Weltkultursprung

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Weltkultursprung

Beitragvon ulfr » 01.08.2017 15:56

Da schweigt des Sängers Höflichkeit ...

http://welt-kultursprung.de/

http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau ... 56834.html

Als der homo sapiens sapiens vor 70.000 Jahren mit der Kunst im Gepäck durch Ägypten nordwärts zog, gab es in Schwaben weitere 35.000 Jahre nur Kalk

:19:

Es gab einen sehr schönen und treffenden Kommentar zu alldem auf SWR2, leider nicht als podcast erhältlich
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
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Re: Weltkultursprung

Beitragvon Blattspitze » 02.08.2017 10:07

Die Kampagne mag dem einen oder anderen sicher als unappetitlich angeberische Kulturvermarktung aufstoßen, aber welche Kunst in Ägypten vor 70.000 Jahren meinst Du?
"Moral ist unsere letzte Religion. Das ist auch der Grund dafür, dass die Kirchen ihrerseits Religion im Wesentlichen auf Moral reduziert haben." Alexander Grau
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Re: Weltkultursprung

Beitragvon ulfr » 02.08.2017 19:46

Blattspitze hat geschrieben:Die Kampagne mag dem einen oder anderen sicher als unappetitlich angeberische Kulturvermarktung aufstoßen


*hps*

Blattspitze hat geschrieben: aber welche Kunst in Ägypten vor 70.000 Jahren meinst Du?


"Ägypten querab, Käptn! Kurs 005"
Der HSS ist ja da durchgekommen, oder? Wir sind dann am Scheideweg ... ? Hatte der HSN schon Kunst? Ist vor 40ky auf der Alb das Licht angegangen? Wie lange braucht HSS zur Ausbreitung? Ein km/Jahr? 5000 km von Ägypten bis Blaubeuren. Um 45.000 v.Chr. könnte HSS schon einen Grundstock an Kulturtechniken mitgebracht haben, ja - müsste, denn übern Bosporus und entlang der Donau war das um 43.000 sicher kein Spaziergang ...
Erfinden in einem Zeitraum von weniger als 2.000 Jahren schwäbische HSS-Pioniere die Kunst? Oder entwickeln Generell-Reisende hier was Neues? Wie etwas später in der Provence ... und noch später in ganz Europa.


Ich sehe diesen Urknall nicht.
Ich sehe ein Vorankommen.
Und würdige doch die Davorkommenden.
Und die Davongekommenen
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Re: Weltkultursprung

Beitragvon Blattspitze » 03.08.2017 07:56

"Baden-Würtemberg auf 12 Uhr!"
Der Leiter der Ausgrabungen, Professor Nicholas Conard, will sich nicht festlegen: "Einerseits kann ich der Hypothese nicht glauben, dass es Kunst, Musik und Religiosität damals nur hier gegeben hat. Andererseits suche ich selbst nach Beweisen, diese Hypothese zu widerlegen - ohne Erfolg. Deshalb fange ich langsam selbst an, daran zu glauben."
https://www.tagesschau.de/inland/welter ... b-101.html

Abteilung Attackediefaxendicke- sagt:
Jetzt ist mal Schluss mit dem ständigen Rumgemoser! Ihr Relativierer ertränkt alles in einem grauen, nebligen und klebrigen Gleichheits- und Rücksichtsnahmesumpf! Da haben wir nun endlich mal etwas, das oben herausragt und sofort kommt die Heckenschere im Kopf. Hast Du eine Vorstellung davon, wieviel Mühe und Geld es gekostet hat, diese Weltkulturerbe-Sache nach vorne zu bringen? In Ulm und um Ulm herum herrscht Goldgräberstimmung, ich sage nur: Arbeitsplätze und Tourismus! Hast Du was gegen nicht prekäre Beschäftigungsverhältnisse? Da können wir den weinseligen westlichen Nachbarn mit Ihrem bunten Höhlengekleckse endlich mal mit Flöten den Mammutelfenbein - Marsch blasen und dann kommt wieder die Chauvinismuskeule.
Solange die Datierungen nicht begründet in Frage gestellt werden können und anderswo nix älteres hochkommt, ist es die älteste Kunst, basta. Die Ägypter haben schon genug bei sich herumstehen.
Außerdem: Die sagen ja auch gar nicht, dass der Weltkultursprung in Baden-Würtemberg ("Land der Erfinder") erfolgt ist.
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Re: Weltkultursprung

Beitragvon ulfr » 03.08.2017 17:39

Blattspitze hat geschrieben:Ihr Relativierer ertränkt alles in einem grauen, nebligen und klebrigen Gleichheits- und Rücksichtsnahmesumpf!


Das ist ja war nicht gar ... Selbstredend sind diese Funde außerordentlich und verdienen den UNESCO-Status genauso gut wie die Sphinx oder die Chinesische Mauer, und natürlich haben wir es hier mit etwas vollkommen neuem zu tun, aber wenn jemand in diesem Zusammenhang von "Weltkultursprung" faseln zu müssen meint (und das ist sicher nicht ohne Absicht erfolgt), dann ist das doch so, als würde jemand den Pointillismus als Ursprung der Malerei bezeichnen, weil er scheinbar ohne Vorbild wie aus dem Nichts kam und eine absolute Neuerung darstellt. Tatsächlich ist dieser aber nur eine Weiterentwicklung des Impressionismus, lediglich die Technik hat sich verändert. Und Malerei gibt es nachgewiesenermaßen schon seit Chauvet.
Was ich sagen will, ist: Ich kann - wie Nick - nicht glauben, dass es einen Urknall der Kunst gab, der dann sofort derartig schöne Blüten getrieben hat. Es setzt sich doch nicht ein Urschwabe auf einen Kalkblock, greift sich ein Stück Marmelbein und denkt: "Och, nix zm dou, Wettr schoiße - i schnitz emol eine idealsierte Darstellung der Fruchtbarkeit oder wahlweise einen 36 cm hohen Mensch-Löwen-Hybriden oder höhle einen Span aus, schabe Löcher hinein, klebe ihn wieder zusammen und spiele ein paar nette Melodeien darauf.
Und ich denke, dass es Vorläufer gegeben haben muss, dass die Kunst und alles was damit zusammenhängt, im Gepäck mitgebracht wurde und hier zu neuen Höhen getrieben wurde, kein Zweifel. Wir haben nur noch nichts gefunden. ich bin mir aber sicher: Das werden wir, es ist nicht eine Frage, ob, sondern wann ...
Un nu komms Du :3:
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Re: Weltkultursprung

Beitragvon Blattspitze » 04.08.2017 17:34

ulfr hat geschrieben:Un nu komms Du :3:

Wir wissen aus diesen frühen Zeiten angesichts der minimalen Erhaltungschancen natürlich nichts. Fakt ist aber auch, dass es z.B. ein erstes, intentionell aus Elfenbein geschnitztes Mammut gegeben haben muss, oder? Und das hat ziemlich sicher nicht in Ägypten stattgefunden.
Hat sich z.B. die Speerschleuder langsam über ein z.B. Kinderspiel entwickelt, oder hat einer den möglichen Effekt abstrahiert und solange getüftelt und trainiert, bis es funktioniert hat? Gleiches könnte für die erste absichtsvolle Feuererzeugung gelten.
Geniale abstraktionsfähige Individuen, deren Idee sich explosionsartig ausbreitet (und die irgendwann auch wieder verschwindet), sind nicht auszuschließen. Wobei dies auch an mehreren Orten und zu verschiedenen Zeiten unabhängig von einander passiert sein dürfte.
Selbstverständlich glaubt keiner, dass die schwäbischen Funde die allerersten Kunstwerke und Musikinstrumente sind, die je angefertigt wurden. Deine antischwäbischen Ressentiments in allen Ehren, aber der erste Nachweis für den geistigen Hüpfer stammt von dort.
Kompromiss: Wir nennen es "Schwabenkultursprung"
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Re: Weltkultursprung

Beitragvon ulfr » 04.08.2017 19:04

Blattspitze hat geschrieben: antischwäbischen Ressentiments


Nein, ich pflege keine antischwäbischen Ressentiments, ich hab mich genauso über "Der ECHTE Norden" geärgert - "Land der Horizonte" war doch viel schöner ...

Immer dieses "Erster!!"

Natürlich hast Du Recht, individuelle (Insel)Begabungen sind eine menschliche Konstante, ohne sie würden wir sicher noch auf den Bäumen hocken und uns unter den Achseln kratzen. Aber muss ich damit angeben (vorausgesetzt, es steht mir auch zu ...) und mich über andere erheben? Na klar steht in Ägypten genug Zeug rum, aber ich kann mich doch in diese endlose (?) Reihe (Rad, Feuer, Diesel, Barbie-Puppe) einreihen, ohne mich gleich an die Spitze stellen zu müssen.
Die weltweit ältesten Einbäume kommen aus Dänemark - ich kann mich nicht erinnern, dass es mal eine mit sechsstelligem Euro-Betrag finanzierte Werbekampagne der Insel Fyn oder der dänischen Regierung gab mit dem Tenor, die Ursprünge der Seefahrt lägen am kleinen Belt. Im Gegenteil:

http://videnskab.dk/kultur-samfund/er-d ... til-europa

Wo sind wir mit unserer Geschichte zu verorten?

"Schwabenkultursprung" - Na gut ... :3:

PS: Mammute gabs auch in Südosteuropa :twisted:
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