GuedelonII in Meßkirch

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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Turms Kreutzfeldt » 23.04.2013 10:29

.... sieht aus wie ein Zoo-Rundgang in Torfmoorholm.

spielt auf der bengalischen Wurfzither den galligen Abgesang
Ich bin der Schleuderer, der stets aufschreit und das mit Recht, denn alles was nicht schleudert, ist wert das es auch untergeht, so ist denn alles, was ihr Schleudern nennt, mein eigentliches Element...
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Hans T. » 23.04.2013 14:34

Ich denke, das ist ein Steinmetzzeichen. Die sind mitunter recht "runig".

http://www.kunstlinks.de/material/vtuem ... ie/Tor.jpg


H.
"Des is wia bei jeda Wissenschaft, am Schluß stellt sich dann heraus, daß alles ganz anders war."
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Andreas Sturm » 24.04.2013 08:55

Hm, aber Steinmetzzeichen kommen laut Günther Binding* erst im frühen 12. Jahrhundert auf...?

*LexMA VIII (2000) 105 s. v. Steinmetzzeichen (G. Binding)
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Hans T. » 24.04.2013 10:35

Container kamen im XX. Jhd auf, zweite Hälfte.... :10:
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon pinguin » 24.04.2013 20:50

[quote="Andreas Sturm"]Hallo,

mir wurde vom Bert M. Geurten, dem 1. Vorsitzenden des Vereins "karolinigische klosterstadt e.V." heute folgendes mitgeteilt:

"Ab Mitte des Jahres ist der Verein 'karolingische klosterstadt e.V.' ein
mittelständisches Unternehmen. Wir sind kein Forschungsinstitut oder
Freilichtmuseum. Dies müssen wir immer in allen Entscheidungen
berücksichtigen.

Sollte es in der Öffentlichkeit unberechtigte Kritik gegenüber unserem Projekt geben, werden wir nicht zögern dagegen mit Hilfe unserer Rechtsschutzversicherung mit allen rechtlichen Mitteln vorzugehen. Gespräche mit verschiedenen staatlichen Behörden haben uns in dieser
Einstellung bestärkt."

ausdrücklich nicht als Museum oder Ort der Forschung definiert wird, sollte bei allen zukünftigen Beurteilungen hier und anderswo berücksichtigt werden.

Andreas

Das ist genau das - was wir bei EXAR und bei EXARC ausdrücklich nicht unterstützen wollten. Eine Rechtsschutzversicherung wird eine Qualitätskontrolle seitens der wisseschaftlich engagierten nicht verhindern können.

Wir sind über den Fortgang der Dinge gespannt

Was macht hier eigentlich der fachliche "wissesnchaftliche" Beirat ?
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Andreas Sturm » 25.04.2013 15:06

Der Wissenschaftliche Beirat ist zunächst nicht viel mehr als eine Liste mit Namen. Der Verein hat bisher keine Struktur aufgebaut, die es den einzelnen Mitgliedern erlauben würde, unkompliziert miteinander zu kommunizieren. Und er ist auch vom Verein noch nie zu einer Sitzung zusammen gerufen worden.

Und wenn er es täte ... der 1. Vorsitzende Bert M. Geurten hat mir in seiner Email vom 16.04.2013 deutlich gemacht, dass er zwar "Rat von namhaften Wissenschaftlern“ einholen will, aber die Entscheidung, was auf dem Campus Galli letztendlich als Mittelalter dargestellt wird, trifft allein der Vorstand des Vereins "karolingische klosterstadt e.V." Und der besteht aus Bert M. Geurten, Journalist und Kaufmann, sowie Verena Scondo, eine gelernte Einzelhandelskauffrau.
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon pinguin » 25.04.2013 15:23

[quote="Andreas Sturm"]Der Wissenschaftliche Beirat ist zunächst nicht viel mehr als eine Liste mit Namen. Der Verein hat bisher keine Struktur aufgebaut, die es dem einzelnen Mitgliedern erlauben würde, unkompliziert miteinander zu kommunizieren. Und er ist auch vom Verein noch nie zu einer Sitzung zusammen gerufen worden.

Dann schlage ich vor, unseren thread umzubenennen von

Guedelon II

in

Disney 5-6

ohne Wissenschaft, und fundierte experimentelle Archäologie ist es nur noch ein Spielplatz

da bin ich kompromisslos :7:
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Andreas Sturm » 25.04.2013 17:31

Der Logik ist nicht zu widersprechen. :idea:

Ein Spielplatz soll Laune machen, da passt doch diese Meldung von gestern:

Das erste Hühnerei isst Bert M. Geurten persönlich

... weil... das erste und laut Bericht größte Gebäude für den Rundgang ist schon fertig: der Hühnerstall!

Bilder davon gibts beim Bildungswerk Meßkirch.

Die abgebildeten Personen gehörhen übrigens nicht zum Klosterstadtverein.
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon pinguin » 25.04.2013 20:14

Prima Baumaschinen und Drainageschläuche wie im M :3: ittelalter

Im Juni geht es los und ich bin gespannt wie die wissenschaftliche Seite abgedeckt werden wird. Man muss es beobachten und vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit Andreas, den Fortschritt kritisch zu beobachten.
Der Presseauftritt wird konzentriert voran getrieben. Jetzt müssen wir ihn Stück um Stück bewerten.
Es ist ein Experiment und es geht am Ende um die Glaubwürdigkeit unserer Kunst :3:
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Andreas Sturm » 25.04.2013 21:15

Absolut richtig!

Bei der mediealen Präsenz und der angestrebten Reichweite von mindestens 150.000 Besuchern im Jahr ist davon auszugehen, dass der Campus Galli das Bild der Experimentellen Archäologie und der Living History in der Öffentlichkeit deutlich mitprägen wird.

Das gleiche gilt für das Bild des frühen Mittelalters. Schüler sind eine der Hauptzielgruppen des Campus Galli.

Da eine funktionierende interne Qualitätskontrolle des Projektes aus meiner Sicht gegenwärtig nicht gegeben ist, scheint mir eine kritische Begleitung durch die wissenschaftliche Gemeinde dringend angeraten.
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon S. Crumbach » 25.04.2013 21:33

Über das Bild von Living Histoy in der Öffentlichkeit mache ich mir eigenlich weniger Sorgen.

Das Projekt wird scheinbar kritisch gesehen:
http://www.mittelalterforum.com/index.p ... post253260

Die Einbindung von Laien und Hobbysten steht dabei nochmal auf einem ganz anderem Blatt.

Auch andere Themenparks halten sich seit Jahren:
http://mittelalterpark.de/

pinguin, auf die wissenschaftliche Seite bin auch sehr gespannt. Einmal mehr das Spannungsfeld Öffentlichkeitsarbeit und Deutungshoheit.
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon LS » 26.04.2013 10:04

Hallo,
ich verfolge diese Diskussion mit Interesse. IM SPIEGEL vom März 2012 konnte man folgende Info finden:
"Die Startfinanzierung von rund einer Million Euro aus den Kassen von Stadt, Landkreis und der EU reicht nur für die ersten Jahre. Danach muss sich das Projekt selbst tragen."
Der Spiegel-Artikel betont (hier auffallend blauäugig) das idealistische Engagement der unterbezahlten Handwerker. Trotz des romantischen Pathos darf man sich schon fragen, anhand welcher Vorbilder die spätere Refinanzierung durch Besucher hier vorkalkuliert wurde? Guédelon kann man ja wohl nicht als Vorbild nehmen, eher so Anlagen wie die Pfalz Tilleda. Es widerspricht allen Erfahrungen in Deutschland, dass sich ein Freilichtmuseum mit 20-30 Festangestellten in einer Gegend weitab von Ballungsräumen von selbst trägt. Hinzu kommen Materialkosten. Da reibt man sich doch irgendwie verwundert die Augen...

Gruß L
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Andreas Sturm » 26.04.2013 14:09

Was die Refinanzierung angeht hat der Verein "karolingische klosterstadt e.V." einige Ideen entwickelt. Kern ist das sog. "Meßkircher Modell":

Brauer, Bäcker, Metzger, Imker können in der Klosterstadt zeigen, wie ihr Handwerk im neunten Jahrhundert betrieben wurde und den Besuchern ihre Produkte dann anbieten. Oder wir gewinnen einen Buchhändler, der zeigt, wie auf Pergament geschrieben wurde und dabei den Besuchern Literatur über das Mittelalter vorstellt.


Bert M. Geurten in der Schwäbischen

Für den Verein wäre das eine sehr attraktive Lösung. Die Beschicker wie z.B. der lokale Imkerverein verpflichten sich, die Stationen an jeden Öffnungstag besetzt zu halten (Quelle). Das Personal für diese (Markt-) Stände belebt die Baustelle, würde aber nicht auf dem Lohnzettel des Klosterstadt-Vereins stehen.

Dass dieses Amalgam von Gegenwart und Vergangenheit, von Konsum und Bildung zu erheblichen Problemen führen kann, dürfte auf der Hand liegen. Ein normaler Museumsshop, getrennt vom Ausstellungsbereich, wäre wesentlich einfacher gewesen.

Was sollen z.B. Mittelalterromane als Auslage im karolingischen Skriptorium? Und soll der Schuster nebenbei Stöckelschuhe verkaufen? Von der fehlenden museumspädagogischen Qualifikation der Betreffenden mal abgesehen. All dass hat mir schwere Bauchschmerzen verursacht.

Ob man es überhaupt hätte in den Griff kriegen können - keine Ahnung. Ich kenne kein vergleichbares Modell. Mit sehr enger fachlicher Begleitung und wenn der externe Betrieb es als Investition in Werbung, nicht als Profitcenter betrachtet, hätte es in Ausnahmefällen funktionieren können.

Auch die Angestellten des Klosterstadtvereins selbst sollen als kleine Profitcenter nach Möglichkeit ihr Gehalt refinanzieren. Wozu sonst braucht eine Klosterbaustelle im ersten Jahr eine eigene Handwerksstation "Besenbinder"?

Ein Teil der Mitarbeiter, die beim Verein angestellt werden, sind ehemalige Langzeitarbeitslose (Quelle), für die das Jobcenter zeitlich begrenzte Lohnzuschüsse bis zu 50% gewährt. Außerdem stellt das Jocenter weitere bis zu 15 Langzeitsarbeitslose im Rahmen einer Beschäftigungsmaßnahme, die aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird (Quelle).

Und was die Materialkosten angeht - da setzt der gemeinnützige Trägerverein auf die Spendenbereitschaft. Z.B. spendet der Landesbetrieb Forst als kleine Startinvestition 20 Festmeter Eichenholz als Baumaterial (Quelle).
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Bilder von den ersten Bauten

Beitragvon Andreas Sturm » 07.05.2013 17:45

Es gibt eine kurze Fotostrecke der ersten Bauten auf dem Campus Galli in der Schwäbischen Zeitung (Artikel dazu).
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Re: GuedelonII in Meßkirch

Beitragvon Ragnar » 07.05.2013 19:58

ich bekomme bei solchen "Projekten" immer Bauchschmerzen. Vor ein paar Jahren wurde ich für ein ähnliches "Projekt" angeworben. Tolle Planung, Förderung von allen Seiten, Spenden und billige Arbeitskräfte. Verdient hätte daran aber nur Einer! Die ganze Mühe und Arbeit für die Katz! Denn wenn das "Projekt" nicht den erwarteten Erfolg bringt..... irgendwer hat sich aber dadurch erstmal saniert. Nächstes "Projekt".
Was ich weis, füllt ein Wasserglas. Was ich nicht weis, einen Ozean
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