Neues vom Neandertaler

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Neues vom Neandertaler

Beitragvon ulfr » 20.07.2012 09:52

Zwei neue Untersuchungen geben Einblicke in das Alltagsleben der HSN:

Zum einen scheinen die HSN nicht überwiegend Fleisch gegessen zu haben, wie Untersuchungen von Zahnablagerungen ergeben haben:

http://www.nature.com/news/neanderthals ... ns-1.11030

Zum anderen haben die HSN offenbar ihre rechten Arme dauernd belastet, ob beim Jagen oder bei anderen arbeitsintensiven Tätigkeiten ist noch nicht klar:

http://www.telegraph.co.uk/science/evol ... rong.html#
Die Einheimischen auf Borneo glauben, dass die Orang-Utans nur deswegen nicht sprechen, weil sie sonst arbeiten müssten.
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon hugo » 20.07.2012 10:20

In einer anderen Quelle, die ich augenblicklich nicht finde, wurde die Fell/Lederbearbeitung für die Muskelentwicklung verantwortlich gemacht. Mich als einen durch seine Volksschullehrerin ziemlich beschädigten Linkshänder interessiert natürlich die Händigkeit der Neanderthaler. An eine generelle Rechtshändigkeit kann ich nicht glauben.
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon FlintMetz » 20.07.2012 19:51

Einen Tennisarm kann man sich von allem hohlen, das man sehr intensiv betreibt. Die genaue Ursache dafür zu finden, ist oft für heutige Ärzten schon recht schwierig. Das für den HSN noch fest machen zu wollen, ist wohl fern ab jeglicher Realität. Aber das Bild ist immer die Summe seiner einzelnen Teile und man muss wohl davon ausgehen, dass Rechtshändigkeit auch damals die Regel war und das Leben und die Arbeit (welche auch immer) war damals sicherlich kein Zuckerlecken.

Gedanken eines Linkshänders, der sich von extra langen Druckretuschen gelegentlich eine Sehnenscheidenentzündung im Ellbogen holt :D (was jedoch nur ein Technikfehler ist, den ich mir nicht abgewöhnen kann)

Robert
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon Hans T. » 22.07.2012 17:50

Na aber immerhin wird die Zubereitung ordentlicher Lederarbeit für Bekleidung postuliert, also endlich mal Schluss mit Zottelfellen.

H
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon ulfr » 20.02.2015 13:30

Arbeitsteilung nach Geschlechtern bei Neanders? Das wollen spanische Forscher herausgefunden haben:

http://www.eurekalert.org/pub_releases/ ... 021815.php
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon ulfr » 30.03.2015 11:05

http://www.ehu.eus/en/en-content/-/asse ... ol_id%3Dco

"A new study of the remains of a two-year-old child discovered in the 1970s in France have shed new light on Neanderthal anatomy. Among the fossils were a very complete left temporal bone and a complete stapes, or middle ear bone. Virtual reconstruction techniques allowed researchers from the University of the Basque Country to “extract” the tiny ear bone—the most complete one in the Neanderthal record—and study it. The team found significant anatomical differences between the Neanderthal stapes and those found in modern humans. "We do not yet know the relation between these morphological differences and hearing in the Neanderthals. This would constitute a new challenge for the future,” paleontologist Asier Gómez-Olivencia said in a press release. "
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon ulfr » 04.04.2015 13:24

Der fantastische Altamura-Mann konnte anhand des Calcits in den Tropfsteinen auf zwischen 172 - 130 ka datiert werden, seine Knochen wären damit die ältesten Neandertalerrelikte überhaupt. Der Ärmste könnte in eine Quelle gefallen und drin stecken geblieben sein:

http://phys.org/news/2015-04-altamura-y ... l-dna.html
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon Blattspitze » 05.04.2015 15:06

Sehr interessant, danke Ulfr!
OT:
Angesichts der anbrechenden kleidungsarmen Zeit, in der ich im öffentlichen Nahverkehr wieder gezwungen bin, mir diverse Flammen-, Zacken- aber besonders Totenschädel-Grusel-Tattoos als Suchtbekenntnisse anzugucken, ein wunderschönes Befund-Bild:
http://segnireali.it/wp-content/uploads ... 3/NEAN.jpg
http://segnireali.it/?p=764
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon ulfr » 07.01.2016 20:39

Hulesex gjorde os immune ...

Die Dänen :20 :27: ... "Höhlensex mit Neanders machte uns immun und gab uns Allergien"

Weniger spektakulär ist der Artikel in "Cell":

http://www.cell.com/ajhg/fulltext/S0002 ... %2900485-1

aber doch spannend - was wir von den Neandern alles mitbekommen haben ...
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon Turms Kreutzfeldt » 14.01.2016 14:45

ich verschreibe es Dir mal ärztlicherweise auf Deutsch:

http://news.doccheck.com/de/newsletter/2613/17065/

Praxisaufräumer und Ärztinnenbeglücker Turms aus der Geiststraße
Ich bin der Schleuderer, der stets aufschreit und das mit Recht, denn alles was nicht schleudert, ist wert das es auch untergeht, so ist denn alles, was ihr Schleudern nennt, mein eigentliches Element...
nach Hildegunst von Mythenmetz, Erinnerungen
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon ulfr » 05.07.2017 08:40

"Ein internationales Forscherteam hat aus dem Knochen, der auf der Schwäbischen Alb entdeckt wurde, das Erbgut entschlüsselt - mit überraschenden Resultaten: Demnach hat eine Gruppe Urmenschen Afrika schon vor grob 300 000 bis 400 000 Jahren verlassen und sich dann in Europa mit Neandertalern vermischt. "

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/i ... nt.v2.html

https://www.nature.com/articles/ncomms16046
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon LS » 06.07.2017 09:29

Dazu eine "journalistische Perle" vom Tagesspiegel. Wer von den beiden mag wohl der Neandertaler sein...? :)
http://www.tagesspiegel.de/wissen/neue- ... 18048.html
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon Blattspitze » 06.10.2017 12:04

Svante und sein Team haben wieder zugeschlagen:
Neues aus den Überresten einer Neandertalerin aus Vindija (Kroatien):

...
Während man bis vor Kurzem noch von etwa 1,5 bis 2,1 Prozent Neandertaler-DNS im menschlichen Erbgut ausging, deutet das Erbgut von „Vindija 33.19“ darauf hin, dass 1,8 bis 2,6 Prozent des Genoms von Nicht-Afrikanern Neandertal-Genvarianten tragen.

Das bedeutet, dass bei 3,3 Milliarden DNS-Bausteinen im menschlichen Erbgut an insgesamt 85 Millionen Positionen neandertalertypische Varianten vorkommen können. Ein genauerer Blick auf diese Variation zeigt, dass darunter auch Gene sind, die in den Vitamin-D-Haushalt von Hautzellen eingreifen, die den Gehalt von Fetten (LDL-Cholesterin) regulieren oder etwa mit rheumatischen Erkrankungen, Schizophrenie oder Essstörungen zusammenhängen. Das heißt aber nicht, dass die Genvarianten der Neandertaler unbedingt Auslöser der Krankheiten sind, sie können den Erkrankungen auch entgegenwirken.
...
„Wir haben mehrere Erbgutabschnitte gefunden, die ursprünglich vom Neandertaler stammen und zur Hautfarbe beitragen“, sagt Dannemann. Das bedeute aber nicht, dass Neandertaler nur eine bestimmte Hautfarbe hatten. „Haut- und Haarfarbe werden von sehr vielen Genen beeinflusst und deshalb kann man auch nicht sagen, das eine bestimmte Hautfarbe nur vom Neandertaler kommt“, sagt Dannemann. Es gebe Neandertaler-Genvarianten, die eher zu einem helleren Hautton beitragen, aber es gebe auch solche, die zu eher dunkler Haut führen.
Auffällig sei jedoch, dass der Mensch in seinem Erbgut vor allem jene Neandertaler-Genvarianten bewahrt hat, die etwas damit zu tun haben, wie ein Mensch mit Sonnenlicht umgeht. „Neandertaler habe lange in einer Region gelebt, wo andere Umweltbedingungen herrschten als in Afrika“, sagt Dannemann. In Europa hatten Neandertaler neben deutlich kühlerem Klima auch mit weniger Tageslicht zu kämpfen. Im Laufe von 200 000 Jahren sammelten sich in ihrem Erbgut Genvarianten an, mit denen sie an wenig Licht pro Tag besser angepasst waren – die etwa für hellere Haut sorgten und somit genug UV-Strahlung für die Produktion des lebenswichtigen Vitamin D durchließen. „Solche Genvarianten haben sie an Homo sapiens weitergegeben“, sagt Dannemann.

http://www.tagesspiegel.de/wissen/evolu ... 19270.html

http://science.sciencemag.org/content/e ... ce.aao1887
"Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst." Eric Schmidt, ehem. Executive Chairman von Google
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Re: Neues vom Neandertaler

Beitragvon Sculpteur » 08.10.2017 09:49

FlintMetz hat geschrieben:Einen Tennisarm kann man sich von allem hohlen, das man sehr intensiv betreibt.

Vielleicht sind die gejagten Tiere ja immer nach links ausgewichen. :4:
Die hirntechnische Hemisphärensteuerung und damit rechts - links - Koordination hat ja vielleicht auch eine Rolle gespielt.

Beim Tennisarm gibt es Schmerzvariationen, die je nach Tätigkeit manches noch relativ schmerzfrei erlauben, während anderes grenzwertig wird. Interessant wäre in dem Zusammenhang, wenn man heutzutage die Möglichkeit hätte, an einem Neandertalerskelett neben einem Karpaltunnelsyndrom und entsprechenden Verschleißphnomenen einen ausgeprägten Schultergelenkkopfhochstand zu diagnostizieren.

Herzliche Grüße
Keine Frage: Wer aufmerksam mitgelesen und behalten hat, der weiß, was zu tun ist wenn einem das Brotstückchen beim Käsefondue in geselliger Runde zum dritten mal in den Käse gefallen ist...
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