Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

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Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon Roeland Paardekooper » 20.09.2011 22:26

Wikipedia sagt:
Activities related to "reenactment" have a long history. The Romans staged recreations of famous battles within their amphitheaters as a form of public spectacle.

http://en.wikipedia.org/wiki/Historical_reenactment
Finde ich schön, dass die Römer schon eine Art ‚Living History‘ machten. Gibt es da bessere Belege als ‚nur‘ Wikipedia? Wer weiß welcher Römischer Autor oder so das beschrieben hat?
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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon Segestes » 21.09.2011 05:00

Es wäre interesant wenn der Schreiber beim Wiki seine Quelle für diese Behauptung preisgeben würde.
Den bei Wikipedia kann jeder schreiben wie er lustig ist.
So mit traue ich Wiki-Einträge nicht sonderlich. Ist aber nur meine Meinung.
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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon Turms Kreutzfeldt » 21.09.2011 06:55

Das einige Kaiser historische Schlachten mit Gladiatoren nachstellten, taucht in Publ. immer wieder auf. Es muss da also einen Ursprungshinweis geben (Wo sind die Gladiatoren-Experten?)
Das ist nicht nur eine Wiki-Ente.

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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon Bullenwächter » 21.09.2011 11:11

Im deutschen Wikipedia-Artikel wird im Absatz Reenactment - Geschichte und Entwicklung wird folgende Quelle angegeben:

Jan Carstensen, Uwe Meiners, Ruth-E. Mohrmann (Hrsg.): Living History im Museum", Waxmann Verlag, 2008, ISBN 3-8309-2029-6, S. 119.

Diese bezieht sich aber möglicherweise nur auf die direkt davor stehende Aussage zu den mittelalterlichen Passionsspielen.

Etwas mehr gibt der zweite Absatz von Gladiator - Lebenserwartung eines Gladiators und folgender Artikel her: Naumachie.

Als primäre Quelle wird Gaius Sueton angegeben: http://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/R ... s*.html#21
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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon Roeland Paardekooper » 21.09.2011 13:16

In the year 80 AD, Emperor Titus organised a large event to celebrate the inauguration of the Flavian Amphitheatre, including re-enactment:
the third day saw a naval battle, from which a land-engagement ensued (Dio, LXVI.25.4). Titus re-enacted Athens’ historically disastrous attack on Syracuse in 414 BC

K. M. Coleman, Launching into history: aquatic displays in the Early Empire, Journal of Roman Studies 83, 1993, 67.
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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon Medusa » 21.09.2011 15:49

Ich bin z. Z. fern meiner ganzen Bücher, kann also nur aus dem Kopf sagen, daß es ab der Kaiserzeit (bin mir nicht sicher, ob nicht sogar Caesar schon so etwas machte, das wäre ja dann Späte Republik) diese Naumachien (Seeschlachten) gab, wo historische Schlachten dargestellt wurden. Die dort eingesetzten Kämpfer waren aber keine Gladiatoren sondern zum Tode verurteilte Verbrecher. Es sollte ein Massenabschlachten geben. Da nicht gewährleistet war, daß die Schlacht dann auch so ausging wie die historische, haben die Römer also nie Schlachten Römer gegen irgendwen aufgeführt, sondern immer Griechen geben irgendwen etc.

Aber auch bei den Hinrichtungen, die während eines munus (Veranstaltung morgens mit Tierkämpfen, mittags Hinrichtungen und nachmittags Gladiaorenkämpfe) wurden oftmals der griechischen Mythologie entstammende Ereignisse dargestellt, mit dem Ziel, daß der Verbrecher halt dabei umkam. Hierzu gibt es auch einen Artikel von Kathleen Coleman:

“Fatal charades: Roman executions staged as mythological enactments,”
Journal of Roman Studies 80 (1990), 44–73,
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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon KatrinA » 26.09.2011 15:59

Hallo,
ist natürlich wieder mal die Frage, wie man "Reenactment" definiert. Wie wir wissen, verwendet Prof. Hochbruck für die Aufführung konkreter historischer Ereignisse (und m. E. nicht ganz präzise auch für andere Formen der Living History) den Begriff "Geschichtstheater".
Zu Zeiten, als Darbietungsformen wie Bücher oder später Doku-Filme noch nicht zur Verfügung standen, hatte Theater m. E. in der Tat auch die Funktion, das Publikum über historische Ereignisse (mehr oder weniger tendenziös, aber das ist heute noch so) zu informieren.

Insofern würde ich schon "Die Perser" von Aischylos
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Perser
als eine Form des "Geschichtstheaters" ansehen. Wobei darin, so weit ich informiert bin, nicht die Schlacht selbst nachgestellt wird, sondern ihre Umstände mit Mitteln des Theaters beschrieben werden.

Wenn man es so betrachtet, waren die Römer wohl nicht die ersten. Ob die Griechen auch schon - z. B. bei irgendwelchen Fest- und Weihespielen historische oder legendäre Ereignisse nachstellten, weiß ich im Moment nicht.

Meine 2 Drachmen,
Ekaterini.
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Re: Römisches Reenactment, 2.000 Jahre her?

Beitragvon ulfr » 26.09.2011 18:31

Wahr gesprochen!
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
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