Gürteltaschen

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Gürteltaschen

Beitragvon Sven » 24.07.2008 10:05

Hallo, ich bin ja nun fleissig dabei Bücher zu durchstöbern usw um mir erstmal ein recht autentisches Bekleidungsbild für Germanen der frühen Kaiserzeit zurecht zu legen. Aber was ich bis Dato noch nirgends gefunden habe sind Beschreibungen zu eventuellen Gürteltaschen/Beutel. Gab es sowas? Denn ich denke das auf Reisen usw. ja sicherlich private Dinge wie Scheren, Wetzstein, Schlageisen und Reisig oder Baumpiltz mitgetragen wurde. Eventuell sogar auch sowas wie ein Brotbeutel?
Nun die Frage währen solche Gürtelgehänge aus Leder und oder auch aus Wolle/Leinen? Und währen Gürtelschlaufen an diesen Beuteln/Taschen vorhanden?

Das sie wohl Ringe an den Gürteln hatten um dort Dinge anzubringen habe ich schon in Erfarung gebracht, jedoch glaube ich das das wenn wohl eher für Schlageisen oder ähnliches gedacht war.

Gruß Sven
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Beitragvon Martin » 24.07.2008 10:51

Hi Sven,

ich hab mich mit dem Thema mal sozusagen von der anderen (römischen) Seite her beschäftigt und dazu hier was geschrieben. Vielleicht hilft dir das und die von dort weiterführenden Links ja schon mal weiter.
Baatz erteilt in seinem Artikel als Antwort auf den von Schulze (beide dort gelistet) solchen Gürteltaschen wie du sie ansprichst wenigstens von römischer seite her eine für mich überzeugende Absage.
Aber vielleicht weiß ja hier jemand noch mehr zum Thema?

Viele Grüße,

Martin
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Beitragvon Sven » 25.07.2008 10:20

hm.. keiner unserer germanischen Sippenangehörigen die etwas dazu zu sagen haben?
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Beitragvon Bullenwächter » 25.07.2008 15:42

Das einzige was mir einfällt sind einfache Lederbeutelchen.

Der Schriftsteller Plautus im ca. 2./3. Jh v. Chr. erwähnt bei den Germanen ein "sacciperium" vielleicht eine Art Umhängetasche oder Jagdbeutel, ohne genauer darauf einzugehen, er erwähnt auch Brustbeutel für Geld.

Sicher dagegen ist ein Lederbeutelchen aus Illerup-Ådal das aus einem runden Stück Leder besteht und einen kleinen Metallring als Verschlußteil hatte - ich kann jetzt allerdings nicht sagen, aus welcher Niederlegungsphase der Beutel stammt.

Umhängetaschen mit einer Menge Bronzebeschlägen, vielleicht Jagdbeutel oder Satteltaschen, gibt es aus Marwedel, 1. Hälfte 2. Jh.
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Beitragvon Chris » 26.07.2008 09:34

Sven hat geschrieben:hm.. keiner unserer germanischen Sippenangehörigen die etwas dazu zu sagen haben?


bin zwar kein "germanischer Sippenangehöriger", die sind nämlich alle seit mindestens 1500 Jahren tot - aber wie wäre es neben Marwedel I und II, Illerup Adal usw. mal mit Gommern ? da gibt es, was Du suchst....
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Beitragvon Sven » 26.07.2008 15:02

Ok danke werde mich mal da schlau machen undd as mit den Sippenanghörigen ging mehr in Richtung der Darstellergruppen ;)
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Beitragvon Jeroen Zuiderwijk » 12.08.2008 11:00

From Museum Burg Linn, Krefeld:

Bild

Bild

Description:
http://1501bc.com/page/krefeld/04290120.jpg
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Beitragvon Bullenwächter » 12.08.2008 11:50

Vielen Dank - schöne Fotos, auf denn man viele Details erkennen kann.
Nur, die Tasche ist leider nicht kaiserzeitlich ...
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Beitragvon Jupp » 12.08.2008 12:51

... Das sie wohl Ringe an den Gürteln hatten um dort Dinge anzubringen habe ich schon in Erfarung gebracht ...


In der frühen Kaiserzeit, wäre mir neu.
Es gibt Beschläge mit einer ringförmigen Öse, z.B. aus dem Illerup Adal- oder Thorsberghorizont, die der Gürteltracht zugeschrieben werden. Jedoch um 200 datiert.

In der späten Kaiserzeit, als die echten Männergürtel hip wurden (kerbschnittgraviert mit astragalierten Abschlussröhrchen) sind lose Ringe, die mittels einer Zwinge (um 400 oft mit einer Rosettenzierscheibe) am Gürtel angenietet wurden sehr häufig zu finden.

Die hier abgebilderte Kradmeldertasche aus Krefeld-Gellep ist leider auf das ausgehende 6. - beginnende 7. Jhd.n.Chr. datiert, also merowingerzeitlich.

Hilft dir aber alles nicht weiter. Und genauere Angaben können wir wohl kaum machen, da deine Angabe zur Zeitstellung nicht besonders genau ist, da die Gürtelmode sehr stark Modeschwankungen unterlag.
Daher wäre es sinnvoller, wenn du uns mal ein genaueres Datum (+-10 Jahre) oder die archäologische Zeitstellung nennen könntest, die dich interessiert.

Ich persönlich gehe aber ehr von einfachen, ledernen Beuteln, als von richtigen Taschen aus.
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Beitragvon Sven » 12.08.2008 14:44

Sehr schöne Fotos, zu der genauen Angabe der Zeit wüdre ich sagen 50 vor der neuen Zeitrechnung bis ca 100 nach der neuen Zeitrechnung.
Was jetzt die genaue archäoligische Zeitstellung ist bin ich mir noch unsicher, muss noch ne menge lernen.
Ich gehe auch erlich gesagt mehr von Beuteln aus Leder oder Stoff aus. Frage nur ob es sie als Umhängebeutel gab oder auch mit Ringen oder ähnliches am Gürtel befestig wurden.
Gruß Sven
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Beitragvon Jupp » 12.08.2008 16:52

@ Sven
Ich habe mal (grob) gestöbert, muss allerdings auch bekennen, das vor Christi nun überhaupt nicht meine Baustelle ist.
Für die erste Hälfte des 1.Jhd. habe ich keine Hinweise für Taschen bei germanischen Völkern gefunden.

Aus Harsefeld, Kreis Stade, gibt es Hinweise eines kleinen ledernen und mit Buntblech beschlagendes Täschchen für ein Messer mit Sichelförmiger Klinge (Rasiermesser?), das mal um 1954 von H. Drescher rekonstruiert wurde. Die Datierung soll so um die Mitte des 1.-2.Jhd. angesiedelt sein.

off topic
150 Jahre halte ich für sehr grob ...
Ich würde meinen Darstellungsrahmen viel weiter eingrenzen. 20 Jahre können schon zu viel sein.
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Beitragvon Sven » 12.08.2008 16:59

ok danke für den tipp. Im moment stelle ich halt so manche fragen weil ich mit dem recharchieren in Biblioteken noch etwas probleme habe.

Gruß Sven
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Beitragvon Jupp » 12.08.2008 17:12

... keine Panik, aller Anfang ist schwer! Und besonders, wenn man noch nie mit Recherche in Kontakt gekommen ist.

Schau dir mal die Literaturlisten div. Gruppen an. Da finden sich spannende Hinweise.
Z.B.: http://www.projekt-brukterer.de/frameset_literatur.htm
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