefunden :4:

Den Artikel habe ich schon vor Tagen auf FB gelesen, durchaus interessant, aber "Krieg" ???


:mammut2:
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Re: "Krieg" vor 10.000 Jahren

Beitragvon Blattspitze » 22.01.2016 11:02

Naja, hab`s ja auch in Klammern gesetzt. Allerdings gibt es verschiedene Definitionen von Krieg,
Wikipedia:
Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, ... an dem oft mehrere planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind. Ziel der beteiligten Kollektive ist es, ihre Interessen durchzusetzen. Der Konflikt soll durch Kampf und Erreichen einer Überlegenheit gelöst werden. Die dazu stattfindenden Gewalthandlungen greifen gezielt die körperliche Unversehrtheit gegnerischer Individuen an und führen so zu Tod und Verletzung
https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg

In der aktuellen Ausstellung in Halle wird verkündet:
Von kriegerischen Auseinandersetzungen im weitesten Sinne können wir regelhaft jedoch erst ab der Jungsteinzeit sprechen, in der wir Menschen sesshaft wurden und an Land und Haus gebunden waren.
http://www.lda-lsa.de/de/landesmuseum_f ... ng/themen/

Andererseits spricht der genannte Befund aus Kenia für die maximale Eskalationsstufe, die man sich in solchen Gesellschaften überhaupt vorstellen kann. Für mich ist das Krieg, auch wenn es sich vielleicht nicht "regelhaft" ereignet hat, was wir aber nur schwer beurteilen können.
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Re: "Krieg" vor 10.000 Jahren

Beitragvon AxtimWalde » 22.01.2016 14:29

Ganz deiner Meinung Marquardt!
Ich hatte vor X Jahren als Seminarthema „Krieg in der Steinzeit“. Damals (Mitte der 1990er) entstand eben diese Diskussion. Wo hört Konflikt auf und wo fängt Krieg an? Ich glaube, dass die Definition von Krieg vornehmlich auf die Sichtweise des Betrachters ankommt. Heute gilt als Krieg, wenn mehrere Hunderte, Tausenden oder gar Millionen getötet werden. Vor wenigen hundert Jahren dürften kleinere „Scharmützel“ zwischen zwei kleinen Fürstentümern zu ihrer Zeit durchaus als Krieg gegolten haben. Wie mag wohl jemand den Überfall einer anderen Gruppe angesehen haben, wenn er der einzige Überlebende ist? Hier ist es m. E. egal wie groß die Gruppe war. Man darf wohl bei einem Konflikt von Krieg sprechen, wenn die Aggressoren zur Verbesserung ihrer Ressourcen den Tot der Gegner billigend in Kauf nehmen. Auf den ersten Blick dürften Glaubenskriege hier herausfallen, solange die bekehrten Seelen nicht als Ressource angesehen werden.
LG
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Re: "Krieg" vor 10.000 Jahren

Beitragvon Jaegoor » 23.01.2016 19:57

Wie sähe es denn aus wenn man das ganze prozentual betrachtet. es gab ja auch deutlich weniger Menschen.
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Re: "Krieg" vor 10.000 Jahren

Beitragvon FlintSource » 28.01.2016 21:55

Wenn man Schlacht von abschlachten ableitet, dann kann der Befund am Turkana-See sehr wohl als Krieg gelten. Außerdem scheint hier tatsächlich die Rede von einer sesshaften Gruppe zu sein, sodass die Hallensische Definition auch greifen würde.
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