700.000 Jahre Niedersachsen?

700.000 Jahre Niedersachsen?

Beitragvon ulfr » 21.07.2008 19:51

Hobby-Archäologe entdeckt 700.000 Jahre alte Knochenfragmente in einer Kiesgrube bei Sarstedt. mehr...

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Beitragvon Hans T. » 21.07.2008 20:52

Interessant...die Datierungsmethode würde mich auch interessieren...

H
"Des is wia bei jeda Wissenschaft, am Schluß stellt sich dann heraus, daß alles ganz anders war."
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Beitragvon ulfr » 21.07.2008 21:34

Bin ich übergefragt, kann ich aber rausfinden...
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Beitragvon Thomas Trauner » 22.07.2008 07:52

Pithecanthropus erectus
und
Die Übereinstimmung mit asiatischen Funden, vor allem aus Indonesien, sei frappierend, fast könnten es Zwillinge sein, berichtet der Anthropologe. Dies lege nahe, dass Europa von Asien aus besiedelt wurde. «Die Theorie, Afrika sei die Wiege der Menschheit, wird von immer mehr Fachleuten infrage gestellt», erklärt Czarnetzki.


Jedesmal diese Sensationshascherei bei Menschenfunden. Und diese dauernde Umbennungen, damit man ja merkt, dass wieder ein anderer Bearbeiter am Werk ist.
Czarnetzki gefällt halt diese Theorie, weil sein Fund aus Georgien da rein passt. Von "Asien" nach Europa. War sicher so. Der Nahe Osten als Verbindung ist ja Asien. Und ob die Menschen dann erst links oder rechts abgebogen sind......
Mit Afrika hat das alles nichts zu tun. Da kommen halt immer noch die ältesten Funde her.
Zur Datierung. Wahrscheinlich eine Mischung aus Geologie und Typologie.

Interessant ist es jedenfalls. Aber keine Überraschung. Der Fund aus Georgien datiert wohl um 1,5-1,8 Mio. Da bleiben immer noch 750.000 Jahre um von dort nach Niedersachsen zu laufen, also rund alle 25.000 Jahre ein Kilometer.

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Zeit der Jäger

Beitragvon Trebron » 22.07.2008 09:37

aus GEO-Kompakt Heft Nr. 13
Seite 33, letzter Satz des Artikels:

"Die Forscher streiten noch darüber"

Ansonsten finde ich das Heft sehr interessant, nur der Bericht über den "Ötzi" finde ich etwas zu "fantasiereich".

Ich gehe mal davon aus, dass viele das Heft kennen. Eure Meinung dazu wüsste ich gerne.

Gruß

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Beitragvon Thomas Trauner » 22.07.2008 11:45

Sagt mir jetzt nichts. Ich habe das Heft vermutlich, mir fällt das Zitat jedoch nicht ein. Worüber streiten Sie denn ? Über die Out-of-Africa-Theorie ? Über diese neuen Veröffentlichungen der Franz/Chinesischen Forschergruppe, die die Entwicklung in China sieht ? Über das "Kandelabermodell", dass von einer "gleichzeitigen, parallen" Entwicklung in mehreren Kontinenten ausgeht ?

Neugierig in Nürnberg

Thomas
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Streit

Beitragvon Trebron » 22.07.2008 12:08

Hallo Hans,

in dem speziellen Fall sind es Dietrich Mania und Clemens Pasda über Schöningen und Bilzingsleben !

Wenn Entdecker und Nachfolger sich streiten, was soll der Laie dann glauben ????

Wenn die "Kandelaber-These" besagt, dass in mindestens 6 Weltregionen, fast gleichzeitig die Landwirschaft "erfunden" wurde, dann steht auch darüber was drin.

Etwas verwirrt in Haßloch

Trebron
:argh:
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Beitragvon Thomas Trauner » 22.07.2008 15:35

Norbert ....Thomas, ich bin Thomas....

Ich habe das Heft wohl doch nicht.
Ich kenne leider auch die aktuelle Diskussion zu Bilzingsleben und Schöningen nicht.
Wenn es sich um die Zuordnung der dortigen Menschenfunde zu einer bestimmten Spezies dreht... nun ja, da wird immer gestritten. Kannst Du da zitieren, über was die streiten ?

Das Kandelabermodell bezieht sich auf die gleichzeitige, paralle Entwicklung der Menschenarten in verschiedenen Kontinenten, sorry, da war ich nicht genau genug.

Thomas.
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Beitragvon ulfr » 22.07.2008 16:17

Vielleicht sollten wir in Zukunft einfach "Herr Trauner" schreiben, und derjenige der gemeint ist, fühlt sich bitte angesprochen :D
Wir hatten so eine ähnliche Situation mal, als wir auf einer Museumsbaustelle Wolf, Rolf, Ralf und Wulf beisammen hatten, Außenstehende riefen irgendwann nur noch "...lf!" :lol:

Thomas, mehr Info hier... und am heimischen Herd...

Im Prinzip gehts darum, dass Mania bekanntlich in Bilzingsleben einen kompletten Lagerplatz des HE sieht, mit allen Schikanen wie Hütten, Arbeitszonen, Kochstellen, einem Ritualplatz?, während Pasda die Meinung vertritt, ein solches Lager habe es nie gegeben.
Er sieht als Grund für die Häufung von Tierknochen und die an Steinen und Knochen zu beobachtenden (Bearbeitungs)Spuren taphonomische Ursachen.
Kurz, "Mania sieht Schöpfer am Werk, Pasda Kräfte der Natur"

Kurzauszüge aus "Zeit der Jäger" von Malte Henk, GEO Kompakt Nr. 13, 2007

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Beitragvon Mark77 » 22.07.2008 18:08

Alos ich hab im Sommer 2004 unter Clemens Pasda in Bilzingsleben mitgegraben. Wie Ulfr schon richtig erleuterte ist der Streitpunkt die Frage, ob es ein Fundplatz mit Behausungsspuren und allem anderen dazugehörigen ist (Manias Deutung) oder ob es sich einzig und allein um eine Anschwemmung der gefundenen Materialien handelt (Pasdas Meinung). Viele Indizien deuten auf Letzteres hin (z.B. die Streuung der Menschenknochen oder die geologische Situation). Jedoch sollte man - wie es 2004 einer der früheren Grabungshelfer Manias ansprach - nicht mit eiserner Verbissenheit auf sein Recht pochen sondern versuchen den Fundplatz weiter auszuschöpfen. Wer den Grundrissplan kennt, merkt sofort, dass noch viel Potenzial und Fläche vorhanden ist, die darauf wartet ergraben zu werden.
An sich also ein typischer Streit von Altehrwürdigen und Jungspunden! *seufz*

Anbei ein Photo vom sog. "Plaster" / Ritualplatz von Bilzingsleben. (nicht wundern, ich hatte es mir auch anders vorgestellt!)
Bild
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Beitragvon Krtek » 22.07.2008 19:39

Nun ja, ich kenne sowohl Dietrich Mania als auch Clemens Pasda und habe bei beiden studiert, wenn auch nicht sehr intensiv, ist mir halt zu alt. :oops:


An sich also ein typischer Streit von Altehrwürdigen und Jungspunden!


Das will die Presse daraus machen, speziell dieser Typ von GEO. Offenbar trauen die ihren LeserInnen nicht zu, dass es um eine grundsätzliche methodische Frage geht und brechen es daher mal wieder auf die beteiligten Personen herunter - ein typisches Phänomen unserer Zeit. Aber das trifft es nicht.

Neue Erkenntnisse zu Bilzingsleben
15.07.2005
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/103276/

Die Bibliographie von Clemens Pasda muss ich mal wieder auf den neuesten Stand bringen, da fehlen die letzten drei Jahre:
http://web11.p15166456.pureserver.info/ ... ms-71.html :oops:

Beck, Marcus / Gaupp, Reinhard / Kamradt, Ivonne / Liebermann, Carmen / Pasda, Clemens, Bilzingsleben site formation processes - geoarchaeological investigations of a Middle Pleistocene deposit. Preliminary results of the 2003-2005 excavations. Archäologisches Korrespondenzblatt 37, 2007, 1-18.
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Noch mehr Verwirrung

Beitragvon Trebron » 22.07.2008 20:27

Hi Thomas,

entschuldige bitte die Verwechslung, aber Du siehst Deinem Bruder eben etwas ähnlich :mammut2:

Danke an Wulf, Mark 77 und Krtek für die Erleuchtung.
Eigentlich schade, Pasda hat der Geschichte die ganze Romantik genommen, Mania liest sich viel spannender ( Der weis was die Leute lesen wollen :neandi: ), zumindest Laien wie ich
:mammut1:

Warten wir ab, ob da noch was kommt.

Dank und Gruß

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Beitragvon Mark77 » 22.07.2008 20:42

@Krtek: Mag sein, dass die Presse solche Geschichte immer stark aufbauscht. Tortz dessen hab ich es ja aus Pasdas eigenem Mund gehört, ebenso von einigen Leuten des alten Grabungsteams Manias. "Jung vs. Alt" spielt genauso eine Rolle wie die rein wissenschaftlichen Fragestellungen in diesem Streit. Den Artikel und das Uniprotokoll kenne ich seit es rauskam. Ansich nichts bewegend neues zu den letzten Arbeiten Manias, nur etwas neuer aufgemacht.
Was die Aktualisierung der Bibliographie angeht, wäre ich dir sehr verbunden, wenn das gemacht würde. Frage dazu: Gibt es schon eine Auswertung des Materials vom Sommer 2004 und von 2005? Der Artikel aus dem Arch. Korr. beruht m.W. hauptsächlich auf den Erkenntnissen von den Grabungen 2003 und 2004. Danke schonmal!!
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blinzingsleben

Beitragvon alpenueberquerer » 25.07.2008 19:44

ich glaube es geht gar nicht um jung oder alt, sondern darum das der alte wohl etwas "les affair" dokumentiert hat vieles nicht mehr oder nur noch bedingt nachprüfbar ist,(ich möchte hier nur an die .... himscheinep erinnern), und dadurch der eindruck einer siedlung bei bilzingsleben entstand.
das ist was ich bei einem gespräch mit bekommen habe.
wie viel politik (wg. perstige) in den ddr zeiten gerade dort ein geflossen ist mag ich gar nicht wissen wollen.
alpenueberquerer
 


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