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Beitragvon FlintSource » 23.02.2015 18:14

Pierre Pétrequin hat gerade die kompletten PDFs von seinem zweibändigen Magnum Opus über Jade im Alpinen Raum online gestellt. Auch für wen das Französische nich mächtig ist ein durchaus lohnenswerter Download (aufgepasst, insgesamt mehr als 150 MB, bei mir rauchen gerade die Leitungen). https://univ-fcomte.academia.edu/PierreP%C3%A9trequin/Books
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Re: JADE online!

Beitragvon ulfr » 23.02.2015 22:37

FlintSource hat geschrieben: bei mir rauchen gerade die Leitungen


Hier auch!!
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Re: JADE online!

Beitragvon Blattspitze » 24.02.2015 08:07

Super, danke für den Hinweis, Rengert.
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Re: JADE online!

Beitragvon FlintSource » 24.02.2015 10:34

Pétrequin macht gerade das, was wir allen machen sollten und stellt (fast) alles was er publiziert hat frei verfügbar auf academia. Lobenswert.
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Re: JADE online!

Beitragvon ulfr » 24.02.2015 11:36

FlintSource hat geschrieben:Lobenswert


Eigentlich hab ich gerade überhaupt keine Zeit, eine Diskussion vom Zaun zu brechen, aber das Thema beschäftigt mich trotzdem, seit ich Jaron Laniers Buch "Wem gehört die Zukunft?" lese. Lanier ist einer der Internetpioniere und beschäftigt sich ziemlich kritisch mit der Forderung nach "Alles für lau!"

Einer seiner Hauptkritikpunkte an dem derzeitigen System ist, dass der kreative Mittelstand keinen oder nur noch einen sehr geringen Mehrwert schafft, wenn alles, was er hervorbringt, umsonst zu haben ist, bzw. verdienen nur noch die Besitzer der großen Server an unserem geistigen Eigentum. Das ist bei Musik und Film schon lange der Fall, und bei Büchern nimmt es zu.

Ich bin auch bei academia.edu, aber ich stelle nur Beiträge ein, die älter sind als 10 Jahre oder vergriffen bzw. für die ich mir die Genehmigung vom Verlag eingeholt habe. Bei mir ist die Interessenlage natürlich auch eine etwas andere, weil ich eben nicht grundsätzlich monatlich von einer Institution bezahlt werde wie ein Wisenschaftler an einer Uni, der es sich leisten kann, ja im Prinzip sogar dazu verpflichtet wäre, seine Erzeugnisse nebenher frei verfügbar zu machen, weil sie ja grundsätzlich der Allgemeinheit gehören, die seine Forschung bezahlt.

Beispiel: guckl buks - tolle Sache, nutze ich gern und viel, habe gerade hunderte Folianten aus dem 17. und 18. Jhd. virtuell gewälzt und nach Zitaten durchsucht. Aber die Autoren bzw. die Drucker und Verlage sind seit Jahrhunderten tot und können eh kein Geld mehr damit verdienen. Deshalb ja auch die 70 Jahre beim Urheberrecht.
Wenn aber beispielsweise mein Verlag ein aktuelles Buch online stellt, in dem ich nur einer unter vielen Autoren bin, und der online-Leser will nur einen bestimmten Artikel, dann kann er ihn lesen, ohne meinen mitzukaufen, und ich gehe leer aus. Die Arbeit hatte ich trotzdem. Oder ich brauche aus einem online-Buch nur eine oder zwei Seiten, die glücklicherweise auch online sind - es sind ja nicht alle - muss ich eben nicht das ganze Buch kaufen. Sowohl Autor als auch Verlag gehen leer aus.

Dann: Schwarmintelligenz ... Wer alles glaubt, was bei Wikipedia steht, ist selbst Schuld. Nix gegen Wiki, nutze ich gern und spende jedes Jahr 25 Euro, aber man KANN eben von Freiwilligen NICHT erwarten, die Arbeit von bezahlten Autoren und Wissenschaftlern zu leisten, und so ist eben auch der Wahrheitsgehalt bzw. die wissenschaftliche Exaktheit. Dann lieber das gute alte Buch zuhause oder die Enzyklopädie.

Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, alles Wissenschaftliche ins Netz zu stellen, damit alles allen frei zugänglich ist, nur sollten die persönlichen Anstrengungen eines jeden zur Wissensvermehrung auch irgendwie materiell gewürdigt werden, sonst ziehen wir uns meiner Meinung nach den Teppich unter den eigenen Füßen weg und überlassen das Geldverdienen den Computerleuten.

Meine zwei Zeilen, gern Eure!
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Re: JADE online!

Beitragvon Blattspitze » 24.02.2015 13:26

Kann ich gut nachempfinden.
Einerseits ist`s toll und bequem (und demokratisch?), etwas mit wenigen Klicks für lau zu bekommen. Ich finanziere doch längst über happige Steuern direkt die meisten Forschungsinstitutionen, ihre Ausstattung und die Fachwissenschaftler, warum soll ich dann nochmal für die publizierten Ergebnisse bezahlen?
Offside:
„Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus, ohne dass die Betroffenen zu der plausibelsten Reaktion darauf, den antifiskalischen Bürgerkrieg, ihre Zuflucht nehmen. Das ist ein politisches Dressurergebnis, das jeden Finanzminister des Absolutismus vor Neid hätte erblassen lassen.“ Peter Sloterdijk)

Andererseits:
Wenn Papier bedruckt wird, entstehen natürlich weitere Kosten.
Bei "Freiberuflern" sehe ich eine Vergütungsverantwortung ein ...
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Re: JADE online!

Beitragvon FlintSource » 24.02.2015 16:59

OK, eigentlich sollte ich gerade Aufsätze schreiben, aber ich lasse mich doch in die Diskussion hineinziehen.

Ich glaube, es besteht wenig Zweifel daran, dass was mit öffentlichen Mitteln finanziert ist der Öffentlichkeit auch kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollte. Deshalb fordern Institutionen wie die DFG mittlerweile auch häufig, dass Ergebnisse in Open Access publiziert werden und stellen dafür auch die meist notwendigen Mitteln (author-pays-principle) zur Verfügung. Das ist eins.

Da schließt sich jetzt erstmal die Diskussion um die ‚Freibiermentalität‘ im Netz an, mit meinen beiden Lieblingssprüchen ‚Was nichts kostet, ist nichts wert‘ und ‚If you pay peanuts, you get monkeys‘, was ja auch bei Ulfrs Post durchklingt. Das haben wir bei der DGUF auch ausführlich durchexerziert, als wir die Archäologischen Informationen auf Open Access (hier folg jetzt der Werbeblock: Kein author-pays, echtes peer-review, Retrodigitalisierung der letzten 20 Jahrgänge (Arbeitsstand), sowohl für Mitglieder als Nicht-Mitglieder frei zugängig unter http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/index) umstellen wollten. Es gab einige prominente Gegner des Projekts, die fanden, dass wir nicht nur unser ‚Betriebskapital‘ und Alleinstellungsmerkmal verschenken, aber die Zeitschrift mit der kostenlose Verfügbarkeit auch abwerten. Glücklicherweise sah eine deutliche Mehrheit der Mitgliederversammlung das anders und war mit dem Projekt einverstanden. Nach zwei Jahren können wir jetzt feststellen, dass der große Mitgliederschwund ausgeblieben ist. Ein kurzes Lob an die Mitglieder der DGUF ist hier auch nicht fehl am Platz (ja ich weiß, Eigenlob…), die letztendlich mit ihren Mitgliedsbeiträgen dieses Projekt finanzieren, weil die Zugriffszahlen sind doch etwas hoch für die knapp 700 DGUFler, die zudem die Zeitschrift in gedruckter Form nach Hause geliefert bekommen. Damit haben wir also einen deutlichen Mehrwert für die Autoren geschaffen, die jetzt ein deutlich breiteres Publikum erreichen (http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/oastats.cgi?repo=ojs&id=arch-inf). Die Beurteilung, ob die Umstellung auch inhaltlich gelungen ist, überlasse ich den Lesern und längerfristig wird sich es auch in der Zitierfrequenz zeigen. Und nein, wie bei allen wissenschaftlichen Zeitschriften bekommen die Autoren kein Honorar. Auch die Redaktion/Herausgeber der Archäologischen Informationen sowie der Vorstand arbeiten rein Ehrenamtlich, nur Satz/Layout und Druck werden bezahlt.

Jetzt zur Sicht des Autors sowie des bezahlten Herausgebers. Meine doch nicht unerhebliche Produktion der letzten Jahre ist zum allergrößten Teil NICHT während der Arbeitszeit entstanden sondern in den Abendstunden, an Wochenenden etc. Nur an einigen ‚Pflichtbeiträgen‘ im Rahmen meines jetzt auslaufenden Projektes habe ich während der regulären Arbeitszeit geschrieben. Dafür habe ich in den vergangenen drei Jahren jedoch Hunderte Stunden verbracht mit Redaktion, Korrektur, Ausschreibungen und Produktion von drei Tagungsbänden sowie einem Katalog. Damit haben wir über 100 Aufsätze veröffentlicht, die jedoch nicht regulär öffentlich zugängig sind, nur für den letzten Band, der in etwa drei Wochen erscheint ist eine öffentliche Bereitstellung auf der Projektwebsite geplant, was jedoch wieder ein anderes Paar Schuhe ist. Grundsätzlich sollten diese Bände, die zu 100% mit Fördermitteln der EU entstanden sind, natürlich frei abrufbar sein, wofür jetzt einen Umweg begangen wird (die einschlägige Website wurde bereits in einer früheren Post erwähnt). Also für diese Herausgeber-Tätigkeit werde ich regulär als Wissenschaftler bezahlt. Was kostet das? Wie man mit öffentlich zugängigen Gehaltsrechnern nachvollziehen kann, kostet ein Wissenschaftler im öffentlichen Dienst (TVL/TVöD 13) etwa 60.000 € Arbeitgeber Brutto, also grob 30 € die Stunde, ohne Overhead etc., für Freiberufler müsste man diesen Stundensatz etwa verdoppeln.

Was wäre also eine faire Vergütung von Autoren auf dieser Basis? Alle folgende Angaben sind Pi-mal-Daumen-Werte (der Amerikaner würde sagen ‚ballpark figures‘, der Brite ‚educated guesses‘). Das Schreiben eines Kurzberichtes von 1500-2000 Anschlägen für ‚Aus der Landesarchäologie‘ in AiD braucht inklusive Abbildung etwa zwei Stunden, das wäre also 60 bis 100 €. Mit einem Vierseiter von 12.000 Anschlägen in der gleichen Zeitschrift oder in vergleichbaren Ausgaben ist man doch schnell acht Stunden beschäftigt, inklusive Korrektur, Softproofs und Abbildungen können es schnell zehn werden. Ein regulärer Tagungs-Beitrag umfasst meistens etwa 25.000 Anschläge und abhängig wie anspruchsvoll der Inhalt ist, wie gut man gerade in der Materie steckt, wie groß das Autorenteam ist und in welcher Sprache der Artikel verfasst werden soll, steckt da doch schnell eine Woche Arbeitszeit drin. Für einen Aufsatz in einer peer-reviewten, gerankten Zeitschrift mit mehreren Autoren, aufwändiger Literaturrecherchen kann man locker einen Monat, wenn nicht gar zwei, Veranschlagen, wenn die Reviewer dann noch etwas zu meckern haben und es müssen größere Änderungen vorgenommen werden, kommen da schnell noch zwei Wochen Arbeitszeit hinzu. Setzten wir das Ganze mal mit acht Wissenschaftler-Wochen fest, kostet das knapp 10.000 €. Und dann reden wir nur über das zu Papier bringen von Forschungsergebnissen.

Praxisnahes Beispiel aus gegebenem Anlass: Aufsatz für den EXARC-Band Albersdorf ‚Archaeology and Crafts‘ zu Ergersheim. Da stecken von der reinen Schreiberei mit Korrekturrunden her locker 80 Stunden drin, mit hin und her wegen Abbildungen und der ziemlich korrekturbedürftigen Softproof kommen da sicherlich 100 Stunden zusammen, Kassa! Aber sind das nur die paar Tausender Schreibzeit? Wir berichten über Geländeversuche wobei jeweils grob überschlagen 20 Leuten 20 Stunden im Wald verbringen und das viermal, also 1600 Stunden, wobei Anreise, Herstellung von Werkzeug (von der Rohmaterialbeschaffung bis zur Dokumentation der fertigen Geräte), Übernachtungskosten und Organisation noch nicht mal eingerechnet sind also ein Verhältnis von grob 20:1 zwischen Experiment und Schreiben! Wie soll man das berücksichtigen? Oder sollen wir Ergersheim streichen, weil keiner uns dafür bezahlt?

Jetzt mal einen Blick auf die Einkommens-Seite: Wenn ich meine Publikationsliste so anschaue, sind das sechzig und ein paar Zerquetschten, rechne ich mal die drei oder vier Beiträge raus, die ich tatsächlich während der Arbeitszeit geschrieben habe, bleiben etwa sechzig Veröffentlichungen stehen. Für haargenau eins (1) davon habe ich ein Honorar in Höhe von 80 Euro bekommen. Das sind bei über 20 Jahren Autorentätigkeit knapp vier Euro im Jahr. Natürlich melde ich meine Aufsätze auch immer brav bei der VG Wort an, da werden die Gelder verteilt, die über die Abgabe von Kopierer etc. hereinkommen (liebe Leser, bitte ganz eifrig kopieren und scannen!). Das ist bereits etwas besser, da kommen im Jahr zwischen 70 und 100 Euro zusammen, also eine gute Flasche Malt-Whisky. Wenn allen jetzt ihre Aufsätze online stellen, wird weniger kopiert und gescannt und damit wird diese Einkommensquelle auch weniger, also da benachteilige ich mich selber. Aber letztendlich fällt es nicht ins Gewicht, für mich ist publizieren tatsächlich ein brotloses Geschäft, das ich mir nur leisten kann, weil ich einen regulären Job habe, in dem ich jedoch auch viele Ergebnisse sammle, die ich für meine Publikationen verwende.

Und jetzt holen wir Jeremy Bentham mal wieder aus dem Schrank (kann man tatsächlich wortwörtlich machen: http://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Bentham#mediaviewer/File:Jeremy_Bentham_Auto-Icon.jpg)
Wenn es für mich keine (finanziellen) Nutzen bringt zu publizieren, aber ich mit dem Online-Stellen auch kaum Nachteile empfinde, jedoch viele Leser gewinne und dazu durch das Verfügbar machen auch Kollegen helfen kann, bin ich moralisch gezwungen dies zu tun (jetzt mal etwas überspitzt formuliert). Fast jeder von uns kennt die Situation, in dem man keine Bindung an einem Institut hat und somit schlechter Zugang zur Bibliothek und speziell Fernleihe. Und auch sonst: Die Verfügbarkeit im Netzt spart extrem viel Zeit und die Recherche kann bequem von zu Hause ausgeführt werden, denke da auch mal an etwas weniger mobile Zeitgenossen. Wer das System verwendet, sollte auch beitragen, wobei wir Kant heranziehen könnten. Und wenn ich die Klickraten auf meinen Artikeln bei Academia aus dem ehemaligen Ostblock sehe und ich weiß, wie es da um die Archäologie gestellt ist und wie die Bezahlung der Kollegen dort aussieht, dann spricht alles dafür sämtliche wissenschaftliche Werke frei verfügbar zu machen. Und Webportale wie Academia und Researchgate profitieren vielleicht davon, aber das ist kein Vergleich mit den großen Verlagshäusern wie Elsevier und Konsorten. Aber das ist ein anderes Thema, ich habe auch noch anderes zu schreiben…..

Und natürlich ist es auch kein Ersatz für richtige Bibliotheken und sind einzelnen Beiträge häufig aus dem Verband gezogen, findet man in Aufsatzsammlungen wie auch in Bibliotheken doch immer wieder schöne Sachen, wonach man gerade nicht auf der Suche war. Aber wir reden hier von einer Ergänzung, nicht von Ersatz.
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Re: JADE online!

Beitragvon Trebron » 25.02.2015 11:02

Das was ich in Schulen und Museen tue, kann ich nur, weil fast alles was ich weis und kann aus öffentlich zugänglichen Medien und Veröffentlichungen stammt.

Die AiD und Experimentelle Arschäologie in Europa habe ich im Abbo und kaufe auch ettliches an Büchern die ich mir leisten kann !

Auch werden keine "Geschäfte" mit dem für Lau erworbenem Wissen gemacht.

Ich bin froh über alles was frei zugänglich ist, verstehe aber auch die, die ihren Lebensunterhalt für sich und Familie über ihre Selbständigkeit finanzieren müssen.

Vielen Dank an dieser Stelle auch diesem Forum !!! :18:


:mammut2:
Wer nur zurück schaut, sieht nicht was auf ihn zu kommt
Uff pälzisch: wä blos zurigg guggt, sieht net was uff`ne zukummd
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Re: JADE online!

Beitragvon LS » 25.02.2015 11:13

Hallo zusammen,
IMHO fahren die meisten Verlage heute zweigleisig, indem sie PDFs an die Autoren herausgeben und sowohl Bücher als auch PDFs verkaufen wollen. Wer das nicht will, sollte sich konsequenterweise einen Verlag suchen, der nicht mal an die Autoren PDFs rausgibt. Ansonsten finden die PDFs immer ihre kostenlosen Wege zu den Interessenten...
Etwas anderes war der Frontalangriff von Google vor einigen Jahren, alles was sie in die Finger kriegen konnten einzuscannen. Verlag A. Hörnig hat das übrigens sogar genehmigt, weil sie es als Werbeeffekt für ihre Bücher ansehen, so wie ich das aus erster Hand gehört habe. Nun ist das online-Lesen noch kein vollwertiges PDF, aber da beginnt es für freiberufliche Autoren haarig zu werden. Zum Glück scheint es für gute Bücher aber noch genug Käufer zu geben, die zusätzlich auch mal am Buch riechen wollen oder sowas... :)

Grüßle, L

PS: Stimme dem leidenschaftlichen Kurzroman von Rengert zu, aber das weiss er eh...
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Re: JADE online!

Beitragvon ulfr » 27.02.2015 17:22

LS hat geschrieben:Verlag A. Hörnig hat das übrigens sogar genehmigt, weil sie es als Werbeeffekt für ihre Bücher ansehen, so wie ich das aus erster Hand gehört habe.


Das stimmt, und ich war gar nicht so recht glücklich darüber, aber wollte mich auch nicht dagegen stemmen und bin auch nicht wirklich böse drum. Mir hätte aber eine kurze Leseprobe von 5 Seiten gereicht, wie es andere Verlage auf ihren Websites anbieten, als Appetithäppchen reicht das :3:

Ich kann Eure Argumente verstehen, aber Lanier geht in seinem Buch weiter. Er denkt, dass eine Informationsgesellschaft, die asymmetrisch läuft, irgendwann kollabieren muss, wie ein Schneeballsystem. Und unser System, wie es derzeit funktioniert, läuft asymmetrisch, weil die Besitzer der großen Server die Informationen, die wir tagtäglich umsonst ins Netz einspeisen - und das sind nicht nur Forenbeiträge, sondern ALLE Daten -gewinnbringend verwerten, ohne dafür zu bezahlen. Hinter academia.edu steckt natürlich nicht nur die altruistische Einstellung, alle wissenschaftlichen Informationen allen zugänglich zu machen, sondern auch große Firmen wie True Ventures, Spark Capital etc, wie man dem "About" entnehmen kann, also Firmen, die Daten für die Werbung analysieren, start-up´s fördern, Investment managen etc.

Eine weitere Problemzone ist derzeit noch nicht spürbar, aber es wird daran gearbeitet, die so genannte Netzneutralität aufzugeben. Bisher ist das Netz überall gleich schnell - wer weiß, wie lange noch. Irgendwann könnte es vom Geldbeutel abhängen, wie schnell man im Netz unterwegs ist, und dann ist Pustekuchen mit "alles für jeden für lau" - Ende der "Demokratie" im Netz!

Lanier schlägt eine zwei-Wege-Verlinkung vor, die eine humanistische Informationsökonomie aufbaut. D.h., jede Information im Netz kann bis zur Quelle zurückzuverfolgt und daher auch monetarisiert werden. Stellt Euch vor, alle posts in diesem unserem Forum würden dem Poster Mikrobeträge einbringen - das täte dem zahlenden Leser nicht unbedingt weh, würde aber für mehr als nur einen Kasten Bier reichen. Denn auch die Infos in diesem Forum bringen anderen Leuten Geld - uns nicht. Ist auch nicht primär meine Absicht, ich denke, wir alle tragen ja gern zu unserer gegenseitigen Bildung bei, aber wir werden ja auch von anderen Lesern genutzt.

Ist vielleicht ein zu großes Thema für eine Diskussion hier - vielleicht in Ergersheim? Oder bei Flintmetz im Mai? Oder doch an Ort und Stelle ...?
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