Hühner in der Eisenzeit

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Hühner in der Eisenzeit

Beitragvon Claudia » 26.11.2009 17:41

Ich wußte bis vor kurzem (u.a. auch aus der Diskussion in diesem Thread), daß Hühner zwar um 500 v.Chr. im Hallstattbereich auftauchen (z.B. Heuneburg), daß sie sich aber nicht so früh bis nach Norddeutschland in die Jastorfkultur verbreitet hätten und erst mit den Römern hierher gekommen wären und erst im Laufe des 3. Jh. in der Germania Magna auftauchen würden.

Nun habe ich neulich beim Blättern im Museumsshop in Brandenburg eine Veröffentlichung von 1967(!) gefunden, in der zwei Hühnerknochen aus einer Schicht Spätbronzezeit/frühe Eisenzeit aufgeführt werden und weitere 14 Hühnerknochen von mindestens 5 Exemplaren aus Schichten der vorrömischen Eisenzeit/RKZ.
Die Siedlung ist Wüste Kunersdorf im Oderbruch, also nicht gerade eine Gegend, die in der Kontaktzone zur Hallstatt- oder Laténekultur liegt und generell keine reiche Gegend. Die Böden dort waren wohl schon in der Eisenzeit nicht so dolle, wenn ich das richtig verstanden habe.
Die Veröffentlichung ist diese hier: Klick
Außerdem ist dort ein weiterer Hühnerknochenfund aus einer Siedlung der Lausitzer Kultur erwähnt.

Das hat mich doch erst mal ziemlich aus den Socken gehauen. Meine Frage wäre nun, ob es eine Neubewertung dieser Funde gibt? Oder sind die schlicht übersehen worden?
Und gibt es eventuell noch von woanders aus der Germania Magna Hühnerfunde vor dem 3. Jh.?

Wenn ich jetzt auf diesem Gebiet schon alles umschmeißen muß, was ich bisher wußte, möchte ich nun wenigstens gründlich sein.
Könnt ihr mir da weiterhelfen?
Claudia
 
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Beitragvon ulfr » 26.11.2009 19:13

Benecke schreibt in "Der Mensch und seine Haustiere" (Theiss 1994):

"Während das Haushuhn in [Mittel]Europa in der Hallstattzeit noch selten ist, findet seine Haltung in der anschließenden Latênezeit eine weitere Ausbreitung."
Er zeigt auf einer Karte für unseren Raum mehrere Fundplätze aus dem 7. - 6. Jhd. v.Chr.: Hoogkarspel (NL), Wallerfangen, Breisach-Münsterberg, Heuneburg, Nersingen, , Schirndorf und Frankfurt/Oder-Lossow, Kunersdorf ist bei ihm unter Latêne aufgeführt. Weiter im Osten gibt es noch Tuchomerice (CZ), Tolkmicko, Slupka, Kotlin und Kruszwica (PL)

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Beitragvon S. Crumbach » 29.11.2009 17:35

"Das Haushuhn ist im Arbeitsgebiet zumindest seit der Früh/Mittellatene Zeit belegt..." S. 280

Aus Cosack, Erhard: (unter Mitarbeit von Evelin Herzog und Klaus Günter Cullig)
Spuren eines Verfahrens zur Lebensmittelkonservierung an Kaiserzeitlichen Scherben aus dem "Südhannoverschen", Niedersachsen
in: Arch. Korrespondenzblatt Jahrgang 37, 2/2007
Zuletzt geändert von S. Crumbach am 29.11.2009 18:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Claudia » 29.11.2009 18:08

Danke, Sylvia - ich krieg demnächst wahrscheinlich eine Kopie von dem Artikel :-)
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Beitragvon Thomas Trauner » 30.11.2009 13:31

Einen Fundort für HaC hätte ich noch:

Altenberg, Oberasbach, Lkr Fürth. Altgrabung, publiziert 1987 von J.P.Zeitler, Verlag NHG.

Zumindest damals der früheste Nachweis nördlich der Alpen.

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Beitragvon Claudia » 30.11.2009 14:01

Hallstatt und Süddeutschland ist nicht das Problem - mich interessiert die Verbreitung im germanischen Bereich (besonders östlich der Elbe), weil da halt postuliert wurde, bis da seien Hühner nicht so früh vorgedrungen.

Aber trotzdem Danke!
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Beitragvon Claudia » 30.11.2009 14:06

Die Karte von Ulfr zeigt ziemlich viele frühe Fundstellen, auch östlich der Elbe und sehr weit nördlich. Leider gibts zu der Karte keine Literaturverweisliste, so daß ich jetzt erst mal versuchen werde, die Publikationen zu den Einzelfunden zu finden - ich melde mich dann wieder.
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