Holz spalten? -> Keile!

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Beitragvon Merha » 31.03.2010 09:47

Ich denke schon das man einen Rotzederstamm wie im Bild oben gezeigt spalten kann, das Holz ist astfrei, sehr sehr milde, hat keinen Drehwuchs usw.

Das Holz ist in der Tat superleicht und gehört (ERC) auch zu den Wacholderarten (Juniperus) und nicht zu den Zedern (Cedrus). Der Spalt, den der Typ in dem Link erzeugt hat, ist absolut perfekt.

Bei meinem Ulmenspaltversuch war es am besten von beiden Seiten zu beginnen, dann die Seiten einzukeilen um den Riss zu lenken und dann abwechselnd von vorn und hinten abwechselnd die Keile voranzutreiben.

Du gehörst zu den ganz Mutigen … Ulme zu spalten … :?

Interessant wären auch Holzartenbestimmungen der gefundenen Keile. Um nasse Eiche zu spalten braucht man schon recht harte Keile, vorallem um den "Initialspalt" zu erzeugen. Wie siehts aus mit Keilen aus Eibe oder Eiche?

Das mit dem Initialspalt habe ich mir auch schon gedacht. Der in der Skizze gezeigte Stamm dürfte einen Meter Durchmesser haben. Bonjour mit dem Initialspalt. Das wird sogar mit perfektem Werkzeug nicht leicht …

Ich habe hier im Wald seit zwei Jahren eine Eiche liegen; Windwurf, die ersten drei Meter des Stammes (50-60cm Durchmesser etwa) auf dem Wurzelteller sind noch da. Der Stamm geht mir schon länger durch den Kopf. Vielleicht sollte ich da mal einen Spaltversuch unternehmen … Gekochte/Gedämpfte Eiche lässt sich ja gut spalten … mal schauen.

Robinie habe ich auch schon öfters gespalten, auch mit Keilen aus den Ästen des Baumes. Bei perfektem Wuchs könnte ich mir auch solches Spaltverhalten vorstellen. Ist halt keine einheimische Art. Baumwacholder mit perfektem Wuchs wäre auch interessant. Da aber ranzukommen ist eine andere Frage ….
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Beitragvon ulfr » 31.03.2010 10:18

Ich habe mehrfach alle möglichen Hölzer gespalten, dünne und dicke, konventionell und auf "steinzeitliche" Art. Frische Eiche lässt sich hervorragend spalten, entweder nutzt man einen schon vorhandenen Trockenriss (ergibt sich meist schon einige Stunden nach dem Fällen) als Initialspalt, wenn die Richtung passt, oder man verwendet Geweihkeile, womit ich Deine Frage positiv beantworten kann, Kurt, auch Knochen, z.B. Metapodien von großen Säugern geben hervorragende Keile. Ist das Holz einmal geöffnet, kann man auch mit Holzkeilen nachsetzen. Auch Ulme ist gut spaltbar, zumindest in Durchmessern von 10 - 20 cm (Bogenstämmchen), es muss nur frisch sein.
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Beitragvon Jürgen Weiner » 13.12.2010 19:44

Moin Jungs!

In unserem LBK-Brunnen von Erkelenz-Kückhoven gibt es auch einige Holzfunde, die zwanglos als Spaltkeile zu interpretieren sind. Der schönste Beleg freilich ist ein Bauelement in Form einer Spaltbohle (SIC!), bei der ein Spaltkeil in einem nicht vollständig durchlaufenden Spaltriss steckengeblieben ist. Das Teil liess sich allem Anschein nach nicht entfernen, und so liess man es einfach stecken. Die genauen Daten liefere ich später nach.

Herzliche Grüsse

Jürgen
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Beitragvon FlintSource » 15.12.2010 00:10

Hallo Jürgen,
du hast mit Erkelenz wohl noch ein ganzes Deck aus Assen in den Ärmeln versteck!
Ich glaube doch alles, was über den Brunnen geschrieben ist (halt, stimmt nicht ganz, den Aufsatz "Well on my back" aus NewsWARP fehlt mir noch) gelesen zu haben, aber über die Keile kenne ich noch nichts. Das würde mich natürlich brennend interessieren.
LG
Rengert
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Beitragvon Jürgen Weiner » 15.12.2010 18:25

Hi Rengert!

Na, dann werde ich Dir auch eine Kopie von "Well on my back" schicken, zusammen mit meinem Aufsatz in der Lüning-Festschrift.

HG Jürgen
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Beitragvon FlintSource » 15.12.2010 21:29

Gerne, dann hätte ich damit, vermute ich ganz stark, Erkelenz ziemlich komplett.
Grüße,
Rengert
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Beitragvon Jürgen Weiner » 18.12.2010 11:56

Moin!

Wie früher zugesagt, hier Näheres zu den beiden Kückhovener Spaltkeilen; ich zitiere sinngemäss aus meinem Manuskript:

Interessant: Obwohl Kückhoven für Mitteleuropa den frühesten neolithischen Nachweis von Eibe (Taxus baccata) geliefert hat, besteht keiner der beiden Keile aus diesem harten Holz.
(Übrigens bestanden die in der Füllung von Kasten 1 = Brunnen I gefundenen Bruchstücke eines Bogenstabes ebenfalls nicht aus Eiben- sondern aus Ulmenholz! Klar, die liessen sich ja auch einem Bogenstab vom Typ Holmegaard zuweisen).

Beide bestehen aus Eschenholz (Fraxinus excelsior).

- Exemplar 4333-230 ist distal ausgebrochen, die Schlagfläche ist gestaucht und parallel zur Maserung gerissen. Länge ist 135 mm, Durchmesser oval und an der Schlagfläche maximal 50 mm. Zurichtungsspuren sind nicht erkennbar, d.h. durch die Arbeit überprägt oder und wahrscheinlicher a priori überschliffen.

- Exemplar 1246-405 wurde in einem Spältling (1246-400, SO-Seite von Brunnenkasten 1 unmittelbar oberhalb des dortigen Basisholzes) steckend angetroffen. Bei der Freilegung wurde der oberste Abschnitt minimal beschädigt. Länge beträgt noch 230 mm, Querschnitt ist subrechteckig, grösste Breite kurz unterhalb des beschädigten oberen Ende ist 38 mm, Dicke dort 30 mm. Die Schmalseiten und die Dicke verjüngen sich kontinuierlich bis zu einem markant halbrunden, zungenförmigen Ende mit einer dortigen Breite von rd. 10 mm bei derselben Dicke. Die Oberfläche ist vollständig glatt und macht einen zumindest teilweise geschliffenen Eindruck.

Mich wundert es mittlerweile nicht ein Jota, dass die bandkeramischen Holzhandwerker selbst bei solch profanen Stücken wie Spaltkeilen - im besten Sinne des Wortes - allem Anschein nach grosse Sorgfalt haben walten lassen.

Herzliche Grüsse

Jürgen

@Rengert: Habe schon beide NewsWarp rausgelegt, damit ich sie am kommenden Montag kopieren und Dir schicken kann.
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Beitragvon ulfr » 18.12.2010 13:35

Von Arbon 3 und einigen anderen neolithischen Fundplätzen aus der Schweiz liegen mehrere Holzkeile vor, die meisten sind aus Eiche und Esche, aber auch Buche, Pappel, Ahorn und Erle. Die Form wurde nur summarisch überarbeitet. Alle weisen ausgeprägte Arbeitsspuren auf dem Nacken auf.
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Beitragvon Malachy » 10.01.2011 13:42

Mal eine Frage zum Holz spalten. Wie kann ich denn das spalten verhindern ? Ich möchte für eine bronzezeitliche Axt einen Stiel herstellen.
Ein Bekannter sagte mir das ich das Holz einige Zeit in Wasser lagern soll. Es würde von innen nach aussen trocknen. ( Wie die Flößer )
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Beitragvon ulfr » 10.01.2011 14:20

Meines Wissens geschah das Wässern von Baumstämmen, um bestimmte Stoffe aus dem Holz zu ziehen, wie zum Beispiel Gerbsäure, wurde früher bei Schiffsmasten so gemacht.

Zum verhindern des Spaltens:

Holz zum geeigneten Zeitpunkt fällen

(manche glauben an die Kraft des Mondes, ich habe entsprechende Handlungsanweisungen mehrfach betätigt bekommen, sehe das aber nicht ganz so dogmatisch wie diese beiden Autoren:
http://www.paungger-poppe.com/index.php ... 67&lang=de)

Gut ist immer der Neumond um den Jahreswechsel, hast Du gerade verpasst, war letzten Dienstag. Dann ist kein Saft (oder nur sehr wenig) im Baum, das Holz trocknet sanfter. Ich hab Dienstag Hasel geerntet, das Holz ist schon fast trocken, auch nach dem Entrinden keine Feuchtigkeit an der Oberfläche.

Holz entsprechend lagern

Geschlagenes Holz an einem luftigen, trockenen Ort lagern, möglichst im Freien, wo keine Sonne hinkommt, Vordach, offene Garage, Schuppen

Schnittflächen versiegeln

Schnittflächen sofort nach dem Schneiden mit Lack oder Holzleim versiegeln, verhindert, dass das Holz über die Kapillaren der Schnittfläche die Feuchtigkeit schneller abgibt als an den anderen Flächen.

Kern entfernen

Holz reißt gern vom Kern (Markröhre) nach den Seiten, kerngetrenntes Holz eben nicht.

Wenn Zeit genug ist, das Holz in der Rinde trocknen lassen, dann trocknet es nicht so schnell.
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Beitragvon Malachy » 10.01.2011 17:14

Danke für die Tipps, aber wie verhält sich das mit der Meinung und wohl auch Praxis... das nur frisches Holz verarbeitet werden konnte?

Ich habe meinen Stiel drei Wochen mit Rinde im Garten ohne Sonne gelagert und danach bearbeitet. Allerdings immer mal wieder Pausen zwischen den Arbeitsschritten gemacht. Vielleicht klappt es nur wenn es an einem Tag verarbeitet und gleich versiegelt wird.
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