Holzbehandlung???

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Holzbehandlung???

Beitragvon Saxnoth » 16.02.2010 09:22

Einen schönen guten Morgen,

Ich frage mich, ob mir hier jemand sagen kann, ob das Holzgeschirr im Frühmittelalter irgendwie behandelt war, um es haltbarer zu machen. Waren die Holzschalen, -teller und -becher vielleicht gewachst? Ich will demnächst das Drechseln anfangen, und da wäre es schon günstig das zu wissen.

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Beitragvon ulfr » 16.02.2010 10:29

Moin,

früheste Eichen-Möbel sind anscheinend "geräuchert", also Ammoniakdämpfen ausgesetzt worden, die für ein schnelles Vergrauen sorgen, ein Prozess, der normalerweise etwas länger dauert und von Witterungseinflüssen, vor allem UV-Strahlung bewirkt wird. Die äußeren Holzzellen werden zerstört und bilden so einen natürlichen Schutz für das darunter liegende Holz.

Später hat man Hölzer geölt, in erster Linie mit Leinöl. Wachs soll ebenfalls zur Oberflächenbehandlung eingesetzt worden sein, dürfte aber in der Herstellung kompliziert gewesen sein: Erwärmen im Wasserbad, verdünnen mit Terpentin usw., und obendrein war Wachs für andere Dinge ein begehrter Rohstoff - Kerzen. Da z.B. im Mittelalter Kerzen meist nicht einmal in Wohnhäusern brannten, sondern stattdessen Talglampen verwendet wurden, dürfte Wachs als Rohstoff außerhalb der klerikalen Verwendung sehr selten gewesen sein (Claudia hat das neulich in einem anderen thread schon ausgeführt).

Ich behandle meine Möbel und auch Holzgegenstände meiner Ausrüstung entweder mit Speiseöl (sollte hochwertig sein) oder mit Melkfett (das aber moderne Wirkstoffe enthält), funktioniert wunderbar und giftfrei. Natürlich darf man keine nassen Gläser darauf abstellen.

Buchtipp (habs leider nicht selbst, scheint aber was zu taugen):

http://www.deutschesfachbuch.de/info/de ... 82eb12734b
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Beitragvon Beate » 16.02.2010 10:47

Hier wurde ja nach Essgeschirr gefragt.

Ich habe bis vor einiger Zeit meiner Holzgeschirr noch mit Leinöl behandelt. Einfach so übernommen und nicht hinterfragt, weil das ja alle machen. :oops:

Nach einer Diskussion mit Roland kamen aber Zweifel auf. ob man das kostbare Leinöl zu solchen profanen Zwecken verwendet hat. Seitdem öle ich nicht mehr. Notwendig ist es jedenfalls nicht. Ausserdem: fettig wird die Essschale doch sowieso... :wink: :lol: einfach auswischen, fertig.
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Beitragvon Thomas Trauner » 16.02.2010 10:48

Wir haben im Moment dutzende mittelalterliche Holzgeschirrteile aus dem 13.Jh. in Bearbeitung. Feuchtboden, gut erhalten.
Gedrechselte Schalen und Daubengefäße.
Wahrscheinlich geölt, aber sonst nichts erkennbar.
Publikation.......irgendwann...

Thomas
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Beitragvon Saxnoth » 16.02.2010 11:37

Na prima, dankeschön auch.

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Holz härten......

Beitragvon Raeto » 16.02.2010 11:46

Es gibt die Möglichkeit Holz zu härten indem man es flammt, die Rußschicht mit Hilfe von Wasser und einem groben Lappen abreibt und es anschließend am rand des Feuers trocknet. Dabei immer etwas bewegen, damit man nicht wieder etwas von der oberen Schicht wegnimmt. Ergebnis ist eine glatte, gehärtete Oberfläche die sich auch mit Schnitzmessern nur noch sehr schlecht bearbeiten lässt. Man kann es dann noch ölen oder wachsen.

Ich benutze diese Methode jetzt seit 3 Jahren für meine Arbeiten und man kann dadurch auch sehr schöne ergebnisse mit der Maserung erhalten......

Was den geschichtlichen Kontext angeht, kann ich leider darüber wenig sagen außer das die von mir beschriebene Vorgehensweise auch mit den Materialien sehr einfach aber wirkungsvoll ist.......

Was haltet Ihr davon??

Grüßle Raeto
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Beitragvon Blaubär » 16.02.2010 12:17

Ahoi,

schau doch auch mal in das Buch von Barbara Grodde "Hölzernes Mobiliar im vor- und frühgeschichtlichen Mittel- und Nordeuropa". Das was über Bemalung drin steht weiß ich, ob sie sich auch direkt mit Oberflächenbehandlung im Sinne von Ölen und Wachsen beschäftigt, kann ich nicht hundertprozentig sagen. Einen Blick ist das Buch allemal wert.

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Beitragvon Beate » 16.02.2010 12:58

Hier geht es allerdings um Essgeschirr... :wink:
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Beitragvon ulfr » 16.02.2010 13:03

... und da stimme ich Dir vollkommen zu, das lässt sich von alleine ein, wenn es benutzt wird.
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Beitragvon Manu » 16.02.2010 15:06

Bestimmte Holzarten sollen sogar antibakteriell wirken, was beim Essgeschirr nicht so schlecht wäre. Weiß da jemand was drüber? Eine Gruppe von Frauen aus Weissrussland haben mir erzählt (weil ich so stolz auf unsere Töpferware war), daß für Essen, besonders auch wenn Fleisch geschnitten wird ausschließlich Holzbrettchen und Schalen, noch heute, bei ihnen Verwendung finden. Abreiben in Wasser genüge völlig.
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Beitragvon Steve Lenz » 16.02.2010 15:07

Birke
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Beitragvon Manu » 16.02.2010 15:17

Danke, aber warum???
Welcher Stoff wirkt in der Birke antibakteriell ?

Komisch ich hatte die Frauen gar nicht gefragt, welche Holzart sie verwenden, aber Birke gibt es in Russland ja in Hülle und Fülle.

In dem Zusammenhang wär auch interessant, ob die Birkenrinde auch antibakterielle Wirkung hat, da es ja auch für Behälter zum Aufbewahren von Brot u.v.m. dient.
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Beitragvon Beate » 16.02.2010 15:50

Muss ich mal suchen, es gab mal eine Untersuchung zu Schneidebrettern aus Kunsstoff und Holz (im Vergleich). Wenn ich mich recht erinnere, hieß es, dass die Gerbstoffe im Holz antibakteriell wirken.

Edit: schon was gefunden

http://www.ihb.de/fordaq/news/Antibakteriell_11008.html

http://www.wilms.com/Hygiene/Forschunge ... zEinNW.pdf
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Beitragvon Blaubär » 16.02.2010 16:03

@Beate: Ich hab`s gelesen, dass es sich um Essgeschirr handelt. Für den Überblick was evtl. zur Oberflächenbehandlung verwendet wurde, ist es trotzdem nicht schlecht! Ich würde meine Essschale auch nicht mit Schellack überziehen. :aha:

Servus,
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Beitragvon Manu » 16.02.2010 16:19

@Beate

Danke, dann sind also hauptsächlich die Kiefer und die Eiche antibakteriell und zwar durch den "Entzug von Wasser an der Oberfläche" also ein physikalischer Vorgang, wenn ich das richtig verstanden habe.

Schöne Vorstellung, wenn in den Krankenhäusern statt Kunstoff Kieferkernholz verwendet würde. Wieviel wohler sich die Kranken dann fühlen würden. :D
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