Bier hier, Bier hier...

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Bier hier, Bier hier...

Beitragvon Roeland Paardekooper » 23.01.2017 20:32

Kennt Jemanden dieses Projekt:

https://steinzeitbier.wordpress.com/projekt/

Oder erfinden die gerade das Rad neu?
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Re: Bier hier, Bier hier...

Beitragvon ulfr » 24.01.2017 10:47

... oder ich fall um :D

Roeland Paardekooper hat geschrieben:Oder erfinden die gerade das Rad neu?


Ja, und es hat Stahlfelgen :2:

Metallfässer, Grillzangen, Plastikbottiche - Ich verstehe nicht, was das ganze mit Mesolithikum zu tun hat ... und selbst wenn sie irgendwann ihre Holzbottiche fertig haben - wo ist der Nachweis derselben? Nu, vielleicht muss man über die Verwendung von ausgehöhlten Baumstämmen im Mesolithikum neu nachdenken: Das waren 12 m lange Brautröge, und die Paddel waren zum Umrühren ...

Bierbrauexperimente gibt es schon seit geraumer Zeit, Stichwort H.P. Stika

Zur Eignung von verschiedenen Gesteinsarten zum Kochen ist schon vor über 40 Jahren geschrieben worden: Anne Scheer berichtet in der "Eiszeitwerkstatt" (Museum Blaubeuren 1995) über ihre Experimente mit dem Fellkochtopf und zitiert D. Batchelor 1979: "The use of Quartz and Quartzite as Cooking Stones" und A. Luttrop 1971: Quarzitische "Herdsteine", und Daniel Richter untersucht im selben Band die Hitzeeinwirkung auf Gerölle.

Ein paar Weizenkörner machen noch kein Hofbräuhaus.
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Re: Bier hier, Bier hier...

Beitragvon Blattspitze » 24.01.2017 12:45

Also ich stehe dem Bierbrauen, aus welchem Grund auch immer, generell sehr positiv gegenüber. Ich sehe auch keine Gefahren, solange nach dem Genuss nicht gefahren wird.
Manche Formulierungen (der erste Satz auf der verlinkten Seite) sind sicher unglücklich, aber ich habe nicht den Eindruck, das hier ein archäologisches Experiment im strengen Sinne geplant ist?
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Re: Bier hier, Bier hier...

Beitragvon ulfr » 24.01.2017 21:58

Blattspitze hat geschrieben:Manche Formulierungen (der erste Satz auf der verlinkten Seite) sind sicher unglücklich, aber ich habe nicht den Eindruck, das hier ein archäologisches Experiment im strengen Sinne geplant ist?


Na, ich weiß ja nicht ... :

"All dies machen wir nur mit den technischen Möglichkeiten des Mesolithikums. Aber wir messen und dokumentieren jeden Schritt genau. Denn wir verstehen uns als ernsthafte Projektgruppe der Experimentellen Archäologie.

Der gesamte Prozess besteht aus vielen Puzzlesteinen, die wir durch einzelne kleine Experimente ausprobieren (muß man Malz trocknen? kann man mit Kochsteinen brauen? klappt die Gärung mit Naturhefe? etc.). Bei den Einzelexperimenten ersetzen wir mesolithische Ausrüstung durch modernes Material, wenn diese die jeweilige Fragestellung nicht beeinträchtigt. (Um nachzuweisen, ob man mit selbst erstellten Grünmalz brauen kann, ist es z. B. unerheblich in welchem Gefäß die Bierwürze gärt.)"


Aber gut - wenns der Wahrheitsfindung dient ...

Wilde Hefe geht auch noch ganz anders:
http://www.bier-entdecken.de/rogue-beard-beer/
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Re: Bier hier, Bier hier...

Beitragvon Sculpteur » 25.01.2017 04:26

Für´s Bier(brauen) anderer bin auch ich immer zu haben. Vor allem entstehen durch´s Experimentieren viele neue leckere Sorten.
Das ist ja kein experimentalarchäologischer Ansatz, welchen der historische Verein da praktiziert. Sollen Sie meinetwegen aber weiterbrauen. Am Ende kommt dabei im schlimmsten Fall ein schlechtes oder gar kein Bier heraus, weil vorher alles aufgetrunken wurde. :D
Ich persönlich glaube, das erste Bier ist "im Vorübergehen" zufällig entstanden. Gerade so wie z.B. der Wein, der Sauerteig, das Sauerkraut und die Mehlknete. (Ob die Kultivierung von Aussaaten ein Zufallsprodukt war, wird ja schon länger diskutiert). Aber das ist natürlich nur meine unmaßgebliche Biertrinkermeinung.
:4:
Keine Frage: Wer aufmerksam mitgelesen und behalten hat, der weiß, was zu tun ist wenn einem das Brotstückchen beim Käsefondue in geselliger Runde zum dritten mal in den Käse gefallen ist...
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Re: Bier hier, Bier hier...

Beitragvon Bullenwächter » 25.01.2017 20:40

Historische Bierbrauexperimente wissenschaftliche wie populärwissenschaftliche gibt es genug - und diese sind auch in wechselnder Quailität publiziert.

Meiner Ansicht nach wollen sie ein historisches Bier mit nur zum Teil den historischen technischen Möglichkeiten aber nach modernen brautechnischen Erkenntnissen zu brauen. Die Fragestellung ist ein bisschen sehr allgemein und umfassend.
Dass man mit wilder Hefe eine Gärung hinbekommt muss nun wirklich nicht mehr experimentell ermittelt werden, das wurde jahrtausende lang gemacht bis im 18. Jh. die Hefen und ihre Funktion erkannt und seit her in Reinzucht genutzt wurden. Ich gehe auch nicht davon aus dass man bei frühen Bieren im Neolithikum schon erkannt hatte dass das Malz gemaischt (bei bestimmten Temperaturstufen gekocht um Stärke in Zucker umzuwandeln) werden muss. etc. usw.

Ich würde es viel lieber ausprobiert haben einen Getreidebrei oder notfalls Getreidefladen einer Gärung zu unterwerfen. Dies wäre - meiner Meinung nach - ein historischerer Ansatzversuch, alles andere erscheint mir fürs Neolithikum zu modern.
Es wird eine Zeit kommen, in der wir, um zu bewahren, töten müssen!
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Re: Bier hier, Bier hier...

Beitragvon ulfr » 12.02.2017 10:25

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