Am Anfang war die Party...

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Am Anfang war die Party...

Beitragvon ulfr » 11.09.2008 08:45

Am Ende der Eiszeit sind die Menschen nicht sesshaft geworden, weil ihnen das Fleisch ausging, sondern weil sie Beeren mit Getreide vergoren und dem drohenden Entzug nach den ersten steinzeitlichen Oktoberfesten dadurch begegneten, dass sie das zum Brauen unerlässliche Getreide vor Ort kultivierten, das behauptet der bayerische! Biologe Josef H. Reichholf in seinm neuen Buch. mehr...

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Beitragvon Indy » 11.09.2008 08:51

Da hätt ich mir doch heute früh fast den Kaffe aufs Hemd geprustet...
...ich hab's ja eigentlich schon immer geahnt.

Ist ja auch logisch, denn wer will nach der Party schon morgens mit dickem Kopf durchstarten. Da bleibt man doch lieber noch ein bißchen - und vielleicht ist ja in dem Pott dahinten nochwas drinn, so wegen Nachdurst und so...
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Beitragvon Nordgau » 11.09.2008 21:54

Der Reichholf ist ein kantiger Querdenker mit solider Ablehnung von "Hüftschüssen". Er hat mich schon oft fasziniert und "abgestoßen".
Der "Rausch" wird wohl schon (mit mancherlei massiveren Nebenwirkungen) in der nichtsesshaften Zeit einen Platz in den Jägergesellschaften religionisiert gehabt haben .
Dass landwirtschaftlicher Anbau auch diesem zentralen, menschlichen Bedürfnis nach Transdendenz und Ekstase Genüge leisten musste- und im Konkurrenzkampf zwischen Mesolithikern und ersten siedelnden Neolithikern ein "Pfund" war...das kann ich als bekennender Weizentrinker nur allzu wamplich nachvollziehen.
Meiner Meinung/Vermutung nach wurden Rauschgifte im Neolithikum zur Rechtfertigung der Arbeitsleistung und zur Strukturierung des Jahresablaufes in religiösem Kontext verwendet.
(Die erste Cannabispfeife wird von dem Kelheimer Archäologen Rindt auch schon im Neolithikum nachgewiesen).
Es ist wohl ein Teil der Vorgeschichte- bis heute- Komasaufen- aushalten
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Beitragvon Thomas Trauner » 12.09.2008 08:34

Prost, alle miteinander.

Nordgau - ich kann mich an Rindts?Artikel nur noch- äh- neblig-erinnern. Fällt dir noch ein, wo und/oder wann er ihn publiziert hat ?

Danke.

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Beitragvon Fridolin » 12.09.2008 09:24

Hi,
wann und wo Michael Rind das (ich nenn?s mal so) ?Pfeifchen? publiziert hat, weiß ich auch nicht mehr. Aber dass es aus der Münchshöfener Kultur kommt. Meiner Einschätzung nach hat er nur vorgeschlagen, dass das Stück ein Pfeifchen gewesen sein könnte. Der naturwissenschaftliche Nachweis, dass darin Cannabis o.ä. geraucht wurde, wurde nie geführt.
Vor einigen Jahren hatte ich Michael Rind darauf angesprochen. Denn bei einer Notbergung hatte ich ein nahezu identisches Stück aus der frühjungneolithischen ?Schulterbandgruppe? bergen können, das dann von Andrea Zeeb-Lanz publiziert wurde.

Man darf nicht unerwähnt lassen, dass solche Funde und auch als Sauggefäße oder als kleine Schöpfkellen angesprochen werden. Die Tülle sitzt direkt am Rand, na ja, ob das für ein Sauggefäß oder ein Pfeifchen spricht, ich weiß nicht. (?Mein? Stück ist im Museum. Und ich habe noch nicht mal eine Zeichnung geschweige eine Kopie oder einen Sonderdruck der Publikation...).

Es ist wie so oft: Was genaues weiß man nicht.

Viele Grüße

Fridolin
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Beitragvon ulfr » 12.09.2008 09:43

Nordgau hat geschrieben:Rechtfertigung der Arbeitsleistung


Was meinst Du damit? Analog zum Coca-Kauen der südamerikanischen Indios?

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Beitragvon Nordgau » 12.09.2008 13:36

"Was meinst Du damit? Analog zum Coca-Kauen der südamerikanischen Indios? "

Vielleicht auch dies.

Eher zur Strukturierung des Jahresablaufes,
oder bei Fertigstellung von gemeinsamen Projekten (Wälle, Häuser, Kultanlagen) zur Stärkung der Dorf - und Sippengemeinschaft.
Bei kultischen Handlungen....
Man ist immer leider im spekulativen Bereich....
es gibt auch Veröffentlichungen die den Glockenbecherleuten ein magisches Getränk zudichten welches deren rasanten "Siegeszug" beschleunigt haben soll.
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Beitragvon Trebron » 13.09.2008 10:04

Nordgau hat geschrieben:"Was meinst Du damit? Analog zum Coca-Kauen der südamerikanischen Indios? "


es gibt auch Veröffentlichungen die den Glockenbecherleuten ein magisches Getränk zudichten welches deren rasanten "Siegeszug" beschleunigt haben soll.


Miaculix und sein Zaubertrank lassen grüßen !! :kessel:

Aber wer weis, vielleicht hat man nur das Rezept noch nicht gefunden.

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Beitragvon Thomas Trauner » 15.09.2008 08:16

@Fridolin - ich bin im Moment nur wieder am Zusammenstellen neolithischer Funde, die direkt mit dem Menschen zu tun haben. Dass es sich eher um ein Sauggefäß handelt, denke ich auch. Ich hab die Publikation auch schon gesehen, hab sogar die Abbildung im Kopf, nur fällt mir einfach nicht mehr ein, wo.

Hanf und Mohn sind an sich "durchgängig" nachweisbar. Denkbar wäre alles mögliche...Pilze, Alkohol etc. Auch in einer Grabung der NHG (späte Chamer Gruppe, 2.900. v.Chr.) hatten wir Mohn. Falls irgendwann der direkte Verwendungsnachweis gelingen sollte, darf man m.E. jedoch den medizinischen Zweck nicht vergessen. Cannabis und Mohn wirken ja entsprechend auf Unruhe, Schmerzen etc. Menschen z.b. mit MS reagieren sehr positiv auf Cannabis.

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Beitragvon Fridolin » 15.09.2008 10:12

@Thomas, ich bin ebenso wie Du davon überzeugt, dass unsere Altvorderen alles genutzt haben, was sie in der Natur finden konnten bzw. sonst irgendwie habhaft werden konnten, also auch Rauschmittel. Ich hab mich nur an der Formulierung von Nordgau gestört, dass Dill "das" Cannabispfeifchen "nachgewiesen" hat.
Rein formal könnte man das pfeifenförmige Tonobjekt sogar als Gusstiegel ansprechen (die hatten ja schon Kupfer!). Dagegen spricht, dass die Oberfläche nicht angeschmolzen ist. Aber beim Gassi-gehen ist mir gerade eine andere Möglichkeit eingefallen, die mir sehr gut gefällt: Vielleicht waren es Dochtlämpchen, bei denen der Docht durch die Tülle geführt wurde? Könnte man mal ausprobieren!
Die Interpretation als Sauggefäße überzeugt mich auch nicht so recht: Die Dinger sind ja nur ein klein wenig größer als Schnapsgläser. Warum dann noch die Tülle, die ja auch nur 2-3 cm kurz ist?

Ich hol mir mal nen Klumpen Ton..

Viele Grüße

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Beitragvon Thomas Trauner » 15.09.2008 15:15

Da geht einem echt ein Licht auf....Lampe...Wenn ich nur wüßte wo die Punblikation ist....hat?s nun eine gerade Unterseite oder nicht....
Hrrgtnnchml....

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Beitragvon Claudia » 15.09.2008 16:18

Fridolin, hast Du mal ein Bild von dem Ding?
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Beitragvon jsachers » 15.09.2008 17:36

Eine Abbildung oder schematische Darstellung - von mir aus auch aus dem Gedächtnis gezeichnet - würde mich auch interessieren.
"Sauggefäß" wirft im Grunde nur die nächste Frage auf: wofür? Was soll angesaugt werden?
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Beitragvon Trebron » 16.09.2008 07:14

jsachers hat geschrieben:Eine Abbildung oder schematische Darstellung - von mir aus auch aus dem Gedächtnis gezeichnet - würde mich auch interessieren.
"Sauggefäß" wirft im Grunde nur die nächste Frage auf: wofür? Was soll angesaugt werden?


Mich auch !
könnte das "Ding" umgedreht auch als Trichter zum Abfüllen von Flüssigkeit in einen anderen "enghalsigen" Behälter dienen ?

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Beitragvon Claudia » 16.09.2008 08:32

"Sauggefäß" ist der Vorläufer fürs Babyfläschchen. Wenn Mutters Milch nicht ausreicht, muß bei den ganz Kleinen ja was Flüssiges zugefüttert werden. Aus dem Spätmittelalter gibt es auch Abbildungen von solchen Gefäßen. Parallelen finden sich allerdings schon aus dem Neolithikum.

Meine Nachfrage nach einem Bild habe ich vor allem deshalb gestellt, um mir ein Urteil bilden zu können, ob das entsprechende Ding ein Sauggefäß sein kann oder nicht.
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