markasitknollen

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Beitragvon Bullenwächter » 12.08.2009 15:19

Zu dem Feuerhüten fallen mir einige Szenen aus dem Film "Am Anfang war das Feuer" und die Birkenrindendosen mit den Ahornblättern(?) vom Ötzi ein. Hab haber mit dem Feuerhüten keine Erfahrung, bin immer froh wenn das Herdfeuer vernünftig brennt und gute Glut zum Kochen bringt.
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Beitragvon Fridolin » 12.08.2009 16:20

Pyrit und Markasit - beide haben die chemische Formel FeS2 - unterscheiden sich in der Kristallstruktur. Pyrit kristallisiert kubisch in Form von Würfeln, Pentagondodekaedern oder diversen Kombinationen. Markasit besitzt rhombische Kristallstruktur, deshalb sind die Kristallformen eher länglich, gestreckt, Zwillingsaggregate sind sehr häufig. In der Literatur steht auch, dass die Kornbindung bei Markasit i.d.R. größer ist als beim Pyrit. Das bedeutet, dass Markasit beim Feuerschlagen weniger stark bröseln dürfte als Pyrit.

Leider ist die Sache etwas komplizierter, denn Markasit wandelt sich oft pseudomorph (d.h. unter Beibehaltung der äußeren Kristallform) in Pyrit um. Den umgekehrten Fall (Umwandlung von Markasit in Pyrit) gibt es ebenfalls, aber wesentlich seltener. Und bei Ramdohr, dem Papst der Erzmikroskopie, fand ich folgenden ?erhellenden? Satz, nämlich dass viele Markasitknollen tatsächlich aus Pyrit bestehen. Das überrascht dann nicht wirklich, hilft Euch aber auch nicht weiter. Und um noch eins draufzugeben: Es gibt auch Verwachsungen von Pyrit und Markasit.

Da ich selbst noch keine Versuche mit dem Feuermachen gemacht habe kann ich keine eigenen Erfahrungswerte geben. Ich vermute aber, dass derber dichter Schwefelkies (ohne makroskopisch erkennbare Kristallflächen) sich besser zum Feuermachen eignet als die gröber kristallinen Aggregate, die leichter zerbröseln dürften. Ich lasse mich aber gerne belehren...

Derber Schwefelkies lässt sich oft nur röntgenographisch eindeutig als Pyrit oder Markasit bestimmen. Na ja, wie haben es die Altvorderen gemacht (und so kennt man es noch von den Alchemisten): Nimm den gelben Stein vom Alten Berg, der eignet sich zum Feuerschlagen. Nimm nicht den gelben Stein aus der tiefen Schlucht, der ist verhext. Mit anderen Worten: Schwefelkies von verschiedener Beschaffenheit und diversen Fundorten austesten und ?dem guten? treu bleiben...

Giftig oder gesundheitsschädlich ist Schwefelkies im allgemeinen nicht. Es gibt aber eine Variante des Pyrits, der Arsenopyrit oder Arsenkies, den würde ich persönlich nicht zum Feuerschlagen benutzen, da er, wie der Name schon sagt, arsenhaltig ist.

Viele Grüße

Fridolin

s.a.
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/i ... l=Markasit
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/i ... eral=Pyrit
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/i ... rsenopyrit


PS: Hat jemand mal Kupferkies zum Feuermachen ausprobiert?
Zuletzt geändert von Fridolin am 12.08.2009 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Enttäuschung pur

Beitragvon Trebron » 12.08.2009 16:50

Ich habe soeben mal versucht, mit meinen Markasit und auch mit Pyrith in unterschiedlichen kristallinformen und verschiedenen Feuerseinbrocken einen zündfähigen Funken zu schlagen:
Fehlanzeige :shock:

Ich hatte bisher immer nur bei abgedunkeltem Raum die Funken gezeigt, aber nie in Zunder geschlagen. Als Zunder hatte ich Rohrkolbensamen zusammengedrückt.
Gibt es da eine besondere Technik ?

Mit dem Feuerbohrer hatte ich keine Probleme.

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Beitragvon Manu » 12.08.2009 17:37

Die Ausführung von Fridolin ist seh aufschlußreich. Ich hab allerdings von Arsengehalt noch nichts gewußt. Dass sich Pyrit in Markasit verwandeln kann, wußte ich, aber nicht umgekehrt. Wenn man den gelben Stein kauft, weiß man meistens nicht, ob vom Berg oben oder tief drinnen.
Aber eben, wenn man mal einen guten erwischt, hütet man ihn wie einen Augapfel.

Also, ich zeige das im Museum stündlich, aber es klappt auch nicht immer, aber immer... :twisted:

Ich nehm einen Markasit und Zunder (unnitriert) wie man ihn findet. Rohkolbensamen geht bei mir auch nicht. Hab schon versucht. Ein nicht zu leichter Feuerstein schlage ich gegen den Markasit, auch bei Sonnenschein, denn ich weiß, daß da Funken sind. Kurz hintereinander ca. 30 Sek. Funken anschlagen. Irgendwann glimmt der Zunder, der absolut trocken sein muß :!:
Danach blase ich bis die Zunderglut größer wird ca. 1,5 Min. Dann mache ich ein Nestchen aus Schilfgrassamen und stecke den Zunder rein. Danach kommt das Anblasen des Feuers. Tief Luft holen und lange in die Glut, die du immer sehen mußt (Kontakt halten) mit spitzem Mund und viel Gefühl reinblasen. Du siehst am Rauch, wann es anspringt. Das geht plötzlich sehr schnell. Am Montag morgen hat mich ein Besucher gefilmt und der hat auf seinen Timer geschaut. 2,5 Min. Aber manchmal klappts auch nicht. Tja, dann sind die Besucher enttäuscht. :cry:
Versuch es ruhig nochmal. Rohrkolbensamen würde ich eher nicht nehmen.

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Beitragvon Trebron » 13.08.2009 06:30

Danke erstmal, werde weiter versuchen !

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Beitragvon ulfr » 13.08.2009 10:45

Fridolin hat geschrieben: Ich vermute aber, dass derber dichter Schwefelkies (ohne makroskopisch erkennbare Kristallflächen) sich besser zum Feuermachen eignet als die gröber kristallinen Aggregate, die leichter zerbröseln dürften. Ich lasse mich aber gerne belehren...


PS: Hat jemand mal Kupferkies zum Feuermachen ausprobiert?


So, hat doch nicht so lange gedauert mit dem außer-Haus-sein:

Genauso ist es, Fridolin, zum Funkenschlagen sind die schönen, großkristallinen Schwefeleisenknollen unbrauchbar, allerdings auch die, deren Kristalle so fein sind, dass sie sich nicht voneinander lösen, hatte ich auch schon (s.o.) Am besten sind die von der Schw. Alb (kann man in Aalen im Museum kaufen) oder die aus der Kreidegrube in Lägerdorf. Französische Markasit-Eier von der Ärmelkanalküste neigen zu Schnellzerfall.

Wenn man Rohrkolbensamen pur als Zunder verwenden will, muss man sie vorher in Gallseife waschen, um das Fett/Öl herauszulösen, und gut trocknen, dann kann man sie auch mit Pyrit und Flint direkt verwenden.

Mein "Rekord" *hüstel* liegt bei 58 sec. vom Ausbreiten der (natürlich unbehandelten) Utensilien bis zur offenen Flamme (Wettfeuermachen mit "Uhldi" am Federsee, er hatte mich herausgefordert)

Kupferkies hab ich noch nicht probiert. Es müsste durch den Druckschlag eine Reaktion mit dem Luftsauerstoff stattfinden, ob Kupfersulfit o.ä. dafür taugt, weiß ich nicht ... Ausprobieren!
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Beitragvon Trebron » 13.08.2009 11:22

Ist es möglich, von den "guten" mal ein Bildchen zu machen ?
Dann sieht man, wie das mit den -großkristallinen Schwefeleisenknollen- zu verstehen ist :?

Ich habe von Pyrit "Würfel" von ca 2 cm Kantenlänge, weitere Knollen mit kleineren "Würfelchen" bis Knollen ganz ohne erkennbare Würfel.
Da muß ich wohl mit "mehr Geduld" dran gehen :D

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Beitragvon ulfr » 13.08.2009 11:57

Bild

Aus einer Baugrube auf der Alb.
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Beitragvon Trebron » 13.08.2009 12:05

Danke Ulfr,

in der Größe hab ich was, auch mit ähnlicher Struktur.
Den werde ich vorzugsweise mal testen.
Ich hab mein Zeug vom Mineralienhändler gegenüber meiner Dienststelle. Das meiste bezieht der aber aus dem Ausland, ich mal fragen.
Werde mein Zeug auch mal fotografieren und zeigen.

Gruß

Trebron
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Re: markasitknollen

Beitragvon Trebron » 27.01.2013 13:15

Soooodele, ich hole das immer neue Thema mal wieder hoch!

ich war am Mittwoch bei W.-D. Theiß in Mannheim :4: Was der alles hat, musste aufpassen nicht plötzlich :10: zu werden ! Da werde ich aber wohl öfter aufschlagen ! :rhino:
http://www.natur-for-men.de/

Er hat jede Menge Markasit, wohl überwiegend aus Nordfrankreich. Habe mir eine Knolle von 1085 Gramm geholt und gleich spalten lassen, so dass ich zwei schöne Schlagflächen habe.
15 Sek. und ich habe ein schönes Glutnest im Zunderlappen ( davon hat er auch jede Menge ).
Auch auf die richtige "Schlagtechnik" mit dem richtig geformten Feuerstein kommt es an !

:mammut2:
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Re: markasitknollen

Beitragvon Bach » 31.01.2013 22:14

Trebron hat geschrieben:Auch auf die richtige "Schlagtechnik" mit dem richtig geformten Feuerstein kommt es an !


Erfahrungsgemäss erfordert jede Paarung Schwefelkies - Feuerstein eine etwas angepasste Schlagtechnik, ich muss mir jedenfalls die Funken mit unteschiedlichem Material jeweils regelrecht erarbeiten. Ist die Bewegung einmal "eingeschliffen", funkt's dann wie ein kleines Feuerwerk. Richtig geformte Feuersteine sind in der Regel bucklige Gesellen: Runde Formen eignen sich eher besser, zu finden bei Kernabfällen, dicken Brocken mit stumpfen Enden usw. Weniger geeignet scheinen Feuersteine mit Kanten <90°, da diese zum Ausbrechen und Splittern neigen (für alle Steinschläger eine Binsenweisheit). Schön Eingeschliffene Feuerschläger taugen meiner Meinung nach am besten, das Selbe gilt für Markasit / Pyrit.
Übrigens gibt es Markasitknollen, aus denen ist nicht der geringste Funken rauszuschlagen, so zum Beispiel mein erster aus einem Schlagset aus dem Museumsshop: Auch nach stundenlangen Versuchen bis zur Beinahe-Sehnenscheidenentzündung und Beinahe-Verzweiflung war nicht ein einziges Fünkchen zu sehen. Als Anfänger war das recht frustrierend, sucht man doch den Fehler nicht sofort beim Material. Glücklicherweise habe ich dann doch noch einen anderen probiert und es hat sofort geklappt (Schlagerfahrung hatte ich ja mittlerweile wohl genung). Den unwilligen Stein habe ich bis heute behalten, hin und wieder versuche ich mich noch an ihm (jeweils vergeblich).

Grüsse
Andreas
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Re: markasitknollen

Beitragvon Wolf D. Th. » 02.03.2013 12:56

Hallo
Zunächst Dank an Tebron für die netten Worte.
Wer was über Markasit/Pyrit etc. erfahren will, sollte sich mal Prof.Blumes Bildungsserver für Chemie ansehen http://www.chemieunterricht.de/dc2/pyrit/pyrit_03.htm
Gruß
Wolf-D.
.....und trägt er auch den Schafspelz denkt jeder daran
Wolf bleibt Wolf, Schaf bleibt Schaf , Mann bleibt Mann
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