Koreanischer Dolch

Moderatoren: Hans T., Nils B., Turms Kreutzfeldt, Chris, ulfr

Koreanischer Dolch

Beitragvon ulfr » 09.08.2017 11:02

Meine Arbeit der letzten Tage: Ein koreanischer Schiefer-Dolch, datiert in die Bronzezeit, ca. Mitte des ersten Jahrtausend v.Chr., wollte ich schon lange mal machen, hatte aber kein passendes Rohmaterial.

Hergestellt aus rheinischem Schiefer, Grobarbeit maschinell, Feinarbeit durch Nassschliff mit diversen Schleifsteinen, sowohl auf großen Platten als auch mit handlichen kleinen Brocken, um die Details auszuarbeiten. Im Original wurde die grobe Form aus einer Schieferplatte herausgeschnitten und -geschlagen, es sind entsprechende Halbfabrikate gefunden worden.

Die Schneiden lassen sich so scharf ausschleifen, dass man sich vorsehen muss, wenn man den Schleifschlamm abwischt. Allerdings sind sie auch unglaublich empfindlich, noch viel mehr als bei Flint, denn Schiefer ist im Endeffekt doch nicht so hart.
Die Dolche gibt es in schwarz und in hellen (beigen) Farben, manchmal mit sehr feiner "Maserung", die durch die Schichtung im Schiefer entsteht, das sieht dann fast aus wie Damaststahl.

Länge 368 mm, Dicke 13 mm

dolch_korea1 (Andere).jpg


dolch_korea2 (Andere).jpg
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4442
Registriert: 05.04.2006 13:56
Wohnort: Wetterau

Re: Koreanischer Dolch

Beitragvon Bullenwächter » 09.08.2017 17:51

Cool!
Der Tag wird kommen, da wir um zu bewahren, töten müssen!
Ein "Dekmalschützer" aus Inspector Barnaby
Benutzeravatar
Bullenwächter
 
Beiträge: 1370
Registriert: 05.12.2005 15:23
Wohnort: Holsatia

Re: Koreanischer Dolch

Beitragvon Blattspitze » 09.08.2017 21:40

Sehr schöne Arbeit, Ulfr! Waren das reine Prestige Objekte (weil zu Weich und zerbrechlich) oder gibt es Hinweise auf tatsächliche Funktion?
ulfr hat geschrieben:Hergestellt aus rheinischem Schiefer

Ist das dieser Dachdecker-Schiefer?
"Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst." Eric Schmidt, ehem. Executive Chairman von Google
Benutzeravatar
Blattspitze
 
Beiträge: 1873
Registriert: 17.11.2007 17:38
Wohnort: Hamburg

Re: Koreanischer Dolch

Beitragvon ulfr » 10.08.2017 18:23

Fundstück auf einer Prähisto-Baustelle, wesentlich dicker als Dachdeckerbedarf, die sind meist so um 4-5 mm dick.
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4442
Registriert: 05.04.2006 13:56
Wohnort: Wetterau

Re: Koreanischer Dolch

Beitragvon ulfr » 11.08.2017 11:41

Aah, vergessen: Ich glaube eher, dass es Prestige-Objekte waren, denn diejenigen, die ich gesehen habe bzw. die in der Publikation abgebildet sind, sind unbeschädigt und weisen keine Gebrauchsspuren auf, soweit ich es erkennen kann/konnte. Die meisten stammen auch aus Steinkistengräbern, aber das kennen wir ja von unseren Flintdolchen, das sind ebenfalls oft Grabbeigaben.
Allerdings sind manchmal die "Parierstangen" ein- oder beidseitig abgebrochen - kann sein durch die Lagerung im Boden, vielleicht aber auch durch Gebrauch? Dasselbe gilt für kleine und größere Scharten an den Klingen einiger weniger Objekte.

In der (mir zugänglichen) Literatur (Frieman&Eriksen 2015: 156 f.) werden die koreanischen Objekte als Ritual-Dolche bezeichnet - ich werde in 2018 mal dort nachhaken und mich erkundigen. Zumindest tauchen sie immer in Männergräbern auf.
Teils weisen die Dolche derart irre Formen auf, dass ein profaner Gebrauch mir auch eher unwahrscheinlich zu sein scheint:

Bild

Quelle: https://www.studyblue.com/notes/note/n/ ... ck/8023701
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
Benutzeravatar
ulfr
Site Admin
 
Beiträge: 4442
Registriert: 05.04.2006 13:56
Wohnort: Wetterau


Zurück zu Steinbearbeitung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast