Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

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Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon S. Crumbach » 14.12.2015 14:08

Ihr Lieben,

ich habe mal eine Frage: sind Pastinaken für die "Steinzeit" nachweisbar?

Spontan habe ich nichts gefunden.

Anlaß meiner Nachfrage ist das hier:

http://www.nwzonline.de/ammerland/kultu ... 37791.html
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon hugo » 14.12.2015 20:43

U. Körber-Grohne erwähnt 1987 Wildpflanzenfunde aus jungsteinzeitlichen Siedlungen der Schweiz und Südwestdeutschlands ohne Fundorte oder Zitate zu bringen. B. Cech erwähnt sie 2013 als Gemüse der römischen Küche, das in der Antike kultiviert worden sei, ebenfalls ohne Zitate.
Meine Bibliothek leidet halt ebenso wie ich an Überalterung.
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon ulfr » 14.12.2015 22:08

Na komm, also ... 2013 ... überaltert?

Schnellrecherche meinerseits kommt zum selben Ergebnis. Alle behaupten, dass allerlei Möhrchen, Knollen etc. in der neolithischen Gemüsesuppe schwammen, allein: es fehlt der Nachweis. In Arbon ist die Pastinake jedenfalls - im Gegensatz zum Sellerie - definitiv nicht identifiziert worden.
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon AxtimWalde » 15.12.2015 01:07

Für die Beschreibung unseres Kräuter – und Nutzpflanzenhorts im Museum habe ich mich vor kurzem eben mit diesem Thema beschäftigt. Aber wie bereits von Hugo und Ulfur erwähnt habe ich auch nur haufenweise Hinwweise ohne Verweise vorgefunden. Wie z.B.:

http://www.prospecierara.de/uploads/med ... eute_2.pdf
S. 8

Nach kurzer aber intensiver Suche bin ich auf den Artikel von Alfred C. Andrews gestoßen. (http://www.jstor.org/stable/265874) Er schreibt:

“Seeds of this umbellifer have been found in the dumps of Swiss and North Italien pile dwellings oft he neolithic and bronzages³….“

Unter Anmerkung 3 verbergen sich einige etwas ältere Literaturhinweise:
3: CF. A.O.Heer, „Die Pflanzen der Pfahlbauten“ Neujahrsbl. Naturf. Gesell. Zürich (1866) p 22; G. Buschan, „Vorrgeschichtliche Botanik der Cultur und Nutzpflanzen“ (Bresslau) 1895 p 148; J. Hoops, „Waldbäume und Kulturpflanzen im germ. Alt.“ (Strassburg) 1905 p 297: M. Much, „Vorgeschichtliche Nähr- und Nutzpflanzen Europas“, Mitteil. anthr. Gesell. Wien xxxviii 1908 p 216; E. H. L. Krause, „Die Nähr- und Gespinstpflanzen der vorgeschichtlichen Europäer“, Globus LXVIII 1898 p 81; G. Neuweiler, „Die prähistorischen Pflanzenreste Mitteleuropas“, Virteljahres. Naturf. Gesell., Zürich L 1905 p 101.
In wie weit diesen Quellen heute noch zu trauen ist, weiß ich leider nicht. Vielleicht hat ja jemand die Möglichkeit sie mal einzusehen. Über Erfolgsmeldungen würde auch ich mich freuen.
(Quelle: Alfred C. Andrews, „The parsnip als a Food in the Classical Era“, Classical Philology Vol LIII Nr 3 July 1958, Univerity of Chicago Press S 145-152)

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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon ulfr » 15.12.2015 10:49

Hai Kai,

ich kann mal die Schweizer Kollegen abfragen, ob sie die Bücher im Bestand haben bzw. ob da Genaueres bekannt ist.

Edith sagt: A.O. Heer hab ich schon gefunden, Du hast mail. Der letzte Herr im Zitat heißt Neuweiler, ich hab es in Deinem post schon geändert.
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon ulfr » 15.12.2015 11:57

Heer schreibt, dass unverkohlte Pastinakenfrüchte im "Pfahlbauboden von Moosseedorf" im Kanton Bern gefunden wurden. Aber auch das ist wieder nur ein Hinweis, dass die Templer und die Illuminaten ... (ad inf.)
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon AxtimWalde » 15.12.2015 12:56

Habe zwei Artikel gefunden! Krause (Autoren siehe oben) ist mal wieder allgemein und ohne Angaben. Anders E. Meuweller von 1905:

„Pastinaca sativa L.? kommt in unverkohlten Früchten in Robenhausen! Pol., K. und Moosseedorf 38 vor. Samen von Steckborn ! ! Pol. haben grosse Ahnlichkeit mit denen des Pastinaks, so dass sie ihm angehören können. Pigorini nennt ihn nach einer Bestimmung durch Heer auch von Fontinellato 85.“ S101
Die Abkürzungen bedeuten:
Pol. — Botanisches Museum des eidg. Polytechnikums in Zürich
K. Rosgartenmuseum in Konstanz.
38. Heer Oswald: Die Pflanzen der Pfahlbauten. 68. Neujahrsbh zürch. naturf. Ges. auf das Jahr 1866
85, Pigorini L.: Le abitazioni palustri di Fontinell ato dell' enoca del ferro Parma - I865.
! vom Verfasser überprüft
!! vom Verfasser neu bestimmt
Zu den Fundorten:
„Bodensee: Steckborn neolithisch….Im Kt. Zürich finden sich solche im Pfäffikersee: Robenhausen neolithisch (älteres, mittleres und jüngeres Neolithicum,.. Inkwil neolithisch und Moosseedorf neolithisch (mittleres Neolithicum) liegen im Berner Mittelland“ S32

LG
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon ulfr » 16.12.2015 10:48

Du hast wieder ne mail, Kai.
Die Bestimmungen von Heer sind nachvollziehbar bzw. überprüft, Neuweiler dagegen ist umstritten. Nach Mitteilung aus der Schweiz gibt es ingsgesamt 5 gesicherte Nachweise der Pastinake aus neuerer Zeit, alle aus dem Jungneolithikum. Nicht geklärt werden kann, ob es sich um Wild- oder Kulturpflanzen handelt, interessant ist allerdings die Konzentration der Funde in Egolzwil.
Also - ab in die Suppe damit!
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Re: Pastinaken als Leitbild ........ seit der Steinzeit

Beitragvon S. Crumbach » 17.12.2015 12:22

Danke :rhino:

Das hilft weiter!
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